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»Zeitschrift für philosophische Forschung« Band 59, Heft 4, Oktober - Dezember 2005

Bevor Nelson Goodmans vernichtende Kritik ihm neues Leben einhauchte, spielte der Repräsentationsbegriff in der Philosophie des 20. Jahrhunderts keine nennenswerte Rolle - mit dieser radikalen These eröffnet Andreas Bartels sein Buch Strukturale Repräsentation (SR). Tatsächlich kritisierte Goodman einen naiven, auf Ähnlichkeit beruhenden Repräsentationsbegriff und schuf damit indirekt, so Bartels, Raum für einen Ansatz, dem zufolge Repräsentation wenig mit Ähnlichkeit, aber dafür einiges mit Strukturerhaltung zu tun hat. Um diesen Begriff der strukturerhaltenden - oder strukturalen - Repräsentation geht es in Bartels' Buch.
SR hat zwei Teile mit drei bzw. fünf Kapiteln. Im ersten Teil »Probleme des strukturalen Repräsentationsbegriffs« erörtert der Verfasser die grundlegende philosophische Problematik des Repräsentationsbegriffs. Insbesondere möchte er zeigen, daß ein strukturaler, d. h. auf Strukturerhaltung basierender Repräsentationsbegriff nicht von Goodmans Kritik betroffen ist. Im zweiten, etwas längeren Teil »Wissenschaftliche und natürliche Repräsentation« erörtert er eine Reihe von Anwendungen des strukturalen Repräsentationsbegriffs in verschiedenen Wissensbereichen. Im letzten Kapitel geht er kurz auf die klassische Problematik der Beziehung von Repräsentation und Realismus ein. Die vorliegende Rezension folgt diesem Aufbau. [...]
SR bietet auf knappem Raum eine gute Einführung in die aktuelle philosophische Diskussion des Repräsentationsbegriffs. Die Geschichte des Repräsentationsbegriffs wird allerdings etwas stiefmütterlich behandelt: »Vor Goodman« spielte Repräsention in der Philosophie des 20. Jahrhunderts durchaus eine Rolle - Autoren wie Peirce, Cassirer, Langer und vorher Duhem, Helmholtz oder Hertz belegen das. Auch eine moderne Theorie der strukturalen Repräsentation tät gut daran, diese Autoren nicht völlig zu ignorieren. Ein Beleg dafür ist die Tatsache, daß Bartels im vorletzten Kapitel von SR Repräsentationen als »freie Schöpfung« charakterisiert und somit zu Einsichten gelangt, die schon in Cassirers Konzeption von »Symbolen als freie Schöpfung des menschlichen Geistes« zu finden sind.
Sieht man von einigen »denglischen« Neologismen ab, ist das Buch in einer klaren und unprädentiösen Sprache geschrieben, was es insbesondere für Anfänger geeignet macht.
Eine kritische Bemerkung zur Ausstattung von SR. Das Buch hat weder ein Sachverzeichnis noch ein Personenverzeichnis. Das mindert den Gebrauchswert dieser ansonsten sehr empfehlenswerten Einführung in die philosophische Thematik des Repräsentationsbegriffs unnötigerweise.


Thomas Mormann, Donostica-San Sebastián


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Über den Autor/in

Andreas Bartels

geb. 1953. Studium der Philosophie, Mathematik und Physik in Gießen. Promotion 1984 in...
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Inhaltsverzeichnis

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Einleitung

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Rezension

»Zeitschrift für philosophische Forschung« Band 59, Heft 4, Oktober - Dezember 2005

Bevor Nelson Goodmans vernichtende Kritik ihm neues Leben...

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