Der senile Kant?

Zur Widerlegung einer populären These

Autor:in: Maja Schepelmann
Dieses Buch vertritt eine provokative neue These: Kant befand sich bis kurz vor seinem Tode durchaus im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte. Die detaillierte Analyse seiner Schreibstrategien und die Interpretation zweier hier erstmals Kant zugeschriebenen Schriften belegen dies eindrucksvoll.
Im Verlauf der Interpretationsgeschichte der kantischen Werke wurde zunehmend die Einschätzung kolportiert, Kant habe sich in der letzten Phase seines Lebens aus Altersschwäche zurückgezogen und sei senil gewesen. Maja Schepelmann weist demgegenüber detailliert auf, dass bestimmte Äußerungen Kants vor dem Hintergrund seiner methodischen Skepsis in Werk und Selbstverständnis als ironische, satirische und parodierende Äußerungen zu lesen sind: Kant präsentiert sich in seinen späten Schriften und vor allem in den Briefen, die bisher als Belege für seine Senilität galten, als rhetorisch und literarisch sehr geschickter, teils subtil ironischer Autor.
So gelingt es Kant in zwei umfangreicheren Schriften, die die Autorin aufgrund ihrer souveränen Kant-Kenntnis erstmals Kant zuschreiben kann, seine Philosophie überzeugend gegen Anfeindungen und Unverstand zu verteidigen. Sein Ziel, dass die Philosophie insgesamt durch die Fähigkeit der Vernunft zur Selbstkritik zu einer systematischen Geschlossenheit finden solle, wurde allerdings seit 1795 durch das Aufkommen einer kriegerischen Stimmung unter den Philosophen in Deutschland massiv torpediert. Ihr Gezänk und lautes Gebaren stand in einem bislang nie analysierten Kontrast zu dem durch Ironie und in Form von anonymen Veröffentlichungen eher stillen Protest Kants. Dieser Kontrast entfaltete eine nachhaltige Wirkung auf die Arbeit der Philosophiehistoriker im 19. Jahrhundert, was die unhaltbare These der Senilität Kants befestigen half.
This book represents a provocative new thesis: Kant was in full possession of his mental capabilities until just before his death. A detailed analysis of his writing strategies and the interpretation of two writings specifically, ascribed to him for the first time, prove this. In the course of the history of interpreting Kant's works it has been rumored more and more that Kant had retired due to his infirmity and senility. Maja Schepelmann, on the other hand, shows in detail that, against the background of his methodical scepsis in his work and self-perception, certain statements from Kant should be read as ironical, satirical and parodying comments. Kant presents himself in his later writings, and especially in his letters which have up till now been regarded as proof for his senility, as a rhetorically and literarily very skilful, in parts subtly ironic, author. That is how he convincingly defends his philosophy against hostility and ignorance with the aid of two comprehensive writings, which Schepelmann, because of her confident expertise in Kant's writings, can now, for the first time, ascribe to him.

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