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Analytische Explikationen und Interventionen. Zugegeben, das ist ein sperriger Titel, noch dazu für einen Band, der ein akademisches Fest dokumentieren soll. Warum der Titel dennoch passend ist, möchten wir in dieser Einleitung kurz erklären.

Das akademische Fest, das es zu feiern galt, war der 75. Geburtstag von Georg Meggle. Die Umstände des Festes sind schnell erklärt. Zu den vielen Tätigkeiten, die Georg auch nach seiner Emeritierung an der Universität Leipzig nicht aufgegeben hat, gehört das Unterrichten. Eine Gelegenheit dafür bot sich für ihn an der Universität Salzburg, wo er jeweils im Sommersemester Seminare abhält. Es begann 2014 mit einem Seminar über »Sprachphilosophie«, später gab es ein Seminar mit dem schönen Titel »Philosophieren mit Georg Henrik von Wright«, und seit dem Sommersemester 2017 tragen Georgs Seminare den Titel »Ethische Interventionen«. Die Themenpalette reicht dabei von Terrorismus, über Toleranz und deren Grenzen, den Völkermord im Jemen bis zur aktuellen Antisemitismus-Debatte.

Wer sich sowohl theoretisch als auch praktisch so sehr mit dem Thema des Eingreifens in gewohnte Denkmuster beschäftigt, der möchte natürlich, dass auch ein Fest zu seinem Geburtstag etwas vom Charakter einer Intervention hat. Wie lassen sich aber Feiern und Intervenieren miteinander vereinen? Als Brücke diente der akademische Diskurs im Rahmen eines kleinen Symposiums, zu dem sich Freunde und Weggefährten von Georg vom 11. bis 14. Juli 2019 in Salzburg getroffen haben. Die Vorträge, die auf diesem Symposium zu Ehren von Georg gehalten wurden, bilden den Kern dieses Sammelbandes.

Wie steht es nun mit den »Analytischen Explikationen«? Man muss nur einen Blick in eine Arbeit von Georg werfen und man versteht: Dieses Wort ist für ihn synonym mit »Philosophieren« oder genauer gesagt mit »gründlichem Philosophieren«. Deshalb ist Georg auch ein Verfechter der These, dass es die Analytische Philosophie nicht erst seit Ende des 19. Jahrhunderts gibt, sondern dass jeder Beitrag zur Philosophie, der das Prädikat »gründlich« verdient, ein Beitrag sein muss, in dem auch analytische Explikationen vorkommen. Dieses »muss« ist dabei nicht normativ gemeint, sondern es ist schlicht eine begriffliche Notwendigkeit: Ohne analytische Explikationen gibt es kein gründliches Philosophieren.

So war auch das Symposium in Salzburg keine philosophische Plauderstunde, sondern ein Treffen, an dem harte philosophische Explikationsarbeit geleistet wurde. Auch deshalb finden wir den etwas sperrigen Titel für diesen Band passend: Er erinnert an die konzentrierte Atmosphäre bei diesem Fest und an die Ernsthaftigkeit, mit dem sich alle Beteiligten dabei dem Geschäft des Philosophierens widmeten.

Der Leser bzw. die Leserin möge sich nun selbst ein Bild davon machen, wie inhaltlich fruchtbar dieses akademische Fest verlaufen ist. Wir verzichten deshalb darauf, die folgenden Aufsätze inhaltlich zu kommentieren. Jeder Beitrag spricht für sich selbst.

Dass wir an dieser Stelle nicht mehr über den Jubilar selbst sagen hat damit zu tun, dass Reinhard Merkel uns freundlicherweise seine Laudatio zum Abdruck im Anhang des Bandes zur Verfügung gestellt hat. Diese Laudatio charakterisiert sowohl den Philosophen als auch den Menschen Georg Meggle in einer Art und Weise, die aus unserer Sicht unübertrefflich ist.

Wir bedanken uns an dieser Stelle bei allen, die mitgeholfen haben, diesen Band zu realisieren: bei allen Autor:innen, die ihre Beiträge zur Verfügung stellten, bei Marianne Manda, die das Umschlagbild kalligraphisch gestaltete, bei Michael Kienecker, der die verlegerische Verantwortung übernommen und den Band in gewohnt souveräner Art und Weise betreut hat, und nicht zuletzt bei Georg, der dies alles möglich gemacht hat.

Johannes L. Brandl

Beatrice Kobow

Daniel Messelken

Analytische Explikationen & Interventionen

Analytical Explications & Interventions