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Die vorgelegte Abhandlung gliedert sich in drei Teile, welche durch eine Einleitung und ein Schlusskapitel eingerahmt werden. Der 1. Teil (»Rekonstruktion der Adäquatheitstheorie des Wissens«) umfasst die Kapitel 1 bis 5. Das primäre Ziel der ersten fünf Kapitel besteht in der theoretischen Entfaltung der von Richard Foley vorgestellten Wissenstheorie. Elemente dieser Entfaltung sind sowohl die Erläuterung der erkenntnistheoretischen Schlüsselbegriffe der Adäquatheitstheorie als auch das Aufzeigen von Unterschieden und Gemeinsamkeiten der Gleichsetzung von Wissen mit adäquater Information zu anderen Theorien und Strömungen der zeitgenössischen analytischen Erkenntnistheorie. Dadurch soll der Untersuchungsgegenstand im erkenntnistheoretischen Spektrum verortet werden. Der theoretischen Entfaltung folgt der 2. Teil (»Die Adäquatheitstheorie bei der Arbeit«), zu dem die Kapitel 6 bis 8 gehören. Im zweiten Teil geht es mir um eine Art von Praxistest. Jede Wissenstheorie unterliegt der Adäquatheitsbedingung, paradigmatischen Beispielen und exemplarischen Fallbeschreibungen gerecht werden zu müssen. Die Theorie muss sich in der erkenntnistheoretischen Praxis bewähren, d.h. sie darf der intuitiven Anwendung der Satzfunktion ›S weiß (nicht), dass p‹ in paradigmatischen Situationen nicht systematisch zuwiderlaufen. Auch die Gleichsetzung von Wissen mit adäquater Information unterliegt dieser Bedingung. Anhand ausgewählter Beispiele und exemplarischer Herausforderungen, darunter das berühmte Gettierproblem und das Lotterieparadox, sollen die Leistungsfähigkeit und die Problemlösungskompetenz der Adäquatheitstheorie getestet werden. Auf Basis des 2. Teils komme ich zu dem Ergebnis, dass Foleys neuartige Konzeption propositionalen Wissens den Praxistest erfolgreich besteht.

Im Unterschied zu den ersten beiden Teilen ist der 3. Teil (»Die Adäquatheitstheorie in der Kritik«) überwiegend kritischer Natur. In den Kapiteln 9, 10 und 11 widme ich mich kritischen Stimmen, Einwänden und scheinbaren Grenzen der Adäquatheitstheorie. Durch das Aufgreifen von Einwänden unterschiedlicher Art soll meine Abhandlung einen ausgewogenen und unvoreingenommenen Charakter erhalten. Die Auseinandersetzung mit der Kritik führt mich darüber hinaus zu wichtigen Weiterentwicklungen der von Foley vorgeschlagenen Grundkonzeption seiner Theorie. Insbesondere beim Umgang mit dem Skeptizismusproblem (9. Kapitel) plädiere ich für einen alternativen Lösungsansatz. Alles in allem glaube ich, den Einwänden des 3. Teils Herr werden zu können. Freilich wird das philosophische Gespräch dadurch nicht verstummen. Das soll es auch nicht. Nach der Zurückweisung dominanter kritischer Stimmen liegt der argumentative Spielball allerdings wieder beim Opponenten. Dieser trägt nun die Beweislast. Im Lichte der Gegenüberstellung aller Vor- und Nachteile komme ich zu dem Schluss, dass die Adäquatheitstheorie des Wissens ein neuer, ernstzunehmender und interessanter Kandidat auf dem Spielfeld philosophischer Wissenstheorien ist. Mit dieser Aussage ist mein primäres Anliegen benannt. Diesen einleitenden Bemerkungen möchte ich nun eine inhaltliche Zusammenfassung aller Kapitel an die Seite stellen.

Das 1. Kapitel stellt eine Art Erstkontakt mit der Schlüsselthese her, personal-propositionales Wissen sei nicht mehr und nicht weniger als adäquate Information.1 Jede philosophische Wissenstheorie folgt dem Anspruch, Wissen systematisch von Nichtwissen abzugrenzen. Wissen ist wahre Überzeugung, aber nicht jede wahre Überzeugung ist ein Fall von Wissen. Die Klasse der wahren Überzeugungen ist folglich mengenreicher als die Klasse der gewussten Propositionen. Kraft welcher dritten (oder vierten, fünften etc.) Zusatzbedingung lässt sich die gesuchte Teilmenge identifizieren? Der traditionellen Lehrmeinung zufolge soll die Zusatzbedingung zugleich der Forderung nach Nichtzufälligkeit der Wahrheit einer Überzeugung bzw. des kognitiven Erfolgs genügen. Die Standardantworten auf die Abgrenzungsfrage sind bekannt. Ich führe drei besonders wirkmächtige Kandidaten aus: epistemische Rechtfertigung (»justification«), zuverlässige Überzeugungsbildungsmethode (»reliability«) und modale Sicherheit (»safety«). Wissen wäre demnach wahre und gerechtfertigte Überzeugung, wahre Überzeugung plus reliable Bildungsgeschichte oder (wahre und) sichere Überzeugung. Keine dieser Zusatzbedingungen vermag zu überzeugen. Es ist nicht nur so, dass die Suche nach der dritten (oder vierten, fünften etc.) Königsbedingung in den vergangenen 60 Jahren zu keinem Konsens geführt hat, was nicht zuletzt daran lag und liegt, dass jeder Kandidat bei genauerer Betrachtung entweder intrinsisch problematisch ist oder aber seiner Abgrenzungsfunktion zwischen Wissen und Nichtwissen nur unzureichend nachkommt, sondern die Ausbuchstabierung einer Wissenstheorie entlang der Form ›wahre Überzeugung plus x‹ hat auch zu immer komplizierteren und verschachtelteren Theorien geführt. Die analytische Überkomplexität und Überspezifizität bei der Explikation eines für unser menschliches Selbstverständnis absolut basalen Begriffs wie ›Wissen‹ ist mitverantwortlich für die Entfremdung zwischen zeitgenössischer analytischer Erkenntnistheorie auf der einen und alltäglicher Lebens- und Handlungswelt auf der anderen Seite. Gründe für einen erkenntnistheoretischen Neuanfang gibt es also genug. Foleys Adäquatheitstheorie stellt in meinen Augen einen solchen begrifflichen Neuanfang dar. Er distanziert sich von der traditionellen Dreigliedrigkeit ›wahre Überzeugung plus x‹. Stattdessen ist Wissen, so lautet die prägnante Gegenstimme, nicht mehr, aber auch nicht weniger als adäquate Information. Wenn immer ein Subjekt trotz wahrer Überzeugung nicht weiß, was es für wahr hält, fehlt dem Subjekt mindestens eine relevante Information im Umfeld der Zielüberzeugung. Das bedeutet umgekehrt: Ein Informationszustand ist adäquat, wenn er keine auf den Gegenstand des Wissens bezogene relevante Informationslücke aufweist. Dieser Ansatz verzichtet auf die Identifikation einer dritten Königsbedingung, weswegen ich ihn deflationistisch bzw. minimalistisch nenne. Gleichwohl sind die bekannten Zusatzbedingungen wie Rechtfertigung, Reliabilität oder modale Sicherheit nicht vollkommen unwichtig.2 Foley zufolge handelt es sich dabei um mehr oder weniger robuste Begleitphänomene adäquater Informationszustände. In der Nichterfüllung epistemischer Rechtfertigung kann sich eine relevante Informationslücke manifestieren. Daraus folgt jedoch nicht, dass epistemische Rechtfertigung notwendig für Wissen ist. Gleiches trifft auf die anderen Bedingungen zu. Wer ein Begleitphänomen von Wissen in die Natur des Wissens selbst verlegt, begeht einen Kategorienfehler. Dieser Fehler wiederum führt zur Überspezifikation des zu analysierenden Phänomens. Die Rede von Begleitphänomenen und Kategorienfehlern zieht sich durch die Folgekapitel. Anhand einiger Beispiele weise ich die Gleichsetzung von Wissen mit adäquater Information als intuitiv plausibel aus. Zugleich stelle ich einen wichtigen theoretischen Mehrwert der Adäquatheitstheorie in Aussicht: Die Theorie ist nicht nur vergleichsweise einfach gebaut, sie gibt auch einfache Antworten auf die in der analytischen Erkenntnistheorie etablierten Probleme und Herausforderungen, zu denen beispielsweise auch das – prima facie komplizierte – Gettierproblem zählt. Folgen wir Foley, so beschreiten wir mit der vorliegenden Arbeit einen Weg des überfälligen begrifflichen Neuanfangs, der uns aufgrund der Ausweisung sogenannter dritter Faktoren als – lediglich – Begleitphänomene auch zu einer plausiblen wie hilfreichen Arbeitsteilung innerhalb der erkenntnistheoretischen Disziplin führt. Es bedarf keiner vorgelagerten Theorie epistemischer Rechtfertigung, epistemischen Zufalls etc. mehr, um eine Theorie des Wissens aufstellen zu können. Vielmehr haben wir es hierbei mit zwei (oder mehr) eigenständigen und teilweise unabhängigen Projekten zu tun: dem Projekt der Wissenstheorie und dem Projekt rationaler, vernünftiger, zuverlässiger, gerechtfertigter etc. Überzeugungen (vgl. insbesondere Kapitel 4).

Das 1. Kapitel stellt lediglich den Erstkontakt her. Die Kapitel 2 bis 5 greifen die entfaltete Grundidee auf und bauen sie theoretisch aus. Im Zentrum des 2. Kapitels stehen die beiden Schlüsselbegriffe ›Information‹ und ›Adäquatheit‹, wobei der Schwerpunkt meiner Explikation auf Letzterem liegt. Information ist für Foley weder schon Wissen noch ein sub- bzw. nonpersonaler Systemzustand im Sinne des informationalen Naturalismus Fred Dretskes. Im Kontext der Adäquatheitstheorie gilt stattdessen: Informationen sind wahre Überzeugungen und damit propositionale Einstellungen von Subjekten. Viel mehr bedarf es für die Klärung des Informationsbegriffs nicht. Jede Tatsache ist zeitlich, räumlich, kausal etc. mit unzähligen weiteren Tatsachen verbunden. Ähnliches trifft auch auf Informationen (und folglich auf wahre Überzeugungen) zu. Kein Informationszustand eines beliebigen Subjekts kann vollständig sein. Wäre Wissen das Fehlen jeglicher Informationslücken, so liefe Foleys Position auf einen Skeptizismus hinaus. Nicht zuletzt deshalb spricht er von adäquater Information und von relevanten Informationslücken. Adäquatheit und Relevanz sind keine intrinsischen Eigenschaften von Tatsachen, Propositionen oder Informationen, sondern relationale Eigenschaften. Das ist ein entscheidender Punkt für die Entwicklung der Theorie. Relevanz ist eine Funktion von Kontexten, Situationen und Perspektiven im weiten Sinne. Im Adäquatheitsbegriff stecken notwendigerweise Relevanzerwägungen. Daraus folgt, dass der Adäquatheitsbegriff die Adäquatheitstheorie zu einer Spielart des Anti-Intellektualismus (Pragmatismus, Kontextualismus) macht. Das erklärt meine Auslegung der Foleyschen Theorie als pragmatischen bzw. anti-intellektualistischen Deflationismus (bzw. Minimalismus). Anti-Intellektualismus, Pragmatismus und Kontextualismus stehen nicht nur in der Erkenntnistheorie für ein buntes Theoriegemisch. Um die Gleichsetzung von Wissen mit adäquater Information besser verstehen und einordnen zu können, stelle ich eine Landkarte ausgewählter pragmatisch-kontextualistischer Positionen vor. Die erste Bemarkung auf meiner Landkarte betrifft den von Jason Stanley hervorgehobenen Gegensatz von Intellektualismus versus Anti-Intellektualismus. Anti-Intellektualisten behaupten, dass nicht-epistemische (praktische, pragmatische, kontextsensitive) Faktoren konstitutive Determinanten für das Vorliegen und Nichtvorliegen von Wissen sind. Dadurch wird ›Wissen‹ zu einem praktischen Begriff. Meiner Lesart zufolge verpflichtet sich Foley auf den Anti-Intellektualismus. Welche nicht-epistemischen Faktoren wirken sich wie auf Wissen aus (zweite Bemarkung)? Geht es bei der Unterscheidung zwischen relevanten und irrelevanten Informationslücken um das, was für das Wissenssubjekt praktisch auf dem Spiel steht (Stanley)? Bestimmen konversationelle Diskurselemente (Stewart Cohen) und/oder methodologisch-disziplinäre Aspekte (Michael Williams), ob ein Subjekt, gegeben einer bestimmten epistemischen Position, weiß, dass p? Und welche Perspektive ist epistemisch ausschlaggebend: die des Subjekts oder die des Zuschreibers? All diesen Fragen gehe ich bei der Darstellung der Landkarte pragmatischer Wissenstheorien nach. Meine Position am Ende des 2. Kapitels ist Folgende: Müssen wir uns auf eine dieser kontextsensitiven Theorien festlegen? Müssen wir uns für genau einen und gegen andere nicht-epistemische Faktoren aussprechen? Nein. Die Adäquatheitstheorie legt sich bewusst weder auf einen konversationellen oder inferentiellen Kontextualismus fest noch verschreibt sie sich Stanleys subjektsensitiven Invariantismus, dem zufolge die praktischen Konsequenzen eines möglichen Irrtums über Wissen und Nichtwissen mitentscheiden. Foley präsentiert aus guten Gründen gerade keine eigenständige Theorie der Relevanz. Seine Perspektive ist ökumenisch: Viele verschiedene praktische Faktoren können je nach Situation Informationslücken relevant werden lassen und so adäquate Informationszustände verhindern. Überspezifikation wäre auch hier ein theoretischer Nachteil. In bestimmten Kontexten kann der diskursive Verlauf eine fehlende Information relevant machen, in anderen Situationen wiederum kann epistemische Relevanz davon abhängen, in welchem disziplinären Setting wir uns bewegen oder ob die praktische Einbettung des Wissensgegenstands diesen zu einer Sache um Leben oder Tod macht. Es gibt keinen guten Grund, einem dieser kontextsensitiven Faktoren eine epistemische Schlüsselrolle zuzuweisen und die anderen dadurch zurückzustellen. Anders ausgedrückt: Die Adäquatheitstheorie ist mit einer Vielzahl anti-intellektualistischer Positionen vereinbar. Auch darin sehe ich einen Vorzug.

Das 3. Kapitel widmet sich der Gegenüberstellung von Foley und Sartwell. Die Adäquatheitstheorie ist eine Spielart des erkenntnistheoretischen Deflationismus (bzw. Minimalismus). Diese Bezeichnung bringt zum Ausdruck, dass es über Wahrheit und Überzeugung hinaus keiner zusätzlichen, substanziell-epistemischen Königseigenschaft bedarf, um Wissen zu analysieren. Mit wahren Überzeugungen haben wir im Prinzip schon alles, was wir für eine Wissenstheorie benötigen. (Über Wohl und Wehe dieser Aussage entscheidet natürlich der Zusatz: im Prinzip.) Der erkenntnistheoretische Deflationismus ist zuerst einmal mit dem Namen Crispin Sartwell verbunden. Für Sartwell ist Wissen nichts anderes als wahre Überzeugung. Nennen wir diese These radikal deflationistisch. Ist Foley ebenfalls ein radikaler Deflationist? Wo liegen Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen beiden? Sartwells Position hat mehr Kritiker als Anhänger gefunden. Große Probleme hat er nicht zuletzt mit jenen wahren und gerechtfertigten Überzeugungen, die unseren robusten Intuitionen zufolge gerade keine Fälle von Wissen sind. Derartige Beispiele gibt es reichlich, nicht nur im Sinne Gettiers. Ist Foleys Ansatz vergleichbaren Schwierigkeiten ausgesetzt? Das ist nachweislich nicht der Fall. Für Foley ist Wissen nicht per se identisch mit einer isolierten wahren Überzeugung. Sein explikativer Schlüssel besteht in adäquater Information, und adäquate Information erfordert im Normalfall ein ganzes Bündel wahrer Überzeugungen – Überzeugungen, die zusammengenommen das Vorliegen relevanter Informationslücken verhindern. Adäquate Information ist oft mehr als der Besitz einer einzelnen wahren Überzeugung. Es ist tatsächlich der Übergang von bloß wahrer Überzeugung zur Adäquatheit, der die Probleme Sartwells beseitigt. Im Zuge dieser Einsicht nenne ich Foleys Position, in Abgrenzung zu Sartwell, gemäßigt deflationistisch (oder einfach minimalistisch).

Erfordert p-Wissen stets mehrere oder viele wahre Überzeugungen im Umfeld der Zielinformation p? Interessanterweise ist auch für Foley die Antwort darauf negativ. Was für die meisten Erkenntnistheoretiker ausgeschlossen ist, ist für Sartwell der Normalfall. Unter adäquatheitstheoretischen Vorzeichen können wir eine gemäßigte Zwischenposition einnehmen. Sogenanntes enges Wissen (»narrow knowledge«) ist erstens möglich und zweitens mehr als ein bloßes Randphänomen. Ein unvoreingenommener Blick offenbart, dass es tatsächlich Fälle gibt, in denen nicht oder kaum mehr als eine wahre Überzeugung nötig ist, um entsprechendes Wissen zu besitzen. Im 3. Kapitel stelle ich eine Reihe derartiger Fälle vor. Grundsätzlich lässt die Gleichsetzung von Wissen mit adäquater Information ein Spektrum möglicher Realisierungen zu. An einem Ende des Spektrums, beispielsweise bei diskursiv-wissenschaftlichem Wissen, bedarf es eines reichhaltigen und dichten Informationsnetzes, um im epistemischen Diskurs bestehen und folglich wissen zu können, dass dies und jenes der Fall ist. Das gegenüberliegende Spektrumende markiert das Phänomen engen Wissens, zum Beispiel Kinderwissen oder Wissen um die eigenen phänomenalen Zustände. Wissen, dass man Schmerzen hat, läuft häufig auf kaum mehr hinaus als auf die wahre Überzeugung, dass man Schmerzen hat. Zwischen diesen beiden Enden variiert die erforderliche Dichte des Informationsnetzes. Abermals sind es kontextuelle Faktoren, die bestimmen, wie reichhaltig und intrinsisch verflochten ein Informationszustand eines Subjekts sein muss, um als adäquat zu gelten. In der vielfältigen Realisierbarkeit adäquater Information drückt sich Foleys ökumenische Perspektive erneut aus. Wir müssen uns weder einem erkenntnistheoretischen Intellektualismus mit außergewöhnlich strengen Maßstäben (wissenschaftliches Wissen) verschreiben noch müssen wir menschliches Wissen in Gänze mit tierlichem Wissen (oder Kinderwissen etc.) identifizieren. Wissen ist adäquate Information und adäquate Informationen sind multipel realisierbar.

Die Frage nach den Unterschieden und Gemeinsamkeiten zwischen Sartwell und Foley führt mich im 3. Kapitel auch zum Wert- bzw. Mehrwertproblem des Wissens. In Übereinstimmung mit der prinzipiellen Ausrichtung der vorgestellten Theorie stelle ich eine deflationistische Antwort auf die Frage vor, warum Wissen wertvoller als wahre Überzeugung ist. Die Antwort speist sich maßgeblich aus der Grundidee der Adäquatheitstheorie.

Das 4. Kapitel greift Andeutungen aus den Kapiteln 1 bis 3 auf. ›Wissen‹ und ›epistemische Rechtfertigung‹ sind zwei Schlüsselbegriffe der philosophischen Erkenntnistheorie. Ihre jeweilige Analyse ist die Aufgabe zweier entsprechender erkenntnistheoretischer Kernprojekte. Wie hängen die beiden Begriffe und Projekte zusammen? Das ist die Leitfrage des 4. Kapitels. Niemand wird ernsthaft leugnen, dass es eine Verbindung gibt. Als »working assumption« der modernen Erkenntnistheorie bezeichnet Foley die Annahme einer begrifflich-notwendigen Beziehung zwischen Wissen und Rechtfertigung. Der Lehrmeinung zufolge soll Wissen (zumindest) wahre und gerechtfertigte Überzeugung sein, umgekehrt soll Rechtfertigung jene Zutat darstellen, die – Gettierfälle ausgenommen – aus wahren Überzeugungen Wissen macht. Meines Erachtens handelt es sich bei dieser Annahme nicht nur um eine bloße Arbeitshypothese. Vielmehr spreche ich vom Dogma der notwendigen Beziehung zwischen Wissen und Rechtfertigung. Die Zurückweisung des Dogmas ist ein wesentliches Element der Adäquatheitstheorie des Wissens. Foley lehnt das Dogma in beiden Richtungen ab: a) Rechtfertigung ist weder hinreichend noch notwendig für propositionales Wissen, und b) ist das primäre Ziel epistemischer Rechtfertigung auch nicht die Realisierung von Wissen. Damit vertritt Foley einmal mehr eine Sonderposition. Wie sehen seine Argumente aus? Ich diskutiere vier Argumente bzw. Argumentationsmuster zugunsten der Zurückweisung des Dogmas: eine interne und eine externe Kritik, gefolgt von einer argumentationstheoretischen Überlegung und einer diagnostischen Geschichte zur Stützung der Position Foleys. Der internen Kritik geht die Frage nach der Natur epistemischer Rechtfertigung voraus. Angelehnt an frühere Schriften Foleys zeichne ich ein grobes Bild entlang des meines Erachtens natürlichen Ausgangspunktes, demnach die Analyse epistemischer Rechtfertigung internalistisch aufgestellt sein sollte, d.h. ausgerichtet auf die Innenperspektive des epistemischen Subjekts. Dieser natürliche Ausgangspunkt offenbart zwei miteinander zusammenhängende Dimensionen der Rechtfertigung, eine rationale und eine normative, die den Grundstein legen für evidentielle und deontologische Theorien epistemischer Rechtfertigung. Ich präsentiere eine grobe Skizze dieser Theorien, aus der gleichwohl ersichtlich wird, dass Fragen nach dem Rechtfertigungsstatus von Überzeugungen mit Wissensfragen erst einmal wenig zu tun haben. Das ist ein wichtiger Punkt. Vor dem Hintergrund der skizzierten Rechtfertigungskonzeption widme ich mich den vier Argumentationsmustern.

Die interne Kritik zielt auf die Unplausibilität und Kontraintuitivität des Dogmas. Wir wissen um die Kluft zwischen Wissen und Rechtfertigung, zum Beispiel aus dem Phänomen engen Wissens (3. Kapitel) heraus, aber auch anhand zahlreicher Hellseher- und Täuschergottszenarien. Systematisch falsche Überzeugungen können gerechtfertigt sein und Wissen ist prima facie mit nicht-gerechtfertigten Überzeugungen sehr wohl vereinbar. Als externe Kritik bezeichne ich Foleys Nachweis, dass sich das Dogma nachteilig sowohl auf die Wissenstheorie als auch auf die Theorie(n) epistemischer Rechtfertigung auswirkt. Für beide Theoriestränge werden jeweils vier negative Konsequenzen vorgestellt, darunter Nachteile wie Intellektualisierung, Verkomplizierung, methodisch-phänomenaler Separatismus sowie Konflikte mit der alltagsweltlichen Urteilspraxis. Die argumentationstheoretische Überlegung fragt nach der Beweislastverteilung. Wer trägt die Beweislast: Foley oder jene, die von einer notwendigen Beziehung zwischen Wissen und Rechtfertigung ausgehen? Letztere, so lautet meine Antwort, denn das Dogma verkörpert verglichen mit der Adäquatheitstheorie die anspruchsvollere These. Vor dem Hintergrund meiner internen und externen Kritik ließe sich behaupten, dass der Opponent seiner Beweispflicht offenbar nicht nachgekommen ist. Mein viertes Argument gegen das Dogma beruft sich auf eine diagnostische Geschichte. Wie konnte die von Foley sogenannte »working assumption« einen solch fundamentalen (dogmatischen) Status im erkenntnistheoretischen Denken erlangen? Eine naheliegende Erklärung beginnt mit der zutreffenden Diskrepanzerfahrung, dass Wissen und wahre Überzeugung nicht systematisch zusammenfallen. Sowohl im 1. Kapitel als auch bei der Kritik am Sartwellschen Deflationismus (3. Kapitel) bediene ich mich dieser Diskrepanzerfahrung. Die Suche nach der zusätzlichen dritten Bedingung x in der Formel ›Wissen ist wahre Überzeugung plus x‹ wurde verstanden als die Suche nach einem Faktor, der von wahrer Überzeugung unabhängig ist, Wissen generiert, die Überzeugung evidentiell absichert, der Forderung nach Nichtzufälligkeit des kognitiven Erfolgs genügt etc. Damit nahmen die Probleme ihren Lauf. Kein dritter Faktor wird all diesen Aufgaben nachkommen können – auch nicht epistemische Rechtfertigung, die zumeist favorisierte Antwort auf die Frage nach der dritten Bedingung. Glücklicherweise, und hier entfaltet die Adäquatheitstheorie einmal mehr ihr therapeutisches Potenzial, bedarf es eines unabhängigen dritten Faktors nicht. Wissen ist, kurz gesagt, das Produkt hinreichend vieler wahrer Überzeugungen. Die Diskrepanzerfahrung ist korrekt, nur wurden die falschen Schlüsse daraus gezogen.

Angenommen, meine Zurückweisung des Dogmas ist erfolgreich. Wo stehen wir dann mit Blick auf die beiden Schlüsselbegriffe und erkenntnistheoretischen Großprojekte? Was Letztere betrifft, so empfiehlt Foley eine arbeitsteilige Neuausrichtung der Erkenntnistheorie. Theorien des Wissens und Theorien epistemischer Rechtfertigung sind zwei eigenständige, gleichermaßen legitime und unabhängige Projekte. Die Vorteile dieser arbeitsteiligen Unabhängigkeit liegen im Ausbleiben der zuvor erwähnten Nachteile. In Foleys Worten: »[E]pistemology is better off without the assumption that there is a conceptual connection between epistemic justification and knowledge.« (Foley 2004, 71) Wenn ›Wissen‹ und ›Rechtfertigung‹ nun nicht begrifflich-notwendig miteinander verbunden sind, in welcher Beziehung stehen sie dann zueinander? Die Antwort darauf haben wir schon im 3. Kapitel gegeben: Epistemische Rechtfertigung ist ein robustes Begleitphänomen propositionalen Wissens. Wo Wissen vorliegt, liegt oft – nicht immer (!) – auch gerechtfertigte Überzeugung vor, und wo Letztere fehlen, fehlt oft – nicht immer (!) – auch Wissen. In der Nichterfüllung der Rechtfertigungsbedingung können sich relevante Informationslücken realisieren. Die multiple Realisierbarkeit markiert eine systematische Beziehung zwischen Wissen und Rechtfertigung, die von einer notwendigen Verknüpfung gleichwohl zu unterscheiden ist.

Im 5. Kapitel diskutiere ich die Antizufallsintuition bezüglich Wissen. Gemäß dieser robusten und weit verbreiteten Intuition schließen Wissen und epistemischer Zufall einander aus. Das Gebot einer für Wissen erforderlichen Nichtzufälligkeit des kognitiven Erfolgs kann zu Recht als kleinster gemeinsamer Nenner beinahe aller zeitgenössischen Wissenstheorien angesehen werden. Auf die eine oder andere Weise sollen dritte Faktoren (Rechtfertigung, Reliabilität, modale Sicherheit, Kausalität etc.) einen Beitrag zur Erfüllung der Forderung nach Nichtzufälligkeit leisten. Mich interessiert die Frage, wie die Adäquatheitstheorie zur Antizufallsintuition steht. Sind adäquate Informationszustände mit dem Zufall vereinbar? Mein Argumentationsziel ist überwiegend kritischer Natur. Ich versuche zu zeigen, dass wir bei der Analyse von Wissen besser ganz auf die Antizufallsintuition bzw. eine entsprechende Antizufallsbedingung verzichten sollten. Um dieses Ziel zu erreichen, stelle ich zwei begriffliche Unterbestimmtheiten der These ›Wissen ist nicht-zufällig wahre Überzeugung‹ vor. Die erste Unterbestimmtheit hat etwas mit den unterschiedlichen Arten des epistemischen Zufalls zu tun. Jede Erkenntnistheoretikerin, die sich die Antizufallsintuition analytisch zunutze machen will, muss zwischen gefährlichen und ungefährlichen Zufallsarten unterscheiden. Nicht jede Mitwirkung des Zufalls am kognitiven Erfolg untergräbt Wissen. Im Gegensatz zum gefährlichen Zufall soll der ungefährliche Zufall Wissen gerade nicht verhindern. Ein genauerer Blick lässt jedoch Zweifel an der Plausibilität und Objektivität dieser Unterscheidung aufkommen. Ist Umgebungszufall (»environmental luck«), wie er in Scheunenattrappenfällen vorkommt, gefährlich oder nicht? Die Antizufallsintuition gibt darauf keine eindeutige Antwort. Und lässt sich darüber hinaus wirklich kontextunabhängig sagen, ob eine bestimmte Zufallsart an sich (objektiv) mit Wissen (un)vereinbar ist? Auch diesbezüglich hege ich Zweifel. Prima facie gefährlicher Zufall kann unter gewissen Umständen Wissen sehr wohl noch ermöglichen, wie umgekehrt prima facie ungefährlicher Zufall unter gewissen Bedingungen Wissen auszuschließen scheint.

Die Probleme mit dem Nichtzufälligkeitsgebot sind jedoch noch gravierender. Die zweite begriffliche Unterbestimmtheit der Forderung nach Nichtzufälligkeit zielt auf die Strenge des Gebots. Wir können zwischen einer gemäßigten (fallibilistischen) und einer strengen (infallibilistischen) Lesart unterscheiden. Die erste Lesart erweist sich bei der Analyse von Wissen weitestgehend als nutzlos, der zweiten Lesart werden dagegen skeptische Konsequenzen nachgesagt. Damit stehen wir vor einem Dilemma: entweder ist die Antizufallsintuition zu schwach oder zu stark. Meine Bedenken führen mich zu dem Fazit, dass der Antizufallsintuition keine explanatorische Schlüsselrolle zugewiesen werden sollte. Die Rede von der Nichtzufälligkeit wahrer Überzeugungen ist im wissenstheoretischen Kontext massiv unterbestimmt und führt zudem in ein Dilemma. Die Gleichsetzung von Wissen mit adäquater Information kommt ohne die Einbeziehung des epistemischen Zufalls aus. Entscheidend für Wissen ist das Fehlen relevanter Informationslücken. Epistemischer Zufall kann Informationslücken relevant werden lassen, muss es aber nicht. Im Lichte der Adäquatheitstheorie ist »lucky knowledge« also nicht per se ausgeschlossen.

Mit dem 6. Kapitel beginnt mein Nachweis der Problemlösungskraft der Adäquatheitstheorie. Ich lasse Foleys Konzeption gegen ausgewählte und zentrale Herausforderungen der zeitgenössischen Erkenntnistheorie antreten. Die Konzeption ist in der Theorie elegant und robust. Das hat der 1. Teil gezeigt. Bewährt sie sich aber auch in der disziplinären Praxis? Ich komme zu einer positiven Antwort. Anhand exemplarischer Fälle stelle ich die Leistungsfähigkeit der Theorie unter Beweis. Im 6. Kapitel geht es um Scheunenattrappenfälle und um das Gettierproblem. Das Kapitel beginnt mit allgemeinen Bemerkungen zur Stellung von und zum Umgang mit Beispielen in Philosophie und Erkenntnistheorie. Beispiele sind Fallskizzen bzw. Kurzgeschichten, und Kurzgeschichten sind ihrer Natur nach stets lückenhaft und werden selektiv erzählt wie verstanden. Wir erhalten niemals alle Informationen. Der Erzähler präsentiert die Geschichte aus seiner Perspektive, wie auch der Leser Informationen vor seinem Hintergrund aufnimmt und etwaige Lücken perspektivisch schließt. Aus diesen Umständen leite ich fünf Richtlinien im Umgang mit (erkenntnistheoretischen) Beispielen ab.

In sogenannten Scheunenattrappenfällen gelangt das Subjekt in einer Täuschungsumgebung (zufällig) zu einer wahren Überzeugung. Weiß Barney, dass vor ihm auf der Wiese eine echte Scheune steht, wenn dies die einzig echte Scheune inmitten unzähliger, gut gemachter Scheunenattrappen ist, von deren Existenz er keine Kenntnis besitzt? Unsere Intuitionen schwanken, unsere theoretischen Urteile auch. Erkenntnistheoretiker kommen zu unterschiedlichen Antworten auf die Wissensfrage. Meiner Interpretation zufolge schließt die Adäquatheitstheorie Wissen in derartigen Fällen nicht kategorisch aus. In der Regel sind Scheunenattrappenfälle kontextuell-pragmatisch unterbestimmt. Zweifelsohne weist Barneys Informationszustand massive Informationslücken auf. Ob sie relevant sind oder nicht, hängt nicht zuletzt von den oft unberücksichtigten pragmatischen Relevanzfaktoren ab. Umgebungszufall ist nicht per Definition mit Wissen unvereinbar. Ich zeige, dass einige pragmatische Ausbuchstabierungen eines paradigmatischen Scheunenattrappenfalls Wissen zulassen, andere dagegen nicht.

Das Gettierproblem gehört – zu Recht oder nicht – zu den Kernproblemen der analytischen Erkenntnistheorie. Seit über 50 Jahren versuchen Erkenntnistheoretiker die Frage zu beantworten, wieso wahre und gerechtfertigte Überzeugungen mal Wissen ergeben und mal nicht. Als Gettierismus wird die These bezeichnet, dass Subjekte in gettierartigen Situationen nicht wissen, was sie für wahr halten. In Gettierfällen, so lautet die Standardantwort, soll deshalb kein Wissen vorliegen, weil die Zielüberzeugung auf eine besonders zufällige Art und Weise wahr ist. Gettierintuition und Antizufallsintuition sind eng miteinander verbunden. Aufgrund spezieller Zufallskonstellationen soll es sich bei Gettierfällen um eine spezielle Klasse von Nichtwissen handeln. Indem ich für eine Deflationierung des Gettierproblems argumentiere, weise ich den Gettierismus zurück. Dem Problem wird so die Aura des Geheimnisvollen genommen. »Gettierfälle« sind weder eine homogene Beispielart noch sind sie theoretisch signifikant. Wenn ein Subjekt trotz wahrer (und gerechtfertigter etc.) Überzeugung nicht weiß, was es für wahr hält, so fehlt dem Subjekt schlicht mindestens eine wichtige Information im Umfeld des vermeintlichen Wissensgegenstands. Das gilt für alle Fälle von Nichtwissen gleichermaßen. Gettierbeispiele machen hier keine Ausnahme. Es bedarf weder einer mysteriösen Anti-Gettier-Bedingung noch einer ausgefeilten Theorie des epistemischen Zufalls, um das (häufige) Nichtwissen unter »gettierartigen« Umständen erklären zu können. In allen bekannten Gettierbeispielen hat der epistemische Zufall seine Finger im Spiel. Das bestreite ich nicht. Unter adäquatheitstheoretischen Vorzeichen steht der Zufall jedoch explanatorisch nur an zweiter Stelle. Zufallskonstellationen können eine Rolle bei der Manifestation relevanter Informationslücken spielen, müssen es aber nicht. Letzteres deutet die Möglichkeit sogenannten »Gettierwissens« an.

Gegenstand des 7. Kapitels ist das Lotterieparadox. Lotteriepropositionen sind wahre Propositionen mit einer außergewöhnlich starken probabilistischen Evidenzbasis, von denen wir in typischen Lotteriesituationen dennoch nicht sagen wollen, wir wüssten sie. Hier ein Beispiel: S besitzt ein Los einer fairen Lotterie. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 1 Million zu 1 ist das Los eine Niete. Aus der Perspektive des Subjekts spricht evidentiell sehr viel für die Wahrheit der Überzeugung, dass das eigene Los eine Niete ist. Die Gründe sind (statistisch) exzellent. Die Wahrheit der Überzeugung vorausgesetzt, haben wir gleichwohl die starke Intuition, es läge kein Wissen vor. Niemand sollte auf Basis rein probabilistischer Evidenzen wissen können, dass das eigene Los eine Niete ist. Nennen wir das die Lotterieintuition. Das Problem ist nun, dass jede Lotterieproposition viele gewöhnliche und prima facie unproblematische Wissenspropositionen impliziert. Unter geeigneten Bedingungen sind wir bereit, S das Wissen zuzubilligen, dass sie sich in den nächsten Monaten keine Luxusjacht, keine Villa etc. wird leisten können. So viel sollte unstrittig sein. Wenn S aber gemäß der Lotterieintuition nicht weiß, dass das eigene Los eine Niete ist, wie soll sie dann noch wissen können, dass sie sich all die Luxusgüter in den nächsten Monaten nicht wird leisten können?3 Unbeantwortet führt das Lotterieparadox offenbar zu skeptischen Konsequenzen. Logisch betrachtet handelt es sich bei dem Paradox um ein klassisches Trilemma: Wir haben es mit drei, jeweils für sich betrachtet, plausiblen Prämissen zu tun, die zusammengenommen aber nicht alle wahr sein können. Irritierenderweise thematisiert Foley das Paradox selbst nicht. Er begnügt sich stattdessen mit einer adäquatheitstheoretischen Erklärung der Lotterieintuition. Die Erklärung mag stimmen. Stimmt sie, drängt sie uns nur noch stärker in das Paradox. Auf der einen Seite wissen wir auch adäquatheitstheoretisch nicht, dass das eigene Los eine Niete ist, auf der anderen Seite ist es gewöhnlich völlig unstrittig zu wissen, dass wir uns dies und jenes nicht leisten können. Letzteres stellt auch Foley nicht in Abrede. Das Gegenteil wäre ein unplausibler Revisionismus. Wie kann beides wahr sein, wenn Lotteriepropositionen und gewöhnliche Wissenspropositionen in einer Implikationsbeziehung zueinander stehen? Mit der Erklärung der Lotterieintuition ist es folglich nicht getan. Im Unterschied zu Foley greife ich das Lotterieparadox auf. Meine Auflösung des Trilemmas besteht in der Zurückweisung einer uneingeschränkten Variante des Geschlossenheitsprinzips (»Closure«). Wissen und adäquate Informationszustände sind nicht uneingeschränkt deduktiv geschlossen unter bekannter logischer Implikation. In einem eingeschränkten Sinn ist Wissen dagegen sehr wohl deduktiv geschlossen. Ich stelle die abgeschwächte Variante der Geschlossenheit vor und begründe sie. Das Lotterieparadox benötigt uneingeschränkte Geschlossenheit von Wissen. Und diese Variante ist meines Erachtens – entgegen der erkenntnistheoretischen Lehrmeinung – nicht zu haben. Meine Argumentation greift unter anderem auf Überlegungen Wittgensteins in Über Gewißheit zurück. Jedes propositionale Wissen basiert auf nicht-gewussten Annahmen und Voraussetzungen (Rahmensätze, Angelsätze, Weltbildsätze). Müssten wir jede derartige Voraussetzung eines epistemischen Sprachspiels selbst immer schon wissen, würden wir niemals zum eigentlichen Ausgangswissen vordringen können. Wissen muss nicht uneingeschränkt geschlossen sein, ich bezweifle sogar die bloße Möglichkeit desselben. Meine Strategie passt nicht nur sehr gut zum Begriff der adäquaten Information, sie wird uns auch gute Dienste im Umgang mit der skeptischen Bedrohung leisten (9. Kapitel).

Mit dem 8. Kapitel endet meine praktische Überprüfung der Adäquatheitstheorie. Im Schlusskapitel des 2. Teils lasse ich abschließend zwei weitere Beispielarten auf der Testbühne auftreten: einerseits sogenannte »misleading defeater«-Fälle, andererseits Keith Lehrers Mr. Truetemp. Bezüglich beider Beispielarten geht es mir nicht nur um die Bewältigung exemplarischer Herausforderungen, sondern wie schon beim Lotterieparadox auch um eine systematische Weiterentwicklung der Adäquatheitstheorie des Wissens. Mittels der ersten Beispielart, dargestellt durch den Tom-Grabit-Fall und Gilbert Harmans Attentatszenario, werden Widerlegbarkeitstheorien des Wissens (»defeasibility theories«) in die Diskussion einbezogen. Dieser Theoriefamilie zufolge ist Wissen wahre und unwiderlegt gerechtfertigte Überzeugung. Ebenso wie Foley suchen auch Widerlegbarkeitstheoretiker bei der Bewältigung des analytischen Projekts nach »missing truths«. Der entscheidende Unterschied besteht jedoch darin, dass Letztere im klassischen Analysesetting der Dreigliedrigkeit (wahre Überzeugung plus x) verharren. Die Rechtfertigungsbedingung der Standardanalyse propositionalen Wissens wird lediglich durch das Attribut ›unwiderlegt‹ verschärft. Für einen Adäquatheitstheoretiker ist Rechtfertigung dagegen nicht notwendig für Wissen. Die Frage lautet deshalb auch nicht, ob »missing truths« und fehlende Informationen den Status der Rechtfertigung untergraben, sondern ob sich in ihnen relevante Informationslücken manifestieren. Anhand dieser Vorgabe und einiger beispielhafter Einbettungen diskutiere ich sowohl den Tom-Grabit-Fall als auch das Attentatszenario.

Keith Lehrers Truetemp-Fall ist im Spannungsfeld von Internalismus versus Externalismus zu verorten. Lehrer bringt das Beispiel als ein Argument gegen den externalistischen Reliabilismus vor. Die durch die Fallskizze ausgelöste Schlüsselfrage lautet dementsprechend, ob Mr. Truetemps wahre Temperaturüberzeugungen gerechtfertigt sind oder nicht. Internalisten neigen aufgrund fehlender interner Evidenzen des Akteurs zu einer negativen Antwort, Externalisten schauen dagegen auf die objektive Zuverlässigkeit der Meinungsbildungsmethode und gelangen so tendenziell zu einer positiven Antwort. Gleiches trifft auf die entsprechende Wissensfrage zu. Die Opponenten der Internalismus-Externalismus-Debatte können starke Intuitionen und nachvollziehbare Argumente für ihre jeweiligen Positionen vorbringen. Gleichwohl – oder gerade deshalb – befindet sich die Debatte in einer argumentativen Sackgasse. Mitverantwortlich für diesen unbefriedigenden Zustand ist, so führe ich im 8. Kapitel aus, die Doppelnatur epistemischer Rechtfertigung. Der Begriff der Rechtfertigung scheint zwei Pole zu besitzen, einen rational-normativen und einen objektiv-wahrheitsdienlichen, die prima facie in entgegengesetzte Richtungen weisen. Da die Gleichsetzung von Wissen mit adäquater Information in der Rechtfertigungskomponente kein konstitutives Wissenselement sieht, verschiebt sich die hartnäckige Internalismus-Externalismus-Dichotomie in das vom Wissensprojekt unabhängige Projekt epistemischer Rechtfertigung. An dieser Stelle muss die Auseinandersetzung geführt werden. Auf dieses arbeitsteilige Vorgehen wurde im 4. Kapitel hingewiesen. Hinsichtlich der Bewertung des Truetemp-Falls arbeite ich zwei Punkte heraus: die Fallskizze ist erstens pragmatisch wie inhaltlich massiv unterbestimmt und zweitens absolut seltsam und merkwürdig. Die Unterbestimmtheit macht es unmöglich zu entscheiden, ob Mr. Truetemps Informationslücken relevant sind oder nicht. Eine geeignete Ausbuchstabierung des praktisch-pragmatischen Kontexts unter gleichzeitiger Berücksichtigung einschlägiger empirischer Studien lässt sodann erkennen, dass einige kontextuelle Einbettungen der Situation Truetemps mit Wissen bzw. adäquater Information vereinbar sind, andere dagegen nicht. Im Lichte des 1. Teils war dieses Ergebnis zu erwarten. Aufgrund der Seltsamkeit des Beispiels sollten wir dennoch vorsichtig sein und der kuriosen Fallskizze keine übermäßige Bedeutung bei der Bewertung von Wissenstheorien einräumen.

Durch die Kapitel 9, 10 und 11 sollen überwiegend kritische Stimmen Gehör finden. Kapitel 9 eröffnet die kritische Auseinandersetzung anhand des Skeptizismusproblems. Der Skeptizismus ist nicht nur historisch gesehen die vermutlich größte und systematisch wichtigste Herausforderung innerhalb der philosophischen Erkenntnistheorie. Im Sinne einer minimalen Adäquatheitsauflage sollte jede (nicht-skeptische) Wissenstheorie in der Lage sein, eine anti-skeptische Strategie zu entwerfen. Gleichwohl plädiere ich für eine Relativierung der skeptischen Bedrohung. Wir sollten uns vom Skeptizismus nicht zur Geisel nehmen lassen. Eine Theorie des Wissens kann auch dann wertvoll und nützlich sein, wenn es ihr an einem robusten Anti-Skeptizismus mangelt.

Der Skeptizismus ist ein weites Feld. Gegenstand des 9. Kapitels ist der Cartesianische Außenweltskeptizismus in Form des folgenden skeptischen Paradoxes:

  1. S weiß nicht, dass eine bestimmte globale skeptische Hypothese nicht der Fall ist.

  2. S weiß, dass p.4

  3. Wenn S nicht weiß, dass eine bestimmte globale skeptische Hypothese nicht der Fall ist, dann weiß S auch nicht, dass p.

Der 3. Prämisse liegt das epistemische Geschlossenheitsprinzip im Rücken, weswegen vom geschlossenheitsbasierten Außenweltskeptizismus gesprochen werden kann. Wie reagiert Foley auf die skeptische Bedrohung? Seine Antwort fällt knapp und direkt aus. Er greift unmittelbar die 1. Prämisse des Paradoxes an. Unter adäquatheitstheoretischen Vorzeichen, so urteilt Foley, können wir wissen, dass wir beispielsweise keine Gehirne-im-Tank sind, weil wir bezüglich einer solchen Zielüberzeugung im Besitz eines adäquaten Informationszustands sind bzw. sein können. Das Prinzip der Geschlossenheit von Wissen unter bekannter logischer Implikation kann er anschließend unangetastet lassen. Mich überzeugt dieses anti-skeptische Manöver aus einer Reihe von Gründen nicht. Direkt-widerlegende Antworten auf den Skeptiker haben meines Erachtens wenig Aussicht auf Erfolg. Darüber hinaus bedient sich Foley starker externalistischer Voraussetzungen. Schlussendlich bezweifle ich auch, dass wir bezüglich global-skeptischer Hypothesen wirklich adäquate Informationszustände ausbilden können. Glücklicherweise ist das gar nicht erforderlich. Im Unterschied zu Foley sehe ich den eigentlichen Übeltäter nicht in der 1. Prämisse, sondern abermals im uneingeschränkten Prinzip der Geschlossenheit (3. Prämisse). Ich greife auf Überlegungen aus dem 7. Kapitel zurück, weite sie aus und wende sie auf skeptische Hypothesen an. Die Falschheit global-skeptischer Irrtumswelten ist eine (stille und rationale) Voraussetzung gewöhnlicher wie szientifischer epistemischer Sprachspiele. Unsere Untersuchungen, ob sich zum Beispiel mittelgroße Trockengüter auf einem Tisch befinden, setzen implizit stets voraus, dass wir keine Gehirne-im-Tank sind. Die Implikation der Falschheit einer globalen Täuschung bildet das Fundament all unseres Fragens und Antwortens. Derartige Annahmen, Voraussetzungen, Weltbildsätze, Rahmensätze etc. können keine Elemente eines plausiblen Geschlossenheitsprinzips sein. Ich kann mich nicht auf Basis historischer Evidenzen zum Tode Napoleons zu dem vermeintlichen Wissen durchschließen, dass die Welt schon länger als fünf Minuten existiert. Letzteres ist vielmehr ein Anker, der historisch-epistemische Sprachspiele allererst ermöglicht. Ohne ein starkes und pragmatisch uneingeschränktes Geschlossenheitsprinzip lässt sich das skeptische Paradox nicht mehr formulieren. Was unter Aufgabe der 3. Prämisse bei gleichzeitiger Gültigkeit der ersten beiden Prämissen am Ende jedoch bleibt, ist etwas, was ich im Anschluss an Duncan Pritchard und Crispin Wright als epistemische Sorge bezeichne. Aufgrund (prinzipiell) nicht-gewussster Voraussetzungen wohnt jeder Behandlung und Untersuchung einer Wissensfrage unweigerlich ein epistemisches Risiko inne. Das müssen wir zugeben und akzeptieren. Aus dem Phänomen der epistemischen Sorge folgt jedoch die Wahrheit des Skeptizismus nicht.

Im 10. Kapitel geht es um die systematische Bedeutung der Genese oder Genealogie – der epistemischen Vorgeschichte – einer Fürwahrhaltung für deren Wissensstatus. Aus der Grundidee der Adäquatheitstheorie lässt sich folgende Urteilsmaxime ableiten: Je mehr Informationen ein Subjekt hinsichtlich einer Zielproposition besitzt, d.h. je besser (reichhaltiger und dichter) der relevante Informationszustand ist, umso schwerer sollte es uns fallen, dem Subjekt das fragliche Wissen nicht zuzusprechen. Wissen ist eine Funktion der Güte des Informationszustands. Die Anwendung dieser allgemeinen Regel führt nun in Ausnahmesituationen zu einer fundamentalen Spannung zwischen der Adäquatheitstheorie auf der einen und der erkenntnistheoretischen Lehrmeinung auf der anderen Seite. Stellen wir uns die Superwissenschaftlerin Sally vor. Sally besitzt maximal akkurate Informationen und ein maximal dichtes Informationsnetz. Sie glaubt wahrerweise, dass p. Die Proposition p ist ein Element ihrer superwissenschaftlichen Expertise. Allerdings ist Sally auf eine absolut seltsame (zufällige, modal instabile, generell unzuverlässige etc.) Weise in den Besitz der wahren Zielinformation gelangt.5 Weiß Sally, dass p? Gemäß obiger Urteilsmaxime müsste die Antwort positiv ausfallen. Kein Mensch besitzt bessere Informationen im Umfeld des Wissensgegenstands. Eine relevante Informationslücke ist aufgrund ihres maximal akkuraten Informationsnetzes nicht erkennbar. Im Gegensatz dazu dürften die allermeisten Erkenntnistheoretiker zu einem negativen Urteil in der Wissensfrage kommen. Der Grund des Konflikts liegt in der genealogischen Vorgeschichte von Sallys Superinformation(en). Was ist die Wurzel des Konflikts? Fast alle etablierten Wissenstheorien sind sogenannte »proper ancestry«-Theorien, d.h. die wahre Überzeugung muss, soll es sich um Wissen handeln, auf die richtige Weise zustande gekommen sein. Damit wird die Genese bzw. die epistemische Vorgeschichte zu einem konstitutiven Element des Wissensbegriffs. Diesbezüglich spreche ich vom Dogma der Genealogie.6 Da Sallys wahre Zielinformation gerade keine lobenswerte Abstammungsgeschichte vorzuweisen hat, verweigern Theoretiker unter Vorherrschaft des Dogmas die Zuschreibung von Wissen, obwohl Sallys Informationszustand nahezu perfekt ist. Für Foley spielt die epistemische Vorgeschichte dagegen keine konstitutive Rolle. Über Wissen und Nichtwissen entscheidet die Güte der Informationen, nicht deren Abstammung. Es bedarf keiner privilegierten Herkunft einer wahren Überzeugung, um diese in den Stand des Wissens zu heben. Gibt Foleys abweichende Position nicht zwangsläufig Anlass zur Kritik?

Der durch den Sally-Fall veranschaulichte Konflikt reicht bis ins Mark der analytischen Erkenntnistheorie. Was bisher mehr oder weniger unter dem Radar flog, wird durch Sallys außergewöhnliche Situation an die sichtbare Oberfläche geholt. Das Dogma der Genealogie zählt zu den Grundfesten des zeitgenössischen erkenntnistheoretischen Denkens, vergleichbar dem Dogma von der notwendigen Beziehung zwischen Wissen und Rechtfertigung (4. Kapitel). Derartig basale Konflikte lassen sich in der Regel nicht restlos auflösen. Das ist der Grund, weshalb ich die vorliegende Problematik in den überwiegend kritischen Teil meiner Arbeit verlegt habe. Foleys Bewertung der Situation Sallys, eingebunden in die systematische Zurückweisung der direkten, wissensspezifischen Relevanz epistemischer Vorgeschichten, wird in den Ohren vieler Erkenntnistheoretiker zu Misstönen führen. Trotz der erwartbaren Widerstände unternehme ich den Versuch, die Adäquatheitstheorie auch in dieser schwierigen Angelegenheit zu verteidigen. Meine Strategie besteht darin, die genealogischen Intuitionen des Kritikers auf eine Weise (weg) zu erklären, die die Genese wahrer Überzeugungen nur mittelbar und indirekt mit Wissen in Verbindung bringt. So behielte die Grundidee der Adäquatheitstheorie ihre Gültigkeit, gleichzeitig käme die epistemische Vorgeschichte an anderer Stelle zu ihrem Recht. Die richtige und lobenswerte Abstammung (»proper ancestry«) des kognitiven Erfolgs führt in vielen Fällen eine Reihe wichtiger Folgeeigenschaften im Schlepptau, darunter epistemische ebenso wie soziale und pragmatische Nebeneffekte. Eine gute Vorgeschichte wirkt sich positiv auf die Stabilität, die Weitergabe, die Lehre, die Nachvollziehbarkeit des in Frage stehenden Wissens aus. Diese sozialen Nebeneffekte sind uns aus guten Gründen wichtig. Das aber lässt sie nicht zwangsläufig zu Wesensmerkmalen von Wissen werden. Haben wir beispielsweise die Wahl zwischen stabilem und der Weitergabe gut tauglichem Wissen einerseits und Wissen andererseits, das jene Eigenschaften aufgrund einer seltsamen Genese nicht besitzt, so entscheiden wir uns verständlicherweise für Wissen der ersten Art. Nur folgt daraus nicht, dass schwer lehrbares, schwer tradierbares, schwer reproduzierbares etc. Wissen kein Wissen ist. An dieser Stelle greife ich erneut auf die argumentative Figur des Kategorienfehlers zurück. Wir müssen unterscheiden zwischen Wissen und sozial erwünschten Folgeaspekten im Umgang mit Wissen. Es handelt sich hierbei um zwei unterschiedliche epistemische Kategorien. Eine »richtige« epistemische Genese ermöglicht viele wünschenswerte soziale Anschlusshandlungen mit Wissen. Nicht mehr und nicht weniger. Das Dogma der Genealogie beruht auf einem Kategorienfehler, so lautet meine These, welcher diagnostisch gesprochen sowohl der Vermischung von Genese und Geltung als auch jener von Semantik und Pragmatik entspringt. Die epistemische Vorgeschichte einer Fürwahrhaltung ist freilich weder gänzlich unwichtig noch uninteressant, sie fällt nur eben nicht in das Projekt der Wissenstheorie. Wissen ist adäquate Information. Wie Subjekte in den Besitz solcher Informationszustände gelangt sind, ist für Wissenstheoretiker nur mittelbar von Belang, etwa dann, wenn sich in der ungewöhnlichen Bildungsgeschichte relevante Informationslücken manifestieren oder wir uns im Lichte verwandter Arbeitsfelder der Erkenntnistheorie für die durch genealogische Aspekte geförderten sozialen Anschlusshandlungen im Umfeld von Wissen interessieren. Abgesehen davon gilt mit Foley gesprochen: »[N]o special pedigree is needed for knowledge. Knowledge can be a mutt. One has to have adequate information, but there is no privileged way of getting it.« (Foley 2012, 34)

Der 3. Teil schließt mit dem 11. Kapitel. In diesem diskutiere ich einen von Michael Hannon vorgebrachten Zirkularitätseinwand gegen die Adäquatheitstheorie des Wissens. Hannon äußert den Verdacht, dass es uns nicht gelänge, auf eine nicht-zirkuläre Weise zwischen wichtigen und unwichtigen Informationen bzw. Informationslücken zu unterscheiden, weil die dazu erforderlichen Relevanzerwägungen ihrerseits immer schon auf Wissen oder auf den Wissensbegriff Bezug nehmen würden. Foley versucht, Wissen über adäquate Information zu analysieren und übersieht dabei, so Hannon, dass wir bereits Wissen (bzw. ›Wissen‹) benötigen, um relevante von irrelevanten Informationslücken abgrenzen zu können. Ich halte Hannons Einwand nicht für überzeugend. Meine Argumentation mündet in folgender These: Ein grundsätzlicher Zirkelbezug allgemeiner Art ist tatsächlich zu diagnostizieren, jedoch ist dieser ungefährlich (erste Teilthese); ein darüber hinausgehender gefährlicher Zirkel ist dagegen nicht zu erkennen (zweite Teilthese). Zur ersten Teilthese: Anhand zweier Beispiele verdeutliche ich noch einmal, wie Foley unter Rückgriff auf situative Faktoren – bezogen auf den Wissensgegenstand, das Wissenssubjekt, den praktischen Kontext etc. – zwischen relevanten und irrelevanten Informationen und Informationslücken differenziert. Um eine solche Differenzierung vornehmen zu können, benötigen wir selbstverständlich Informationen und/oder Wissen über die Welt im Allgemeinen, des Näheren über die Situation, das Subjekt, den praktischen Kontext und dergleichen. Ohne Hintergrundwissen und Wissen im Allgemeinen geht es nicht, für keine Theorie des Wissens. Reliabilisten benötigen Wissen über die Zuverlässigkeit der Meinungsbildungsmethode, klassische Internalisten ein solches über die zugänglichen Gründe und modale Sicherheitstheoretiker müssen wissen, ob eine mögliche Welt der aktualen Welt nah/ähnlich ist oder nicht. Sofern es sich bei diesen Bezügen um einen Zirkel handelt, ist er für das analytische Projekt unvermeidbar – und unschädlich. Zur zweiten Teilthese: Hannon muss offenbar noch einen anderen Zirkularitätseinwand vor Augen haben. Bei genauerer Betrachtung seines Aufsatzes wird ersichtlich, dass es ihm nicht um Wissen im Allgemeinen (Hintergrundwissen) geht, sondern um einen vermeintlichen Zirkel im je konkreten Fall. Das in Frage stehende p-Wissen soll bei der konkreten Relevanzeinstufung von Informationen immer schon vorausgesetzt sein. Seines Erachtens liegt eine zirkuläre Erklärungsrichtung vor, weil Foley die Frage danach, wieso die Information Ix im konkreten Fall wichtig oder unwichtig ist, letztendlich nur durch einen verbotenen Verweis auf das fragliche Wissen selbst beantworten könne: Ix ist wichtig bzw. unwichtig, weil das Subjekt weiß bzw. nicht weiß, dass p. Und das wäre nun tatsächlich eine schädliche Zirkularität, denn der Relevanzstatus einer Informationslücke soll ja allererst über das Vorliegen von Wissen entscheiden. Hannon glaubt seinen Einwand mittels dreier Beispiele stützen zu können. Ich greife zwei Beispiele Hannons auf und zeige im Sinne Foleys exemplarisch, dass die beste Erklärung dafür, dass Informationslücken mal irrelevant und mal relevant sind, nicht darin besteht, S würde in einem Fall eben wissen, dass p, im anderen Fall jedoch nicht, und deshalb sei die Lücke nicht relevant. Stattdessen lässt sich auf Basis der Adäquatheitstheorie zeigen, wie sich vielfältige epistemische und nicht-epistemische Faktoren auf die konkreten Relevanzrahmen auswirken, kraft derer wir zwischen relevanten und irrelevanten Informationen unterscheiden. Vom spezifischen p-Wissen ist hierbei keine Rede. Ein schädlicher Zirkelbezug ist folglich nicht zu erkennen. Ungeachtet der Zurückweisung des Zirkularitätseinwands beende ich das 11. Kapitel mit zwei Zugeständnissen ganz in der Nähe der von Hannon skizzierten Problematik.

Im Schlusskapitel (Fazit) werden die wichtigsten Stationen meiner argumentativen Reise noch einmal überblicksartig dargestellt. Ich fasse die Adäquatheitstheorie des Wissens zusammen und präsentiere dem Leser rückblickend Gründe, die für die in dieser Arbeit entwickelten und verteidigten Theorie sprechen. Darüber hinaus stelle ich zwei natürliche Anschlussuntersuchungen vor. Die erste Anschlussuntersuchung entfaltet sich entlang der Frage, ob wir zwei (oder mehr) Wissensbegriffe benötigen, um menschliches und tierliches Wissen erkenntnistheoretisch fassen zu können? Die Frage zielt auf den Themenkomplex, ob propositionales Wissen bei höheren Tieren und Menschen (und im Graubereich auch bei Kleinkindern) anhand eines Begriffs von Wissen analysierbar sei oder ob es dafür zwei oder drei Begriffe – ›WissenT‹, WissenM‹, WissenK‹ – bedarf. Im Setting der anthropologischen Differenz lassen sich grob zwei Positionen markieren: jene der Assimilationisten und jene der Differenzialisten. Erstere (über-)betonen die epistemischen Gemeinsamkeiten zwischen Tier und Mensch, favorisieren folglich eine Ein-Begriff-Strategie, Letztere heben dagegen die Unterschiede (zu stark) hervor, beispielsweise bezogen auf Rechtfertigung und auf Positionen im Raum der Gründe. Ich werde die Frage nicht abschließend beantworten, ob »wissen« in ›Die Katze weiß, dass …‹ und ›Peter weiß, dass …‹ etwas kategorial Unterschiedliches bedeutet, stelle zugleich aber fest, dass die adäquatheitstheoretische Formel der Assimilation tendenziell nähersteht. Wir können mit nur einem Wissensbegriff operieren, ohne die epistemischen Unterschiede zwischen Mensch und Tier zu vernachlässigen. Wissen qua adäquate Information ermöglicht einen versöhnlichen Mittelweg im dargestellten Streit.

1

Gegenstand der Adäquatheitstheorie ist ›Wissen, dass‹, nicht ›Wissen, wie‹ und auch nicht ›Kennen‹ (Wissen durch Bekanntschaft). Auf diese und weitere Eingrenzungen des Untersuchungsgegenstands gehe ich im 1. Kapitel ausführlich ein.

2

Die sogenannte »Gettier-Erkenntnistheorie« hat, bei aller berechtigter Kritik, unser erkenntnistheoretisches Denken gewiss auch bereichert.

3

Die Lotterie spielt einen Millionengewinn aus.

4

Der Buchstabe p steht hier für eine gewöhnliche Wissensproposition. Dadurch soll alltagsweltliches bzw. prima facie unstrittiges Wissen von der Außenwelt in den Blick genommen werden.

5

Der Leser denke an Davidsons »Sumpfmenschen«.

6

Alternativ dazu verwende ich auch die Bezeichnung »genealogisches Dogma«.