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Journal für Philosophie »Der blaue Reiter - Freiheit«, Nr. 22

Leben Menschen, die sich durch ein hohes Maß an Moralität und Rationalität auszeichnen, gut? Ist ein an der Vernunft orientiertes, moralisches Leben auch immer ein gelungenes? Diesen Fragestellungen geht die Autorin systematisch auf den Grund. Sie benennt sie Defizite der Extrempositionen und fügt diese in einer Skizze des »gelungenen Lebens« konstruktiv zusammen.



Ein enger Zusammenhang von Moral und Rationalität ist charakteristisch für die beiden wichtigsten modernen Moralkonzeptionen, die kantische Moralphilosophie und den Utilitarismus (einer nicht an Prinzipien, sondern nur am Nutzen orientierten Ethik). Die rationale Begründung von Ethik wird jedoch von Befürwortern einer Ethik des »gelungenen Lebens«, wie sie zum Beispiel von Aristoteles entwickelt wurde, einer fundamentalen Kritik unterzogen. Sie widersprechen vehement der Auffassung, dass Subjektivität und Glück stets zurückzustehen haben hinter rational gerechtfertigten moralischen Regeln. Mit beiden Extrempositionen sind zugleich weit reichende Konsequenzen verbunden. Die Vertreter einer rationalen Ethik beharren auf dem objektiven Geltungsanspruch der Moral, die mit Hilfe der Vernunft begründet werden kann. Eine abstrakte und universelle normative Geltung beanspruchende Rechtfertigung moralischer Regeln spannt den Rahmen auf, innerhalb dessen sich pluralistische Weltanschauungen entfalten können. Anhänger einer Ethik des »gelungenen Lebens« stellen diesen objektivistischen Geltungsanspruch prinzipiell in Frage. Die Vorstellung eines gelungenen Lebens sei konkret mit der Identität einer Person verbunden, an Tugenden und Idealen orientiert und letzten Endes nur subjektiv zu beurteilen.
Der große Vorzug der vorliegenden Analyse liegt in der vorurteilsfreien Gegenüberstellung, Hinterfragung und Zusammenführung dieser gegensätzlichen Standpunkte. Aufbauend auf einer klaren und eindeutigen Charakterisierung der rationalen Ethik werden die Einwände der Gegenseite ernst genommen und auf ihren systematischen Gehalt hin überprüft.
Eine Skizze beziehungsweise Strukturanalyse der Ethik des gelungenen Lebens baut auf der Hypothese auf, dass nur ein Leben, das subjektive Anreize bietet und zugleich objektiv wert ist, als gelungenes Leben gelten kann. Die Spannung zwischen den Vorstellungen von moralisch gutem beziehungsweise vernünftigem Leben auf der einen und den Vorstellungen vom gelungenen Leben auf der anderen Seite muss aufrechterhalten werden. Es handelt sich nicht um ein Nebeneinander sich wechselseitig ausschließender Zustände von Personen, so Özmen, sondern vielmehr um ein permanentes Ineinandergreifen von abstraktem Lebensplan und konkreten Einzelhandlungen. Neben dieser gelungenen Auflösung der scheinbaren Gegensätze durch eine objektivistische, aber individuelle Konzeption der Ethik des gelungenen Lebens enthält das Buch eine Vielzahl von philosophischen Analysen und Klärungen lebensweltlicher Vorurteile.
Da die Autorin auf wissenschaftlich hohem Niveau die Frage nach dem gelungenen Leben gleichwohl in verständlicher Sprache behandelt, ist das Buch trotz des für eine Doktorarbeit unumgänglichen wissenschaftlichen Apparats auch für an ethischen Grundsatzfragen interessierte Nicht-Berufsphilosophen eine anregende Lektüre. Dies vor allem auch, weil Özmen der überaus vernünftigen Überzeugung ist, dass es nicht »zu den Aufgaben der Moralphilosophie gehört, eine erschöpfende Antwort auf die Frage, wie zu leben gut ist, zu geben«.


Jens Hinkmann


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Über den Autor/in

Elif Özmen

geb. 1974, Studium der Philosophie, Wissenschaftsgeschichte, Deutschen Philologie in...
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Inhaltsverzeichnis

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Einleitung

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