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Im vorliegenden Buch habe ich dargelegt, weshalb es sich bei einer bestimmten Form der Begriffsanalyse, die auch unter dem Namen »Ordinary Language- Philosophie« bekannt ist, um eine äußerst attraktive Philosophie-Konzeption handelt, die in der Vergangenheit zu oft aufgrund von Vorurteilen und Missverständnissen verworfen wurde. Ich bin dabei auf neuere Entwicklungen in der Ablehnung der hier verteidigten Auffassung der Philosophie eingegangen und habe einige Lücken in der bisherigen apologetischen Literatur zur Begriffsanalyse geschlossen.

Nach einer allgemeinen Charakterisierung der in der vorliegenden Abhandlung verteidigten Konzeption folgte im Kapitel 1 eine Auseinandersetzung mit dem Philosophieverständnis des späten Wittgenstein, von dem die Ordinary Language-Philosophie stark beeinflusst ist. In diesem Kapitel habe ich erklärt, inwiefern die Philosophie nach Wittgenstein ein rein kritisches oder destruktives Unterfangen ist, was Wittgenstein damit meint, dass es keine philosophischen Hypothesen oder Theorien gibt, und wie Wittgensteins Behauptung aufzufassen ist, dass der Zweck der Philosophie nicht in der Erlangung von philosophischem Wissen besteht. Außerdem habe ich auf einige verbreitete Missverständnisse in Bezug auf Wittgensteins Philosophie-Konzeption hingewiesen. Anders als manchmal angenommen wird, degradiert Wittgenstein die Philosophie beispielsweise nicht zu einem trivialen Unterfangen und er ist weder ein Verteidiger des Commonsense noch ein »Sprachpolizist«.

Des Weiteren habe ich im Kapitel 1 dargelegt, worauf Wittgenstein zufolge die Entstehung philosophischer Probleme zurückzuführen ist. Die von ihm identifizierten Quellen philosophischer Verwirrung lassen sich in drei Rubriken einteilen: Sprachliche Quellen, kulturelle Quellen und menschliche Neigungen. Um philosophische Probleme zu überwinden, müssen wir uns laut Wittgenstein auf die gewöhnliche Verwendung von sprachlichen Ausdrücken besinnen. Dabei ist es zum Beispiel hilfreich, dass wir uns vergegenwärtigen, in welchen Kontexten es natürlich wäre, die betreffenden Ausdrücke zu verwenden, oder wie wir den korrekten Gebrauch der Ausdrücke erlernt haben. Aber auch die Erfindung alternativer Sprachspiele kann uns dabei helfen, über das Funktionieren unserer Begriffe Klarheit zu erlangen.

Im letzten Teil des Kapitels zu Wittgenstein bin ich auf einige Argumente eingegangen, die für Wittgensteins Philosophie-Konzeption sprechen, und habe eine Reihe von Problemen besprochen, in Bezug auf welche es zwischen verschiedenen Wittgenstein-Experten zu Uneinigkeiten gekommen ist. So vertreten G. P. Baker, P. M. S. Hacker und Severin Schroeder zum Beispiel unterschiedliche Konzeptionen davon, wie Wittgensteins Ausführungen zu übersichtlichen Darstellungen zu interpretieren sind.

Die im vorliegenden Buch verteidigte Auffassung der Philosophie weicht insbesondere in den folgenden zwei Punkten von der Konzeption des späten Wittgenstein ab: Erstens erachte ich es in bestimmten Zusammenhängen als sinnvoll und angemessen, von »philosophischen Wahrheiten« und »philosophischem Wissen« zu sprechen. Und zweitens halte ich die Behauptung für falsch, dass alle philosophischen Probleme auf einer begrifflichen Verwirrung beruhen.

Im Kapitel 2 bin ich auf Frank Jacksons Methode möglicher Fälle eingegangen und habe sie mit Oswald Hanflings Methode typischer Fälle kontrastiert. Wenn wir beispielsweise den Begriff des Wissens analysieren wollen, besteht die beste Strategie Hanfling zufolge nicht darin, exotische Fälle zu konstruieren und sie hinsichtlich der Frage zu beurteilen, ob ihre Akteure (in Bezug auf eine bestimmte Proposition) über Wissen verfügen oder nicht. Stattdessen sollten wir uns Fällen zuwenden, die charakteristisch für unsere gewöhnliche Verwendung von »wissen« sind, und die Frage beantworten, was die Verwendung des Ausdrucks »wissen« in diesen Fällen leistet. Nach der Charakterisierung der beiden Methoden habe ich dargelegt, aus welchen Gründen Hanflings Methode derjenigen von Jackson überlegen ist.

Im zweiten Teil des Kapitels bin ich auf die Bedeutung von Urteilen darüber, »was wir sagen würden«, eingegangen. Solche Urteile sind für die Ordinary Language-Philosophie von zentraler Bedeutung und sollten nicht als Hypothesen über sprachliche Dispositionen missverstanden werden. Vielmehr handelt es sich bei ihnen um Bekenntnisse, in Bezug auf welche wir über die Autorität der ersten Person verfügen.

Im Kapitel 3 habe ich Avner Baz’ Argumente gegen die Methode möglicher Fälle rekonstruiert und kritisiert. Baz bezieht sich auf Fragen der Form »Weiß S, dass p?«, die uns von Epistemologinnen und Epistemologen bezugnehmend auf die Subjekte in Gedankenexperimenten gestellt werden. Der erste Kritikpunkt von Baz betrifft die Standard-Begründung unserer Kompetenz in der Beantwortung solcher Fragen: Baz zufolge stimmt es nicht, dass uns unsere alltägliche Praxis der Verwendung des Ausdrucks »wissen« dazu befähigt, Fragen der oben genannten Art zu beantworten. Denn alltägliche Fragen der Form »Weiß S, dass p?« haben, so Baz, nie eine Bedeutung der Art, wie sie Epistemologinnen und Epistemologen in theoretischen Kontexten vorschwebt. Zweitens stellt sich Baz zufolge bei näherer Betrachtung aber auch heraus, dass die Frage »Weiß S, dass p?« im Zusammenhang mit den typischen epistemologischen Gedankenexperimenten überhaupt keine Bedeutung hat. Der Grund dafür ist, dass die Frage in diesem Zusammenhang keinen geeigneten Witz hat: Epistemologinnen und Epistemologen stellen sie einzig mit dem Interesse, etwas über unseren Wissensbegriff zu erfahren. Und die Erforschung unseres Wissensbegriffs ist nicht eine der Funktionen, mit denen das Wort »wissen« sinnvoll verwendet werden kann.

In meiner Replik auf Baz habe ich dafür argumentiert, dass es sich bei den Fragen der Form »Weiß S, dass p?«, die in Bezug auf Gedankenexperimente gestellt werden, um Fragen nach der korrekten Beschreibung der entsprechenden Szenarien handelt, dass wir solche Fragen durchaus verstehen können und dass wir mit ihnen contra Baz auch im Alltag konfrontiert werden können. Ich habe außerdem auf einige Komplikationen im Zusammenhang mit der nicht nur von Baz, sondern in anderer Form auch beispielsweise von Gerhard Ernst vertretenen Auffassung, dass »wissen« situationsabhängig Unterschiedliches bedeutet, hingewiesen.

Im Kapitel 4 habe ich mich mit Grices Argumenten gegen die Gebrauchstheorie sprachlicher Bedeutung auseinandergesetzt, und mit der verbreiteten Idee, Vertreterinnen und Vertreter der Gebrauchstheorie sprachlicher Bedeutung könnten nicht zwischen Semantik und Pragmatik unterscheiden. Ich habe geltend gemacht, dass diese Idee von einem Missverständnis hinsichtlich dessen herrührt, was es genau ist, das die Gebrauchstheorie mit sprachlicher Bedeutung identifiziert. Wenn wir die Bedeutung sprachlicher Ausdrücke mit den Regeln ihres Gebrauchs oder mit der konventionellen Art und Weise ihrer Verwendung identifizieren, dann ist es überhaupt kein Problem, pragmatische Phänomene als solche zu identifizieren und von der wörtlichen Bedeutung der entsprechenden Ausdrücke zu trennen.

Weiterhin habe ich dafür argumentiert, dass es gute Gründe dafür gibt, die von Grice so genannten »generalisierten konversationellen Implikaturen«, die durchgängig bei der Verwendung bestimmter Wörter oder Phrasen auftreten, zur Bedeutung der jeweiligen Ausdrücke zu rechnen. Eine solche generalisierte konversationelle Implikatur kommt zum Beispiel beim Gebrauch von »versuchen« zustande: Aussagen der Art »S hat versucht zu φ-en« legen im Allgemeinen nahe, dass S darin gescheitert ist zu φ-en, dass das φ-en S Schwierigkeiten bereitet hat oder dass wenigstens erwartbar gewesen war, dass das φ-en S Schwierigkeiten bereiten würde. Grice ist allerdings der Auffassung, dass diese Andeutung von Schwierigkeiten nicht zur Bedeutung von »versuchen« gehört. Dieser Auffassung habe ich unter anderem entgegengehalten, dass wir über jemanden, der eine Äußerung der Form »S hat versucht zu φ-en« hört und sich nicht darüber bewusst ist, dass die Sprecherin oder der Sprecher mit dieser Äußerung das Auftreten von Schwierigkeiten andeutet, nicht sagen würden, dass diese Person den Ausdruck »versuchen« versteht.

Im Kapitel 5 habe ich mich mit Williamsons Ausführungen zum Gegenstandsbereich der Philosophie und mit seiner Kritik an der Unterscheidung zwischen analytischen und synthetischen Urteilen befasst. Williamson zufolge trifft es nicht zu, dass sich die Philosophie nur oder hauptsächlich mit sprachlichen Ausdrücken oder Begriffen auseinandersetzt. In meiner Replik auf Williamsons diesbezügliche Argumentation habe ich geltend gemacht, dass der wichtigste Grund dafür, zu behaupten, dass beispielsweise das von Williamson aufgeworfene Vagheits-Problem (»War der Mars zu jedem Zeitpunkt entweder trocken oder nicht trocken?«) von sprachlichen Ausdrücken oder Begriffen handelt, darin besteht, dass wir uns zur Lösung des Problems ausschließlich mit unserer gewöhnlichen Verwendung bestimmter sprachlicher Ausdrücke auseinandersetzen müssen. Die Einwände, die Williamson gegen diese Auffassung vorbringt, sind nicht stichhaltig.

Williamson argumentiert außerdem für die Behauptung, dass es keine Aussagen gibt, die allein aufgrund ihrer Bedeutung wahr sind, und dass es auch keine Aussagen gibt, die man nicht verstehen kann, ohne ihnen zuzustimmen. Es gibt also Williamson zufolge weder analytische Aussagen im metaphysischen noch im epistemologischen Sinn. Ich habe dafür argumentiert, dass Williamsons Zurückweisung metaphysischer Analytizität eine falsche Auffassung davon zugrunde liegt, was »wahr aufgrund der Bedeutung« heißt. Hinsichtlich des Themas der epistemologischen Analytizität habe ich auf einige Probleme hingewiesen, die sich im Zusammenhang mit Williamsons Diskussion von Peter und Stephen ergeben, zweier fiktiver Philosophen, die beide angeblich den Satz »Alle Füchsinnen sind Füchsinnen« verstehen und ihm trotzdem nicht zustimmen. Das betreffende Kapitel aus The Philosophy of Philosophy und der Artikel »Conceptual Truth«, auf dem das Kapitel beruht, wurden schon von anderen Philosophinnen und Philosophen kritisch diskutiert. Ich habe auf ein paar Aspekte hingewiesen, die in der bisherigen Rezeption noch nicht angesprochen wurden, unter anderem solche, die mit Tyler Burges Artikel »Belief and Synonymy« zusammenhängen, auf den sich Williamson in seiner Argumentation beruft.

Im Kapitel 6 habe ich gegen Herman Cappelens These argumentiert, begriffliche Wahrheiten seien für die Philosophie nicht von besonderer Bedeutung. Cappelens diesbezügliche Erwägungen in Philosophy without Intuitions beruhen unter anderem auf seinem Kriterium des wirksamen Vorkommens von Merkmalen (unter anderem des Merkmals eines Urteils, begrifflich wahr zu sein), von dem ich gezeigt habe, dass ihm einige Verwirrung anhaftet und dass es als notwendige Bedingung für die Berufung auf Intuitionen oder auf begriffliche Wahrheiten nicht geeignet ist. Andererseits beruht Cappelens Argumentation aber, wie ich zu zeigen versucht habe, auch auf Fehl-Konzeptionen davon, wie bestimmte philosophische Argumente funktionieren, auf die Cappelen im Herzstück seines Buchs, seinen Fallstudien, Bezug nimmt. Im letzten Teil von Kapitel 6 habe ich mich mit den drei Herausforderungen auseinandergesetzt, mit denen Vertreterinnen und Vertreter der Begriffsanalyse Cappelen zufolge konfrontiert sind, und habe versucht, zu zeigen, dass sie alle überwindbar sind.

Im Kapitel 7 habe ich mich schließlich mit Einwänden gegen die Ordinary Language-Philosophie beschäftigt, die aus dem Lager der Experimentellen Philosophie stammen. Ich habe mich mit den Gründen dafür befasst, dass wir keine empirischen Studien benötigen, um beurteilen zu können, auf welche Weise philosophisch interessante Ausdrücke wie zum Beispiel »absichtlich«, »wissen«, »geistig«, »freiwillig«, Wunsch« oder »Handlung« verwendet werden. Sollte sich herausstellen, dass die Angehörigen verschiedener kultureller, sozioökonomischer oder Alters-Gruppen manche dieser Wörter unterschiedlich gebrauchen, sollte sich eine Philosophin mit ihrer eigenen Weise der Verwendung der betreffenden Ausdrücke auseinandersetzen, da im Zusammenhang mit der Bedeutung, die die Wörter in ihrem Mund haben, ihre philosophischen Probleme entstanden sind.

Eine Frage, die im vorliegenden Buch nicht zu Sprache gekommen ist, besteht darin, inwiefern in der Philosophie neben deskriptiver begrifflicher Arbeit auch normative begriffliche Arbeit geleistet werden könnte. Zu dieser Frage ist in den letzten Jahren unter dem Label »Conceptual Engineering« einige Literatur publiziert worden. Welches die Hinsichten sind, in welchen unsere Begriffe verbesserungswürdig sein könnten und ob eine solche Verbesserung der Lösung oder Auflösung philosophischer Probleme dienlich wäre, ist gerade vor dem Hintergrund der Ausführungen in der vorliegenden Abhandlung zum Gegenstand und zu den Zielen der Philosophie ein hochinteressantes Problem, mit dem ich mich ihm Rahmen eines anderen Projekts auseinandersetzen will.

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