Interdisziplinäre Perspektiven auf das Handeln
Was sind die normativen Implikationen des zeitgenössischen Verständnisses von Willensfreiheit für unser Selbstbild und darüber begründete gesellschaftliche Praktiken? Ist unsere alltägliche Vorstellung von selbstbestimmten Handlungen noch zu halten? Welcher Raum bleibt dem Strafrecht, wenn es die Wahrheit eines deterministischen Weltbildes akzeptiert? Welche Form kann eine Erziehung annehmen, die vom einsichtsfähigen, eigenbestimmten Subjekt ausgehend ihre Imperative formulieren möchte? Und kann ein Determinismus hinsichtlich unserer rationalen Entscheidungsfähigkeit einen Pluralismus an Werten akzeptieren, zwischen denen der Handelnde seine Entscheidung trifft? Dieser Band geht diesen und ähnlichen Fragen nach und deckt so ein breites Spektrum gesellschaftsrelevanter Bereiche ab, die deutlich machen, dass die philosophische Debatte um die Willensfreiheit weit jenseits des akademischen Diskurses einschneidende Herausforderungen für unser praktisches Zusammenleben aufwirft.
An Integrative Approach To Evolutionary And Social Constructionist Perspectives On Emotions
Author: Anna Welpinghus
Emotions are shaped by evolution and they are shaped by culture. This book explores several ways in which emotions are shaped by culture, and examines what they tells us about the nature of emotions. A crude dichotomy between evolution and culture is certainly not warranted, since evolutionary frameworks can accommodate many cultural influences on emotions. However, the most deeply culturally shaped emotions, those which deserve to be called 'socially constructed', call for significant modifications of existing evolutionary frameworks. This book argues for a new version of Social Constructionism for emotions: Some emotions are social kinds rather than non-social natural kinds. This study thereby introduces new distinctions apart from the familiar distinction between cognitive and non-cognitive emotions. This book includes some applications to topics of practical relevance: jealousy is neither a paradigmatic cognitive emotion nor a paradigmatic basic one. This analysis casts doubt on the cognitive/basic distinction and speaks against an overtly moralized understanding of jealousy. Finally, some arguments about the desirability of exclusivity in romantic relationships are explored.
Author: Anika Fiebich
How do we understand other people’s minds? This question has been discussed intensively in the theory of mind debate. ‘Theory of mind’ is defined as the capacity to attribute mental states to oneself and to others and to make use of that capacity in behavior understanding. This book offers a critical analysis of a variety of tasks that have been conducted to investigate the development of a theory of mind in children. The heart of the book is a pluralistic account of social understanding. Rather than relying on a default procedure of social understanding (e.g., theory or simulation), individuals understand the behavior of another person in various ways dependent on their cognitive competencies and the socio-situational context. As a rule of thumb, individuals are prone to make use of that procedure that is cognitively least effortful to them in a given context. Covering a wide range of studies, the implications of the pluralistic account are discussed with respect to culture and psychopathology. Finally, the book points to the role that social interaction may play in social understanding.
Auch wenn die Namensgebung erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts in den USA erfolgte, reichen in Europa die ersten Ansätze der Ideengeschichte viel tiefer in die Vergangenheit zurück. Im Laufe der letzten knapp einhundert Jahre erlebte die ideengeschichtliche Forschung dabei ihre Höhen und Tiefen, wurde als interdisziplinäre Praxis mal mit Begeisterung, mal mit Reserve aufgenommen, ihre Begriffe immer wieder aufs Neue definiert und in manchen Sprachkontexten sogar durch neue ersetzt. Heutzutage – und neuerlich mit besonderer Überzeugung – wird verstärkt versucht zu bestimmen, was sie „eigentlich“ sein soll. Bevor man aber zu einer Übereinkunft kommen kann, was die Ideengeschichte sei und was sie in der Zukunft nicht sein soll, ist es nötig, die Vielfalt der Traditionen dieser immer wieder umgedachten Begriff anhand ausgewählter Beispiele in einer Zwischenbilanz zu würdigen.
Fesselung und Entfesselung des Denkens durch Mathematik
Author: Ulrich Nortmann
Zum Nachrechnen: 45 ist gleich 3*3 + 6*6. Es handelt sich also bei 45 um eine Zahl, die als Summe von zwei ganzzahligen Quadraten darstellbar ist. Bei der Nummer 242 funktioniert es auch. Geht das immer so, ob ungerade oder gerade, ob kleinere oder größere Zahl? Nein. Nicht jede natürliche Zahl ist in dieser Weise darstellbar. Wie lassen sich dann aber die Fälle charakterisieren, bei denen es geht? Steckt ein Gesetz dahinter? Vielleicht ein Gesetz, das mit den in vieler Hinsicht rätselhaften Primzahlen zu tun hat, aus denen die Zahlen sich wie Moleküle aus Atomen zusammensetzen? Die mathematische Antwort, die man auf solche Fragen, letztlich in der Spur von großen Zahlentheoretikern wie Euler und Gauß, geben kann, wird von Nortmann im Detail nachgezeichnet. Es ist eine Antwort, die ins Gebiet der Primzahl-Theorie für höhere algebraische Zahlkörper weist. Was man aus ihr darüber lernen kann, wie anspruchsvolle Mathematik in charakteristischen Bereichen überhaupt funktioniert, ist die Grundierung für die philosophisch- erkenntnistheoretischen Teile des Buches. Zugleich liefert der Autor eine farbige wissenschafts- und kulturgeschichtliche Einbettung der Phänomene, und nicht zuletzt: Poesie und Satire sind in diesem sehr persönlichen, autobiographisch geprägten Buch ebenfalls dabei.
Eine Untersuchung von Art. 14 GG vor dem Hintergrund des sozialpsychologischen Denkens Erich Fromms
Erich Fromm gilt als einer der führenden Köpfe der Sozialpsychologie des 20. Jahrhunderts. Das hohe kritische und zugleich konstruktive Potential seines Werkes haben andere Geisteswissenschaften schon seit einiger Zeit für sich entdeckt. Eine Monographie, die sein Denken auch für die Rechtswissenschaften erschließt, fehlte bisher. Dieses Buch will diese Lücke schließen. Anhand der Eigentumskritik Fromms ordnet die Autorin zunächst rechtsphilosophisch Eigentum in Fromms Denken ein, um vor diesem Hintergrund die Dogmatik des Eigentumsgrundrechts in Art. 14 GG und deren geistesgeschichtliche Wurzeln zu analysieren. Auf dieser Basis entwickelt sie eine eigene Auslegung von Art. 14 GG, die zwischen einem persönlichen, besonders schützenswerten Kern des Eigentums und einem gemeinschaftsbezogenen Randbereich unterscheidet, und verdeutlicht die praktische Relevanz dieser Unterscheidung am Beispiel der Verfassungsrechtsprechung zur Eigenbedarfskündigung im Mietrecht.
Die Dialogische Logik ist ein Ansatz zur Logikbegründung jenseits der Alternative eines semantischen Aufbaus über wertdefinite Aussagen und eines syntaktischen Aufbaus mit Hilfe von Logikkalkülen. Ziel ist eine nähere Orientierung am faktischen Argumentieren. Der Ansatz der Dialogischen Logik ist nicht nur vom logikinternen Standpunkt interessant, sondern hat auch Anwendungen in den Einzelwissenschaften, besonders in den Wirtschaftswissenschaften und in der Informatik. Die Beiträge im Band suchen die bisher auf dem Gebiet der Dialogischen Logik gewonnenen Ergebnisse näher zu beleuchten. Dabei wurden auch Konzeptionen der Freien Logik und der Dynamischen Logik berücksichtigt. Die Beiträger gehören nicht nur zu den profiliertesten Forschern auf dem Gebiet der nicht-klassischen Logik, sie sind auch ausgewiesene Experten in Fragen der Dialogischen Logik.
Eine Neubetrachtung der Adressierung von Menschenrechtspflichten
Dieses Buch analysiert das Spannungsfeld zwischen der normativen Begründung und der politischen Implementierung von Menschenrechten und greift dabei insbesondere auf die begrifflichen und legitimatorischen Implikationen moralischer und politischer Menschenrechtsbegründungen zurück. Ziel ist es, eine im Zuge der Aufwertung politischer Begründungskonzepte geäußerte Grundannahme zum Verhältnis von Menschenrechten und moralischen Rechten sowie zur Adressierung von Menschenrechtspflichten zu hinterfragen. Denn politischen Begründungen zufolge liegt der Unterschied zwischen Menschenrechten und moralischen Rechten vor allem in der Frage der Adressierung der entsprechenden Rechte: Während sich moralische Rechte primär an Einzelpersonen richten, sind Menschenrechtspflichten nicht an einzelne Individuen, sondern an Staaten und politische Institutionen adressiert. Durch eine Neubetrachtung moralischer Menschenrechtsbegründungen argumentiert das Buch jedoch dafür, neben Staaten, die eine zentrale Funktion beim Schutz von Menschenrechten einnehmen, in einigen Fällen auch einzelne Individuen als direkte Adressaten von Menschenrechtsansprüchen zu verstehen. Darüber hinaus wird versucht, das Verhältnis von Menschenrechten und moralischen Rechten neu auszulegen und den Unterschied beider Rechtsklassen weniger über die Adressierung, sondern über inhaltliche Kriterien zu definieren.
Eine empirisch-ethische Untersuchung
Author: Pia Erdmann
Das Bewusstsein dafür, dass mit Zufallsbefunden, d.h. nichtintendierten Befunden aus medizinischen Untersuchungen, vielschichtige ethische Herausforderungen einhergehen können, hat in den letzten Jahren zugenommen. Dennoch sind Entscheidungen hinsichtlich eines ethisch verantwortlichen Umgangs mit Zufallsbefunden nach wie vor mit großen Unsicherheiten behaftet: Der einschlägige ethische Regulierungsstand bleibt zum Teil vage, die Perspektive der Betroffenen selbst weitgehend unberücksichtigt. Die vorliegende empirisch-ethische Studie untersucht vor diesem Hintergrund am Beispiel von Zufallsbefunden aus einer zu epidemiologischen Forschungszwecken durchgeführten Ganzkörper-MRT-Untersuchung, welche Auswirkungen Zufallsbefunde auf die betroffenen StudienteilnehmerInnen haben können. Die Ergebnisse einer quantitativen und qualitativen Untersuchung einerseits sowie die Analyse des gegenwärtigen ethischen Regulierungsstandes und ein kontraktualistisch begründetes forschungs-ethisches Normenset andererseits werden für einen Abgleich zwischen dem forschungs-ethisch Gebotenen (Sollen) und dem empirisch zugänglich werdenden Ist-Stand (Sein) herangezogen.
Logical reconstruction is a fundamental philosophical method for achieving clarity concerning the prerequisites, presuppositions and the logical structure of natural language arguments. The scope and limits of this method have become visible not least through its intense application to Anselm of Canterbury’s notorious proofs for the existence of God. This volume collects, on the one hand, reconstructions of Anselmian arguments that take account of the problems of reconstruction and, on the other hand, theoretical reflections on reconstruction with a view to Anselm. We hope that this will allow the reader to critically assess the merits of the theoretical The journal provides a forum for articles in which classical philosophical texts are interpreted by drawing on the resources on modern formal logic. All contributions are double blind peer-reviewed. Information concerning the contents of past volumes (abstracts of all published papers) and plans for future volumes (call for papers, etc.) can be found on the website: www.rub.de/philosophy/pla