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Ethica, 2004

Das vorliegende Buch ist entstanden als Expertenbericht für die Eidgenössische Ethikkommission für die Gentechnik im außerhumanen Bereich (EKAH), die eine Stellungnahme zur Anpassung des eidgenössischen Patentrechts an die Biotechnologie-Richtlinie der Europäischen Union abgeben sollte. Die Autoren ANWANDER, BACHMANN, RIPPE und SCHABER haben den Text - wie sie ausdrücklich bemerken - als Philosophen geschrieben, die eine ethische Analyse der Möglichkeit, Gene zu patentieren, durchführen sollten. Das Buch ist in fünf Kapitel eingeteilt. Im ersten Kapitel werden der patentrechtliche Hintergrund beschrieben: was sind Patente, Zwecke des Patentrechts, Gene im Patentrecht, internationale Verhältnisse, die ethische Generalklausel des EU-Patentrechts und seine moralischen Dimensionen. Das zweite Kapitel thematisiert erste Einwände gegen die Patentierung von Genen: Gene seien keine Erfindungen, sondern Entdeckungen, es wird die Bedeutung des Begriffs der Kommodifizierung und der Würde diskutiert und die Patentierung von Lebewesen, Menschengenen und menschlichen Organen genauer untersucht. Thema des dritten Kapitels ist die moralische Relevanz der patentrechtlichen Unterscheidung von Erfindung und Entdeckung. D. h., die im zweiten Kapitel bereits aufgeworfenen Fragen werden hier detaillierter untersucht. Im vierten Kapitel wird das Konzept des Erbes der Menschheit und seine Tauglichkeit als Argumentation gegen die Patentierung von Genen diskutiert. Es erweist sich, dass die Rede vom Erbe der Menschheit sehr unscharf und mit einer Reihe unterschiedlicher Bedeutungen belegt ist. Zudem wird das fair-use-Konzept als Argumentationsfigur gegen Patente auf Gene thematisiert. Das fünfte und letzte Kapitel hat den Zweck, die Patentierung von Genen und die Rechte indigener
Gemeinschaften und der Herkunftsstaaten genetischer Ressourcen gegenüber zu stellen. Dabei stellt sich heraus, dass auch die Argumentation über Gruppenrechte ihre moralischen Fallstricke besitzt und dass beispielsweise die Partizipation der Herkunftsstaaten oder auch indigener Gemeinschaften an den Gewinnen aus Genpatenten sowohl im „technischen“ Sinne als auch moralisch problematisch ist. Sowohl Vorzug als auch Nachteil des Buches ist seine Kürze. Vorzug deshalb, weil es erlaubt, einen schnellen Überblick über den Problemkreis zu erwerben. Nachteil, weil viele der moralischen Probleme allenfalls angerissen werden konnten. Die einzelnen Abschnitte sind oftmals gerade eine Seite lang es ist jedoch zu bezweifeln, ob man Konzepte wie z. B. jenes der kreatürlichen Würde in dieser Kürze bearbeiten kann. Ähnliches gilt für die einzelnen Kapitel. So kann man etwa der Diskussion um die Rechte indigener Gemeinschaften auf 17 Seiten nicht gerecht werden. Notwendigerweise müssen die Autoren die umfangreiche Diskussion im Rahmen der politischen Philosophie um das Verhältnis von Individual- und Gruppenrechten unterschlagen. Ebenso gilt es zu beachten, dass es; in der Ethikdebatte genauso wie in der: politischen Philosophie nicht nur konsequentialistische Überlegungen zu den verhandelten Fragen gibt - der Hinweis der Autoren auf equity- und fair-use-Konzepte kann dies allenfalls andeuten. Doch trotz dieser Kritikpunkte eigne sich das Buch als möglicher Einstieg in die Diskussion um die Patentfähigkeit von Genen. Die angegebene Literatur ist zu guten Teilen sehr aktuell - wer also mehr wissen möchte, findet auf dies Weise weiteres Material.



Karsten Weber


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Die Herausgeber/innen

Norbert Anwander

Studium der Philosophie, Germanistik und Anglistik in Zürich und Oxford; 2006 Promotion in...
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Andreas Bachmann

geb. 1962, Studium der Philosophie, Germanistik und Anglistik in Zürich. Nach Abschluss des...
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Klaus Peter Rippe

ist Professor für Praktische Philosophie an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe. Er wirkte...
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Peter Schaber

Studium der Philosophie, Linguistik und Literaturkritik in Zürich; Forschungsaufenthalte in...
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Inhaltsverzeichnis

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Einleitung

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Rezension

Ethica, 2004

Das vorliegende Buch ist entstanden als Expertenbericht...

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