Urteilskraft in der Angewandten Ethik
Das Vermögen zu urteilen gehört zu den grundlegenden menschlichen Fähigkeiten. Erst das Urteil ermöglicht uns die Orientierung in der Welt und den handelnden Umgang mit moralisch anspruchsvollen Situationen, die uns im Alltag, aber auch in der Wissenschaft und Berufspraxis begegnen. Der Abstand zwischen abstrakten ethischen Prinzipien und den empirisch komplexen Sachlagen des »wirklichen Lebens« ist oft groß. Praktische Urteilskraft stellt als Vermögen die Verbindung zwischen normativen Orientierungsmaßstäben und lebensweltlichen moralischen Herausforderungen her. Wie genau die Urteilskraft hierbei verfährt und worin der Anspruch auf eine intersubjektive Gültigkeit des moralischen Urteils begründet ist, liegt oftmals im Dunkeln. Unter Bezugnahme auf Kants Theorie der Reflexion unternimmt das Buch den Versuch, die »black box« praktischer Urteilskraft zu erhellen. Dabei wird die spezielle Situation Angewandter Ethik in den Blick genommen, die sich als praxisorientiertes Arbeitsfeld mit spezifischen Anforderungen konfrontiert sieht. Das Buch entwickelt ein eigenes Modell praktischer Urteilskraft für die Angewandte Ethik, das an einem medizinethischen Beispiel illustriert wird.
Philosophical Essays in Honour of Wolfgang Spohn
Wolfgang Spohn is an eminent figure in contemporary analytic philosophy. Though best known for his seminal work in formal epistemology, in particular for the inception and development of ranking theory, his philosophical interests are much broader, covering virtually all parts of theoretical philosophy. This collection of essays from colleagues, friends and former students reflects the wide variety of Spohn’s philosophical interests. It contains articles on epistemology (e.g., the nature of knowledge and belief, ranking theory, formal theories of belief and its revision), theory of science (e.g., causality, induction, laws of nature), philosophy of language (e.g., theories of meaning, the semantics of counterfactuals) and philosophy of mind (e.g., intentionality, intuitions, free will) as well as on logic, ontology and game theory. The authors: Ansgar Beckermann, Wolfgang Benkewitz, Bernd Buldt, Ralf Busse, Christoph Fehige, Wolfgang Freitag, Gordian Haas, Volker Halbach, Franz Huber, Andreas Kemmerling, Manfred Kupffer, Hannes Leitgeb, Godehard Link, Arthur Merin, Thomas Müller, Julian Nida-Rümelin, Martine Nida-Rümelin, Hans Rott, Holger Sturm, Thomas Ede Zimmermann and Alexandra Zinke.
HerausgeberIn: Markus Rüther
Die Metaethik als Disziplin kann auf eine vergleichsweise kurze Vergangenheit zurückblicken. Datiert wird ihre Geburtsstunde zumeist auf das Erscheinen der Principia Ethica (1903) von G. E. Moore. Seitdem hat sie jedoch einen rasanten Aufstieg erlebt. So müssen sich ihre Publikationszahlen, auch im deutschsprachigen Raum, nicht vor denen der angewandten Ethik oder politischen Philosophie verstecken. Diesem Interesse steht ein auffälliges »Schweigen« gegenüber, das Forschungsfeld entsprechend zu strukturieren und überblicksartig darzustellen. Insbesondere im deutschsprachigen Raum finden wir aktuell nur wenig einführende Literatur, die dieser Zielsetzung folgt. Diesem Desiderat möchte der »Grundkurs Metaethik« abhelfen. Konzeptionell ist er als ein Einführungswerk zu verstehen, das versucht, einen Überblick über die Grundlagen, Positionen und Schlüsselkontroversen der Metaethik anzubieten. Es richtet sich an Studierende der Philosophie, an Lehrende in der Schule und Universität, sowie an alle, die an Fragen interessiert sind, die mit den Grundlagen der Moral zusammenhängen. Die einzelnen Kapitel können unabhängig voneinander studiert werden, am Ende jedes Kapitels werden Literaturhinweise zur vertiefenden Beschäftigung mit dem Thema gegeben.
HerausgeberIn: Birgit Recki
Das Böse gehört zu den Begriffen, die das Denken radikal herausfordern. Die Aufgabe, das Böse philosophisch zu bedenken, stellt sich nicht zuletzt in den politischen Auseinandersetzungen, in denen „das Böse“ als Realität behauptet wird. Angesichts des als prekär empfundenen Status eines traditionellen Begriffs in zeitgenössischen Debatten schrieb der Vorstand der Stiftung „Forschungsinstitut für Philosophie Hannover“ 2015 die Preisfrage aus: »Wozu ist das Böse gut?« Die Frage zielt auf unsere Vorstellungen vom Bösen. Das Böse scheint ein häufig außerhalb der gewöhnlichen Erfahrungen angesiedeltes Phänomen zu sein. Es hat mit Unterbrechungen des Alltäglichen und Abweichungen von der Norm zu tun, auch mit Pathologisierung und Diabolisierung. Ist das Böse aber immer das, der oder die Andere? Welche Kontexte sind es, in denen wir uns ein Bild vom Bösen machen? Handelt es sich bei der Rede vom Bösen um Grenzziehungen zwischen verschiedenen Ordnungsmustern? Häufig ist die Aufmerksamkeit allein auf die interpersonale Trennlinie zwischen Gut und Böse gerichtet. Hat es etwas zu bedeuten, wenn die intrapersonale Dimension des Bösen ignoriert wird? Wer spricht wann und in welcher Absicht vom Bösen? Wem nutzt die Rede vom Bösen, wozu dient der Begriff des Bösen?
Über philosophische Theorien narrativer Identität
Was macht jemanden zu dem, der er ist? Vertreter und Vertreterinnen einer philosophischen Theorie narrativer Identität antworten auf diese Frage, dass jemand derjenige ist, als der er sich selbst erzählt. Kurz gesagt ist jemand demnach seine Lebensgeschichte. Was aber heißt das genau? In welchem Sinn ist hier davon die Rede, was jemanden zu dem macht, der er ist? Was ist eigentlich eine Lebensgeschichte? Und ist eine solche These überhaupt haltbar? Was ist etwa mit den Fehlern, die Menschen manchmal machen, wenn sie von sich erzählen? Wie ist es mit den Geschichten, die andere von jemandem erzählen? Diese und andere Fragen werden in diesem Buch anhand der Untersuchung verschiedener Konzeptionen narrativer Identität beantwortet. Das Ergebnis ist ein besseres Verständnis davon, was Theorien narrativer Identität innerhalb der philosophischen Debatten um personale Identität leisten wollen und warum sie dies nicht leisten können.
HerausgeberInnen: Roman Mikulas und Sophia Wege
Seit etwa drei Jahrzehnten erhalten Literaturwissenschaftler von den Kognitionswissenschaften für ihre Forschungen wichtige Impulse. Bis heute jedoch herrscht Klärungsbedarf in Bezug auf die biologischen Grundlagen unserer Kultur bzw. hinsichtlich der neuronalen Voraussetzungen semantischer Prozesse innerhalb der literarischen Kommunikation. Der Band soll ein Abbild vermitteln, wie Forscher mit unterschiedlichen (meta-)theoretischen Hintergründen mit der Anwendung der grundlegenden Konzepte der Kognitiven Literaturwissenschaft umgehen und dabei zeigen, inwiefern kognitionswissenschaftliche Erkenntnisse für literaturwissenschaftliche Fragestellungen fruchtbar gemacht werden können. Zu diesem Zweck wird der Fokus auf das dynamische Zusammenspiel von Textelementen und kognitiven Leistungen vor kulturhistorischem Hintergrund gerichtet. Um das entsprechend breite Spektrum der Möglichkeiten der Kognitiven Literaturwissenschaft sichtbar zu machen, sind die Anwendungsbereiche Text, Leser und Kontext gleichermaßen vertreten.
Vom guten Leben angesichts des Todes
HerausgeberIn: Stefan Gosepath
Dieser Band setzt sich zum Ziel, Möglichkeiten guten und gelingenden Lebens angesichts des Todes auszuloten. Von Anfang an gehört das Eingedenk-Sein der eigenen Endlichkeit (memento mori) aber auch zu den Grundthemen der akademischen Philosophie und Theologie. Zugleich stellt es einen wesentlichen Teil der abendländischen Geistesgeschichte dar, indem es sich als zentraler kulturgenerierender Faktor erweist. Denn wirklich zu begreifen, »dass [es] ein Ende mit mir haben muss«, wie Luther das Wort des Psalmisten übersetzt und Brahms es dann im »Deutschen Requiem« kongenial vertont – dieses Wissen um die irreversible und universale Faktizität des Sterbenmüssens verlangt nicht nur nach rationalen Konzepten der Kontingenzbewältigung, sondern auch nach entsprechenden praktisch-sozialen Handlungsstrategien. Im Zentrum der Beiträge stehen weniger abstrakte Theoreme der Endlichkeit und Sterblichkeit, sondern vielmehr emotionale wie volitionale (Lebens-)Einstellungen, rationale Sinnkonzepte (sog. Denkformen) und praktisch-ethische Handlungsoptionen des Menschen angesichts seiner Konfrontation mit diesem noch ausständigen Punkt seines Endes in der Zeit und seiner relativen Nähe zu ihm.
Soziale Gerechtigkeit und globale Entwicklung auf Grundlage des Capability Approach
Was genau verlangt soziale Gerechtigkeit? Diese Frage hat immer schon zu großen Meinungsdifferenzen geführt, sowohl in der politischen Rhetorik als auch in der politischen Philosophie. Neben John Rawls’ bahnbrechender Theorie der Gerechtigkeit gilt der Capability Approach (CA) von Amartya Sen, Nobelpreisträger und Harvard-Professor für Ökonomie und Philosophie, als einer der einflussreichsten Beiträge moderner Gerechtigkeitstheorien. Trotz weitgehend positiver Resonanz der Scientific Community wird nach herrschender Meinung nur von einem »Ansatz« gesprochen. Das Buch widmet sich der Aufgabe, Amartya Sens CA begrifflich zu klären, zu systematisieren und inhaltlich weiterzuentwickeln, so dass er Schritt für Schritt an eine »vollwertige« Gerechtigkeitskonzeption herangeführt werden kann. Es ist einerseits als Standardwerk zu Sens politischer Philosophie zu lesen, andererseits vertieft der Autor den Ansatz hinsichtlich sozialer Gerechtigkeits- und globaler Entwicklungsfragen. Die hier vorgestellte Interpretation des CAs im Sinne der gerechtigkeitsnotwendigen Gewährleistung gleicher autonomer Freiheit liefert einen konstruktiven Brückenschlag zwischen der Philosophie Kants, Aristoteles’ Tugendethik und der zeitgenössischen ökonomischen Theorie.
Neue Positionen zu einer zeitlosen Frage
HerausgeberInnen: Rico Gutschmidt und Thomas Rentsch
Die Behauptung der Unerkennbarkeit Gottes hat eine lange Tradition, die vom biblischen Bilderverbot über die negative Theologie und Mystik bis zur spätmodernen Dekonstruktion reicht. Zu dieser Tradition gehört die zeitlose Frage, wie Gott zu denken ist, wenn er nicht als ein buchstäblich existierendes Wesen im Sinne des Theismus verstanden werden kann. Diesem Problem nähern sich die Texte des Bandes mit zahlreichen historischen wie systematischen Schwerpunkten. Es geht um das Verhältnis der Transzendenzdimensionen zu den Grenzen der menschlichen Erkenntnis, damit verbunden um die sprachliche Präzisierung der Grenzproblematik, wie sie sowohl in der Tradition der negativen Theologie wie auch in zentralen Ansätzen der modernen Philosophie angezielt wird. Weitere Schwerpunkte bilden das Verhältnis von Rationalität und Theologie sowie die theologischen Aspekte der Dekonstruktion. Die Ansätze der Beiträge verfolgen stets die Frage nach dem Status der Rede von Gott im Horizont der Erkenntnisgrenzen. Sie zeigen so, dass und wie diese Frage mit dem Welt und Selbstverständnis des Menschen im Angesicht der Unbegreiflichkeit seiner Situation verbunden ist und bleibt.
Eine ethische Auseinandersetzung mit der Rationierungsdebatte
Die Gesundheitssysteme westlicher Industrienationen werden aufgrund sozialer Umbrüche und technologischer Errungenschaften an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit gelangen. Die Ursachen dafür liegen in der demografischen Alterung entwickelter Industrienationen und dem teuren medizinisch-technischen Fortschritt, der neue Behandlungsmöglichkeiten eröffnet. Zugleich führt eine dauerhaft niedrige Geburtenrate dazu, dass der Anteil der Beitragszahler in der Bevölkerung abnimmt. Die Schere zwischen dem medizinisch Sinnvollen und dem ökonomisch Machbaren geht weiter auseinander. Schon jetzt ist eine Maximalversorgung für alle Mitglieder der Gesellschaft nicht mehr möglich. Eine Begrenzung der medizinischen Versorgung ist deshalb unumgänglich und findet bereits statt – allerdings verdeckt und ohne klar definierte Standards. In diesem Buch wird deshalb zum einen eine moralische Kosten-Nutzen-Analyse begründet, die eine Rangreihenbildung zwischen verschiedenen Gesundheitsleistungen erlaubt. Zum anderen werden ausgewählte Kriterien kritisch untersucht, anhand derer eine Prioritätensetzung zwischen verschiedenen Personengruppen möglich wird.