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In: Die Vielfalt der Erkenntnis
In: Theorie der literarischen Selbstdarstellung
In: Theorie der literarischen Selbstdarstellung
In: Die Vielfalt der Erkenntnis
In: Die Vielfalt der Erkenntnis
Eine Rekonstruktion bioethischer und literarischer Verhandlungen
Mit dem Schaf Dolly wurde 1996 zum ersten Mal ein ausgewachsenes Säugetier geklont. Das Ereignis wurde in der Bioethik kontrovers diskutiert. Szenarien, die eine Anwendung dieser Fortpflanzungstechnik auf den Menschen ausmalen, gehen häufig mit Assoziationen des Klons als fremdbestimmt, ausgegrenzt oder instrumentalisiert einher. Warum löst gerade das Klonen solche Bedeutungszuschreibungen aus? Die Studie geht dieser Frage nach, indem sie die Bioethik ins Verhältnis zu den Kulturwissenschaften setzt und die Perspektiven fiktionaler Literatur einbindet: Eine umfassende Überblicksdarstellung deutscher und englischer Romane sowie sieben vertiefende Einzelanalysen tragen durch die Verzahnung mit anderen Textformen zum Verständnis des Klon-Diskurses bei. Dabei zeigt sich, dass es in Szenarien einer zukünftigen Verwendung des Klonens wesentlich um »Alterität« geht: Sie handeln moralische Überzeugungen bzgl. Andersartigkeit oder Fremdheit aus, indem sie die Nutzung der Technik in einen fiktiven lebensweltlichen Kontext stellen. Hieraus leitet sich die zentrale Forderung ab, auch bei ethischen Urteilen, die die Zukunft betreffen, zu reflektieren, welche moralische Relevanz das Sprechen über den Anderen haben kann.
Editors: Roman Mikulas and Sophia Wege
Seit etwa drei Jahrzehnten erhalten Literaturwissenschaftler von den Kognitionswissenschaften für ihre Forschungen wichtige Impulse. Bis heute jedoch herrscht Klärungsbedarf in Bezug auf die biologischen Grundlagen unserer Kultur bzw. hinsichtlich der neuronalen Voraussetzungen semantischer Prozesse innerhalb der literarischen Kommunikation. Der Band soll ein Abbild vermitteln, wie Forscher mit unterschiedlichen (meta-)theoretischen Hintergründen mit der Anwendung der grundlegenden Konzepte der Kognitiven Literaturwissenschaft umgehen und dabei zeigen, inwiefern kognitionswissenschaftliche Erkenntnisse für literaturwissenschaftliche Fragestellungen fruchtbar gemacht werden können. Zu diesem Zweck wird der Fokus auf das dynamische Zusammenspiel von Textelementen und kognitiven Leistungen vor kulturhistorischem Hintergrund gerichtet. Um das entsprechend breite Spektrum der Möglichkeiten der Kognitiven Literaturwissenschaft sichtbar zu machen, sind die Anwendungsbereiche Text, Leser und Kontext gleichermaßen vertreten.
Das narratologische Konzept der Motivierung beschreibt die Struktur eines Erzähltextes im Hinblick auf die logische Beziehung der dargestellten Ereignisse. Das Geschehen gilt als »motiviert«, wenn die Ereignisse nicht nur chronologisch nacheinander, sondern bestimmten Sinnzusammenhängen gemäß auseinander folgen, d.h. sich zu einer Geschichte mit Anfang, Mitte und Ende zusammenfügen. Im Text selbst sind solche Sinnzusammenhänge meist nicht vollständig expliziert, sie ergeben sich vielmehr aus der Verstehensaktivität des Lesers. Die Beiträge des Bandes fragen nach einheitlichen kognitiven Regeln, die der Kohärenzherstellung durch den Leser zugrunde liegen und folglich auch den Aufbau narrativer Texte anleiten. Beispiele dafür sind biologisch verankerte Erwartungen wie die von Intentionalität (einer Figur bzw. des Autors), von Kausalität oder von Übereinstimmung mit basalen kognitiven Image-Schemata und Verlaufsgestalten.
Kalkülisierung von Narration und Interpretation
Author: Peter Klimczak
Im Rahmen der Grenzüberschreitungstheorie fasst Jurij M. Lotman Texte erst dann als narrativ, als ereignishaft, auf, wenn »ein Faktum stattgefunden hat, obwohl es nicht hätte stattfinden sollen«. Damit modelliert Lotman das Ereignis auf der Basis von Deskriptionen und Präskriptionen. Wie zahlreiche kultur- und mediensemiotische Arbeiten gezeigt haben, kann sein Ansatz als ein funktionales Verfahren zur Rekonstruktion der Textaussage, des Subtextes, angesehen werden: Mit der Analyse der narrativen Struktur geht gleichsam die Interpretation des Textes einher. Das bisherige Verfahren, Lotmans Ereignis mittels prädikatenlogischer Aussagesätze als Widerspruch zu modellieren, erlaubt jedoch keine formal korrekten Schlüsse. Erst durch die normenlogische Remodellierung von Lotmans Grenzüberschreitungstheorie und ihre Erweiterung um das modallogische Modell der möglichen Welten in der vorliegenden Studie wird der Subtext narrativer Texte formal deduzierbar und Interpretation damit im Ansatz kalkülisierbar. Die »Formale Subtextanalyse« liefert somit Antworten zum Zusammenwirken von deduktiver Logik und Narration und kann die Grundlage für informationstechnische Anwendungen, wie der Verbesserung von Retrieval-Systemen oder der Mensch-Maschine-Kommunikation, liefern.
In: Die biologisch-kognitiven Grundlagen narrativer Motivierung