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Zeitschrift für philosophische Forschung, Band 61|Heft 3, Juli-September 2007

Ethische Grenzen journalistischer Berichterstattung werden seit längerem in der Öffentlichkeit eingefordert, insbesndere Veröffentlichungen über Privates lösen Debatten um die Selbstverpflichtung des Journalismus aus. Besonderes Aufsehen erregen Fälle, in denen über das Privatleben von Prominenten ohne deren Zustimmung berichtet wurde, aber auch die freiwillige oder unfreiwillige Zurschaustellung des Privatlebens von nichtprominenten Bürgern wird scharf diskutiet. Müßigbrodt stellt zu Beginn seiner Studie eine Auswahl solcher Fälle vor, von der Barschelaffaire, dem Tod von Lady Di, über Big Brother bis hin zur Clintonaffaire.


Das Ziel der Untersuchung ist es, zu klären, welche Grenze die Privatsphäre einer ethischen legitimen Berichterstattung setzt; dabei orientiert sich Müßigbrodt an drei Leitfragen: Was sind die Grenzen zwischen Privat und Öffentlichkeit? Wie soll man zwischen öffentlichen Interessen und dem Privaten abwägen? Und schließlich: Was sind absolute Grenzen der Berichterstattung?


[…]


In kontraktualistischen Ansätzen sieht Müßigbrodt eine Möglichkeit, zwischen Privatsphäre und Pressefreiheit abzuwägen. Er bezieht sich zunächst auf die »Zweck-an-Sich-Formel« des Kategorischen Imperativs (Abschn. 2.5). Nach dieser Formel sind Handlungen dann moralisch illegitim, wenn sie den Menschen ausschließlich als Mittel zum Zweck behandeln; demnach ist eine Einschränkung der Privatsphäre im Journalismus nur dann legitim, wenn die Person explizit oder implizit zustimmt.


Für einige Fälle reicht dieses Kriterium noch nicht aus. Weitere Kriterien entwickelt Müßigbrodt anhand einiger Überlegungen von John Rawls (Abschn. 2.6). Nach dem Vorbild des Schleiers des Nichtwissens muss eine Beratung über den bestmöglichen Ausgleich zwischen Privatsphäre und Pressefreiheit unter Unkenntnis der eigenen Position stattfindet; das Differenzprinzip gebietet einen größtmöglichen Schutz für die schwächsten Akteure, das wären insbesondere Handelnde, deren Privatsphäre unfreiwillig beeinträchtigt würde.

Müßigbrodts Buch ist eine gelungene Anwendung von philosophischer Theorie auf die Praxis. Insbesondere die Verbindung von Kant und Rawls ermöglicht es, trotz »aller Vagheiten [des] Kontraktualismus Rawlsscher Prägung« (187), Grundrechte mit den gesellschaftlichen Bedingungen der Journalismusethik zu verbinden.


 


Michael Lindner, Tübingen


 


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Über den Autor/in

Klaus Müßigbrodt

geb. 1974, Studium der Philosophie, Publizistik und Kommunikationswissenschaft sowie der...
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Inhaltsverzeichnis

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Einleitung

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