Vorwort zur Reihe

in Mensch und Gott
Freier Zugang

Die Religionsphilosophie ist ein derzeit sehr lebendiger Zweig der Philosophie. Sie befasst sich aus philosophischer Perspektive mit den unterschiedlichsten Aspekten des Phänomens der Religion generell und speziell mit den Wahrheitsansprüchen von Religionen, mit der Eigenart und Begründbarkeit religiöser Überzeugungen, mit dem Verhältnis von Glauben und Wissen, mit der Existenz eines (theistischen) Gottes u.v.a.m. Darüber hinaus kann man zur Religionsphilosophie auch noch die verschiedensten philosophischen Grundlagenfragen rechnen, die die gelebten Religionen oder die wissenschaftlichen Theologien aufwerfen.

Während diese Fragen im deutschsprachigen akademischen Raum bislang fast ausschließlich den Philosophie-Lehrstühlen an theologischen Fakultäten zugeordnet wurden, setzt sich allmählich auch hier die Überzeugung durch, dass es sich bei der Religionsphilosophie um eine genuin philosophische Disziplin handelt, die auch an Philosophie-Instituten berücksichtigt werden muss. Die großen Kongresse der GAP und der DGPhil führen inzwischen standardmäßig Sektionen zur Religionsphilosophie. Wir freuen uns, dass der mentis Verlag entsprechend mit dieser Reihe sein philosophisches Programm erweitert, und danken Dr. Michael Kienecker dafür, dass so ein eigenes Publikationsforum für religionsphilosophische Bücher geschaffen wird.

Das Innsbrucker Institut für Christliche Philosophie ist dafür bekannt, Philosophie in dem genannten weiten Sinne von Religionsphilosophie zu betreiben, eben einschließlich der philosophischen Grundlagenfragen verschiedenster Art, von der Metaphysik und Ontologie über die Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie bis hin zur Sprachphilosophie und zur Ethik. Daher ist Innsbruck quasi der „geborene Ort“ für eine solche Reihe.

Das Institut für Christliche Philosophie fühlt sich dabei den analytischen Standards des Philosophierens verpflichtet. Es versteht diese aber so weit und so grundsätzlich, dass damit keine inhaltlichen Vorfestlegungen verbunden sind. Insofern ist diese Reihe inhaltlich vollkommen offen. Historische Beiträge sind grundsätzlich genauso willkommen wie transzendentalphilosophische, phänomenologische genauso wie solche zu fernöstlichen Philosophien. Gemeinsam soll ihnen nur der erwähnte Religionsbezug im weitesten Sinne sein, sowie die Orientierung an den analytischen Tugenden wie differenzierter und verständlicher Begrifflichkeit, theoretischer Form, logischer Stringenz, klarer Thesen- und Argumentationsorientierung.

Innsbruck, im September 2019

Bruno Niederbacher SJ & Christian Tapp

als Herausgeber der Reihe ISPOR