Strategien poetischer Bewältigung
Das sichere Wissen um die eigene Sterblichkeit ist ein schwerer Schlag für die evolutionär tief verankerten Selbsterhaltungsinstinkte des Menschen. Todesangst verlangt Bewusstsein und wir sind vermutlich – mit einem Wort Friedrich Dürrenmatts – „das einzige Lebewesen, das weiß, dass es sterben wird.“ Dieses Wissen hat von Anfang an in der Geschichte der Spezies Mensch zahlreiche Verteidigungsmechanismen und kulturelle Bewältigungsstrategien generiert. Dem psychischen und physischen Skandalon des Sterbens sollen – in unserem 21. Jahrhundert mehr denn je – Zügel angelegt werden.
Die aktuell einflussreichste sozialpsychologische Theorie zur Auseinandersetzung mit unserer Sterblichkeit, die so genannte Terror-Management-Theorie, sieht im „schöpferischen Unsterblichkeitsmodus“ (Robert Lifton) von Literatur und Kunst ein probates Mittel, unserer Todesangst zu begegnen. Dieses Buch überprüft diese und weitere Thesen aktueller Forschungen zur Todesangst am Beispiel der Verwobenheit von Biographie und literarischer Produktion unter anderem bei Annette von Droste-Hülshoff , Franz Kafka, Hermann Hesse, Wolfgang Herrndorf und Sigmund Freud.
Interpretationen
Der Band führt in das lyrische Gesamtwerk von Ulrike Draesner ein. Eine Reihe von Interpretationen zu einzelnen Gedichten und Gedichtgruppen folgt seiner chronologischen Entwicklung und vermittelt so einen Überblick, lässt thematische Schwerpunkte erkennen und zeigt seine fakturiellen Besonderheiten.
Die Interpretationen verdeutlichen dabei die Verwurzelung von Draesners Lyrik in literarischen Traditionen ebenso wie den selbständigen und innovativen Charakter ihrer experimentellen lyrischen Fakturen. Der Band will die Geschichte und das Gestaltungsspektrum des Werkzusammenhangs anhand von exemplarischen Gedichtinterpretationen nachzeichnen und zudem einen Beitrag zur Gegenwartsliteraturforschung im Allgemeinen wie zur Lyrikologie im Besonderen leisten.
Interpretationen
HerausgeberInnen: Rüdiger Zymner und Frieder von Ammon
IIn einer Reihe von Interpretationen verschafft dieser Band einen Überblick über Klings lyrisches Gesamtwerk sowie Zugänge zu seinen wichtigsten Gedichten. Die Analysen und Interpretationen erläutern den literaturgeschichtlichen Kontext der Gedichte, erklären ihre Machart und erschließen ihren Sinn.
Revoluzzer, Männerfreund, Bestsellerautor
Richard Voß gehörte Ende des 19. Jahrhunderts zu den meistgelesenen Autoren im deutschsprachigen Raum. Als junger oppositioneller Schriftsteller im Kaiserreich verboten, gelang ihm eine außergewöhnliche Karriere zum Bestsellerautor. Dennoch ist sein umfangreiches Werk heute nur Kennern ein Begriff.

Dies ist die außergewöhnliche Geschichte eines genial veranlagten Autors, der mit seinem Frühwerk die Anfänge des deutschen Naturalismus maßgeblich prägte. In den 1880er Jahren war er ein gefeierter Bühnenautor, der neben Ibsen gezeigt wurde. Auch seine Italienrezeption weist ihn als Ausnahmeerscheinung aus. Sein Roman Zwei Menschen wurde zum Longseller mit weit über einer Million verkauften Exemplaren. Voß war Revoluzzer und Fürstenfreund, Wartburg-Bibliothekar und Italienkenner. Er verkehrte an den Höfen von Weimar und Meiningen, in den Salons von Berlin, Wien und Rom. Doch hinter der Maske seines „phantastischen Lebens“ verbirgt sich ein beispielloses Doppelleben, zu dem er als Homosexueller gezwungen war und das sich in seinem Schaffen niederschlug. Voß’ Leben liefert charakteristische Streiflichter zum Literaturbetrieb zwischen Gründerzeit und Erstem Weltkrieg.
Interpretationen
HerausgeberInnen: Christoph Jürgensen und Sonja Klimek
Jan Wagners Gedichte sind in den letzten Jahren nicht nur vielfach mit renommierten Preisen ausgezeichnet worden, sondern haben auch ein stetig wachsendes Publikum für sich gewinnen können. Diese Popularität verdienen sich Wagners Gedichte dadurch, dass sie den Bezug zu alltäglichen Dingen und Naturerscheinungen mit höchster künstlerischer Finesse und ansprechender Klanggestaltung zu verbinden wissen. In einer Abfolge von Interpretationen, die jeweils ein einzelnes Gedicht Jan Wagners im Kontext des Gesamtwerkes interpretieren, führt der Band in das bisherige lyrische Schaffen des Autors ein. Das Buch vermittelt somit einen Überblick über die bisherige Entwicklung, typische Motivik und formale Besonderheiten, mit denen sich Jan Wagner gezielt in die internationalen literarhistorischen Traditionen der Gattung Lyrik einschreibt. Mit Beiträgen von Frieder von Ammon, Matthias Aumüller, Hans-Edwin Friedrich, Johannes Görbert, Gunter E. Grimm, Ingo Irsigler, Christoph Jürgensen, Sonja Klimek, Gerhard Kaiser, Daniela Kohler, Fabian Lampart, Sven Meyer, Ralph Müller, Antonius Weixler, Rüdiger Zymner.
Die Literaturwissenschaft widmet sich seit einigen Jahren verstärkt dem Zusammenhang von Kognition und Dichtung. Dass die menschliche Kognition ihrerseits im Rahmen der biologischen Evolution zu betrachten ist, ist in den kognitivistischen Literaturstudien weniger präsent. Karl Eibl hat sich diesem Defizit bereits 2004 in seinem Buch Animal poeta zugewandt, indem er die anthropologischen Grundlagen aus den neueren Entwicklungen in Soziobiologie und Evolutionärer Psychologie für einen literaturwissenschaftlichen Erkenntnisbedarf adaptierte und weiterentwickelte. Nach einer Folgestudie zum biologischen Kulturbegriff, die 2009 unter dem Titel Kultur als Zwischenwelt erschien, wendet Eibl sich mit diesem Buch nun spezifischer literarischen Phänomenen zu. Der einleitende Teil des Buches rekapituliert die Rahmentheorien für eine biologische Perspektive auf Sprache, Kultur und Ästhetik. In mehreren Kapiteln zu literarischen Formen und Figuren werden dann grundlegende Strukturphänomene erörtert, die sich aus biologisch verankerten Dispositionen ableiten lassen. So wird anschaulich gemacht, wie aus dem induktiven Erfahrungslernen die Möglichkeit zu metaphorischer Bildlichkeit hervorgeht und wie sich universale Plots auf kognitive Gestalterwartungen zurückführen lassen. Auch die Autorposition wird aus biologischer Perspektive betrachtet und als notwendige Instanz im menschlichen Kommunikationsverhalten mit den literaturtheoretischen Positionen zur Autorfrage vermittelt. Der letzte Teil des Buches setzt an bei einer Spezifik menschlicher Kognition, die als ›Weltoffenheit‹ oder ›kognitiver Imperativ‹ bezeichnet werden kann. Als emotionale Disposition Angst steuert sie menschliche Bewältigungsarbeit in Form von Mythos, Religion und Dichtung. Eine besondere Aufmerksamkeit gilt hier der Lyrik als unmittelbarster Form des ritualisierten Umgangs mit dem kognitiven Imperativ.
Literarisch-philosophische Darstellungsmittel in Wittgensteins Schriften
Reihe: Explicatio
Ludwig Wittgenstein verstand Philosophie als Praxis: Philosophieren war für ihn das Klären von Verwirrungen, die durch und über die Sprache entstehen. Entsprechend dieser operativen Auffassung entwickelte Wittgenstein literarisch-philosophische Darstellungsmittel, die dem Leser sein klärendes Philosophieren zeigen sollten. Dieses Buch stellt solche 'Formen des Klärens' als einen durchgängigen Grundzug von Wittgensteins Schriften vor. Ausgehend von einer Diskussion der Darstellungsform von Wittgensteins Philosophischen Untersuchungen, analysiert das Buch die literarisch-philosophischen Darstellungsmittel der Logisch-philosophischen Abhandlung mit den Instrumenten der literarischen Rhetorik. Wittgensteins frühe Form des Klärens lässt die Darstellungsmittel aus der späten Werkphase kontrastiv erkennen. Die Analyse eines Beispiels aus Wittgensteins Nachlass mit strukturalistischen Begriffen verdeutlicht, wie sich die Darstellungsmittel mit einer veränderten philosophischen Auffassung ändern. Dies unterstreicht abermals die philosophische Bedeutung der von Wittgenstein entwickelten Formen des Klärens: Sie zeigen ein klärendes Philosophieren, dessen Verfahren in der Entwicklung von literarisch-philosophischen Darstellungsmitteln besteht.
Zur Ausdifferenzierung des Aufbausystemenin der Romanliteratur der frühen DDR
Reihe: Explicatio
Das Hauptziel der Studie besteht in der literaturwissenschaftlichen Aufarbeitung eines für die DDR-Literatur grundlegenden Korpus: der Aufbauromane. In Auseinandersetzung mit sowjetischen Vorläufern werden die für das Korpus spezifischen Eigenschaften herausgearbeitet. Textbezogene Einzeluntersuchungen und Werkanalysen machen deutlich, dass das auf den ersten Blick homogen wirkende Korpus in seinen einzelnen Ausprägungen vielfältige Unterschiede aufweist. Ein gestuftes Modell der Variation des Aufbausystems ermöglicht die systematische Beschreibung der Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Mitglieder des Korpus sowie die Abgrenzung von anderen Korpora. Auf diese Weise können die Aufbauromane mit literaturgeschichtlichen älteren und jüngeren Werkgruppen verglichen und Kontinuitäten und Diskontinuitäten der literaturgeschichtlichen Entwicklung von der frühen Sowjetunion und Weimarer Republik bis zur DDR-Literatur der 60er Jahre erfasst werden. Im Ergebnis zeigt sich, dass die Aufbauromane einer Poetik gehorchen, die insofern minimalistisch ist, als sie ihre literarische Bedeutung ausschließlich auf der Basis des Systems beziehen, zu dem sie qua Aufbauhandlung gehören.
Eine Darstellung anhand des Musikermotivs
In der Zeitschrift Athenäum konstatiert Friedrich Schlegel im Jahr 1798: „Die Musik ist eigentl[ich] die Kunst dieses Jahrhunderts“. In den Jahrzehnten um das Jahr 1800 herum kommt es in der Geschichte der Ästhetik zu einer historischen Wende – nicht ohne den Beitrag der erzählenden Literatur, die sich eingehend den Wirkungsweisen und Eigenschaften der Musik widmet und ihr dadurch zum Rang der höchsten aller Künste verhilft. Doch können die GeSetze, die sich die Literatur selbst gibt, von diesem Diskurs unberührt bleiben? Tatsächlich steht die Beschäftigung der Dichter mit dem Thema Musik auch in Verbindung mit der Suche nach einer neuen Poetik, einer Poetik des Musikalischen. Gerade an der Behandlung des Musikermotivs kann abgelesen werden, inwieweit sich die ästhetische Neuausrichtung auch in der Entwicklung neuer narratologischer Verfahren niederschlägt und die junge Gattung des Romans selbst in Zeiten einer Sprachkrise kunstvolle Blüten treibt. Als Beispieltexte stehen Erzähltexte von Ludwig Tieck, E.T.A. Hoffmann und Jean Paul im Zentrum der Untersuchung.
HerausgeberIn: Roland S. Kamzelak
Harry Graf Kessler ist als Mäzen und Förderer der Kunst bekannt. Neben Aristide Maillol und Henry Van de Velde fallen in diesem Zusammenhang auch die Namen von Hugo von Hofmannsthal und Richard Dehmel. Während über Kesslers Engagement in der Kunst viel publiziert worden ist, bleibt sein Verhältnis zur Literatur bislang beinahe unberücksichtigt. Dabei war er selbst literarisch aktiv: 1896 wurde sein Erstlingswerk 'Mein Mexico' veröffentlicht, dann die Libretti des Rosenkavalier und der Josephslegende, schließlich 'Gesichter und Zeiten', seine Memoiren. Sein Drama 'Kaliaieff' ist weitgehend unbekannt, obwohl er bereits mit Max Reinhart über eine Aufführung verhandelt und die erste Szene den Schauspielern vorgelesen hat. Durch den Zwang, ins Exil zu gehen, blieb das Drama Fragment. In diesem Band wird es erstmals veröffentlicht, flankiert von hochkarätigen Beiträgen zu seiner Lektüre der emphatischen Moderne, der russischen Literatur, seinem Engagement für den Film, seiner Wahrnehmung der Ballets Russes und seinem politischen Verhältnis zum Osten überhaupt.