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Urteilskraft in der Angewandten Ethik
Das Vermögen zu urteilen gehört zu den grundlegenden menschlichen Fähigkeiten. Erst das Urteil ermöglicht uns die Orientierung in der Welt und den handelnden Umgang mit moralisch anspruchsvollen Situationen, die uns im Alltag, aber auch in der Wissenschaft und Berufspraxis begegnen. Der Abstand zwischen abstrakten ethischen Prinzipien und den empirisch komplexen Sachlagen des »wirklichen Lebens« ist oft groß. Praktische Urteilskraft stellt als Vermögen die Verbindung zwischen normativen Orientierungsmaßstäben und lebensweltlichen moralischen Herausforderungen her. Wie genau die Urteilskraft hierbei verfährt und worin der Anspruch auf eine intersubjektive Gültigkeit des moralischen Urteils begründet ist, liegt oftmals im Dunkeln. Unter Bezugnahme auf Kants Theorie der Reflexion unternimmt das Buch den Versuch, die »black box« praktischer Urteilskraft zu erhellen. Dabei wird die spezielle Situation Angewandter Ethik in den Blick genommen, die sich als praxisorientiertes Arbeitsfeld mit spezifischen Anforderungen konfrontiert sieht. Das Buch entwickelt ein eigenes Modell praktischer Urteilskraft für die Angewandte Ethik, das an einem medizinethischen Beispiel illustriert wird.
Philosophische Grundlagen der Literaturtheorie. 3. Auflage
HerausgeberIn: Maria E Reicher
Was macht ein Märchen, einen Spielfilm oder einen Roman, eine Fernsehserie oder einen Comic zu einem fiktionalen Werk? Ist eine Geschichte fiktional, weil sie nicht wahr ist? Warum tadeln wir eine Romanschriftstellerin nicht, wenn das, was sie schreibt, nicht der Wahrheit entspricht? Und wenn es zutrifft, dass fiktive Gegenstände nicht existieren, worüber sprechen wir dann, wenn wir zum Beispiel sagen, dass Sherlock Holmes klüger ist als Dr. Watson? Wie kann es sein, dass wir fiktive Personen bewundern, bemitleiden oder gar fürchten, wenn wir doch wissen, dass es sie gar nicht gibt? Und unter welchen Bedingungen (falls überhaupt) kann eine Interpretationshypothese wie 'Hamlet ist eifersüchtig auf seinen Stiefvater' wahr sein? In diesem Band werden die wichtigsten Ansätze zur Beantwortung solcher Fragen vorgestellt und diskutiert. Die Beiträge stammen von Axel Bühler, Gregory Currie, George Dickie, W. Kent Wilson, Wolfgang Künne, Alex Neill, Maria E. Reicher, John Searle, Peter van Inwagen und Kendall Walton.
Von der Unvorhersagbarkeit zur Selbstorganisation. 4. Auflage
Der in der jüngsten Debatte um das Leib-Seele-Problem wieder aufgegriffene Emergenz begriff findet in diesem Buch eine umfassende historisch-systematische Darstellung, die im deutschsprachigen Bereich und auch darüber hinaus ihresgleichen sucht. An diesem Werk wird niemand, der in der Philosophie des Geistes arbeitet, vorbeigehen können. (Godehard Brüntrup, Grazer Philosophische Studien) Stephan provides both an invaluable overview of the emergence debate and a clear-eyed analysis of its problems and prospects. He has set the standard by which all future work on this important topic will be judged. (John Symons, University of Texas at El Paso) Stephan presents a comprehensive, well-organized, well-informed and up to date overview of the development and the varieties of emergentism […]. Since it is written in an extremely clear and accessible style, it is not only a valueable source for experts in philosophy of mind, but also a fine introduction for advanced students. (Ralph Schumacher, European Journal of Philosophy )
Eine Verteidigung des Epiphänomenalismus
Die Annahme, dass mentale Zustände wie Überzeugungen, Wünsche und Gefühle physische Ereignisse bewirken (wie körperliches Verhalten und willentliche Handlungen), ist ebenso verbreitet wie problematisch, weil sie im Widerspruch zu der Überzeugung steht, dass mentale Zustände Phänomene nichtphysischer Natur sind und physische Phänomene ausschließlich physische Ursachen haben. Der Epiphänomenalismus, der diesen als Leib-Seele-Problem bekannten Widerspruch auflöst, indem er die kausale Wirksamkeit des Mentalen bestreitet, stößt unter Laien und Philosophen jedoch auf erheblichen Widerstand. Die vorliegende Studie wendet sich den Intuitionen zu, die sich einer epiphänomenalistischen Auflösung des Leib-Seele-Problems in den Weg stellen: einerseits die innere Erfahrung unserer Urheberschaft, andererseits unser Selbstverständnis als handelnde Personen. Es wird argumentiert, dass die durch die Berufung auf diese Intuitionen zum Ausdruck gebrachten, selten jedoch ausdrücklich vorgebrachten Argumente für die These der mentalen Kausalität allesamt nicht überzeugen können. Vielmehr ist der Epiphänomenalismus sowohl mit unserer inneren als auch unserer äußeren Lebenswirklichkeit vereinbar.
Der Bezug auf 'unsere Pflichten gegenüber künftigen Generationen' ist eines der kraftvollsten, emotionalsten und effektivsten Argumente, das Politikern und Bürgern zur Verfügung steht. Die exakte Art und der Umfang dieser Pflichten sind allerdings unklar. Sind wir kommenden Generationen überhaupt etwas schuldig? Wenn ja, wie groß ist der Umfang unserer Pflichten? Und auf welche Ressourcen oder Güter beziehen sie sich? Dieses Buch kommt zur rechten Zeit: Es liefert die bisher genaueste ethische Landkarte für die immer wichtiger werdende Zukunfts- bzw. Generationenethik. Obwohl von bisher unerreichter Tiefe und Bandbreite – das Literaturverzeichnis umfasst die gesamte relevante Literatur zu diesem Thema –, macht Tremmels klarer Stil das Buch zu einer leicht lesbaren und abwechslungsreichen Lektüre. Im Ergebnis schlägt dieses Buch eine Theorie der Generationengerechtigkeit vor, die nicht nur für die philosophische, sondern auch die politische Debatte neue Impulse bringen wird.
Neuronal Foundations of Conceptual Representation
How does meaning come about, given the nature of our brains? Taking up this question, the book unites two so far disjoint perspectives on how humans represent and process information: In philosophy, linguistics, and large parts of psychology informational processes are commonly regarded as transformations over semantically composed structures of concepts. Mental concepts are regarded as the ultimate bearers of intentional content and the providers of linguistic meaning. In neuroscience, in contrast, the interactions of neurons – forming an apparently very different structure – are viewed as fundamental for the flow of information. 'The Compositional Brain' makes a provoking claim that, nevertheless, is underpinned with cogent argumentation. It proposes a structural identity theory that identifies the mechanisms of concept composition with patterns of synchronous neural activity. It combines philosophical analysis with most recent neurobiological findings on the time-dependent nature of neural mechanisms. Using oscillatory networks as a biologically well-grounded model of cortical activity, simulations of brain activity are studied and re-described by refined algebraic and model-theoretic methods. So a link between neuroscience and semantics is established.
Eine Untersuchung zur Struktur kollektiven Handelns
Gemeinsame Aktivitäten, von spontanem Kooperieren von zwei Akteuren bis zum Handeln in oder von in komplexer Weise organisierten Kollektiven, gehören zu den Grundphänomenen des alltäglichen menschlichen Lebens. Diese Untersuchung ist den zentralen handlungstheoretischen und sozialontologischen Problemen gewidmet, die diese Phänomene aufwerfen. Es wird unter Rekurs auf neuere Literatur zu kollektiver Intentionalität und Sozialontologie ein systematischer Vorschlag zur Individuation kollektiver Handlungen, zur Intentionalität gemeinsamen Handelns und zur Akteurschaft von Kollektiven entwickelt. Die Hauptthese dieses Vorschlags ist kritisch gegen Spielarten reduktionistischer und individualistischer Analysen gewendet und besagt, dass kollektives Handeln nur dann adäquat analysiert werden kann, wenn die Vorstellung, es sei durch Zusammensetzungen aus für sich vollständig bestimmten individuellen Handlungen und Absichten gekennzeichnet, aufgegeben wird. Im Einzelnen wird für eine nicht-reduktive Analyse gemeinsamer Handlungsabsichten sowie für die Auffassung argumentiert, dass bestimmte Kollektive eine Art interner Struktur aufweisen, die ihre Anerkennung als Akteure rechtfertigt.
Im Zuge der vor einigen Jahren wieder entbrannten Diskussion um die Willensfreiheit wird oft befürchtet, Verantwortung wäre unmöglich, wenn es keinen freien Willen gäbe. Dabei bleibt in der Regel jedoch ungeklärt, was es eigentlich bedeutet, verantwortlich zu sein. Hier versucht das Buch mit einer Analyse der Konzepte individueller Verantwortung Abhilfe zu schaffen. Es stellt sich heraus, dass nicht die Zuschreibung von Verantwortung, wohl aber die Zurechnung von Schuld von der Unmöglichkeit eines im anspruchsvollen Sinne freien Willens betroffen ist. Mit der Begründbarkeit von Schuld fällt auch die Möglichkeit, Strafe zu rechtfertigen. Weil sich aber jede Gesellschaft vor Normverletzungen schützen muss, wird eine Theorie der Verantwortungsintervention entwickelt, die dem Charakter nach konsequenzialistisch und im Detail aus der Notwehr abgeleitet ist. Auf dem Weg zu dieser Lösung bietet das Buch sowohl eine ausführliche Untersuchung des Verantwortungsbegriffs als auch einen Überblick über die wichtigsten Theorien der Strafrechtfertigung sowie die der Willensfreiheit. Überdies zeigt sich einmal mehr, dass die Erkenntnisse der Hirnforschung dem, was in der Philosophie seit Jahrhunderten gegen die Willensfreiheit vorgebracht wird, nichts wesentlich Neues hinzufügt.
Eine moralphilosophische Rekonstruktion
Autonomie und Einwilligung sind zentrale Begriffe der modernen Medizinethik und des Medizinrechts, denen für die Gestaltung und Regulierung der ärztlichen Praxis und des medizinischen Fortschritts eine besondere Bedeutung zukommt. Dieser Bedeutung wird der Diskussionsstand in der Medizinethik nicht gerecht. Während sich im Medizinrecht eine ausdifferenzierte Einwilligungslehre entwickelt hat, bleibt die Diskussion in der Medizinethik weitgehend auf den Stand der traditionellen Debatte zwischen Selbstbestimmung und Patientenwohl beschränkt. In diesem Buch wird eine medizinische Einwilligungslehre mit den Mitteln der modernen Sprach- und Handlungstheorie von Grund auf neu entwickelt. Die Autonomie eines Handelnden wird als dessen Fähigkeit, eine stimmige Präferenzordnung zu erstellen und über die Zeit aufrecht zu erhalten, bestimmt. Autonomie-Defizite lassen sich dann als Störungen der kognitiven und emotiven Fähigkeiten des Handelnden beschreiben und systematisieren. Die Einwilligung wird sprechakttheoretisch als Teil einer lebensweltlichen Praxis rekonstruiert, mit der Arzt und Patient ihre jeweiligen Berechtigungen und Verpflichtungen näher bestimmen. Die Funktion der Einwilligung geht damit deutlich über die üblicherweise genannte Aufgabe, das Selbstbestimmungsrecht des Patienten zu schützen, hinaus. Aus diesen Überlegungen werden Hinweise für Defizite der gegenwärtigen Praxis entwickelt, die als eine Richtschnur für zukünftige Verbesserungen dienen können.
Toleranz als Ordnungsprinzip?
HerausgeberInnen: Christoph Enders und Michael Kahlo
Die Bedeutung des Toleranzgebots reicht über das Problemfeld religiöser Toleranz hinaus. Sie tritt überall zutage, wo Verhaltensweisen und die Äußerung von Auffassungen vom konsentierten 'mainstream' abweichen und deshalb als anstößig wahrgenommen werden. Der moderne Rechtsstaat westlicher Prägung nimmt zwar für sich in Anspruch, ein ultimatives Modell eines freiheitlichen wie friedlichen Zusammenlebens in Diversität zur Verfügung zu stellen, ganz gleichgültig, ob diese sich religiös-weltanschaulich, moralisch-politisch oder ganz allgemein gesellschaftlich manifestiert. Offenkundig bleiben aber trotz dieses umfassenden Anspruchs Problemreste bei der Konfliktlösung, die die Rufe nach Toleranz nicht verstummen lassen und zugleich die Mahner auf den Plan rufen, die unablässig an die unabdingbaren Grenzen von Toleranz erinnern und Homogenität zur zentralen Funktionsbedingung des Gemeinwesens erklären. Dieser Band schließt an den Vorgängerband mit dem Titel 'Toleranz als Ordnungsprinzip? – Die moderne Bürgergesellschaft zwischen Offenheit und Selbstaufgabe' (2007) an und will die dort veröffentlichten Überlegungen vertiefen sowie um bislang noch nicht berücksichtigte Fragestellungen und Perspektiven des Toleranzproblems, insbesondere Gesichtspunkte jenseits spezifisch religiöser Toleranz (alternative Lebensentwürfe, internationale Beziehungen) ergänzen.