Ist Ritter auf Irrlichter im Infrarot hereingefallen?

Zur modernen Replikation einiger photochemischer Experimente durch Anna Reinacher

In: Goethe, Ritter und die Polarität
Author: Olaf Müller

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Nachdem Ritter auserhalb des sichtbaren Sonnenspektrums die photochemischen Wirkungen des ultravioletten Lichts entdeckt hatte, suchte er nach dem entgegengesetzten Effekt im Infraroten. Im UV-Licht hatte sich seine weise Hornsilber-Probe (modern: Silberchlorid) je nach Belichtungsdauer mehr oder minder stark geschwärzt. Für den Ausgangspunkt des neuen Experiments nutzte Ritter eine grau vorbelichtete Hornsilber-Probe, die er dort ins Infrarote legte, wo Herschel das Temperaturmaximum gefunden hatte. In der Tat behauptete Ritter, die – aus Gründen der Polarität – gesuchte Umkehrungsreaktion beobachtet zu haben, und berichtete von einer dezidierten Aufhellung der vorbelichteten Probe. Aus heutiger Sicht gilt Ritters Experiment im Ultravioletten als Erfolg, das Experiment im Infraroten hingegen als Misserfolg, ja als »Fehler«. Im Ultravioletten haben wir demzufolge eine Reduktionsreaktion einer Silberverbindung, namlich des Silberchlorids; die hierbei freigesetzten Silberatome, die für die Schwärzung der Probe verantwortlich sind, lassen sich jedoch nicht mithilfe von Licht in Silberchlorid-Salz zuruckverwandeln – die Reduktionsreaktion ist irreversibel. Nichtsdestoweniger ist es der Chemikerin Anna Reinacher kürzlich gelungen, Ritters Beobachtungen zu reproduzieren. Eine genaue chemische Analyse der beobachteten Aufhellungsreaktion steht noch aus. Auch ohne diese Analyse lässt sich sagen, dass Ritters Beobachtungen der Aufhellung zuverlässig gewesen sein dürften.