Free access

»Das Thema Xenotransplantation fordert uns als Gesellschaft im Ganzen.« Mit dieser Aussage eröffnen die Teilnehmenden der Münchner Bürgerkonferenz das Fazit ihrer Stellungnahme zur Xenotransplantation. Treffender kann man Motivation und Ertrag der Veranstaltung kaum zusammenfassen: Auf der einen Seite bietet die Xenotransplantation nach den jüngsten Erfolgen der präklinischen Versuche die durchaus begründete Hoffnung, dass mit der Übertragung tierischer Organe schwerkranken Menschen geholfen werden kann, die bislang vergeblich auf ein menschliches Spenderorgan warten. Auf der anderen Seit wirft die Xenotransplantation – mehr als andere moderne Biotechnologien – verschiedene Fragen auf, die uns nicht nur als einzelne Menschen, sondern insgesamt als Gesellschaft herausfordern. Diese reichen von anthropologischen Fragen angesichts tierischer Zellen und Organe im menschlichen Körper über Fragen des angemessenen Umgangs mit den Tieren in der Forschung und bei der Organgewinnung bis hin zur Abschätzung von Risiken durch die Übertragung von Infektionen vom Tier auf den Menschen.

Diese Fragen werden zwar in wissenschaftlichen Fachkreisen analysiert und diskutiert, ein breiterer Diskurs innerhalb der Gesellschaft findet bislang aber kaum statt, obgleich dies angesichts der Trageweite der aufgeworfenen Fragen durchaus angemessen wäre. Mit der Münchner Bürgerkonferenz, auf der im Frühjahr 2019 18 Bürgerinnen und Bürger aus dem Großraum München über drei Wochenenden hinweg über die Chancen und Risiken der Xenotransplantation diskutierten, wollten wir einen Beitrag zur Schließung dieser Lücke leisten. Die Stellungnahme der Teilnehmenden, das Bürgervotum zur Xenotransplantation, wurde im Mai 2019 der Öffentlichkeit vorgestellt und ist online verfügbar.1 Der vorliegende Sammelband bietet nun eine detaillierte Dokumentation und kritische Einordnung der Münchner Bürgerkonferenz zur Xenotransplantation. Damit sollen zum einen die inhaltlichen Ergebnisse der Bürgerkonferenz hinsichtlich der zukünftigen Entwicklung der Xenotransplantation aufgearbeitet werden. Zum anderen möchten wir die aus unserer Sicht äußerst wertvollen Erfahrungen mit dem Beteiligungsverfahren der Bürgerkonferenz schildern und reflektieren. Entsprechend hoffen wir, dass der Sammelband nicht nur von Menschen gelesen und rezipiert wird, die in die Entwicklung der Xenotransplantation involviert sind, sondern auch von Menschen, die sich angesichts der letztlich unvermeidbaren Ambivalenz technologischer Fortschritte nicht nur in der Biomedizin Gedanken darüber machen, wie die sachlich zunehmend komplexen Entwicklungen gesellschaftlich diskutiert, bewertet und angemessen gestaltet werden können.

Für uns als Organisatoren war die Münchner Bürgerkonferenz zur Xenotransplantation gleichermaßen Herausforderung wie Inspiration. Dass wir unsere ursprüngliche Idee, einen fachlich fundierten Diskurs zur Xenotransplantation unter Bürgerinnen und Bürgern tatsächlich so erfolgreich realisieren konnten, erfüllt uns heute noch mit großer Freude und Dankbarkeit. Auch von den anderen beteiligten Personen wurde die Veranstaltung als äußerst lehrreich und gewinnbringend erfahren, sowohl wissenschaftlich als auch persönlich.

Unser Dank gilt deshalb zunächst und vor allem den 18 Bürger*innen, die über den gesamten Verlauf der Bürgerkonferenz hinweg mit hoher Motivation, großem zeitlichen Einsatz und persönlichem Engagement sowie beeindruckendem gesellschaftlichem Verantwortungsgefühl ganz wesentlich zum Gelingen der Bürgerkonferenz beigetragen haben. Ihre Ernsthaftigkeit im Austausch, ihr wertschätzender Umgang miteinander insbesondere auch bei inhaltlichen Kontroversen und ihre unglaubliche Effektivität bei der Erstellung des Bürgervotums am letzten Tag haben uns nachhaltig beeindruckt. Frau Karin Gräbe, Frau Dr. Julia Graf, Herrn Knut Hüneke und Herrn Marius Zeeb danken wir darüber hinaus für die Mitgestaltung des Gesundheitsforums der Süddeutschen Zeitung und ihren Beitrag in diesem Sammelband. Sodann gilt unser Dank den beiden Moderatorinnen der Bürgerkonferenz, Frau Dr. Silke Domasch und Frau Angela Osterheider, die den Diskursprozess über die drei Wochenenden hinweg erfolgreich katalysiert und begleitet haben. Der kontinuierliche und konstruktive, vor allem zwischen den Wochenenden auch rege Austausch, war mit ausschlaggebend für das Gelingen der Bürgerkonferenz. Frau Dr. Katja Kühlmeyer danken wir für die detailreiche Dokumentation der Bürgerkonferenz, die uns die anschließende Auswertung der Diskursprozesse sehr erleichtert hat, Herrn Marc Bubeck für die organisatorische Unterstützung insbesondere auch bei der Evaluation der Veranstaltung. Ein besonderer Dank gilt zudem den Sachverständigen, die sich die Zeit genommen haben, auf die vielen Fragen der Teilnehmenden einzugehen. Sie haben damit ganz wesentlich zur fachlichen Fundierung des Bürgervotums beigetragen. Den beiden Sprechern des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanzierten Transregio-Sonderforschungsbereichs zur Xenotransplantation, Herrn Prof. Dr. Eckhard Wolf und Herrn Prof. Dr. Bruno Reichart, danken wir, dass sie als Vertreter der Xenotransplantationsforschung das Bürgervotum entgegen genommen und die Ergebnisse im Rahmen des Gesundheitsforums der Süddeutschen Zeitung mit diskutiert haben.

Frau Dr. Sabine Bossert danken wir für den persönlichen Austausch über ihre Erfahrungen mit der Bürgerkonferenz in Lübeck. Ebenso danken wir Frau Prof. Dr. Silke Schicktanz für die Beratung im Vorfeld und während der Bürgerkonferenz. Bedanken möchten wir uns überdies bei Herrn Daniel Oppold für die Auskünfte bezüglich einer bisher unveröffentlichten Moderationsmethodenstudie. Dem Internationalen PresseClub München, namentlich Frau Angelika Fuss und Herrn Jörn Dreuw, und dem Gesundheitsforum der Süddeutschen Zeitung, namentlich Herrn Dr. Gernot Sittner und Frau Dr. Christina Berndt, danken wir für die unkomplizierte und effektive Zusammenarbeit bei der Präsentation der Ergebnisse.

Der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) danken wir für die finanzielle Förderung, ohne die die Bürgerkonferenz nicht hätte so erfolgreich durchgeführt werden können, bis hin zur finanziellen Unterstützung des vorliegenden Bandes.

Viele Menschen haben zur Entstehung dieses Sammelbandes und damit zur Dokumentation und Aufarbeitung der Bürgerkonferenz beigetragen. Wir danken zunächst den Autorinnen und Autoren der Beiträge, die verschiedene Aspekte der Veranstaltung beschrieben, analysiert und kritisch diskutiert haben. Sie haben die vorliegende, umfassende Ergebnissicherung der Bürgerkonferenz möglich gemacht. Frau Bernadette Scherer danken wir für die redaktionelle Überarbeitung der Beiträge.

Herrn Prof. Dr. Jochen Sautermeister danken wir für die Aufnahme des Sammelbands in die Reihe »Ethik und Empirie« des mentis Verlags. Nicht zuletzt danken wir ganz besonders Herrn Dr. Michael Kienecker vom mentis Verlag, der die Erstellung dieses Bandes von der ersten Konzeption an sachkundig, engagiert und mit Ausdauer unterstützt hat. Frau Christina Seipelt danken wir für die Betreuung des Bandes in der letzten Phase vor der Drucklegung.

Abschließend bleibt zu hoffen, dass der Sammelband viele interessierte Leserinnen und Leser finden wird. Die Münchner Bürgerkonferenz zur Xenotransplantation könnte dann nicht nur zu einer Gestaltung der Xenotransplantation in gesellschaftlicher Verantwortung beitragen, sondern vielleicht zudem eine Inspiration für zukünftige Verfahren der Bürgerbeteiligung bei aktuellen technologischen Entwicklungen nicht nur in der Biomedizin sein.

München, im August 2020

Johannes Kögel und Georg Marckmann

Xenotransplantation – eine gesellschaftliche Herausforderung

Die Münchner Bürgerkonferenz: Hintergründe – Verfahren – Ergebnisse – Reflexionen

Series: