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Zur ethischen Selbstbestimmung des Einzelnen
Author: Lorenz Kähler
Der Einzelne ist nicht nur gegenüber anderen, sondern auch gegenüber sich selbst verpflichtet; denn es gibt ethische Gründe, die ihm aufgeben, Rücksicht auf sich selbst zu nehmen. Dazu gehört die Pflicht, sich selbst ernst zu nehmen. Zu diesem Zweck müssen Entscheidungen nicht allein die eigenen Interessen berücksichtigen, vielmehr soll in ihnen auch die eigene Person eine Rolle spielen. Mit Selbsterniedrigungen verfehlt man sich daher selbst. Führt man in dieser Weise Pflichten gegen sich selbst auf ethische Gründe zurück, so lassen sich die gegen sie gerichteten Einwände der Widersprüchlichkeit und Überforderung zurückweisen. Es wird deutlich, dass die Ethik unvollständig bliebe, wenn man das Selbstverhältnis der Einzelnen außer Acht ließe. Auswirkungen hat das auch für politische Institutionen. Diese können ebenfalls gegenüber sich selbst verpflichtet sein und sollen Bedingungen schaffen, unter denen die Einzelnen in verantwortbarer Weise mit sich umgehen können.
Voraussetzungen und Grenzen einer Metapher für rationales Entscheiden
Das Konzept der Abwägung wird in der praktischen Philosophie ebenso ubiquitär verwendet wie in den Wirtschaftswissenschaften und im Recht. Es ist jedoch voraussetzungsvoller und umstrittener als zumeist angenommen. „Abwägung“ bezeichnet einen Vorgang praktischen Überlegens, in den mehrere Aspekte in vergleichender Weise eingehen. Die Skepsis gegen das Konzept gründet darin, dass sich die Metapher nicht auf beliebige Items anwenden lässt. Insbesondere müssen die Wertzuschreibungen, die das Gewicht der Items bestimmen, in ihren normativen Grundlagen widerspruchsfrei sein und sie müssen ähnlich wie die Gewichtskräfte, mit denen Körper auf die Schalen einer Balkenwaage einwirken, eine gewisse Kontextinvarianz aufweisen. Das setzt Unabhängigkeitsannahmen voraus, deren Gültigkeit im Falle normativer Bewertungen nicht trivial ist. Der Band dient dem Zweck, diese Zusammenhänge durchsichtiger zu machen. Er entstand auf der Basis einer mehrjährigen Zusammenarbeit von Autor:innen aus den Fächern Philosophie, Jurisprudenz und Ökonomie.
Orientierung für menschliches Wissen und Handeln
Der Band diskutiert die theoretische und praktische Bedeutung des Exemplarischen als ein Individuelles, das selbst als Manifestation eines Allgemeinen verstanden wird.
Gegenüber der gewöhnlichen Auffassung, derzufolge Beispiele lediglich zur nachträglichen Illustration bereits bestimmter abstrakter Gedanken verwendet werden, beschäftigen sich die Beiträge des Bandes mit dem Beispiel in seiner exemplarischen Bedeutung, bei der das Individuelle selbst als Manifestation des Allgemeinen verstanden wird. Die klassischen Bereiche, in denen diese Rolle und Funktion des Exemplarischen explizit thematisiert werden, sind die Rhetorik, die Kunsttheorie sowie die Didaktik. Demgegenüber spielt das Exemplarische in der allgemeinen Reflexion der theoretischen und praktischen Philosophie keine oder allenfalls eine sehr untergeordnete Rolle. Diese theoretische Vernachlässigung steht in einem auffallenden Gegensatz zur operativen Bedeutung des Exemplarischen im Kontext unseres theoretischen und praktischen Wissens.
Perspektiven der Wissenschaftsforschung
Dieser Band analysiert erstmals systematisch und interdisziplinär Geschichte, Formen, Funktionen und Auswirkungen des Scheiterns im Kontext der Wissenschaften.
Das Scheitern ist in seinen unterschiedlichen Erscheinungsformen ein ständiger Begleiter der wissenschaftlichen Praxis. Theorien, Hypothesen oder Experimente einzelner Forscher:innen und Forschergruppen scheitern – vorläufig oder endgültig, partiell oder vollständig. Für ein adäquates Verständnis des wissenschaftlichen Erkenntnisprozesses ist es daher unabdingbar, sich mit den Formen, Funktionen, Mechanismen und Auswirkungen des Scheiterns zu befassen, was bis dato allerdings kaum geschieht – weder innerhalb der wissenschaftlichen Gemeinschaft noch in der öffentlichen Debatte. Durch diese „Vernachlässigung des Scheiterns“ in den Wissenschaften bleiben auch dessen mitunter produktive Effekte zumeist unerwähnt. Über Versuch und Irrtum führen die „Irrwege“ des Erkenntnisprozesses häufig zu Erfolgen und Lösungen.
Der Band schließt diese Forschungslücke und verbindet dabei Perspektiven aus vielen Bereichen der Wissenschaftsforschung und aus der Wissenschaftspraxis.
Versuch zu einem vertieften Verständnis der durch John Rawls bekannt gewordenen Rechtfertigungsmethode
Author: Michael Schmidt
Die mit John Rawls‘ Idee des Überlegungsgleichgewichts verbundene Rechtfertigungsmethode ist eine der einflussreichsten Methoden der Philosophie. Doch angesichts konkurrierender Interpretationen stellt sich die Frage wie sie zu verstehen ist.
In diesem Buch wird dafür argumentiert, dass es einen konzeptionellen Kern der Methode des Überlegungsgleichgewichts gibt, der alle Interpretationen miteinander verbindet und über den sie definiert werden kann. Bei paradigmatischen Konzeptionen der Methode lassen sich zwar Unterschiede und Eigenheiten feststellen, aber auch ein methodologischer Grundkonsens: Vier miteinander verbundene Regeln müssen stets eingehalten werden. Ob die Methode selbst gerechtfertigt ist, ist eine weitergehende Frage, die ebenfalls untersucht wird.
Konturierungen eines umstrittenen Themas
Volume Editor: Winfried Löffler
Ein aktueller Überblick zur Ideen- und Missbrauchsgeschichte eines schillernden Schlagworts, aber auch zu seinen Potenzialen als philosophisches Analysewerkzeug.
Die Wortgeschichte von „Weltanschauung“ ist kurz: Zwischen seinem ersten, eher beiläufigen Auftauchen bei Kant 1790, subjektivierenden Aufladungen in der Romantik und den inflationären Ideologisierungen und Politisierungen von „Weltanschauung“ im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert liegen nur 150 Jahre. Besonders sein Missbrauch durch NS-Ideologen hat das Wort in Verruf gebracht, es lebt aber u.a. im juristischen Sprachgebrauch fort und erlebt in der gegenwärtigen Religionskritik wieder etwas Konjunktur: Dort wird z.T. wieder eine naturalistische „wissenschaftliche Weltanschauung“ in Aussicht gestellt. Als philosophisches Analysewerkzeug hat das Wort aber Potenzial: „Weltanschauung“ könnte nicht nur für religiös-politische Bewertungen stehen, sondern auch für jenes implizite theoretische Koordinatensystem, das jeden Menschen in seinem Verstehen, Denken und Handeln leitet.
Grenzdenken und Denkgrenzen von A(llwissen) bis Z(eit)
Paradoxien rufen Staunen, Verwirrung und die Lust am Außergewöhnlichen hervor. Aber nicht nur das: Es sind Paradoxien, die bis heute auf Grundprobleme der Philosophie, der Mathematik sowie der Naturwissenschaften hinweisen und uns zu revolutionären Lösungsvorschlägen herausfordern.
Einige Paradoxien markieren dabei vielleicht sogar unüberwindbare Grenzen unseres Wissens. Dieser Band stellt eine Reihe der wichtigsten Paradoxien – Paradoxien der Wahrheit, des Wissens, des Infiniten, der Bestätigung, der Vagheit, der Quantenmechanik, der Zeit, des Visuellen und des Auditiven – sowie Überlegungen zu deren grundlegender Bedeutung aus einer analytisch-philosophischen Perspektive vor. Dabei richtet er sich an interessierte Einsteiger in die Thematik, ohne den Gegenstand dabei zu sehr zu verkürzen.
Das Buch möchte den Leser für die zentralen Fragen der Philosophie interessieren und ihm ein tieferes Verständnis für ihre Überlegungen vermitteln. Es setzt daher keine philosophischen Kenntnisse voraus, sondern nur die Bereitschaft und die Fähigkeit, ungewohnten und oft abstrakten Gedankengängen zu folgen. Die Fragen, die in diesem Buch erörtert werden, gehören zu verschiedenen Gebieten der Philosophie, zur Erkenntnistheorie, Metaphysik, zur Philosophie des Geistes, der Sprache und der Mathematik, zur Wissenschaftstheorie, praktischen Philosophie, Ästhetik und zur philosophischen Anthropologie. Doch es stellt diese Fragen nicht nur, sondern es gibt auch Antworten. Es ist aus der Überzeugung geschrieben, dass sich oft Antworten auch auf sehr grundsätzliche philosophische Fragen finden lassen, sofern man sie nur klar formuliert und systematisch erörtert. Der Leser ist aufgefordert, diese Antworten selbst kritisch zu überdenken: Denn Philosophieren heißt ja vor allem, selbst zu denken, und dazu lädt dieses Buch ein.
Wenn es um moralische Angelegenheiten geht, spielen andere Menschen oft eine wichtige Rolle für uns: ihr Urteil bestätigt oder beunruhigt; ihr Verhalten ist eine Richtschnur, ihr Rat gefragt, kurz, sie haben Autorität. Vor dem Hintergrund einer weitgehend geteilten ethischen Vorstellung sollte dies nicht so sein. Denn dieser Vorstellung zufolge ist man im besten Fall moralisch unreif, wenn man sich nach andern richtet. Was eigentlich zählt, ist: Autonomie. Dieses Buch ist der Versuch einer Rehabilitierung des Begriffs moralischer Autorität und entlarvt den Gegensatz zwischen Autonomie und Autorität als einen Scheingegensatz. Er ist als Schein zwar nicht völlig aus der Luft gegriffen, aber am Ende kein wirklicher Gegensatz. Dieser Zusammenhang findet seinen Niederschlag in solchen Gedanken wie dem, dass man in moralischen Dingen einem Vorbild folgt, indem man es nachahmt - und damit zugleich zeigt, dass man auf eigenen Füßen steht, denn erst die Nachahmung macht den Nachgeahmten zum Vorbild. Der Zusammenhang zeigt sich auch darin, dass man ein eigenes Urteil fällen kann, indem man sich auf andere beruft - die dadurch zu Autoritäten werden. Wo fehlt es hier an Autonomie? Was könnte daran unreif sein?
Erkenntnistheoretische Untersuchungen über den Geltungsstatus mathematischer Axiome
Author: Matthias Wille
Seitdem Kant zum Ausgang des 18. Jahrhunderts festgestellt hatte, dass die mathematischen Urteile insgesamt synthetisch a priori sind, wird bis zum heutigen Tag kontrovers darüber diskutiert, ob solche Urteile überhaupt mög-lich sind. Gut 100 Jahre nach Kant wurde durch Frege zumindest für die Sät-ze der Arithmetik deren Analytizität nahe gelegt - eine Auffassung, die weit-hin akzeptiert scheint. Trotz dieser vermeintlich klaren Sachlage widmet sich die vorliegende Arbeit erneut der Aufgabe, die Mathematik als Wissenschaft zu charakterisieren. In der Tradition des linguistic und pragmatic turn stehend, erfolgt hierbei die Klä-rung des Geltungstyps mathematischer Sätze eingebettet in die Beantwortung der Frage, was "Begründen in der Mathematik" bedeutet. Ausgehend von einer Handlungstheorie für beweisende Wissenschaften wird ein philosophisch neuer Zugang zur Axiomatik entworfen, der erklärt, wie mittels des Setzens von Axiomen die mathematische Wirklichkeit allererst konstituiert wird. Mit diesem Ansatz kann für jedes mathematische Axiom genau bestimmt werden, worin sein spezifisch synthetisch apriorischer Charakter besteht. Während-dessen erweist sich eine hiervon unabhängige Analyse des Neo-Fregeanismus als Niederlage für Freges Erben, denn auch moderne logizistische Program-me bekommen ihre Grenzen durch die Arithmetik aufgezeigt. Kant mag zwar nicht im Besitz der erforderlichen Mittel gewesen sein, aber er hatte die richtige Idee!