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Eine systematisch-historische Untersuchung des Logischen Atomismus
Der Logische Atomismus Bertrand Russells nimmt in der Geschichte der Analytischen Philosophie eine Schlüsselrolle ein. In diesem Buch wird dafür argumentiert, streng zwischen einer epistemologischen und einer ontologischen Ausprägung dieser Theorie zu unterscheiden. Russell selbst hat eine solche Differenzierung nicht konsequent vorgenommen und oftmals die kleinsten Bausteine unseres Wissens mit den kleinsten Bausteinen der Welt gleichgeSetzt, was jedoch zu gravierenden Widersprüchen innerhalb des Systems führt. Dies wurde in vielen Arbeiten zu Russell bemängelt. Holger Leerhoff zeigt durch eine genaue Analyse einen Weg auf, wie die beiden Bereiche zunächst voneinander getrennt und dann über Russells aus dem Kontext der mathematischen Philosophie stammende Typentheorie widerspruchsfrei in eine einzige Theorie überführt werden können. Auf dieser Grundlage ist es möglich, zwischen dem logischen Kern des Logischen Atomismus und dessen verschiedenen Interpretationen mit den jeweils intendierten Anwendungsbereichen zu unterscheiden. Eine exemplarische Betrachtung des Neutralen Monismus beim späteren Russell, des Tractatus von Wittgenstein und schließlich von Carnaps Aufbau verdeutlicht den heuristischen Wert einer solchen Differenzierung.
Eine Untersuchung zur wissenschaftstheoriegeschichtlichen Charakteristik der theoretischen Philosophie des frühen Moritz Schlick
Moritz Schlick gilt zu Recht als einer der herausragenden Wissenschaftsphilosophen des 20. Jahrhunderts. Als ›KopfGründer‹ des Wiener Kreises hat er den Logischen Empirismus maßgeblich mitgeprägt. In einem erstaunlichen Ungleichgewicht zu diesem Befund steht die immer noch unzureichende wissenschaftstheoriegeschichtliche Würdigung des Schlickschen Oeuvres. Zwar hat die historische Aufarbeitung des Wiener Kreises und seiner Vorgeschichte in den letzten beiden Dezennien erhebliche Fortschritte gemacht, das größere philosophiehistorische wie systematische Interesse wird aber immer noch anderen Vertretern (wie Rudolf Carnap und Otto Neurath) entgegengebracht. Dies mag auch durch die Ermordung Schlicks 1936 erklärbar sein, die eine eigenständige Schul- und Traditionsbildung verhinderte. Die vorliegende Untersuchung liefert durch eine detaillierte historisch-systematische Rekonstruktion der theoretischen Philosophie des frühen Schlick einen Beitrag zur Behebung dieses Ungleichgewichts.
Plädoyer für Respekt vor der Moral
Moral ist keine Geschmacksache. So wie in den Naturwissenschaften können wir auch in der Ethik echtes Wissen erreichen; hier wie da hat der Relativismus nicht das letzte Wort. Mit dieser These verteidigt Olaf L. Müller die Respektatibilität unserer moralischen Erkenntnisbemühungen. Im Teil I vergleicht er die Erkenntnisquellen für Naturwissenschaft und Ethik; auf beiden Gebieten gibt es Wissen aus Beobachtung. So, wie wir durch Blick auf die Welt unsere Meinungen über sichtbare Hasen rechtfertigen können, so können wir ebenfalls durch Blick auf die Welt unsere Meinungen über sichtbares Unrecht rechtfertigen. Wer einen Hasen sehen will, braucht dafür offene Augen und Beobachtungstraining, er braucht kein eigenes Hasen-Sinnesorgan. Und wer sichtbares Unrecht sehen will, braucht abermals offene Augen und Beobachtungstraining, er braucht wieder keinen eigenen Sensor für Unrecht. Nicht alle naturwissenschaftlichen Sätze lassen sich durch Beobachtung rechtfertigen; genauso in der Moral. Daher müssen für beide Bereiche zusätzliche Erkenntnisquellen postuliert werden, und sie funktionieren beidemal gleich. Im Teil II nimmt der Autor die Unterschiede zwischen Naturwissenschaft und Ethik in den Blick. Ethische Sätze sind inniger mit unserm Tun verknüpft als naturwissenschaftliche Sätze. Aber auch diese Besonderheit der Moral hat ihren guten Platz im sparsam naturalistischen Rahmen, in dem sich die gesamte Untersuchung bewegt. Der Autor führt vor, wie sich moralische Meinungsverschiedenheiten und Unterschiede der Moralsprache auseinanderdividieren lassen, und zwar selbst unter den schwierigen Bedingungen der radikalen ÜberSetzung à la Quine. Das Bild, das Olaf L. Müller vom moralischen Diskurs zeichnet, lässt Platz für moralischen Dissens zwischen den Kulturen; so viel Dissens kommt in der Naturwissenschaft nicht vor. Dass so ein Dissens unsere Hoffnungen auf moralisches Wissen nicht zerstören muss, sondern fördern kann, ist eine der Pointen dieses optimistischen Buchs.
Im Zentrum des Buches steht die Grundfrage der Metaphysik nach den allgemeinsten Kategorien von Seiendem und Sein. Im Rückgriff auf die bahnbrechenden Ansätze von Russell und Wittgenstein wird eine Tatsachenontologie entworfen, die eine Alternative zur traditionellen Substanz-Attribut-Ontologie (von Aristoteles bis heute) und zur neueren Ereignisontologie (Quine, Davidson) darstellt. Es wird ausführlich dafür argumentiert, wie sich im Rahmen der Tatsachenontologie vielfältige ontologische Probleme besser behandeln lassen als in diesen alternativen Ontologien. Die zwei Hauptargumentationslinien betreffen das Thema Wahrheit und die Thematik von Kausalität und NaturgeSetzen. Auf der Grundlage einer Wahrmacher-Theorie wird ein wissenschaftlicher Atomismus entworfen, der ein realistisches Verständnis von Wahrheit im Einklang mit der Annahme von Tatsachen ermöglicht. Die Tatsachenontologie gestattet auch auf dem Feld der Eigenschaften, Kausalität und NaturgeSetze deutliche Fortschritte, die sich in der Form eines nomologischen Essenzialismus präsentieren lassen.
Festschrift zu Ehren von Winfried Franzen
HerausgeberIn: Jan H Heinrichs
Die 13 Beiträge des Bandes gruppieren sich um aktuelle wie historische Anstrengungen, den Begriff der Wahrheit und den Wahrheitsanspruch wissenschaftlicher und ethischer Theorien zu explizieren. Sie verbinden darin Ansätze der klassischen europäischen Philosophie mit neuesten analytischen Zugängen. Den Kern der Aufmerksamkeit bilden zum einen Fragen der theoretischen Philosophie, Namentlich Begriff und Kriterien der Wahrheit, und wie diese in den Einzelwissenschaften zu verorten sind. Diesen Erwägungen schließen sich solche der praktischen Philosophie an, darunter der Wahrheitsanspruch ethischer Theoriebildung oder die Wirkung, die die vermeintliche Erkenntnishoheit der Naturwissenschaften in der politischen Philosophie zeitigt. Ergänzt werden jene Betrachtungen durch philosophiehistorische Untersuchungen der Entwicklung einschlägiger philosophischer Begriffe wie VernunftAbbild. Mit Beiträgen von Werner Becker, Richard Breun, Alex Burri, Jan-Hendrik Heinrichs, Carsten Held, Bernulf Kanitscheider, Klaus-Michael Kodalle, Odo Marquard, Helmuth Meinhardt, Heinrich Niehues Pröbsting, Peter Probst, Gerhard Vollmer, Franz Josef Wetz.
HerausgeberIn: Patrick Spät
Dieser Band versucht, dem Leser zweierlei zu bieten: Zum einen eine Bestandsaufnahme des gegenwärtigen Forschungsstandes, zum anderen den Versuch, einen Ausblick in die zukünftige Entwicklung dieser Forschungen zu geben. Der Fokus der zwölf Beiträge ist hierbei bewusst auf aktuelle Themen der Philosophie des Geistes gelegt: Welche Eigenschaften hat der Geist
Die Beiträger: Ansgar Beckermann, Daniel Cohnitz, Michael Esfeld, Frank Hofmann, Wolfgang Lenzen, Klaus Mainzer, Thomas Metzinger, Albert Newen, Wolfgang Prinz, Tobias Schlicht, Patrick Spät, Kai Vogeley und Sven Walter
Philosophische Untersuchungen über die Grundlagen beweistheoretischer Praxen
Es gibt beweistheoretische Resultate, die zu den meist erwähnten wissenschaftlichen Ergebnissen des 20. Jahrhunderts zählen - und das, obwohl die Beweistheorie durch die Wissenschaftsphilosophie bisher kaum Beachtung fand. Letzteres betrifft im Besonderen die Fragen, was die beweistheoretische Begründungspraxis auszeichnet, und ob sie angemessen als eine reine Beweispraxis aufgefasst werden kann. Die Beweistheoretiker sind sich hierin uneins. Das vorliegende Buch liefert Antworten auf diese - und damit verbundene - Fragen, denn es bleibt zu klären, inwiefern durch die Beweistheorie zulässig Geltungsaussagen die mathematischen Mittel betreffend gemacht werden können. Analysiert man die Entwicklung dieser Disziplin ausgehend von der Hilbertschen Metamathematik bis hin zu den jüngeren Programmen der Reverse Mathematics oder reduktiven Beweistheorie, dann stellt der aufmerksame Betrachter trotz des formalen Erscheinungsbildes ein Wechselspiel zwischen Beweis- und Reflexionsvollzügen fest, das sich wie ein roter Faden durch die Geschichte der Beweistheorie zieht. Dies ist jedoch kein bloßer Zufall, denn das beweisbasierte philosophische Argumentieren erweist sich als eine notwendige Gelingensbedingung für die Realisierung der beweistheoretischen Erkenntnisanliegen. Beweistheorie als Beweiskritik zu verstehen (Hilbert), erhält damit einen reflektierten Sinn. --------------- Ebenfalls bei mentis erschienen: Die Mathematik und das synthetische Apriori
Zur Rechtsharmonisierung in moralisch umstrittenen Bereichen
Die gegenwärtigen Debatten um die Präimplantationsdiagnostik, die Forschung an embryonalen Stammzellen und das Klonen zielen selten einzig auf den Austausch moralisch-ethischer Argumente. Häufiger geht es auch und vor allem um die Begründung mindestens national, wenn nicht sogar international durchSetzbarer rechtlicher Normen. Besonders Kritiker der Forschung plädieren angesichts von Reproduktionstourismus, Stammzellimporten und internationalem Forschungstransfer für internationale Regulierungen. Inwieweit aber legitimieren ethische Unzulässigkeitsurteile auch rechtliche Verbote? Und unter welchen Bedingungen sind supra- oder internationale Regulierungen in einem moralisch kontroversen Bereich wie dem der Embryonenforschung legitim? Die in bioethischen Debatten verbreitete Selbstverständlichkeit, mit welcher von der moralischen auf die rechtliche und von der nationalen auf die internationale Diskussionsebene gewechselt wird, gilt es zu hinterfragen. Dieses Buch diskutiert unter Verweis auf bereits etablierte nationale und supranationale Regulierungsmaßnahmen, ob eine grenzüberschreitende Nutzung unterschiedlicher moralischer und rechtlicher Standards eine Harmonisierung der Forschungsregulationen erforderlich macht oder die Koexistenz unterschiedlicher moralischer und rechtlicher Standards ethisch akzeptabel sein kann.
'Wille' und 'Vorstellung' sind bekanntlich die Begriffe, mit denen Arthur Schopenhauer die Welt, den Menschen und die Kunst erklärt. Sie lassen sich indes, wie in diesem Essay dargelegt wird, auch als zentrale Kategorien von Schillers Anthropologie und Ästhetik deuten. Wille als Kraft, die das Handeln des Menschen bestimmt, ist bei Schiller nicht nur Organ der Vernunft, sondern auch - und damit Schopenhauers Begriff entsprechend - leidenschaftliches Begehren, Dynamik des Affekts, Impuls des Unbewussten. Unter Vorstellung wiederum ist nicht bloß jene Subjektivität der Wahrnehmung zu verstehen, die nach der Lehre Schopenhauers das erste und allgemeinste Prinzip aller Erscheinung ist. Der Begriff bezeichnet zudem eine höhere Stufe des Erkennens, auf der sich das Subjekt vom Druck des Willens frei macht und die Wahrnehmung zur Idee läutert. Vorstellung ist Ausdruck reiner Kontemplation wie der Wille Bestimmungsgrund energischer Aktion. Schiller, 1805 gestorben, konnte Schopenhauers 1819 (eigentlich 1818) erschienenes Hauptwerk Die Welt als Wille und Vorstellung freilich nicht kennen. Er hat die pessimistische Ansicht des Philosophen von den Handlungen des Menschen aber ebenso vorausgedacht wie die Möglichkeit, durch die Kunst erlöst zu werden. Gleichwohl hat er vom Willen keineswegs eine bloß abschätzige, sondern ambivalente Auffassung. Für die Demonstration von Willensstärke bekundet er eine Faszination, die selbst das verbrecherische Handeln einschließt.
Wer hat sich nicht schon gefragt, was es mit unseren moralischen Überzeugungen auf sich hat: Spiegeln diese die Wahrheit in Sachen Moral wieder? Gibt es eine solche Wahrheit überhaupt? Oder sind moralische Überzeugungen eher das Produkt unserer Interessen und Neigungen, Ausdruck unserer Wünsche oder Mittel der Machtausübung, das bloße Ergebnis unserer Erziehung, unseres sozialen Umfelds oder gar eine List der Evolution? Ist es eine Illusion, wenn man glaubt, echte moralische Erkenntnisse gewinnen zu können? Kurzum: Kann die Moral Objektivität beanspruchen? Die vorliegende Arbeit versucht, eine Antwort auf diese zentrale Frage der Metaethik zu geben. Dazu wird zunächst gezeigt, dass uns der Status der Moral ein Rätsel ist, weil wir dazu neigen, drei Thesen für wahr zu halten, die nicht zugleich wahr sein können. Die drei prinzipiell möglichen Strategien zur Auflösung dieses Trilemmas geraten jedoch in Schwierigkeiten, weil es bisher nicht gelungen ist, ein passendes Vergleichsobjekt für die Moral zu finden. In dieser Arbeit wird dafür argumentiert, dass die Moral in genau der gleichen Weise wie die Wissenschaft Objektivität beanspruchen kann.