Eine kritische Studie zu John Searles Theorie institutioneller Realität
Author: Lisa Marani
Searles einflussreiche Institutionentheorie gibt eine Antwort auf die Frage, auf welche Weise Institutionen wie Sprachen, Spiele, Geld und Eigentum in ihrer Existenz von handelnden Personen abhängen. Zentral für seine Theorie ist der Begriff der konstitutiven Regel. Wir verhelfen der institutionellen Realität zur Existenz, indem wir Regeln akzeptieren, die für viele unserer alltäglichen Handlungen konstitutiv sind: Ohne die Akzeptanz dieser Regeln könnten wir weder Versprechen geben noch könnten wir Geschenke machen, Äpfel kaufen oder Poker spielen. Daraus ergeben sich nach Searle wichtige Konsequenzen für die Frage, welche Rechte und Pflichten Personen im Rahmen von Institutionen haben. Die Autorin analysiert Searles Begriff der konstitutiven Regel, diskutiert die von verschiedenen Seiten geübte Kritik an Searles Unterscheidung zwischen konstitutiven und bloß regulativen Regeln und geht der Frage nach, wie man dafür argumentieren kann, dass es Regeln gibt, die für eine Aktivität konstitutiv sind. Aufbauend auf der Analyse des Begriffs der konstitutiven Regel wird eine Antwort auf die Frage gegeben, in welchem Sinne institutionelle Tatsachen als normative Tatsachen bezeichnet werden können. Diese Frage ist interessant, weil Searles institutionelle Tatsachen eine grundlegende Rolle für unser Handeln spielen.
Subjektivität als minimales Selbstbewusstsein
Author: Daniel Wehinger
Gibt es Erleben ohne Selbstbewusstsein? – In der gegenwärtigen Philosophie des Geistes wird diese Frage fast durchweg bejaht. Phänomenalität und Selbstbewusstsein werden als getrennte Phänomene behandelt, wobei das Hauptaugenmerk dem phänomenalen Bewusstsein gilt. Gegen eine solche Zweiteilung der Bewusstseinsproblematik wendet sich dieses Buch. Argumentiert wird für einen inneren Zusammenhang zwischen Phänomenalität und Selbstbewusstsein. Alles Erleben enthält demnach ein minimales Bewusstsein meiner selbst. Insofern meine Erfahrungen subjektiv sind, insofern sie sich für mich auf eine gewisse Art und Weise anfühlen, gehen sie mit einem präreflexiven Selbstbewusstsein einher. Dieses präreflexive Selbstbewusstsein stellt eine grundsätzliche Herausforderung für den Naturalismus dar. Sowohl die klassischen Higher-order-Theorien als auch die jüngeren selbstrepräsentationalistischen Ansätze scheitern an ihm. Selbstbewusstsein, so zeigt sich, steht im Zentrum der Bewusstseinsproblematik. Das Phänomen des Erlebens lässt sich nicht ohne das Phänomen des Selbstbewusstseins erklären.
Eine philosophische Untersuchung zum Begriff der Menschenwürde
Auf den Begriff der Menschenwürde setzen die einen im globalisierten 21. Jahrhundert große Hoffnungen – andere halten ihn für unbrauchbar in der Moralphilosophie. Dieses Buch arbeitet konzeptionelle Probleme des Ausdrucks »Menschenwürde« heraus und macht einen Vorschlag für ein neues Verständnis, das ihm eine wichtige Rolle in der Moral zuspricht, ohne ihn für letztbegründend zu halten. Klassischerweise wird Menschenwürde als Begründung für bestimmte moralische Normen herangezogen: Manche vertreten den Standpunkt, dass alle Verstöße gegen die Moral Menschenwürdeverletzungen wären. Doch das passt nicht zu unserem Gebrauch des Begriffs. Wer unter Menschenwürde alternativ einen Wert versteht, mit dem spezifische Normen verbunden sind, die jedem Menschen ein Leben in Würde sichern, gebraucht eine verwirrende Doppeldeutigkeit des Begriffs. In diesem Buch wird deshalb vorgeschlagen, Menschenwürde in einem dritten Sinn zu verstehen, der sich allein auf Würde als Gut konzentriert, das es zu erreichen, bewahren oder wiederzugewinnen gilt, nicht als Begründung für Normen. In diesem Sinn ist Würde eine gewisse Haltung, in der man seinem Selbstbild entspricht.
Paul Lorenzen wurde am 24.3.1915 in Kiel geboren. Er studierte von 1933 bis 1938 Mathematik, Physik, Chemie und Philosophie in Kiel, Berlin und Göttingen und wurde 1938 in Mathematik bei Helmut Hasse in Göttingen promoviert. 1946 erfolgte die Habilitation für Mathematik in Bonn. Ab 1956 hatte Lorenzen einen Lehrstuhl für Philosophie an der Universität Kiel inne. Er wechselte 1962 nach Erlangen, wo er bis zu seiner Emeritierung 1980 blieb. Ab 1967 nutzte er die vorlesungsfreie Zeit zu Gastprofessuren an der University of Texas at Austin, später an der Boston University. Lorenzen starb am 1.10.1994 in Göttingen. Mit seinen Ansätzen zu einer konstruktiven Begründung der Mathematik hatte sich Paul Lorenzen bereits international einen Namen gemacht, als er sich in den 50er Jahren verstärkt Fragen der allgemeinen Sprach- und Wissenschaftstheorie zuwandte. In der Folge setzte er sich vor allem für Logik, für begriffliches Denken und methodisch geordnetes Vorgehen im philosophischen Diskurs ein. Dieser Band versammelt die Beiträge einer im Oktober 2015 veranstalteten Tagung zur Philosophie Paul Lorenzens. Die Tagung ging den Schwerpunkten in der Philosophie Paul Lorenzens und deren Weiterentwicklung aus der Sicht seiner Schüler nach.
Über die Bedingungen, das Mögliche zu denken
Die Beiträge von Karsten Berr und Hans Friesen, Arno Görgen und Rudolf Inderst, Rüdiger Vaas, Karsten Weber, Klaus Wiegerling sowie Thomas Zoglauer zeigen die unglaubliche Spannweite des Themas, wie Philosophie und Phantastik zusammenhängen: Sowohl eher grundsätzliche und theoretische Fragen als auch der Umgang mit Zukünften oder philosophischen Ideen in der phantastischen Literatur, dem Film und in Computerspielen werden behandelt. Dabei spielt stets eine Rolle, wie wir über das Mögliche, aber (noch) nicht Seiende nachdenken können; ebenso wird behandelt, wie mit dem Nachdenken über das Mögliche Antworten auf schon lange debattierte Fragen der Philosophie gegeben werden können. Phantastik erweitert dabei den Raum des Möglichkeiten bis an die Grenzen des Denkbaren; so werden Szenarien zugänglich, die für realistische Überlegungen nicht erreichbar sind.
Über die theoretischen Grundlagen sprachlicher Bezugnahme
Author: Anders Landig
Dieses Buch wagt einen Neuanfang in der philosophischen Debatte über die Referenz von Eigennamen. Letztlich behandelt es daher folgende Frage: Welche Information übermittle ich meinem Gegenüber, wenn ich einen Namen äußere, etwa »München«? In Bezug auf diese Frage beherrschten lange Zeit zwei gegensätzliche Ansichten das Geschehen: Die einen sagen, ein referierender Ausdruck wie »München« kommuniziert Erfüllungsbedingungen und referiert dann eben auf dasjenige Objekt, das dieser Bedingung entspricht. Die anderen behaupten das Gegenteil: Erfüllungsbedingungen dürfen überhaupt keine Rolle bei der Frage spielen, welche Informationen ein Eigenname transportiert und wie er referiert. Dieses Buch eröffnet einen neuen, dritten Weg: Wir sollten Referenz darüber erklären, welche Bedingungen ein referierender Ausdruck erfüllt – und nicht sein Referent. Die Grundlage, diesen Gedanken fruchtbar zu machen, besteht in einer radikalen Interpretation der Beziehung von direkter Referenz und Starrheit: Beide Konzepte sind identisch.
Menschlichkeit in Zeiten der Neurowissenschaften
Unser Sozialverhalten wird in Extremsituationen auf harte Proben gestellt. Die Anziehung und Abstoßung zwischen Menschen kann bizarre Formen annehmen. Dieser Band geht den biologischen und psychologischen Mechanismen nach, auf denen Liebe und Krieg beruhen. Aktuelle Erkenntnisse aus Hirnforschung, Psychologie, Evolutions- und Soziobiologie erschließen grundlegende Fragen zur Zukunft der Menschheit neu: Wo schlägt das Identitätsgefühl von Gruppen um in eine gefährliche Ausgrenzung und Abwertung Anderer? Was nützen moralische Appelle in einer Welt der Interessen? Kann individuelle Zuneigung kollektive Vorurteile überwinden? Mit Beiträgen von: Andreas Bartels, Dieter Birnbacher, Evelin Lindner, Angela Merkl, Gerhard Roth, Hannes Rusch, Anne Schienle, Michael Schmidt-Salomon, Svenja Taubner und Roman Wittig.
Die europäische Neuzeit ist eine Epoche der Befreiung der Menschen aus kirchlichen, religiösen, politischen und wirtschaftlichen Abhängigkeiten. Sie hat zu einer großartigen Entfaltung geistigen Lebens geführt. Ihr Ziel war Selbstbestimmung. Die wurde aber oft im engen Sinn einer Autonomie, einer radikalen Unabhängigkeit verstanden. Thema dieses Buches ist die große Rolle, welche die Idee der Autonomie in der neuzeitlichen Geistesgeschichte und für ihren Verlauf gespielt hat, in Philosophie und Wissenschaften, in Religion, Malerei und Literatur. Thema ist auch das Ende dieser Entwicklung. Die Literatur hat heute weithin ihren Anspruch aufgegeben, Gefühle und Gedanken mitzuteilen, die Malerei ihr Ziel, die Welt in neuem Licht zu zeigen. Die Philosophie zweifelt an einer objektiven Wahrheit und damit an der Möglichkeit von Erkenntnis, und die Neurologen sagen uns, das Projekt der Neuzeit, die Selbstbestimmung des Menschen, sei von Anfang an illusorisch, weil es weder Freiheit gebe noch zu befreiende Subjekte.
Philosophical Essays in Honour of Wolfgang Spohn
Wolfgang Spohn is an eminent figure in contemporary analytic philosophy. Though best known for his seminal work in formal epistemology, in particular for the inception and development of ranking theory, his philosophical interests are much broader, covering virtually all parts of theoretical philosophy. This collection of essays from colleagues, friends and former students reflects the wide variety of Spohn’s philosophical interests. It contains articles on epistemology (e.g., the nature of knowledge and belief, ranking theory, formal theories of belief and its revision), theory of science (e.g., causality, induction, laws of nature), philosophy of language (e.g., theories of meaning, the semantics of counterfactuals) and philosophy of mind (e.g., intentionality, intuitions, free will) as well as on logic, ontology and game theory. The authors: Ansgar Beckermann, Wolfgang Benkewitz, Bernd Buldt, Ralf Busse, Christoph Fehige, Wolfgang Freitag, Gordian Haas, Volker Halbach, Franz Huber, Andreas Kemmerling, Manfred Kupffer, Hannes Leitgeb, Godehard Link, Arthur Merin, Thomas Müller, Julian Nida-Rümelin, Martine Nida-Rümelin, Hans Rott, Holger Sturm, Thomas Ede Zimmermann and Alexandra Zinke.
Editor: Markus Rüther
Die Metaethik als Disziplin kann auf eine vergleichsweise kurze Vergangenheit zurückblicken. Datiert wird ihre Geburtsstunde zumeist auf das Erscheinen der Principia Ethica (1903) von G. E. Moore. Seitdem hat sie jedoch einen rasanten Aufstieg erlebt. So müssen sich ihre Publikationszahlen, auch im deutschsprachigen Raum, nicht vor denen der angewandten Ethik oder politischen Philosophie verstecken. Diesem Interesse steht ein auffälliges »Schweigen« gegenüber, das Forschungsfeld entsprechend zu strukturieren und überblicksartig darzustellen. Insbesondere im deutschsprachigen Raum finden wir aktuell nur wenig einführende Literatur, die dieser Zielsetzung folgt. Diesem Desiderat möchte der »Grundkurs Metaethik« abhelfen. Konzeptionell ist er als ein Einführungswerk zu verstehen, das versucht, einen Überblick über die Grundlagen, Positionen und Schlüsselkontroversen der Metaethik anzubieten. Es richtet sich an Studierende der Philosophie, an Lehrende in der Schule und Universität, sowie an alle, die an Fragen interessiert sind, die mit den Grundlagen der Moral zusammenhängen. Die einzelnen Kapitel können unabhängig voneinander studiert werden, am Ende jedes Kapitels werden Literaturhinweise zur vertiefenden Beschäftigung mit dem Thema gegeben.