Facebook Icon.png 
Sie befinden sich hier:
Programm  |  Reihen | Periodika  |  ethica

FAPI-Nachrichten – Das Internet-Magazin für antipsychiatrische Rezensionen.

Antworten aller Coleur auf Fragen nach den individuellen und gesellschaftlichen Folgen von Enhancement-Praktiken (biomedizinische Techniken zur "Verbesserung" als gesund geltender Menschen). Welche moralischen Probleme können sich angesichts realistisch gewordener Enhancement-Möglichkeiten ergeben? Wie problematisch ist die biomedizinische Manipulation von Körpergröße oder Hautfarbe zwecks Überwindung von Stigmatisierung und Diskriminierung?


Kann das Dopingverbot im Sport als Schutz vor einem normativen Zugzwang aller Sportler auch auf andere gesellschaftliche Bereiche übertragen werden, zum Beispiel das Gehirndoping in der Schule? Wie unmoralisch müssen kosmetische Schönheitsoperationen begründet sein, damit die beteiligten Ärzte als Erfüllungsgehilfen abzulehnender Ideologien zu bezichtigen sind? Verhindert das Ausbleiben durch stimmungsaufhellende Psychopharmaka unterdrückter Entfremdungsgefühle sowie negative emotionale Reaktionen nicht die behauptete Förderung von Persönlichkeitsentwicklung und Authentizität? Oder wird man durch Psychopharmaka authentischer? Führt die Medikalisierung von Erziehungsaufgaben nicht zu einer Verarmung der Kindheit, zum Verlust richtigen Lernens, zur Homogenisierung der menschlichen Temperamente und zur weiteren Steigerung der Leistungsanforderungen? Besteht der Preis des Anti-Aging-Enhancement nicht in verminderter Lebensqualität? Der sorgfältig gestaltete Sammelband enthält grundlegende klassische – teils feuilletonistisch, teis wissenschaftlich verfasste – Texte der Enhancement-Debatte aus den letzten zehn Jahren, vorwiegend aus dem anglo-amerikanischen Sprachraum, insofern spielen sich die Diskussionen ausschließlich in den westlichen Kulturen ab. Eine Ausnahme stellt der deutsche Philosoph Jürgen Habermas dar, der in seinem Aufsatz "Das Gewachsene und das Gemachte" auf den prinzipiellen Unterschied zwischen erzieherischen Maßnahmen und gentechnischen Manipulationen verweist: Von den ersten können sich die Betroffenen später noch distanzieren, letztere bieten diese Option nicht mehr. Eine normative Bewertung (und Gutheißung) schließe sich aus, solange man die Perspektive der betroffenen Person nicht einnehmen kann. Für Einsteiger in die Enhancement-Diskussion ist das Buch eine wahre Fundgrube. Dabei verhindert die Vielfalt der dargestellten Positionen, dass man sich allzu leicht von logisch klingenden Begründungen vereinnahmen lässt.

Peter Lehmann


Sie finden die Rezension unter folgendem Link:
http://www.antipsychiatrieverlag.de/fapi/nachrichten-p.htm#schoene1


zurück
 

Die Herausgeber/innen

Bettina Schöne-Seifert

geb. 1956, Studium der Humanmedizin und Philosophie in Freiburg, Wien und Göttingen. Med....
mehr
..................................................

Davinia Talbot

Studium der Humanmedizin, Philosophie und Anglistik in Münster, Witten-Herdecke und York....
mehr

Inhaltsverzeichnis

PDF, 68 KB
Download

Einleitung

PDF, 74 KB
Download

Rezension

PDF, 106 KB
Download

Rezension

Frankfurter Allgemeine Zeitung, Neue Sachbücher, 25.06.2009

mehr


Rezension

Deutsches Ärzteblatt 27, Ausgabe A, 3. Juli 2009

mehr

Rezension

FAPI-Nachrichten – Das Internet-Magazin für antipsychiatrische Rezensionen.

mehr


Rezension

Imago Hominis, Band 16, Heft 4, 2009

mehr

Rezension

Ärzteblatt Sachsen 3/2010

mehr