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David Lewis (1941-2001) war einer der größten Philosophen der jüngsten Vergangenheit. Von Lewis stammen bahnbrechende Ansätze in der Sprachphilosophie, der Philosophie des Geistes, der Metaphysik und Erkenntnistheorie, der Wissenschaftstheorie, der Entscheidungstheorie und der Meta-Ethik. Hinter diesen scheinbar unzusammenhängenden Beiträgen steckt ein ausgeklügeltes philosophisches System. Diese Arbeit stellt die Eckpfeiler dieses Systems vor, diskutiert ihre Stärken und Schwächen und zeigt, wie die einzelnen Komponenten auf einander aufbauen, wo es Spannungen gibt und welche Teile man um welchen Preis durch Alternativen erSetzen könnte oder sogar erSetzen sollte. Im Mittelpunkt steht dabei Lewis' großes reduktionistisches Projekt: die metaphysische und zugleich begriffliche Reduktion aller Tatsachen in unserer Welt auf die Verteilung grundlegender physikalischer Eigenschaften.
Das Problem der Zuständigkeit bei der Behebung gravierender Übel
Die Schrift untersucht anhand eines Modellfalls gravierender Übel (existentielle Notlagen, von denen viele Personen betroffen sind), wer in welchem Ausmaß zur Übelbehebung verpflichtet ist. Es wird argumentiert, dass Individuen als Pflichtadressaten erhebliche Leistungen zu erbringen hätten. Dies gilt weitgehend unabhängig von einer spezifischen Moralkonzeption, soweit diese gewissen Adäquatheitsbedingungen genügt. Überforderungseinwände verschiedener Art können das Ausmaß der Verpflichtung nicht herabstufen. Allerdings entsteht, sofern Individuen als Pflichtadressaten angesehen werden, ein Koordinationsproblem: Das insgesamt beste Resultat wird unter Umständen verfehlt. Dies - und nicht etwa die hohe Belastung - rechtfertigt es, die Übelbehebung als gemeinsame Verpflichtung anzusehen. Da kollektive Entitäten keine eigenständigen Pflichtadressaten sind, kann eine gemeinsame Verpflichtung jedoch nur heißen, dass Personen qua Gruppenmitglieder angesprochen werden. Dennoch ergeben sich aus einer solchen Konzeption angesichts gravierender Übel anders geartete Pflichtinhalte - sowie bei geeigneten Bedingungen für ein gemeinsames Vorgehen auch eine Reduzierung des Pflichtausmaßes.
Die Sprache hat zwei Aspekte, die schwierig zu vereinen sind: Zum einen ist Sprache ein gemeinschaftliches Phänomen - wir benutzen sie erfolgreich, um Gedanken und Wünsche auszutauschen. Zum anderen sind nahezu alle unsere Begriffe persönlich geprägt - wir benutzen selbst alltägliche Begriffe in manchen Situationen anders als unsere Nächsten und Vertrauten. Wie ist es dennoch möglich, daß wir uns verstehen? Keine der gängigen Sprachtheorien kann das erklären. Weder können die Theorien sicherstellen, daß wir uns in der Bedeutung unserer Ausdrücke einig sind, noch, daß wir Zugang zu der abweichenden Bedeutung anderer Sprecher haben. Dieser pessimistischen Bestandsaufnahme Setzt der Autor ein positives Projekt entgegen: Er bedient sich mit der Prototypensemantik einer in der Sprachphilosophie oft ignorierten Sprachkonzeption, kombiniert sie mit Hilary Putnams Stereotypen und entwickelt so eine Theorie der Kernbedeutung, die das Verstehen in der alltäglichen Kommunikation erklären kann. Diese Kopplung von Verstehen und Kernbedeutung hat u.a. die methodologische Konsequenz, daß explizite Definitionen nicht notwendig für das Verstehen von Ausdrücken sind.
Zur neueren Debatte um Grundlagenfragen der Ethik
Was tun wir eigentlich, wenn wir moralische Urteile fällen, also etwa sagen, dass eine bestimmte Handlung moralisch geboten ist? Auf diese Kernfrage der Meta-ethik geben naturalistische und nonnaturalistische moralische Realisten auf der einen Seite und Expressivisten auf der anderen Seite ganz unterschiedliche Ant-worten. In diesem Buch wird eine alternative Position entwickelt. Danach drücken morali-sche Sätze wahrheitsfähige normative Propositionen aus, und die Wahrheit morali-scher Urteile besteht in ihrer stabilen gerechtfertigten Behauptbarkeit. Wahr sind gemäß dieser konstruktivistischen Sicht moralische Urteile dann und nur dann, wenn sie moralisch begründet werden können und gerechtfertigt behauptbar bleiben, gleichgültig, welche Einwände gegen sie erhoben werden und gleichgültig, wie sich das nichtmoralische Faktenwissen erweitert oder verbessert.
An keiner etablierten Wissenschaft wird so viel vernichtende Kritik geübt wie an dem wichtigsten wirtschaftswissenschaftlichen Paradigma, der neo-klassischen Ökonomik. Dem stehen das Selbstbewusstsein und die methodologischen Argumente der ökonomischen Forschungsgemeinde entgegen, die seit Jahrzehnten eine dynamische Fortentwicklung und er-staunliche Expansion des neoklassischen Paradigmas betreibt. Kritisiert werden vor allem eine prognostische Schwäche der Ökonomik, unterkomplexe Erklärungen, komplexe mathematische Formulierung, ein verkürztes Menschenbild und zweifelhafte normative Fundamente. Die meisten Beiträge zu dieser Debatte sind einem von zwei Polen nahe: Entweder gilt ihnen die ökonomische Methode als insgesamt unan-gemessen oder aber als grenzenlos anwendbar. Ernsthafte Versuche, einen nicht-radikalen Standpunkt zu etablieren, sind selten. Genau dies unternimmt dieses Buch. An wissenschafts-, rationalitäts- und entscheidungstheoretische sowie mikroökonomische und politikwissen-schaftliche Debatten anknüpfend zeigt es, dass anstelle von Radikal-positionen eine gradualistische Auffassung angemessen ist: Ökonomische Theorien lassen sich auf einige Gegenstände anwenden, auf andere nicht. Welche das sein könnten, wird unter dem im Zentrum des Streits um die Ökonomik stehenden Rationalitätsaspekt analysiert. Das Ergebnis dieser Analyse ist eine rationalitätstheoretische Konzeption individueller Präferenzen, die entgegen der ökonomischen Orthodoxie die Bedeutung individueller, akzeptierter Handlungsgründe betont - sie sind die explanative und prognostische Ressource der ökonomischen Methode, die ein vielversprechender Anknüpfungspunkt für weitere Entwicklungen in der Ökonomik ist.
HerausgeberInnen: Kevin Mulligan und Armin Westerhoff
Seit Mitte der 1920er Jahre treten in Robert Musils Werk zunehmend ironische und kritische Töne auf. Sein Hauptwerk, der Roman 'Der Mann ohne Eigenschaften' (1930-1932), präsentiert ein Panoptikum falscher Weltanschauungen, während der immer noch zu selten beachtete 'Nachlaß zu Lebzeiten' (1935/36) bissige Zeitdiagnose in satirischen Kurztexten versammelt. Die Autoren dieses Bandes folgen Musils kritischen und polemischen Denkanstößen und demonstrieren deren philosophische Relevanz. Dabei werden auch die kritische Rezeption Nietzsches und der Weltanschauungsphilosophie
Mit Beiträgen von Bernhard Böschenstein, Jacques Bouveresse, Stéphane Gödicke, Villö Huszai, Stefan Imhoof, Patrizia Lombardo, Catrin Misselhorn, Dominik Müller, Kevin Mulligan, Philip Payne, Gerhard Schurz, Peter Utz, Florence Vatan, Armin Westerhoff.
Ethik vor neuen Herausforderungen
Unter Neuro-Enhancement versteht man Maßnahmen zur gezielten Verbesserung geistiger Fähigkeiten oder psychischer Befindlichkeiten bei Gesunden. Dank des großen neurowissenschaftlichen Erkenntniszuwachses der letzten Jahre sind etliche Ansätze zum Verständnis und zur Behandlung von krankhaften Befunden wie Gedächtnisschwund, Aufmerksamkeitsstörungen, Depressionen oder Narkolepsie (Schlafsucht) entwickelt worden. Die pharmakologischen und nicht-pharmakologischen Interventionen, die hier wirksam Abhilfe schaffen können, eignen sich zum Teil zugleich auch als Enhancement-Methoden – eben bei Gesunden. Der vorliegende Sammelband beleuchtet ethische und soziale Aspekte, die sich aus der Anwendung von Neuro-Enhancement ergeben: neben den grundsätzlichen Möglichkeiten für Neuro-Enhancement Fragen der Authentizität und Verantwortlichkeit des Individuums, soziale Folgen mit Blick auf Gerechtigkeit und Wettbewerbspraxis, zugrundeliegendes ärztliches Aufgaben- und Rollenverständnis. Das Buch ist ein transdisziplinärer Diskurs mit Stimmen aus Philosophie, Medizin, Rechts-, Neuro- und Politikwissenschaften.
Ethik im außerhumanen Bereich diskutiert, welche Wesen um ihrer selbst willen moralisch zu berücksichtigen sind, wem Würde zugesprochen werden darf, wer als Gleicher zu bezeichnen ist und unter welchen Bedingungen Güterabwägungen in der Ethik zulässig sind. Die meisten Antworten, die sich intuitiv auf diese Fragen aufdrängen, wurzeln in einer Lehre von der moralischen Sonderstellung des Menschen. Diese beruht jedoch auf religiösen und naturphilosophischen Annahmen, welche intersubjektiv nicht begründet werden können. Damit erweist sich ein Hauptpfeiler unserer Alltagsmoral als brüchig. Zudem zeigt sich, dass es nicht Aufgabe der Ethik ist, moralische Intuitionen in ein Überlegungsgleichgewicht zu bringen. Auf der Suche nach einer theoretischen Alternative werden Auffassungen zurückgewiesen, gemäß welchen nur Personen, alle Lebewesen oder die Natur als Ganze um ihrer selbst willen moralisch zu berücksichtigen sind. Als begründungsfähig erweist sich einzig der Ansatz, dass alle und nur empfindungsfähigen Wesen als Gleiche moralisch zu berücksichtigen sind.
Sprache und Gehirn
HerausgeberInnen: Helmut Fink und Rainer Rosenzweig
Die Sprache ist der Schlüssel zum Menschen als Kulturwesen. Wie funktionieren Sprachproduktion und Sprachverstehen? Was geschieht im Gehirn, wenn der Mensch spricht? Welche neuronalen Korrelate kennzeichnen spezifische Sprachleistungen? Dieser Band gibt aktuelle Einblicke in die linguistische Forschung und zeigt die fruchtbare Verschränkung von Psycholinguistik und Neurolinguistik. Thematisch spannt sich der Bogen von universellen Strukturen in den symbolischen Zeichensystemen der Sprache und in den Prozessen des Sprachverstehens über Gemeinsamkeiten von Sprache und Musik bis zu den Besonderheiten der Gebärdensprache. Doch wie kommen wir zur Sprache? Diese Frage kann sowohl auf die Evolution des Lebens als auch auf die kognitive Entwicklung des Einzelnen bezogen werden. Vorformen der Sprache im Tierreich und Erlernen der Sprache in der Kindheit runden daher den Themenkreis ab. Wer den Menschen verstehen will, muss seine Sprache verstehen. Wer nicht nur die Sprache, sondern auch die Sprachfähigkeit verstehen will, kann heute auf den Blick ins Gehirn nicht mehr verzichten. Mit Beiträgen von Manfred Bierwisch, Werner Deutsch & Michael Kaßecker, Julia Fischer, Angela Friederici, Stefanie Höhl & Tricia Striano, Stefan Kölsch & Tom Fritz, Matthias Schlesewsky & Ina Bornkessel-SchlesewskyMarkus Steinbach.
Neurowissenschaften und Menschenbild
Die neuesten Ergebnisse der Neurowissenschaften stellen eine Herausforderung für unser tradtionelles Menschenbild dar, sagen viele. Es gibt kein Ich, keine Freiheit, niemand ist je verantwortlich für das, was er tut. Bei Licht besehen ergeben sich diese Konsequenzen jedoch nur, wenn man von einem Cartesischen Menschenbild ausgeht – dem Bild, dass jeder Mensch außer einem Körper auch eine immaterielle Seele besitzt, dass das Ich eben diese Seele ist und dass Freiheit voraussetzt, dass das Ich von außen in den Gang der Welt eingreift. Aber dieses Menschenbild ist falsch. Alles spricht dafür, dass die Naturwissenschaften zumindest in diesem Punkt Recht haben: Wir haben keine immaterielle Seele. Doch daraus folgt wenig. Es folgt zwar, dass wir kein traditionell verstandenes 'Ich' besitzen, es folgt aber nicht, dass es uns nicht gibt oder dass niemals wir es sind, die etwas entscheiden und tun. Natürlich gibt es mich und natürlich gibt es Situationen, in denen ich eine Entscheidung fälle oder eine Handlung ausführe. Und in manchen Fällen bin ich für mein Handeln sogar verantwortlich. Denn Freiheit und Verantwortung beruhen nicht darauf, dass mein Ich – selbst unverursacht – neue Kausalketten initiiert, sondern darauf, dass ich bestimmte Fähigkeiten besitze, die ich auch dann habe, wenn es keine Seele gibt. Kein Ergebnis der Neurowissenschaften zwingt mich also, die Annahme aufzugeben, dass es mich gibt, dass manchmal ich selbst entscheide und handele und dass ich zumindest manchmal in meinen Handlungen frei und daher für diese Handlungen verantwortlich bin.