Einleitende Bemerkungen

In: Methodologische Signaturen
Author: Martin Böhnert
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Einleitende Bemerkungen

Tiere sind in der aktuellen philosophischen Diskussion zu einem wichtigen und vielfältigen Diskursgegenstand geworden. Die Ausflaggung einer dezidierten Tierphilosophie ist spätestens seit der von dem Philosophen Markus Wild veröffentlichten Einführung Beleg hierfür.1 Wild subsumiert unter diesem Begriff drei voneinander zu unterscheidende Zugriffe auf Tiere und formuliert drei Kernfragen, deren Bearbeitung die Aufgabe der Tierphilosophie in einem engeren Sinne darstelle: »Können wir Tieren Geist zuschreiben? Worin besteht der Unterschied zwischen Mensch und Tier? Wie sollen wir uns Tieren gegenüber moralisch verhalten?«2 Damit lassen sich die zu bewältigenden Aufgaben der von Wild als eigenständig modellierten Tierphilosophie auch drei klassischen Teilgebieten der Philosophie zuordnen. Unter i) theoretischen Vorzeichen werden etwa aus Perspektive einer Philosophie des Geistes oder einer analytischen Sprachphilosophie Tiere als eine Art Probierstein verhandelt, anhand dessen grundsätzliche Fragen nach Geist und Sprache (neu) diskutiert werden. Unter ii) anthropologischen Vorzeichen wird die Frage nach dem Menschen ex negativo anhand von dezidierten Tier-Mensch-Unterschieden verhandelt und im Sinne einer philosophischen Anthropologie nach einer Differenz gesucht, die die Alleinstellung der Menschen unter allen anderen Tieren erklärt. Unter iii) praktischen Vorzeichen schließlich werden die vielseitigen Tier-Mensch-Beziehungen unserer Alltagswelt aus Perspektive der Ethik moralischen Reflexionen unterzogen. So aufgefasst ließe sich fragen, ob jedwede Beschäftigung mit diesen Fragestellungen gleichwohl bedeute, dass man sich tierphilosophisch betätige, oder anders, ob beispielsweise der Philosoph John Searle, da er sich aus Perspektive einer analytischen Philosophie des Geistes auch mit dem Geist von Tieren beschäftigt, ein Tierphilosoph sei. Die Antwort lautet »Nein«, denn im Kontrast zur Delegation der tierphilosophisch relevanten Fragefelder an die vorgeschlagenen Teilgebiete, nehme die Tierphilosophie eine bestimmte programmatische Haltung ein, die von den Thesen ausgehe, »dass wir sprachlosen Tieren genuine geistige Fähigkeiten zuschreiben können, dass es keinen einen prinzipiellen Unterschied zwischen Mensch und Tier gibt und dass wir gegenüber nicht-menschlichen Tieren direkte moralische Pflichten haben.«3 Alle drei Bereiche einer Tierphilosophie im weiteren Sinn, d. h. einer nicht notwendig die programmatischen Grundannahmen teilenden philosophischen Reflexion zu Tieren als Diskursgegenstand, erfahren wachsende Aufmerksamkeit. Dieses lässt sich allein anhand der deutschsprachigen Publikationen zu diesen Themenfeldern in den letzten 15 Jahren eindrücklich zeigen. Darunter finden sich Überblickswerke zu aktuellen Methoden- und Theoriediskussionen sowie Neuzusammenstellungen klassischer Texte der Philosophiegeschichte unter den Vorzeichen einer Ausrichtung auf Tiere, aber auch neu konzipierte Einführungswerke zur Vermittlung von Grundpositionen, Veröffentlichungen mit Stellungnahmen zu den aufgeworfenen Fragen, bei denen sich selbst Autorinnen und Autoren in die Diskussion einbringen, die zuvor wenig genuine Schnittmengen mit der Thematik aufwiesen und schließlich populärphilosophische Aufbereitungen des Themenfeldes.4

In allen drei dieser philosophischen Bezugnahmen auf Tiere wird sich darum bemüht, die je eigenen Ansätze und Positionen mit den gegenwärtigen Befunden der naturwissenschaftlichen Tierforschung abzugleichen, um nicht hinter deren aktuellen Kenntnisstand zurückzufallen.5 Dieses Bemühen lässt sich auch als ein Versuch der Überwindung des Topos der aus dem Lehnstuhl heraus operierenden Philosophie verstehen, ganz im Sinne der Kritik des Philosophen Daniel Dennett, der bereits 1988 dazu auffordert, das Gespräch mit Forschenden thematisch angrenzender Disziplinen zu suchen.6 Entsprechend eröffnet Wild seine Tierphilosophie auch mit knappen Skizzen aktueller Befunde zu Ameisen, Grabwespen, Seehasen, Kiefernhähern, Regenpfeifern, Raben, grünen Meerkatzen, Schimpansen, Hunden, Gorillas und Papageien.7 Inwiefern empirische Befunde der Tierforschung relevant für philosophische Diskurse, und wie eng die drei von Wild aufgestellten Kernfragen der Tierphilosophie miteinander verwoben sind, wird rasch deutlich, wenn man ein hypothetisches Fallbeispiel konstruiert: Unter der Annahme, die empirischen Befunde der Tierforschung würden nahelegen, dass bestimmte Tiere über Bewusstsein und Intentionalität verfügten, von denen dies bislang nicht angenommen wurde, hätte diese Erkenntnis vermutlich auch Einfluss auf philosophische Konzeptionierungen von Geist, würde Zweifel an bestimmten Grenzziehungen zwischen Menschen und Tieren aufkommen lassen und schließlich Anlass dazu bieten, unseren praktischen Umgang mit jenen Tieren unter moralischen Gesichtspunkten zu überdenken. Historische Fallbeispiele zeigen, wie etwa die Befunde des Psychologen Wolfgang Köhler in seinen zu Beginn des 20. Jahrhunderts durchgeführten Versuchen zum Werkzeuggebrauch bei Schimpansen,8 Einzug in die zeitgenössische philosophische Reflexion fanden.9

Auch wenn, wie Wild schreibt, »für die Tierphilosophie nicht alle Naturwissenschaften einschlägig sind, sondern beispielsweise die Evolutionstheorie, die Zoologie und vor allem die Ethologie und deren besondere Disziplinen wie etwa die Primatologie«,10 dann bedeutet diese enge Bindung tierphilosophischer Positionierungen an empirische Befunde selbstverständlich auch, dass der Zugang zu Tieren und die Kenntnis über deren Fähigkeiten maßgeblich durch die naturwissenschaftliche Forschung vermittelt wird. Trotz der deutlich herausgestellten Relevanz dieser Forschung und ihrer Befundlage, ist deren philosophische Reflexion nicht Bestandteil der von Wild identifizierten tierphilosophischen Trias. Auch wenn die naturwissenschaftliche Forschungspraxis von den sich spätestens seit den 1990er Jahren zunächst im anglo-amerikanischen Raum etablierten Human-Animal-Studies unter historischen, kulturellen, sozialen oder gesellschaftspolitischen Vorzeichen in den Blick genommen wird11 und dies seit den 2010er Jahren auch für die sich im deutschsprachigen Raum zahlreich entwickelten Forschungszentren, Arbeitsgruppen und Vereinigungen sowie deren Publikationen gilt,12 findet eine dezidiert wissenschaftsphilosophische Reflexion der empirischen Forschung erst in jüngster Zeit statt. Würde man diesen als Philosophie der Tierforschung13 eingeführten Themenbereich im Sinne einer Erweiterung der von Wild vorgeschlagenen Programmatik betrachten – was an dieser Stelle nicht die Absicht ist –, dann ließe sich darüber sagen, dass damit unter wissenschaftsphilosophischen Vorzeichen die empirische Erforschung von tierlichen14 Fähigkeiten unter Berücksichtigung epistemologischer Bedingtheiten reflektiert wird. Trotz des so umfassenden wie elaborierten aktuellen Forschungsstandes zu den einzelnen Teilbereichen der Tierphilosophie bzw. der philosophischen Reflexion zu Tieren in den genannten Dimensionen einerseits und der immer aktuellen Debatten- und Forschungsbeiträge innerhalb der Wissenschaftsphilosophie andererseits, nimmt die Philosophie der Tierforschung somit ein Forschungsdesiderat in den Blick, welches einen neuen Gegenstandsbereich erschließt und ganz eigene Fragestellungen aufwirft. Entsprechend könnte dann als übergreifende vierte Frage in Wilds Kanon aufgenommen werden: Wie wissen wir, ob Tiere denken können?

Hierzu vier Bemerkungen. Erstens wird es nicht Gegenstand der vorliegenden Arbeit sein, der Frage nachzugehen, ob Tiere denken können, sondern lediglich wie Wissen über diese Frage gewonnen wird. Zweitens ist die Fragestellung nur der hypothetischen Einreihung in Wilds Fragenkatalog wegen so eng formuliert.15 Tatsächlich geht es im viel weiter gefassten Sinne darum, unter welchen epistemischen Bedingungen die empirisch verfahrende Tierforschung Wissen über (welche?) Vermögen kognitiver Art von (welchen?) Tieren gewinnt, also nicht nur bezogen auf etwaiges Denkvermögen – was auch immer darunter zu verstehen sein mag. Drittens geht es auch nicht darum, und kann es auch gar nicht die Absicht sein, zu klären, ob die empirischen Befunde über tierlichen Geist wahr oder falsch sind, sondern vielmehr um den Nachvollzug der epistemischen Rahmung dieser Befunde. Und viertens verfolge ich in dieser Arbeit nicht die Programmatik der Tierphilosophie im engeren Sinne, verstehe sie aber deutlich als Teil der erwähnten Philosophie der Tierforschung.

In meiner Bearbeitung orientiere ich mich grob an einer von der Philosophin Helen Longino vorgeschlagenen zweischrittigen Bewegung zur wissenschaftstheoretischen Reflexion empirisch gewonnenen Wissens. Longino schreibt: »The first step […] is to abandon the idea that scrutiny of the data yields a seamless web of knowledge. The second is to think through a particular field and try to understand just what its unstated and fundamental assumptions are and how they influence the course of inquiry.«16 Der erste Schritt, das Aufgeben der Vorstellung davon, dass ein noch so sorgfältiger Blick auf empirische Daten allein ein nahtloses Netz an Wissen ergäbe, steht nicht nur im Einklang mit aktuellen Entwicklungen der Wissenschaftsforschung,17 sondern auch mit solchen Ansätzen, die längst als Klassiker der Wissenschaftstheorie aufgefasst werden dürfen.18 Dennoch bedeutet dies, dass ich hiermit auch eine bestimmte intellektuelle Haltung einnehme, eine von »denkhistorischen und sozialen Bedingungen«19 geprägte Anschauungsweise von Wissenschaftlichkeit, die von anderer Seite her kritisiert werden kann. Im Vollzug der vorliegenden Bearbeitung wird daher die dieser zugrundeliegende Haltung immer wieder durchschimmern und auch durchschimmern müssen, denn »alles Bekräften und Entkräften einer Annahme geschieht schon innerhalb eines Systems«, wie der Philosoph Ludwig Wittgenstein schreibt und weiter ausführt: »Und zwar ist dies System nicht ein mehr oder weniger willkürlicher und zweifelhafter Anfangspunkt aller unserer Argumente, sondern es gehört zum Wesen dessen, was wir ein Argument nennen.«20 Diesem Gedanken zu folgen heißt auch, dass, wenn ich mit dem Bezug auf eine Haltung betone, dass erst in einer bestimmten Rahmung etwas als etwas erscheint, ich eine solche Rahmung auch anderen zugestehen muss, was unmittelbar auf den zweiten Schritt in Longinos Bewegung verweist. Es wird darum gehen, ungenannte und fundamentale Vorannahmen – Haltungen, Dispositionen, Überzeugungen oder mit der wissenschaftstheoretischen Terminologie des Mediziners Ludwik Fleck »Denkstile«21 – eines ausgewählten Forschungsfeldes herauszustellen und deren Einfluss auf verschiedene Aspekte der Forschung und ihrer Befunde zu beleuchten. Zudem, und dies wird ein Ziel der Arbeit sein, sollen diese Vorannahmen so strukturiert werden, dass sich verschiedene Forschungsansätze systematisch miteinander vergleichen lassen.

Dass Longino dieses Vorgehen im Kontext der Frage nach den Bedingungen einer feministischen Wissenschaft darlegt, bedarf zweier Anmerkungen. Erstens ist das Bezugssystem feministischer Theorien, Modelle, Methoden und Forschungspraktiken kein willkürlich assoziierter Kontext für mein Interesse. Tatsächlich haben gerade Wissenschaftlerinnen mit ihren Ansätzen die umfassende Erforschung von Tieren, insbesondere von Primaten bedeutend beeinflusst, so dass deren theorie- und methodenkritischen Beiträge gar als eine der »erfolgreichsten Interventionen innerhalb der Biologie«22 wahrgenommen werden. Die Primatologin Sarah Blaffer Hrdy formuliert pointiert das Bestreben der Forscherinnen »to correct a bias within evolutionary biology, to expand the concept of ›human nature‹ to include both sexes.«23 Die Forschungsansätze dieser Primatologinnen zeichnen sich dadurch aus, dass sie normalwissenschaftliche Praktiken und Theorien zur Disposition stellen und so etwa Kritik auf methodologischer Ebene üben, weibliche Primaten als Forschungsgegenstände ins Zentrum rücken und etablierte Theorien durch die Befunde sich veränderter Beobachtungssituationen revidieren. Es muss jedoch betont werden, dass nicht alle diese Forscherinnen gleichsam Feministinnen sind oder waren, selbst dann nicht, wenn sie mit den Zielen feministischer Wissenschaftskonzeptionen übereinstimmen. Dass Longino in ihrer Wissenschaftsphilosophie dezidiert feministische Perspektiven einnimmt und wissenschaftliches Wissen unter der Perspektive einer feministischen Epistemologie reflektiert, zeigt vielmehr – wenig überraschend –, dass sie selbst auch fundamentale Vorannahmen trifft, sie diese jedoch nicht unbenannt lässt, sondern deutlich in ihren Arbeiten artikuliert.24 Dieses Offenlegen der eigenen Vorannahmen oder der wissenschaftlichen Haltung möchte auch ich, soweit es mir möglich ist, d. h. sofern mir meine eigenen Vorannahmen deutlich sind, umsetzen.

Zweitens hebt sich mein Vorhaben trotz der Übereinstimmung in der Herangehensweise, deutlich in seiner Zielsetzung von Longinos Vorhaben ab. Es geht mir nicht darum, durch das Analysieren von ungeäußerten Vorannahmen in Forschungsansätzen eines bestimmten Feldes einen dort zu vermutenden »Bias«25 zu identifizieren, zu reflektieren und ggf. zu revidieren, womit immer auch ein normativer Eingriff einhergeht. Im Falle einer unter feministischen Vorzeichen verfahrenden Wissenschaftstheorie ist dies zweifelsohne angemessen und ich möchte dieses Vorgehen in keiner Weise kritisieren. Im Gegenteil, ich halte gerade die im Feld der Primatologie gemachten kritischen Einwände für höchst fruchtbar.26 Mir geht es hingegen, wie bereits dargelegt, um die Möglichkeit eines systematischen Vergleichs von Ansätzen eines bestimmten Forschungsfeldes, zu dessen Vorstrukturierung ich eben jene Hintergrundannahmen herausstellen und analysieren möchte. Was von Longinos reflektierender Bewegung noch zu konkretisieren bleibt, ist der zu untersuchende Wissenschaftsbereich. Dies wird Gegenstand des folgenden Kapitels sein.

1

Vgl. Wild, M. (2008). Tierphilosophie zur Einführung. Hamburg: Junius.

2

Ebd., S. 20.

3

Wild, M. (2012). Tierphilosophie. In: Erwägen, Wissen, Ethik, 23(1), S. 21–33, hier S. 21, Hervorhebung im Original.

4

Zu Methoden- und Theoriediskussionen siehe etwa Perler, D.; Wild, M. (Hrsg.) (2005). Der Geist der Tiere. Philosophische Texte zu einer aktuellen Diskussion. Frankfurt a. M.: Suhrkamp; Liessmann, K. P. (Hrsg.) (2013). Tiere: der Mensch und seine Natur. Wien: Zsolnay; Schmitz, F. (Hrsg.) (2014). Tierethik. Grundlagentexte. Frankfurt a. M.: Suhrkamp. Zu Neuzusammenstellungen klassischer Texte siehe etwa Wolf, U.; Bischoff, O. (Hrsg.) (2008). Texte zur Tierethik. Stuttgart: Reclam; Borgards, R.; Köhring, E.; Kling, A. (Hrsg.) (2015). Texte zur Tiertheorie. Stuttgart: Reclam. Zu neuen Einführungswerken siehe etwa Ingensiep, H. W.; Baranzke, H. (Hrsg.) (2008). Das Tier. Stuttgart: Reclam; Wolf, U. (Hrsg.) (2012). Ethik der Mensch-Tier-Beziehung. Frankfurt a. M.: Klostermann; Ach, J. S.; Borchers, D. (Hrsg.) (2018). Handbuch Tierethik: Grundlagen – Kontexte – Perspektiven. Stuttgart: Metzler. Zu Stellungnahmen und Positionspapieren siehe etwa Brandt, R. (2009). Können Tiere denken? Ein Beitrag zur Tierphilosophie. Frankfurt a. M. Suhrkamp; Janich, P. (2010). Der Mensch und andere Tiere. Das zweideutige Erbe Darwins. Frankfurt a. M. Suhrkamp; Höffe, O. (2014). Können Tiere denken? Ein Literaturbericht. In: Höffe, O. (Hrsg.). Die Macht der Moral im 21. Jahrhundert: Annäherungen an eine zeitgemäße Ethik. München: Beck, S. 54–63. Zu populärphilosophischen Beiträgen siehe etwa Precht, R. D. (2018). Tiere denken: Vom Recht der Tiere und den Grenzen des Menschen. München: Goldmann.

5

Wobei eigentlich bemerkt, reflektiert, bemängelt und revidiert werden müsste (in dieser Reihenfolge), dass in den wenigsten Fällen Klarheit darüber besteht, auf welches Spektrum an Lebewesen mit dem Begriff »Tier« referiert wird: »Wilds Beispiele lassen bei ›Tier‹ im Wesentlichen an Wirbeltiere denken. […] [E]ine (ggf. eingrenzende) Definition des Begriffs ›Tier‹ wird nicht geliefert, sodass zunächst alle Wirbellosen einschließlich z. B. Schwämmen und tierischen Einzellern einbegriffen sind.« Leinhos-Heinke, U. (2012). Einige Bemerkungen aus biologischer Sicht zu Markus Wild: ›Tierphilosophie‹. In: Erwägen, Wissen, Ethik, 23(1), S. 69–71, hier S. 69.

6

Dennett, D. (1998). Out oft he Armchair and into the Field. [1988]. In: Dennett, D. (Hrsg.). Brainchildren. Essays on Designing Minds. Cambridge (Mass.): MIT Press, S. 289–306.

7

Wild, Tierphilosophie zur Einführung, S. 13–18.

8

Vgl. Köhler, W. (1973). Intelligenzprüfungen an Menschenaffen. Mit einem Anhang zur Psychologie des Schimpansen. 3. Aufl. [1921]. Berlin, Heidelberg, New York: Springer.

9

Köhlers Arbeiten zu und mit Schimpansen wurden umfangreich in der Philosophischen Anthropologie des frühen 20. Jahrhundert aufgegriffen, so etwa von Max Scheler, Helmuth Plessner und Arnold Gehlen. Vgl. hierzu auch Ingensiep, H. W. (2913). Der kultivierte Affe. Philosophie, Geschichte und Gegenwart. Stuttgart: Hierzel, S. 181–193; Hartung, G.; Wunsch, M. (2016). Tierforschung im Horizont der Gestalttheorie Wolfgang Köhlers Experimente zum Verhalten von Schimpansen. In: Böhnert, M.; Köchy, K.; Wunsch, M. (Hrsg.). Philosophie der Tierforschung. Methoden und Modelle. Bd. 1. Freiburg, München: Karl Alber, S. 241–276, hier S. 272–276; Köchy, K. (2018). Von der Ökologie der Forschung zu Forschungsumwelten. Bedingungen und Möglichkeiten einer erweiterten Lesart der Wechselbeziehung zwischen Forschenden und ›Forschungsgegenständen‹ in der Tierforschung. In: Wunsch, M.; Böhnert, M.; Köchy, K. (Hrsg.). Philosophie der Tierforschung. Milieus und Akteure. Bd. 3. Freiburg, München: Karl Alber, S. 25–93.

10

Ebd., S. 37–38.

11

Für eine Übersicht siehe etwa Petrus, K. (2015). Human-Animal Studies. In: Ferrari, A.; Petrus, K. (Hrsg.). Lexikon der Mensch-Tier-Beziehungen. Bielefeld: Transcript, S. 156–159.

12

Stellvertretend seien hier exemplarisch die soziologische Forschungsgruppe Group for Society and Animals Studies (Universität Hamburg, seit 2011), die Forschungsinitiative Tiertheorien: Grundlagen der Mensch-Tier-Beziehung in den Kultur- und Sozialwissenschaften (Universität Konstanz, seit 2012) und der LOEWE-Schwerpunkt Tier – Mensch – Gesellschaft: Ansätze einer interdisziplinären Tierforschung (Universität Kassel, 2014–2017) genannt. Eine Übersicht von Publikationen findet sich auf dem Webportal für die Human-Animal Studies im deutschsprachigen Raum. Vgl. http://www.human-animal-studies.de/publikationen/literatur (Stand: 08.03.2020).

13

Vgl. Böhnert, M.; Köchy, K.; Wunsch, M. (2016) (Hrsg.). Philosophie der Tierforschung. Methoden und Modelle. Bd. 1. Freiburg, München: Karl Alber; Köchy, K.; Wunsch, M.; Böhnert, M. (Hrsg.) (2016a). Philosophie der Tierforschung. Maximen und Konsequenzen. Bd. 2. Freiburg, München: Karl Alber; Wunsch, M.; Böhnert, M.; Köchy, K. (Hrsg.) (2018). Philosophie der Tierforschung. Milieus und Akteure. Bd. 3. Freiburg, München: Karl Alber.

14

Im Kontrast zum in der Alltagssprache geläufigen und auch in der Fachsprache der Biologie üblichen Adjektiv »tierisch« verwende ich den in den letzten Jahren immer breiter etablierten Begriff »tierlich«. Für eine semantische Unterscheidung sensibilisiert bereits der Duden, der »tierisch« zwar sachlich als »Tiere betreffend«, »Tieren eigen« auffasst, gleichzeitig jedoch auf die negative Konnotation des Begriffs verweist, im Sinne von »nicht dem Wesen, den Vorstellungen von Menschen entsprechend; dumpf, triebhaft; roh, grausam« (Lemma »tierisch« im Duden (https://www.duden.de/rechtschreibung/tierisch (Stand: 08.03.2020) bzw. Dudenredaktion (2004). Synonymwörterbuch. Duden, Bd. 8, 3., völlig neu erarb. Aufl.). Dieser pejorative Kontrast fällt insbesondere bei Adjektivbildungen auf, bei denen sowohl »-lich« als auch »-isch« als Suffix möglich sind, etwa kindlich/kindisch, weiblich/weibisch. Zudem ist »tierlich«, wenn auch in der Gegenwartssprache unüblicher, einheitlich zur Adjektivbildung der Worte »Menschen« (menschlich) und »Pflanzen« (pflanzlich). Vgl. auch Teutsch, G. M. (1987). Mensch und Tier. Lexikon der Tierschutzethik. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, S. 190–191.

15

Wild erachtet die Frage »Können Tiere denken?« als eine das Feld der geistigen Fähigkeiten von Tieren beherrschenden Fragen. Vgl. Wild, Tierphilosophie, S. 22.

16

Longino, H. E. (1987). Can there be a feminst science? In: Hypatia, 2(3), S. 51–64, hier S. 62.

17

Stellvertretend seien hier Latour, B.; Woolgar, S. (1979). Laboratory Life: The Construction of Scientific Facts. Beverly Hills, Sage Publications; Knorr Cetina, K. (2002a). Die Fabrikation von Erkenntnis. Zur Anthropologie der Naturwissenschaft. 2. Aufl. [1981]. Frankfurt a. M.: Suhrkamp; Daston, L.; Galison, P. (2007). Objektivität. Frankfurt a. M.: Suhrkamp; Keller, E. F.; Longino, H. (Hrsg.) (1996). Feminsim and Science. Oxford, New York: Oxford University Press exemplarisch genannt.

18

Gemeint sind etwa Fleck, L. (1980). Entstehung und Entwicklung einer wissenschaftlichen Tatsache – Einführung in die Lehre vom Denkstil und Denkkollektiv. [1934]. Frankfurt a. M.: Suhrkamp; Kuhn, T. S. (1997). Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen, 2., rev. und um das Postskriptum erg. Aufl. [1962]. Frankfurt a. M.: Suhrkamp; Feyerabend, P. (1977). Wider den Methodenzwang. [1975]. Frankfurt a. M.: Suhrkamp; Lakatos, I. (1974). Falsifikation und die Methodologie wissenschaftlicher Forschungsprogramme. [1968]. In: Lakatos, I.; Musgrave, A. (Hrsg.). Kritik und Erkenntnisfortschritt. Braunschweig: Vieweg, S. 89–190.

19

Vgl. Fleck, Entstehung und Entwicklung einer wissenschaftlichen Tatsache, S. 66.

20

Wittgenstein, L. (1984a). Über Gewißheit. In: Ludwig Wittgenstein Werkausgabe, Bd. 8. Frankfurt a. M.: Suhrkamp, S. 113–258, § 105. Entsprechend der üblichen Zitierweise von Wittgensteins Werken verweise ich auf Paragraphen anstelle von Seitenzahlen, wenn die Texte in nummerierten Passagen gegliedert sind.

21

Vgl. Fleck, Entstehung und Entwicklung einer wissenschaftlichen Tatsache.

22

Palm, K. (2008). Biologie: Geschlechterforschung zwischen Reflexion und Intervention. In: Becker, R.; Kortendiek, B. (Hrsg.). Handbuch Frauen- und Geschlechterforschung: Theorie, Methoden, Empirie. 2. Aufl. [2004]. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 843–851, hier S. 848.

23

Blaffer Hrdy, S. (1981). The Woman that Never Evolved, Cambridge (Mass.), London: Harvard University Press, S. 189.

24

Vgl. etwa Longino, H. (1994). In Search of Feminist Epistemology. In: The Monist, 77(4), S. 472–485; Longino, H. (2002). Feminist Epistemology as a Local Epistemology. In: Pojman, L. (Hrsg.). The Theory of Knowledge. Classical and Contamporary Readings. 3. Aufl. [1993]. Belmont: Wadsworth; S. 571–579; Longino, H. (2010). Feminist Epistemology at Hypatia’s 25th Anniversary. In: Hypatia, 25(4), S. 733–741. Die folgenden Überlegungen sind detaillierter ausgeführt in Böhnert, M.; Kranke, N. (2018). Riot Grrrl Primatology. Über Forscherinnen, Feminismus und feministische Wissenschaften. In: Wunsch, M.; Böhnert, M.; Köchy, K. (Hrsg.). Philosophie der Tierforschung. Milieus und Akteure. Bd. 3. Freiburg, München: Karl Alber, S. 325–375.

25

Der englische Begriff »bias« hat in deutschsprachigen Übersetzungen wie »Voreingenommenheit« oder »Tendenz« keine umfängliche Entsprechung, die sämtliche mit dem englischen Begriff aufgerufenen Konnotationen umfasst. So hebt der Duden als Beleg für den üblichen Sprachgebrauch von »Bias« als Anglizismus in der deutschen Sprache zwar »falsche Untersuchungsmethoden (z. B. Suggestivfragen)« und eine »Verzerrung des Ergebnisses einer Repräsentativerhebung hervor« (siehe Duden, Lemma »Bias«, http://www.duden.de/rechtschreibung/Bias). Doch umfasst der englische Sprachgebrauch zudem Dimensionen einer impliziten soziokulturell geprägten Voreingenommenheit, einer systematischen Wahrnehmungsverzerrung, sowie eines tendenziösen blinden Flecks. Vgl. Merriam-Webster’s Collegiate Dictionary online, 11. Aufl., Lemma »bias«, (https://www.merriam-webster.com/dictionary/bias), Oxford English Dictionary online, Lemma »bias«, (https://en.oxforddictionaries.com/definition/bias), sowie Wikipedia, the free Encyclopidia, Lemma »bias«, (https://en.wikipedia.org/wiki/Bias (allesamt Stand: 08.03.2020). Vgl. Böhnert; Kranke, Riot Grrrl Primatology, S. 333.

26

Für eine Übersicht über den Einfluss von Forscherinnen auf die Primatologie vgl. Böhnert; Kranke, Riot Grrrl Primatology. S. 331–348.