Aufklärung und Kritik 2/2009
[…]
Fabian Wendt analysiert in seiner Dissertation über “Libertäre politische Philosophie” einen Libertarismus, der von einem Minimalstaat ausgeht und legt dar, warum dieser Libertarismus die “reinste Philosophie der Freiheit” darstellt. Im Anschluss untersucht er die Frage, ob diese Gesellschaftsvorstellung praktischen Bestand haben und wünschenswert sein kann.
[…]
Wendt - der, wie erwähnt, von einem Minimalstaats-Modell ausgeht -, diskutiert in zwei großen Kapiteln zunächst Grundbegriffe, den der Freiheit und den des Rechts. Die Gemengelage aus individuellen und kollektiven Interessen und die Ausübung von direktem, indirektem oder antizipierendem Zwang durch alle Akteure führt zu einer Beschneidung individueller Handlungsfreiheit. (Auch die individuelle Interessenlage, in gewisser Hinsicht also die Willensfreiheit, ist selbst natürlich auch nicht bedingungslos, sondern an sich schon sozial motiviert und kosntruiert.) Wendt bespricht Verantwortungs- und Gesinnungsethik (Urheberschaft und Intentionalität) sowie die theoretische Überlegung, wie frei Handeln und Wollen sein können. Im Anschluss daran erfolgt ein Überblick über libertäre politische Philosophien und deren moralische Letztbegründbarkeit. Abschließend kommt Wendt zu der Überzeugung, dass es sich beim Libertarismus zwar um eine “kraftvolle und elegante politische Philosophie” handelt, dass ihr aber eine moralische Legitimation fehlt.
In seinem zusammenfassenden Ausblick plädiert Wendt dann dafür, das individuelle Recht auf Freiheit in der politischen Philosophie stärker zu gewichten und ihm in Denken und Handeln mehr Platz einzuräumen. Angesichts des omnipräsenten Scheiterns von konservativen und repressiven Instrumenten im gesellschaftlichen Diskurs kann man dem nur zustimmen. Ob es dafür eines Staates bedarf, kann man weiter diskutieren; die desillusionierenden Erfahrungen mit staatlichem Gewaltmonopol des 20. Jahrhunderts und das Scheitern seines Eingreifens in Marktmechanismen in der aktuellen Wirtschaftskrise sprechen nicht unbedingt für ihn. Die Beschäftigung mit post-nationalstaatlichen Ordnungsentwürfen von Gesellschaft ist also dringend geboten. Diese (lesenswerte) Publikation leistet ihren Beitrag dazu.
|