Philosophische Untersuchungen zu einem integrativen Todeskonzept
Author: Daniel Kersting
Tod und Sterben waren schon immer von leitenden Vorstellungen geprägt: Die Topoi des sanften Todes, des bewussten Abschieds, des friedlichen Einschlafens haben eine lange Tradition. Auch unsere gegenwärtige Gesellschaft entwirft solche Leitbilder und propagiert etwa den Heldentod als Organspenderin, verspricht das ruhige und friedliche Sterben im Hospiz oder bestimmt den »Hirntod« zum Tod des Menschen. In der konkreten Umsetzung führen diese Vorstellungen allerdings oft zu Konflikten, die von den Beteiligten selbst nicht mehr gelöst werden können. Die Studie verfolgt die Hypothese, dass diese Konflikte in einem vereinseitigten Verständnis des Todes gründen, das insbesondere die personale Bedeutung des Todes nicht angemessen berücksichtigt. In einer kritischen Auseinandersetzung mit aktuellen philosophischen Theorien es Todes wird das Problem zunächst begrifflich präzisiert, um es dann mit den Mitteln der philosophischen Anthropologie Helmuth Plessners zu lösen. Dabei wird ein Konzept des menschlichen Todes entwickelt, das die personale Bedeutung ebenso wie andere zentrale Dimensionen des Todes integriert. Dieser integrative Ansatz ermöglicht, Todesvorstellungen kritisch auf ihre Legitimität zu prüfen.
Zum Weltbild der modernen Physik
Der Übergang von der klassischen zur modernen Physik ist immer als eine Revolution angesehen worden. Die Relativitätstheorie hat dazu geführt, dass sich unsere Vorstellungen von Raum und Zeit grundlegend verändert haben, und die Quantenmechanik hat die Möglichkeit einer widerspruchsfreien Beschreibung der Wirklichkeit in Frage gestellt. Dieses Buch ist ein Versuch zu zeigen: Diese Konsequenzen sind keineswegs zwingend. Die eigentliche Revolution liegt vielmehr in der Einsicht, dass die moderne Physik sich nicht mit der erkenntnistheoretischen Naivität der klassischen Physik verträgt. Die physische Welt lässt sich nicht so erkennen, wie sie an sich beschaffen ist, unabhängig von unseren menschlichen Wahrnehmungen, sondern nur so, wie sie sich in unseren Erfahrungen zeigt
Begründungsfiguren normativer Wirklichkeit in der Diskussion
Mit dem Begriff der zweiten Natur ist der Gedanke einer Natürlichkeit angesprochen, die Menschen in einer einheitlichen, belebten Natur verortet und sie zugleich grundsätzlich von allen anderen Lebewesen unterscheidet. Die bis auf Aristoteles zurückgehende Tradition dieses Gedankens hat in den vergangenen zwanzig Jahren, angeregt durch Diskussionen über den objektiven Status von Sittlichkeit und Moral und ihr Verhältnis zur menschlichen Lebensweise, eine Renaissance erlebt. Unterdessen wird die Figur der zweiten Natur in ganz unterschiedlichen philosophischen Richtungen kontrovers diskutiert: Führt die Rede von der menschlichen Natur nicht in den überwunden geglaubten Essenzialismus zurück? Können vernachlässigte Fragen der normativen Ethik wie die nach der Rolle von Bildungs- und Sozialisationsprozessen mit Verweis auf die »zweite Natur« besser gestellt, oder nur umformuliert werden? Bietet das Konzept der »zweiten Natur« eine Alternative zu anderen Grundbegriffen der praktischen Philosophie bzw. einer Praxisphilosophie im weitesten Sinne: Praxis, Geschichte, Leben oder Kultur, die allesamt antreten, um überkommene Dualismen zu überwinden?
Anders als in historisierenden Deutungen wird in dieser neuen Darstellung des Kantischen Gesamtwerks dem Autor in allen literarischen und philosophischen Belangen die volle Souveränität über die Gestaltung des Werkganzen zugesprochen. In dieser neuen Perspektive stellt sich sein Gesamtwerk als eine einzige konsistente Argumentation dar, die ihre Untersuchungshinsichten auf unterschiedliche Schriften verteilt, unter Verwendung satirischer und ironischer Gestaltungsmittel bestimmte Positionen der Tradition teils scharf kommentiert, auf den hintersinnigen Spott der frühen Schriften diejenigen Schriften folgen lässt, in denen Grundlagen und Prinzipien des philosophischen Systems sowie deren Rechtfertigung fundiert werden, und die schließlich von dort den Überstieg zur Anwendung in Wissenschaft und Gesellschaft in Angriff nimmt. Dabei wird stets die methodologische Idee verfolgt, dass, auch mittels absichtlich inszenierter Irritationen, der LeserIn immer wieder auf sich selbst gestellt sein sollen, um das eigene Denken einzuüben und um es als solches überhaupt zu bemerken. So muss also Kants rhetorische und literarische Konzeption der erste Schlüssel zu seinem Verständnis sein.
Birgit Recki vertritt seit 1997 das weite Feld der Ethik, Ästhetik und Kulturphilosophie unter Einschluss der Anthropologie am Philosophischen Seminar der Universität Hamburg. Dieser Band ist von ihren Schülern herausgegeben und erscheint anlässlich ihres 60. Geburtstags. Er enthält Beiträge, die von Problemstellungen zu Kultur, Technik und Freiheit handeln und dabei mit weitergehenden Überlegungen zu Mythos, Moral und Ästhetik das breite Forschungsspektrum von Birgit Recki berühren.
Während die Bedeutung Freges für die Philosophie der Gegenwart, soweit sich diese der analytischen Philosophie verpflichtet fühlt, allgemeine Anerkennung gefunden hat, ist seine Stellung innerhalb der eigenen Zeit noch weitgehend unaufgeklärt geblieben. So herrscht die Auffassung vor, Frege habe seine Ideen ganz aus sich selbst oder geradezu im Gegensatz zur deutschen philosophischen Tradition seiner Zeit gewonnen. Bei genauerer Textanalyse weisen Freges Schriften dagegen vielfältige Beziehungen zur zeitgenössischen Logik, Erkenntnistheorie, Sprachphilosophie und Philosophie der Mathematik auf, so dass bei ihm von einem Bruch mit der kontinentalen Philosophie nicht die Rede sein kann. Weil die historischen Voraussetzungen unberücksichtigt geblieben sind, ist ein unzutreffendes Bild von Freges Einsichten entstanden. Dieses Bild wird durch die Entfaltung des historischen Kontextes korrigiert. Bestimmend ist dabei ein problemorientierter Zugang, der sich systematischer Bewertungen und Weiterführungen nicht enthält.
Foundations and Challenges
Coercion in the treatment of persons suffering from mental disorders is one of the major ethical controversies in psychiatry. Despite great efforts to reduce the use of coercive interventions, they are still widespread and differ among European countries with regard to the specific type of intervention and the number of affected patients. It is common to justify measures against the present will of patients under the assumption that they promote their well-being, that is, by reference to the ethical principal of beneficence. However, it is indisputable that such measures can also cause severe harm to the patients concerned and that they are often experienced as degrading. So in which situations can coercive interventions justifiably be labeled as »beneficial« at all? How can they be reduced to a minimum? This volume addresses these issues from an interdisciplinary and international perspective, combining contributions of amongst others medical ethicists, philosophers, legal scholars, psychologists, psychiatrists from different European countries. Theoretical and conceptual essays are complemented by contributions with a strong relation to clinical practice.
Zu den normativen Grundlagen praktischer Rationalität
Praktische Gründe dienen uns Menschen dazu, unser Handeln verständlich zu machen. Philosophen sind fasziniert vom Wesen praktischer Gründe. Auf was für einen Gegenstand beziehen wir uns, wenn wir unser Handeln erklären? Sind praktische Gründe als psychologische Zustände der handelnden Person aufzufassen, etwa als deren Wünsche oder Überzeugungen? Oder sind sie identisch mit den sich in der Welt befindenden Tatsachen, also unabhängig vom Geist der Akteure? Verursachen Gründe unser Handeln? Diese und andere Fragen sind aktueller Gegenstand einer vielschichtigen Diskussion in der analytisch geprägten Handlungstheorie. Dieses Buch bietet eine einschneidende Veränderung in der Sicht auf diese Fragen an. Überlegungen Wittgensteins folgend, werden praktische Gründe nicht als ontologischer Gegenstand, sondern als sprachliche Instrumente aufgefasst, die mit Funktionen und Zwecken verbunden sind. Auf diese Weise gelingt es, einen frischen Blick auf die normativen Bedingungen des Gebrauchs von Gründen, ihre Rolle in praktischen Überlegungsprozessen und ihre Bedeutung für die Motivation und Moral menschlichen Handelns in einer gemeinsam geteilten Praxis zu gewinnen.
Philosophische Reflexionen über den Kriegsbegriff im 21. Jahrhundert
Was ist Krieg und wie lässt sich diese Form des Konflikts von anderen Konfliktarten wie Kriminalität oder Terrorismus abgrenzen? Dass die Antworten auf diese Fragen nicht nur von wissenschaftlichem Interesse sind, sondern auch weit in das Gebiet der Politik und des Rechts hineinreichen, hat sich spätestens mit der Reaktion auf die Anschläge vom 11. September 2001 sowie in der Debatte um die Bezeichnung des Einsatzes der deutschen Bundeswehr in Afghanistan gezeigt. In diesem Buch wird die Frage nach der konkreten Ausdeutung des Kriegsbegriffs aus der Perspektive der Philosophie systematisch ausgebreitet und mit Blick auf die aktuellen Trends des globalen Konfliktgeschehens diskutiert. Ausgehend von den einschlägigen historischen und zeitgenössischen Positionen werden Ansätze zum Begriff des Krieges Stück für Stück durchleuchtet und diskutiert. Das Ziel des Buches ist dabei nicht, eine Kriegsdefinition zu entwickeln, die den Anspruch hat, das Ende der Debatte um diesen Begriff zu markieren. Vielmehr geht es darum, Missverständnisse zu klären, Argumente zu entwickeln und insgesamt Struktur und Transparenz für eine Debatte um den Kriegsbegriff zu liefern.
Entwurf einer adverbialen Emotionstheorie
Author: Anja Berninger
Was sind Emotionen? Welche Funktion erfüllen sie? In welchem Verhältnis stehen sie zu mentalen Zuständen wie Urteilen? Als Antwort auf diese Fragen entwickelt Anja Berninger in ihrem Buch eine »adverbiale Emotionstheorie «, in deren Rahmen Emotionen als Arten und Weisen des Denkens verstanden werden. Die Autorin setzt sich somit von der gängigen Vorstellung ab, dass Emotionen mit einzelnen mentalen Zuständen wie Urteilen oder Wahrnehmungen gleichzusetzen seien. Auch die Funktion von Emotionen wird neu beleuchtet. Während in der philosophischen Literatur bislang meist davon ausgegangen wird, Emotionen hätten die Aufgabe, uns über die Werteigenschaften von Situationen zu informieren, argumentiert Anja Berninger dafür, die Funktion von Emotionen in der Lösung bestimmter kognitiver Steuerungsprobleme zu verorten. Emotionen liefern uns keine neuen Informationen, sondern versetzen uns kognitiv in die Lage, angemessen auf die aktuelle Situation zu reagieren. In ihrer Argumentation greift die Autorin dabei sowohl auf klassische philosophische Positionen als auch auf jüngere Ergebnisse der Emotionspsychologie zurück.