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Die Philosophie des Geistes ist heute eine der aktivsten philosophischen Disziplinen. Doch dieser Aktivismus steht in einem merkwürdigen Kontrast zur Beschränkung des Horizonts der Disziplin. Die Philosophie des Geistes ist von Hegel eröffnet worden. Er hat das Geistige vor allem von seinen großen Schöpfungen her in den Blick genommen wie Sprache, Recht, Moral, Kunst, Wissenschaft und Religion. Die heutige Philosophie des Geistes beschränkt sich dagegen meist auf das Studium etwa jenes psychischen Lebens, das wir mit Maulwürfen teilen. Dieses Buch ist ein leidenschaftliches Plädoyer für die Rückgewinnung der Vielfalt und Dimensionen des menschlichen Geistes, mit denen es die Philosophie immer schon zu tun hatte. Der erste Teil des Buches beschäftigt sich mit der Eigenart der seelisch-geistigen Wirklichkeit. Einen Schwerpunkt bildet dabei unsere Fähigkeit zur Reflexion, zur Thematisierung sowohl mentaler Akte wie ihrer Produkte, der abstrakten Gegenstände wie Begriffe, Propositionen, Mengen, Zahlen, Theorien, Normen usw. - all dessen also, was Gottlob Freges "drittes Reich" und Karl Poppers "dritte Welt" ausmacht. Im zweiten Teil geht es um das Leib-Seele-Problem, das Verhältnis von Psychischem zu Physischem. Drei klassische Positionen zum Leib-Seele-Problem werden diskutiert: Materialismus, Idealismus und Dualismus. Dabei erweist sich eine Form des Dualismus, der Polare Dualismus, als die am besten begründete Position. Abschließend wird das dritte große Thema der Philosophie des Geistes diskutiert: Was tragen ihre Überlegungen zu unserem Menschenbild bei? Und wie stellt sich von ihnen her insbesondere die klassische Vorstellung vom Menschen als Vernunftwesen dar?
Reihe: nachGedacht
Thomas Kuhn prägte maßgeblich die wissenschaftsgeschichtliche Wende in der Wissenschaftstheorie. Wissenschaft ist demnach als ein historischer Prozess zu charakterisieren, der zwei Perioden umfasst: Paradigmageleitete Normalwissenschaft sowie durch Krise und (mögliche) Revolution gekennzeichnete außerordentliche Forschung. Damit wendet sich Kuhn in zwei Hinsichten gegen reine Rechtfertigungstheorien wie Logischer Empirismus und Kritischer Rationalismus: Erstens werden in der Normalwissenschaft keine Theorien getestet – weder zum Zwecke der Bestätigung noch kritisch in Falsifikationsversuchen. Vielmehr wird lediglich ein Paradigma als Instrument des 'Rätsellösens' angewendet. Zweitens ist die Theorienwahl in Revolutionen nicht nur logisch bzw. rational gesteuert, sondern auch durch soziologische und individualpsychologische Faktoren. Wie aber steht es dann um die kritische Haltung der Wissenschaftler? Worin besteht der Fortschritt bei Revolutionen, wenn wechselnde Paradigmen gar 'inkommensurabel' sind? Die Diskussion dieser Fragen steht im Zentrum des Bandes. Nach einer biographischen Einführung werden Kuhns Positionen aus ihrem philosophiehistorischen Kontext heraus entwickelt und die wichtigsten Begriffe diskutiert. Die Wirkung von Kuhns Konzeption zeigt sich sodann in der Kontroverse mit Popper, Lakatos und Feyerabend. Abschließend werden aktuelle Tendenzen der Wissenschaftstheorie mit Kuhn konfrontiert.
HerausgeberInnen: Nikola Kompa, Christian Nitmz, und Christian Suhm
Ascertaining the nature and scope of a priori knowledge is of key import to philosophical thought. Philosophers do not merely ponder this issue in order to solve an epistemological puzzle. Philosophers do also strive to understand the a priori in order to understand what doing philosophy amounts to. So what is the nature of a priori knowledge? And is philosophy an a priori endeavour? Starting off from such epistemological and meta-philosophical considerations, the papers here collected trace the import and role of a priori knowledge through the diverse disciplines of philosophy - from metaphysics to ethics, and from the philosophy of Language to the philosophy of science. The Contributors A. Burri, S. Psillos and D. Christopoulou, G. Ernst, H.-J. Glock., S. Häggqvist, P. Horwich, N. Kompa, C. Misselhorn, C. Nimtz, G. Rey, O. Scholz, W. Spohn, I. Stojanovic, N. Strobach, C. Suhm
Gibt es Regeln des Findens? In der Wissenschaftstheorie scheiden sich in diesem Punkt die Geister: vor allem kritische Rationalisten betrachten den context of discovery in erster Linie als ein Feld genialer, kreativer Einfälle, das allenfalls Thema einer Psychologie sein kann, für die Frage der logischen Rechtfertigung jedoch keine Rolle spielt. Dagegen werden in diesem Buch Bausteine einer rationalen Heuristik in der vormodernen Logik bei J. H. Lambert, J. F. Fries und B. Bolzano aufgewiesen. Die Problemgeschichte der logischen Methodenlehre zeigt, 1. dass die Lehre vom Finden (Heuristik) es nicht mit endgültiger Rechtfertigung, sondern mit begründeter Zustimmung unter Vorbehalt zu tun hat, 2. dass sich im Bereich begründeter Vermutungen nicht trennscharf zwischen Genese und Geltung der Erkenntnis unterscheiden lässt, 3. dass am Leitfaden einer Unterscheidung zwischen verschiedenen Folgerungstypen in Logik, Wahrscheinlichkeitsrechnung und Rhetorik Regeln des Findens bestimmt werden können, 4. dass für begründete Vermutungen nicht dieselbe behauptende Kraft verlangt werden darf, die logisch gerechtfertigte Aussagen aufweisen.
Zur Wahrnehmung und Modellierung der geschichtlichen Welt
Interkulturelle Philosophie legt den historisch kontingenten und insofern mit dem partikulären Risiko der Fehlinterpretation behafteten und mithin dem Irrtum ausgesetzten Charakter einer philosophisch-historiographischen Praxis bloß, die alle nicht-europäischen philosophischen Traditionen nur vom Standpunkt der europäischen Philosophie(n) aus thematisiert und das tertium comparationis ausschließlich nur bei sich selbst dingfest macht. Diese Problemlage ist besonders auch für Logiken aufzuarbeiten. Logik ist nicht ein und für allemal gewählt und bleibt dann künftig unverändert erhalten. Vielmehr ist sie selbst geschichtlich verfaßt: Das Denken ist nicht nur das, was über alles, was es gibt und nicht gibt, denkt, es denkt auch insbesondere über sich selbst. Daher verändern sich nicht nur die Inhalte, über die gedacht wird, sondern es verändert sich auch die jeweilige geschichtliche Denkform, was fragen läßt: Können Erforschungen der Logik(en) zu Deutungen der kulturellen Geschichte(n) beitragen und umgekehrt Erforschungen der Geschichte(n) zu Deutungen der Logik(en)?
Libertäre politische Philosophie ist ihrem Selbstverständnis nach freiheitsradikal. Abgesehen von einem Minimalstaat, der das Leben und Eigentum seiner Bürger schützt, soll in allen Bereichen der Gesellschaft laissez-faire herrschen. Aber ist ein solches Gesellschaftsmodell tatsächlich im Namen der Freiheit zu verteidigen? Das ist die erste Leitfrage dieses Buches. Zu ihrer Beantwortung analysiert der Autor zunächst den Begriff der Freiheit und den Begriff eines moralischen Rechts, um danach den Versuch zu unternehmen, mit diesen Begriffen eine allein auf einem moralischen Recht auf Freiheit basierende libertäre politische Philosophie zu rekonstruieren. Die erste Leitfrage wird letztlich affirmativ beantwortet: Der Libertarismus ist die reinste Philosophie der Freiheit. Doch stellt sich noch eine zweite zentrale Frage: Gibt es gute Gründe, sich diese Philosophie auch zu eigen zu machen? Es werden drei Begründungsversuche des Libertarismus diskutiert und am Ende als nicht erfolgreich zurückgewiesen. Das Buch schließt mit einem Ausblick, in dem für die Aufnahme eines starken Rechts auf Freiheit in eine pluralistische politische Philosophie geworben wird.
Sinneskanäle, Hirnwindungen und Grenzen der Wahrnehmung
HerausgeberIn: Rainer Rosenzweig
Ist was wir wahrnehmen … … nicht wahr? Informationen, die wir über unsere Sinnesorgane erhalten, reichen in der Regel nicht aus, um ein vernünftiges Bild von der Außenwelt bereit zu stellen. Unser Gehirn filtert, selektiert und deutet die eintreffenden Sinnesdaten. Bewusst wird uns nur das Ergebnis dieses Prozesses. Dieses Wahrnehmungsergebnis beruht auf Hypothesen des Gehirns. Ist eine dieser Hypothesen falsch, kommt es zu einer Wahrnehmungstäuschung. Was wir wahrnehmen ist also … … nicht (immer) wahr! Täuschungen als bloße „Fehlleistungen“ abzutun, wäre aber verfehlt: Sie sind ein Triumph über ein auf den ersten Blick zwar nahe liegendes, aber letztlich wenig hilfreiches Konzept, die Welt einfach nur so genau wie möglich über die Sinne abzubilden. Relevant (etwa fürs Überleben) ist nicht in erster Linie, was „wahr“ ist, sondern was uns in die Lage versetzt, effektiv und sinnvoll auf unsere Umwelt zu reagieren. Wie kommt die Welt in den Kopf? Was macht das Gehirn daraus? Und welche Bedeutung hat all das für die menschliche Erkenntnisfähigkeit? Aktuelle Forschungsergebnisse liefern Grundlagen für die Debatte um das moderne Selbstverständnis des Menschen. Mit Beiträgen von Michael Bach, Heinrich H. Bülthoff, Hubert R. Dinse, Hinderk M. Emrich & Markus Zedler & Wolfgang Dillo, Karl R. Gegenfurtner & Alexander C. Schütz & Doris I. Braun, Hanns Hatt, Mirja Hubert & Peter Kenning, Birger Kollmeier, Bernd Lingelbach & Walter H. Ehrenstein jr., Michael Pauen, Wolf Singer
Der methodologische Wert von Vorhersagen - d.h., ob bestätigte Vorhersagen ein geeignetes Kriterium der Theoriewahl und -bewertung sind - ist philosophisch und historisch umstritten: Philosophisch ist strittig, aus welchem Grund eine bestätigte Vorhersage von größerem Wert sein sollte als eine Erklärung bekannter Phänomene; wissenschaftshistorisch ist strittig, ob bestätigte Vorhersagen tatsächlich gute Theorien (und nur diese) auszeichnen. Beide Probleme hängen zusammen. Die Arbeit verteidigt den methodologischen Wert von Vorhersagen. Anhand der Fälle der Fresnelschen Optik, der Allgemeinen Relativitätstheorie und de Saussures Ablauttheorie zeigt sie exemplarisch, dass die Uneinheitlichkeit des empirischen Befundes die Kehrseite unterschiedlicher methodologischer Positionen ist. Von diesen verschiedenen Positionen erweist sich die des Methodologen William Whewells als die fruchtbarste: Eine Explikation von Whewells Ansatz gestattet es vor allem, bestimmte Erklärungen bekannter Phänomene als Vorhersagen zu deuten und damit vermeintliche historische Gegenbeispiele zu entkräften, sowie die empirische Unhaltbarkeit der Deutung erfolgreicher Vorhersagen als Zufallstreffer nachzuweisen.
Die ethische Debatte
HerausgeberInnen: Bettina Schöne-Seifert und Davinia Talbot
Kosmetische Eingriffe am Körper, Sportdoping, Pillen zur Verbesserung von Aufmerksamkeit und Gedächtnis, Antidepressiva für ein verbessertes Gefühl - längst schon hat sich der Begriff des 'Enhancement' als Bezeichnung des Einsatzes medizinischer Mittel und Möglichkeiten zur körperlichen Leistungssteigerung oder Optimierung der Gemütsverfassung gesunder Menschen herausgebildet. Während im anglo-amerikanischen Sprachraum seit Jahren eine rege Debatte über die ethischen Aspekte einer solchen nicht-therapeutischen Verwendung von Medikamenten und anderen medizinischen Optionen geführt wird, befindet sich die deutschsprachige Diskussion noch am Anfang. Der vorliegende Band versammelt klassische Texte der Enhancement-Debatte in deutscher Übersetzung und bietet damit einem großen Publikum den Zugang zu diesem spannenden Thema. Texte von Peter Kramer, Eric T. Juengst, Dan W. Brock, Carl Elliott, David DeGrazia, Jürgen Habermas, Arthur Caplan, Francis Fukuyama, dem Presidents Council of Bioethics u.a. sind Themenkomplexen wie Begriffsbildung, Körperliches Enhancement, Neuro-Enhancement, Enhancement bei Ungeborenen und Kindern und Enhancement im Alter zugeordnet und ermöglichen damit einem Fach- wie Laienpublikum eine übersichtliche und wesentliche Lektüre.
Folter im Rechtsstaat zwischen Recht und Moral
'Darf der Staat foltern, um Leben zu retten?' – Diese in Deutschland zuletzt ausschließlich im Rahmen fiktiver Szenarien gestellte Frage hat spätestens seit dem Urteil im Prozess gegen den ehemaligen Frankfurter Polizeivizepräsidenten Daschner im Jahre 2004 ihren hypothetischen Charakter verloren und steht seitdem im Mittelpunkt einer politischen und wissenschaftlichen Debatte zur so genannten 'Rettungsfolter'. Ausgehend von der Beobachtung, dass sich der Streit um die Zulässigkeit polizeilich-präventiver Folterhandlungen zur Lebensrettung vorrangig in den normativen Kategorien des Rechts und der Moral rekonstruieren lässt, stellt diese Monographie einen interdisziplinären Beitrag zur Stärkung des absoluten Folterverbots dar. Auf der Grundlage einer rechtsphilosophischen Verhältnisbestimmung rechtlicher und moralischer Normen werden dabei verschiedene argumentative Wege aufgezeigt, wie das Dilemma staatlicher Folterhandlungen zur Lebensrettung aus juristischer und ethischer Perspektive aufgelöst werden kann.