Foundations and Challenges
Coercion in the treatment of persons suffering from mental disorders is one of the major ethical controversies in psychiatry. Despite great efforts to reduce the use of coercive interventions, they are still widespread and differ among European countries with regard to the specific type of intervention and the number of affected patients. It is common to justify measures against the present will of patients under the assumption that they promote their well-being, that is, by reference to the ethical principal of beneficence. However, it is indisputable that such measures can also cause severe harm to the patients concerned and that they are often experienced as degrading. So in which situations can coercive interventions justifiably be labeled as »beneficial« at all? How can they be reduced to a minimum? This volume addresses these issues from an interdisciplinary and international perspective, combining contributions of amongst others medical ethicists, philosophers, legal scholars, psychologists, psychiatrists from different European countries. Theoretical and conceptual essays are complemented by contributions with a strong relation to clinical practice.
Zu den normativen Grundlagen praktischer Rationalität
Praktische Gründe dienen uns Menschen dazu, unser Handeln verständlich zu machen. Philosophen sind fasziniert vom Wesen praktischer Gründe. Auf was für einen Gegenstand beziehen wir uns, wenn wir unser Handeln erklären? Sind praktische Gründe als psychologische Zustände der handelnden Person aufzufassen, etwa als deren Wünsche oder Überzeugungen? Oder sind sie identisch mit den sich in der Welt befindenden Tatsachen, also unabhängig vom Geist der Akteure? Verursachen Gründe unser Handeln? Diese und andere Fragen sind aktueller Gegenstand einer vielschichtigen Diskussion in der analytisch geprägten Handlungstheorie. Dieses Buch bietet eine einschneidende Veränderung in der Sicht auf diese Fragen an. Überlegungen Wittgensteins folgend, werden praktische Gründe nicht als ontologischer Gegenstand, sondern als sprachliche Instrumente aufgefasst, die mit Funktionen und Zwecken verbunden sind. Auf diese Weise gelingt es, einen frischen Blick auf die normativen Bedingungen des Gebrauchs von Gründen, ihre Rolle in praktischen Überlegungsprozessen und ihre Bedeutung für die Motivation und Moral menschlichen Handelns in einer gemeinsam geteilten Praxis zu gewinnen.
Philosophische Reflexionen über den Kriegsbegriff im 21. Jahrhundert
Was ist Krieg und wie lässt sich diese Form des Konflikts von anderen Konfliktarten wie Kriminalität oder Terrorismus abgrenzen? Dass die Antworten auf diese Fragen nicht nur von wissenschaftlichem Interesse sind, sondern auch weit in das Gebiet der Politik und des Rechts hineinreichen, hat sich spätestens mit der Reaktion auf die Anschläge vom 11. September 2001 sowie in der Debatte um die Bezeichnung des Einsatzes der deutschen Bundeswehr in Afghanistan gezeigt. In diesem Buch wird die Frage nach der konkreten Ausdeutung des Kriegsbegriffs aus der Perspektive der Philosophie systematisch ausgebreitet und mit Blick auf die aktuellen Trends des globalen Konfliktgeschehens diskutiert. Ausgehend von den einschlägigen historischen und zeitgenössischen Positionen werden Ansätze zum Begriff des Krieges Stück für Stück durchleuchtet und diskutiert. Das Ziel des Buches ist dabei nicht, eine Kriegsdefinition zu entwickeln, die den Anspruch hat, das Ende der Debatte um diesen Begriff zu markieren. Vielmehr geht es darum, Missverständnisse zu klären, Argumente zu entwickeln und insgesamt Struktur und Transparenz für eine Debatte um den Kriegsbegriff zu liefern.
Entwurf einer adverbialen Emotionstheorie
Was sind Emotionen? Welche Funktion erfüllen sie? In welchem Verhältnis stehen sie zu mentalen Zuständen wie Urteilen? Als Antwort auf diese Fragen entwickelt Anja Berninger in ihrem Buch eine »adverbiale Emotionstheorie «, in deren Rahmen Emotionen als Arten und Weisen des Denkens verstanden werden. Die Autorin setzt sich somit von der gängigen Vorstellung ab, dass Emotionen mit einzelnen mentalen Zuständen wie Urteilen oder Wahrnehmungen gleichzusetzen seien. Auch die Funktion von Emotionen wird neu beleuchtet. Während in der philosophischen Literatur bislang meist davon ausgegangen wird, Emotionen hätten die Aufgabe, uns über die Werteigenschaften von Situationen zu informieren, argumentiert Anja Berninger dafür, die Funktion von Emotionen in der Lösung bestimmter kognitiver Steuerungsprobleme zu verorten. Emotionen liefern uns keine neuen Informationen, sondern versetzen uns kognitiv in die Lage, angemessen auf die aktuelle Situation zu reagieren. In ihrer Argumentation greift die Autorin dabei sowohl auf klassische philosophische Positionen als auch auf jüngere Ergebnisse der Emotionspsychologie zurück.
Der Begriff der Authentizität und die bioethische Debatte um das Neuro-Enhancement
Hat die subjektive Erfahrung, uns selbst und anderen als eine bestimmte Person zu erscheinen, eine ethische Orientierungsfunktion? Und wenn ja, was geschieht, wenn wir uns auf eine Weise verändern, die uns an der Kontinuität dieser Erfahrung zweifeln lässt? Ausgehend von Schilderungen von Nicht-Authentizitäts-Erfahrungen wird in diesem Buch der Versuch unternommen, einen Begriff personaler Authentizität zu rekonstruieren, der für Fragen der angewandten Ethik handhabbar ist. Dabei verbindet das Buch auf innovative Weise zwei Diskussionsstränge aus der Bioethik und der praktischen Philosophie: die bioethische Diskussion um das Neuro-Enhancement und die Debatte um das richtige Verständnis »personaler Autonomie« in der analytischen Philosophie. Dieser Ansatz erlaubt zu zeigen, dass der Begriff der Authentizität nicht im Begriff der Autonomie aufgeht und dass ersterer für die angewandte Ethik am besten als eine Fähigkeit zu rekonstruieren ist. Dadurch kann nicht nur die Bedeutung von Selbstwissen für eine verantwortungsvolle technische Selbstgestaltung thematisiert, sondern auch die in der Enhancement-Debatte häufig stiefmütterlich behandelte Perspektive des guten Lebens hervorgehoben werden.
Der Wilensbegriff zwischen antiker Moralpsychologie und modernen Neurowissenschaften
Dieses Buch nimmt eine umfangreiche Erörterung des Willensbegriffs vor. Es beschreibt ausführlich die ideengeschichtlichen Entwicklungslinien verschiedener Willenskonzepte seit der Antike bis in die Gegenwart. Dabei liegt der Fokus darauf, ob eine Epoche überhaupt einen Willensbegriff hatte,und wozu sie ihn verwendete. Die Darstellung ist wesentlich einer systematischen Perspektive verpflichtet, die historische Entwicklungsstränge als Kontrastfolie nutzt, um gegenwärtige Willensansätze argumentativ zu diskutieren. Der ideengeschichtlich-systematische Überblick über verschiedene Willenskonzepte mündet in einer Präzisierung und Klärung, sowie letztlich einer Kritik der aktuellen Debatte um die Freiheit des Willens. Leitende Fragestellungen des Buches sind: Welche Funktionen und Stellungen nimmt der Begriff des ›Willens‹ – besonders in der Philosophie, Psychologie und den Neurowissenschaften – ein und wie verhalten sich diese Funktionen zur Alltagssprache in den lebensweltlichen Kontexten?
Der Einführung eines allgemeinen gesetzlichen Mindestlohns ging in Deutschland eine heftige Debatte voraus, die bis heute nicht verstummt ist. Neben ökonomischen und juristischen Überlegungen wurden auch Argumente aus dem philosophischen Gerechtigkeitsdiskurs bemüht. Ihre Verschiedenartigkeit zeigt, dass man auf die Frage nach dem gerechten Lohn und damit auch auf die Frage nach der Legitimität eines gesetzlichen Mindestlohns nur mit einer interdisziplinären Herangehensweise eine angemessene Antwort geben kann. Das Buch dokumentiert, wie auf der 2016 abgehaltenen Sommerakademie der Juristenfakultät Leipzig in Vorträgen und Diskussionen die Problematik einer Lösung näher gebracht wurde. F. Rödl stellt den gesetzlichen Mindestlohn in den Gesamtzusammenhang des geltenden Rechts und arbeitet die Bezüge zur ausgleichenden Gerechtigkeit heraus. Th. Petersen sichtet mit philosophischem Zugang den Ertrag der marxistischen Theorie für das Thema. H.-J. Bontrup setzt sich aus wirtschaftswissenschaftlicher Perspektive mit der neoklassischen Theorie der Lohnfindung auseinander. Der Band schließt ab mit einem Beitrag von M. Köhler, dessen Lösungsansatz im Rahmen eines rechtsphilosophischen Gesamtkonzepts Aspekte der Tausch- und Teilhabegerechtigkeit integriert.
Sollten Individuen angesichts des drohenden Klimawandels ihre persönlichen Treibhausgasemissionen einschränken? Ist es moralisch problematisch, ein unter ungerechten Arbeitsbedingungen produziertes Kleidungsstück zu kaufen? Die Beantwortung dieser Fragen hängt davon ab, inwiefern wir als Individuen für moralische Übel mitverantwortlich sind, die durch eine Vielzahl von Akteuren gemeinsam verursacht werden. Die Herausforderung für eine Begründung individueller Verantwortung besteht darin, dass Handlungen wie das Fahren eines Autos mit hohem Treibhausgasausstoß oder der Kauf eines unter ungerechten Bedingungen hergestellten Kleidungsstücks scheinbar keinen Einfluss auf die relevanten Übel haben: Ob ich als Individuum diese Handlungen ausführe oder nicht, ändert – so scheint es – nichts am kollektiven Ergebnis, und so entsteht der Eindruck, dass die Basis für die Zuschreibung moralischer Verantwortung fehlt. In diesem Buch wird gezeigt, dass Individuen zu kollektiv verursachten Übeln in einer Weise beitragen, die moralische Verantwortung begründet. Zudem wird diese auch dadurch nicht aufgehoben, dass andere Akteure nicht bereit sind, Beitragshandlungen zu Übeln zu unterlassen.
Aktuelle Perspektiven – Klassische Problemvorgaben
HerausgeberInnen: Johannes Drerup und Christoph Schickhardt
Dieser Band vereinigt Beiträge von Forschern aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen zu zentralen kinderethischen Fragestellungen. Der erste Teil des Bandes ist grundlagentheoretischen Themen der Kinderethik gewidmet, der zweite Teil enthält Beiträge zu domänenspezifischen bzw. anwendungsbezogenen Fragen. Zu den im Band diskutierten Fragestellungen gehören u. a. die folgenden: Lässt sich Paternalismus gegenüber Kindern rechtfertigen? Wie ist der Begriff des Kindeswohls zu bestimmen? Welche Rechte sollten Kinder haben? Verfügen Kinder über Menschenwürde? Inwieweit sind Kinder als politische und moralische Akteure anzusehen? Wie sollten die teilweise zueinander in Spannung stehenden Rechte, Pflichten und Interessen des Staates, der Eltern und der Kinder austariert werden? Welche Erziehungspraktiken seitens der Eltern sollte der Staat tolerieren? Welche Werte und Ziele der Kindererziehung darf oder sollte der Staat vorgeben? Was bedeutet Gerechtigkeit für Kinder konkret, z.B. mit Bezug auf Kinderarmut oder die Stellung von Kindern im Wahlrecht? Zu den von den Autorinnen und Autoren vertretenen wissenschaftlichen Disziplinen zählen Philosophie/ Ethik, Erziehungswissenschaft, Rechtswissenschaft, Entwicklungspsychologie, Soziologie und Kindheitsforschung.
We are glad to present the nineteenth volume of this journal. Its unitary thematic focus concerns a fruitful discussion of a variety of approaches in Ancient Epistemology. This volume of Logical Analysis and History of Philosophy presents in total eleven articles on the theme of Ancient Epistemology, ranging from the presocratic philosopher Xenophanes to Plotinus and Sextus Empiricus, both by established colleagues and by younger scholars at the beginning of their career. Many interpretations are new or feature new ideas or new applications of ideas. We are confident that they will stimulate the readers to develop their understanding of ancient epistemology in response to them. The Authors: Matthew Duncombe, Alexander P. D. Mourelatos, Patricia Curd, Lucas Angioni, Ada Bronowski, Lee Franklin, Audrey Anton, David Bronstein, Anna Tigani, Andrew Payne, Eleni Perdikouri, Petter Sandstad, Jared Smith and Ádám Tamás Tuboly.