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Das Kino kann die Zuschauer in eine Welt jenseits des Intellekts entführen, in der sie sich ganz und gar ihrer eigenen Intuition anvertrauen müssen. Es geht nicht darum, etwas zu verstehen, sondern darum, etwas zu erfahren.

David Lynch (2007)1

Unter Intuition verstehe ich nicht das Vertrauen in die unbeständigen Sinne oder das trügerische Urteil einer schlecht zusammensetzenden Anschauung, sondern einen so einfachen und deutlichen Begriff des reinen und aufmerksamen Geistes, daß über das, was wir einsehen, schlichtweg kein Zweifel mehr übrigbleibt.

René Descartes (1620)2

David Lynch und René Descartes äußern sich über die Intuition. Was verstehen der Filmemacher und der Philosoph jeweils darunter? Mit der zeitlichen Differenz von 400 Jahren geht eine große inhaltliche Diskrepanz zwischen den beiden Verständnissen einher. Lynch stellt die Intuition dem Intellekt gegenüber. Descartes dagegen grenzt Intuition von Sinneswahrnehmung und Einbildung ab und betrachtet sie als ein Werk der Vernunft. Damit scheinen Lynchs und Descartes’ Intuitionsbegriffe einander diametral entgegengesetzt zu sein. Philosophischen Laien der heutigen Zeit dürfte Lynchs Verständnis bedeutend näherstehen. Beispielsweise wird Intuition heute im deutschen Sprachraum oft mit dem ›Bauchgefühl‹ in Verbindung gebracht, wodurch die Entgegensetzung ›Intuition versus Vernunft‹ verstärkt wird.3 In der philosophischen Tradition hingegen ist Descartes in Bezug auf das vernunftbasierte Intuitionsverständnis beileibe kein Außenseiter. So prägen etwa rationalistische Auffassungen der Intuition (als Erkenntnisform a priori) die philosophieimmanenten Diskussionen bis heute. Vereinfachend gesprochen stehen sich hier das kleine philosophische und das psychologisch-alltagsbasierte Intuitionslager gegenüber. Ein Austausch über die Grenzen der Lager hinweg findet kaum statt: Jede Seite betreibt ihre Untersuchungen über die Intuition in weitgehender Ignoranz der anderen.

Auf diese Problematik ist zurückzukommen, doch zuvor soll ein kurzer Blick auf die philosophischen Wurzeln des Intuitionsbegriffs geworfen werden. Diese liegen bei Epikur, der von epibolé spricht (›schlagartiges Erfassen‹), welcher Begriff durch Boethius zu lateinisch intuitus übersetzt wird.4 Dieses Wort wiederum leitet sich etymologisch vom Verb intueri ab (anschauen, betrachten). Die grammatische Passivform intutitio verweist darauf, »dass Anschauungen einem zuteilwerden«.5 Der Gegensatz zwischen intuitivem und diskursivem Erkennen wird von vielen weiteren Philosophen der Antike vor und nach Epikur hergestellt, indem das schlagartige Erfassen (intuitive Erkenntnis) der schrittweisen Herleitung (diskursive Erkenntnis) gegenübergestellt wird. Nach dieser verbreiteten Auffassung liegt die Besonderheit des intuitiven Erkennens im einheitlichen, direkten und sofortigen Erfassen des Ganzen, welches zumeist mit Unmittelbarkeit und Unfehlbarkeit verbunden wird.6 Die Auffassung der Intuition als epistemisch privilegierte Erkenntnisquelle geht also philosophiegeschichtlich weit zurück. Die epistemisch hochrangige Stellung der Intuition in der philosophischen Tradition erklärt sich auch dadurch, dass ›Intuition‹ in der Philosophie der Antike und des Mittelalters vorwiegend nicht für empirisches, sondern für intellektuelles »Sehen« verwendet wurde.7 Die Anführungszeichen verweisen darauf, dass es sich um eine Analogie handelt; diese äußert sich auch in bekannten Wendungen, etwa derjenigen des ›Sehens mit dem geistigen Auge‹, und geht auf Platons Ideenschau zurück. Diese philosophischen Traditionen sind maßgebliche Vorläufer für die rationalistischen Intuitionskonzeptionen der Neuzeit, auf die im nächsten Kapitel mit Descartes und Spinoza genauer eingegangen wird.

Der schroff erscheinende Gegensatz zwischen dem klassisch-philosophischen Intuitionsbegriff, der sich bis in die aktuellen philosophischen Diskussionen fortsetzt, und dem alltäglich-modernen Intuitionsverständnis wirft Fragen auf: Beziehen sich die unterschiedlichen Intuitionsverständnisse überhaupt auf dieselbe Erkenntnisgattung oder handelt es sich um nicht einer gemeinsamen Gattung unterstellbare mentale Zustände, die jeweils mit ›Intuition‹ bezeichnet werden? Wenn Letzteres der Fall ist, wäre es nicht adäquat, Weiteres über ›die Intuition‹ auszusagen. Man müsste dann vielmehr die Begrifflichkeiten verändern und verfeinern oder sich eventuell ganz vom Intuitionsbegriff verabschieden. Diese Arbeit verfolgt das entgegengesetzte Ziel: Ohne die wichtigen Differenzierungen zu übergehen, soll die Intuition als eine Erkenntnisgattung dingfest gemacht werden, deren Eigenschaften sich sowohl mit vielen klassisch-philosophischen als auch zeitgenössischen, insbesondere psychologischen Arbeiten erhellen lassen. Doch unter der Annahme, dass dies gelingt, stellt sich eine weitere Frage: Bietet Intuition einen vernunftbasierten Zugang zu unumstößlichen Wahrheiten, oder ist Intuition irrational und geht als diffuses Bauchgefühl oft in die Irre? Als weitere Position ist denkbar, dass diese klassischen Entgegensetzungen in Frage gestellt werden müssen und weder von genereller Infallibilität noch von genereller Irrationalität der Intuition auszugehen ist. Welche Seite hat die erkenntnistheoretisch korrekte Sichtweise der Intuition?

Die vorliegende Arbeit setzt bei diesen Fragen an. In einem Versuch sie zu beantworten soll zunächst ein Vorschlag eines adäquaten Intuitionsverständnisses ausgearbeitet und anschließend auf die Frage nach dem epistemischen Status der Intuitionen eingegangen werden. Dabei werden hauptsächlich folgende Thesen vertreten:

  • (1) Von der Intuition als einer Erkenntnisgattung zu sprechen ist gerechtfertigt, da bedeutende Gemeinsamkeiten zwischen den klassisch- philosophischen und psychologisch-alltäglichen Verwendungsweisen des Begriffs bestehen.
  • (2) Diese Gemeinsamkeiten beginnen auf der phänomenalen Ebene: Unmittelbarkeit und Gewissheit sind die hier zu nennenden Kernmerkmale der Intuition.
  • (3) Die mit ›Intuition‹ bezeichneten Erkenntnisprozesse finden maßgeblich auf einer kognitiven Ebene statt, die sich u.a. als unbewusst, schnelle Verarbeitungen beinhaltend, nichtdiskursiv und dadurch nichtpropositional beschreiben lässt.
  • (4) Intuition geht dabei von produktiver Imagination aus, bzw. psychologisch gesprochen: von mentalen Modellen.
  • (5) Dadurch ist Intuition, wie jede andere Form menschlicher Erkenntnis, fallibel. Die Frage nach dem epistemischen Status der Intuitionen muss somit differenziert angegangen werden.
  • (6) Dazu muss zunächst eine externalistische Rechtfertigungsperspektive eingenommen werden: Aufgrund bestimmter Faktoren der Umwelt und des Subjekts sind dessen Intuitionen mehr oder weniger zuverlässig.
  • (7) Wenn wir Intuitionen als genuine Gründe anerkennen wollen, setzt dies voraus, dass Intuitionen auch eine internalistische Gründe-Erfordernis erfüllen, die gemeinhin als nur durch begriffliche Gehalte erfüllbar gedacht wird.
  • (8) Nichtbegriffliche Gehalte, also auch entsprechende Intuitionen, können die internalistische Gründe-Erfordernis durchaus erfüllen. Somit sind Intuitionen Gründe für Subjekte.

Die genannten Thesen bilden den argumentativen Kern der vorliegenden Untersuchung. Davon ausgehend werden weitere Situierungen der Intuition vorzunehmen sein: Erstens soll die so verstandene Intuition von anderen mentalen Akten und Zuständen wie Imagination, Wunschdenken und Selbsttäuschung abgegrenzt werden. Zweitens wird die aktuelle Debatte um den methodischen Status der Intuition in der Philosophie aufgegriffen und aus der Perspektive des hier entwickelten Intuitionsverständnisses reflektiert. Ergebnisse aus diesen Situierungen sollen zu weiteren Erkenntnissen über die Intuition führen.

Wie jede philosophische Untersuchung muss sich auch die vorliegende in der Behandlung des Themas auf gewisse Aspekte beschränken, um die notwendige gedankliche Vertiefung erreichen zu können. Es wird kein Anspruch darauf erhoben alle Phänomene, die gemeinhin mit ›Intuition‹, ›intuitiv‹ oder dergleichen bezeichnet werden zu behandeln und einzuordnen. Insbesondere werden folgende Bereiche nicht oder nur am Rande behandelt:

  • Moralische Intuitionen und ethischer Intuitionismus8
  • Der Intuitionismus in der Mathematik
  • Intuition in der Tradition der Phänomenologie (z.B. Husserl, Bergson)
  • Nicht-epistemische Verwendungsweisen des Intuitionsbegriffs (z.B. ›intuitives Design‹, ›intuitive Bedienung‹, etc.)
  • Intuition außerhalb sogenannt »westlicher« Denktraditionen

Der Ausschluss dieser Bereiche lässt sich teilweise dadurch begründen, dass mit den oben angeführten Thesen primär Fragestellungen im Bereich der Epistemologie und Philosophie des Geistes verfolgt werden.9 Es geht also um diejenige Intuition, von der wir manchmal glauben, sie führe uns zu Wissen über Sachverhalte, ohne dass wir genau nachvollziehen können, wie wir zu diesem vermuteten Wissen gekommen sind. Der Ausschluss »nicht-westlicher« Denktraditionen hingegen ist schlicht meiner geringen Kompetenz auf diesem Gebiet geschuldet. Ich vermute, dass das hier vorgelegte Intuitionsverständnis und die Überlegungen zum epistemischen Status der Intuitionen auch auf Behandlungen der Intuition anderer Denktraditionen anwendbar sind.10 Dies zu untersuchen müsste jedoch Gegenstand weiterer Arbeiten sein.

Da es sich um eine philosophische Arbeit handelt, liegen deren Interessen primär im normativen Bereich. Dies gilt sowohl für die Herleitung eines adäquaten Intuitionsverständnisses als auch für die anschließende Untersuchung des epistemischen Status der Intuition. Dementsprechend sind es normative Fragen, die den obigen Thesen zugrunde liegen:

  • Von welchem Intuitionsverständnis sollen wir in philosophischen und psychologischen Untersuchungen ausgehen?
  • Erfüllt die Intuition epistemische Anforderungen, sodass Intuitionen als Gründe gelten dürfen?

Die Beantwortung dieser normativen Fragen ist an entscheidenden Stellen auf empirische Informationen angewiesen. Beispielsweise kann die Zuverlässigkeit der Intuition nur in Bezug auf Fälle beurteilt werden, in denen die Intuition in die Irre führt bzw. korrekt ist. In der psychologischen Forschung wurden diese Fälle untersucht. Es lohnt sich, die Ergebnisse entsprechender Studien in die philosophische Argumentation einzubeziehen. Analoges gilt für den Bereich des Intuitionsverständnisses: Hier liefern die kognitionswissenschaftlichen Befunde der Dual-Prozess-Theorie und der Theorie der mentalen Modelle wertvolle Verständnisgrundlagen. Der in dieser Arbeit zentrale Mentale-Modelle-Ansatz geht auf die Arbeiten des Psychologen Philip Johnson-Laird zurück, wobei sich dieser explizit auf philosophische Grundlagen, namentlich auf Peirces Zeichentheorie, beruft. Solche Verbindungen zeigen den Weg auf, dem auch in der vorliegenden Untersuchung gefolgt werden soll: Empirische Forschung und Philosophie bedürfen des gegenseitigen Austausches, um ein adäquates Verständnis mentaler Eigenschaften und Prozesse zu ermöglichen. Die jeweiligen Leitfragen einer Untersuchung geben die dominante Methodik vor; aufgrund der genannten normativen Fragen ist dies hier eine philosophische.11

Die Argumentation für die obigen Thesen und deren weitere Implikationen ist wie folgt gegliedert:

Kapitel 2 konzentriert sich auf erkenntnistheoretische Bestimmungen der Intuition in der neuzeitlichen Philosophie. Nach einer kurzen Betrachtung der terminologischen Wurzeln des Intuitionsbegriffs widmet sich das Kapitel einer Auswahl philosophischer Positionen zur Intuition, beginnend bei den Rationalisten Descartes und Spinoza. Diese, wie auch Locke, dessen Intuitionsverständnis demjenigen Descartes’ nahesteht, lassen uns zentrale Merkmale der Intuition erkennen. Anschließend werden Kants Überlegungen zur Intuition dargestellt, die einen Wendepunkt in der philosophischen Auseinandersetzung mit dieser Erkenntnisgattung bedeuten. Kant weist das Bestehen einer Intuition jenseits der empirischen Anschauung zurück, schafft jedoch zugleich die Grundlagen eines Intuitionsverständnisses, das in nachfolgenden philosophischen Arbeiten weiterentwickelt wird. Goethes naturwissenschaftliche Studien stellen einen ersten solchen Versuch dar, die Intuition als menschenmögliche Erkenntnisgattung zu rehabilitieren. Dieser Versuch wird zum Schluss des Kapitels dargestellt und reflektiert.

Kapitel 3 geht die Kernaufgabe der vorliegenden Studie an, indem hier ein Intuitionsverständnis entwickelt wird, das an die philosophischen Überlegungen des vorangehenden Kapitels anschließt, aber auch heutige Begriffsverwendungen miteinbezieht sowie psychologisch informiert ist (siehe These 1). Zunächst werden Unmittelbarkeit und Gewissheit als phänomenale Merkmale der Intuition bestimmt (These 2). Intuitionen konstituieren Neigungen zu Überzeugungen, müssen aber von Überzeugungen abgegrenzt werden. Eine weitere Abgrenzung ist gegenüber der Wahrnehmung vorzunehmen: Auffassungen, welche die Intuition als wahrnehmungsähnliche Erkenntnisform beschreiben, werden begründet zurückgewiesen. Weiter wird das Verhältnis der Intuition zur Propositionalität untersucht. Hierbei wird gegen eine einseitig propositionale Bestimmung der Intuition argumentiert. An dieser Stelle hilft der Rekurs auf die psychologische Dual-Prozess-Theorie, der eine plausible Einordnung maßgeblicher Anteile der Intuition auf der Ebene der Typ 1-Kognition erlaubt (These 3). Außerdem erweist sich der Mentale-Modelle-Ansatz als kognitionswissenschaftlich plausible Fundierung der Intuition (These 4). Die so verstandene Intuition kann nicht mehr als apriorisch und infallibel gelten (These 5).

Kapitel 4 widmet sich dem zweiten Teil der Kernaufgabe, der Frage der epistemischen Rechtfertigung durch Intuitionen. Sind Intuitionen gute Gründe für Überzeugungen? In externalistischer Hinsicht wird auf die jeweilige Geschichte der Intuition abgestellt und davon ausgehend ein Zuverlässigkeitsansatz für intuitive Rechtfertigung vorgestellt (These 6). Jedoch zeigt sich, dass eine rein externalistische Perspektive der Frage der intuitiven Rechtfertigung nicht gerecht wird. Sowohl eine externalistische als auch eine internalistische Erklärung müssen entworfen werden um zu zeigen, inwiefern Intuitionen gute Gründe für Subjekte sein können (These 7). Der Schwerpunkt des Kapitels liegt auf der internalistischen Erklärung, denn hier ist ein allgemeines Problem zu lösen: Da Intuitionen als im Wesentlichen nichtpropositional charakterisiert wurden, stellt sich die Frage, wie sie genuine Gründe für das jeweilige Erkenntnissubjekt sein können. Nach einer kritischen Auseinandersetzung mit Positionen zu Begründung und Begrifflichkeit (McDowell, Evans) ergibt sich, dass nichtbegriffliche Gehalte, und somit auch Intuitionen, die Gründe-Anforderungen durchaus erfüllen können (These 8).

Kapitel 5 thematisiert einige mentale Akte und Zustände und deren Verhältnis zur Intuition. Zunächst wird das Verhältnis zwischen Intuition und Imagination behandelt, wodurch bestätigendes Licht auf das zuvor erarbeitete Intuitionsverständnis geworfen werden kann. Weiter wird die Intuition von aliefs (Tamar Szabó Gendlers Bezeichnung bestimmter arationaler kognitiver Zustände), motivierter Irrationalität (Selbsttäuschung, Wunschdenken) und Delusion abgegrenzt. Neben den Abgrenzungen ergeben sich in jedem dieser Fälle auch interessante Zusammenhänge, die zu einem vertieften Verständnis der Intuition beitragen.

Kapitel 6 reflektiert die in der aktuellen Philosophie dominierende Intuitionsdiskussion, die sich um die Frage dreht, ob Intuition eine zentrale philosophische Methode ist bzw. sein soll. Die in dieser Diskussion einschlägigen Positionen werden vor dem Hintergrund des erarbeiteten Intuitionsverständnisses kritisch reflektiert.

Kapitel 7 schließt die Untersuchung ab, indem zunächst auf die in Kapitel 2 vorgestellten philosophischen Positionen zurückgeblickt wird: Wie lassen sich zentrale philosophische Intuitionsverständnisse, die Themen Gewissheit/Sicherheit (Descartes), Wesensbegriffe (Spinoza, Goethe) und Intuition/Imagination (Kant) betreffend, mit den nun erzielten Ergebnissen neu verstehen?

Insgesamt soll hier ein Beitrag zu einem vertieften Verständnis der Intuition geleistet werden; zu einem Verständnis also, das klassisch-philosophische und psychologische Perspektiven berücksichtigt, auf diesen Grundlagen die Frage der intuitiven Rechtfertigung angeht und dadurch Verengungen in der gegenwärtigen philosophischen Intuitionsdiskussion überwinden kann.

1

Beyer/Borchholte (2007).

2

Descartes, AT 368.

3

›Bauchgefühl‹ ist ein Neologismus der 1990er-Jahre, der angeregt durch psychologische Forschung Eingang in die Management- und schließlich auch in die Alltagsdiskurse gefunden hat (vgl. Institut für Deutsche Sprache). Die Wendung des Intuitionsverständnisses hin zum Irrationalen hat sich allerdings bereits früher im 20. Jahrhundert vollzogen; entscheidend hierfür dürften tiefenpsychologische Studien wie diejenigen C.G. Jungs sein, die sich wiederum auf philosophische Vorläufer aus Phänomenologie und Existenzialismus (etwa Bergson) zurückführen lassen (vgl. Kobusch 1976, S. 534).

4

Vgl. Kobusch (1976, S. 524, 526).

5

Gabriel (2015b, S. 5).

6

Vgl. Kobusch (1976, S. 524–528).

7

Eine interessante Ausnahme ist Duns Scotus, der – wie später Kant – Intuition als ausschließlich empirisch einordnet (vgl. Kobusch 1976, S. 528).

8

Der ethische Intuitionismus geht davon aus, dass grundlegende moralische Propositionen selbstevident sind. Er baut dadurch auf der Beantwortung epistemologischer Fragestellungen zur Intuition auf (vgl. Stratton-Lake 2016). Ich werde mich in dieser Arbeit aber auf diesen grundlegenden epistemologischen Bereich beschränken. Daraus Konsequenzen für den Status der Intuition in der Ethik abzuleiten müsste Gegenstand einer weiteren Arbeit werden.

9

Allerdings schließt dieses Kriterium den Bereich der Phänomenologie und denjenigen des mathematischen Intuitionismus nur bedingt aus. Im Fall der Phänomenologie ist die starke Eingebundenheit des Intuitionsbegriffs in komplexe Theorien mit eigenwilliger Terminologie entscheidend, die maßgebliche Vertiefungen in diesem Bereich bedingen würde. Mir scheint ein Erkenntnisgewinn in der Beantwortung der angeführten Thesen auch ohne diese Vertiefungen möglich. Auch das Thema des mathematischen Intuitionismus schließe ich aus dem Grund der zu umfangreichen Kontextualisierung im Bereich der Philosophie der Mathematik aus, die hier vorzunehmen wäre.

10

Vgl. Giommi/Barendregt (2014).

11

Dadurch wird nur ein kleiner Ausschnitt der kaum mehr überblickbaren Forschung zur Intuition in Psychologie und Kognitionswissenschaften in dieser Arbeit behandelt; es besteht kein Anspruch auf eine umfassende Darstellung des Forschungsstands. Für hilfreiche Überblicke hierzu siehe Hodgkinson et al. (2008) und Sinclair (2011).

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