AutorIn: Michael Hartmann
Berkeleys Immaterialismus wird in der Geschichte der Philosophie gerne als Beispiel für ein besonders abstruses, kontraintuitives metaphysisches System angesehen. Das Buch zeigt, dass das Gegenteil zutreffend ist: Gerade Berkeley entwickelt protophänomenologische Ideen, die weit in das zwanzigste Jahrhundert vorausweisen.
In Abweichung zu den dominanten Auslegungen von Berkeleys Schriften schlägt Hartmann einen Perspektivwechsel vor, um das Werk Berkeleys dezidiert metapherntheoretisch zu lesen und zu interpretieren. Auf diese Weise bringt Hartmann evident zur Darstellung, dass man dem Werk von Berkeley eine – bisher übersehene – epochale Bedeutung für die Philosophie und die Aufklärung zusprechen kann: Unter Zuhilfenahme der metaphorologischen Studien Hans Blumenbergs wird im Buch detailliert aufgezeigt, dass sich in Berkeleys Gesamtwerk ein ausgesprochen modernes, regelrecht ökologisches Mensch-Welt-Verhältnis auffinden lässt, welches weder bisher mit Berkeley noch mit der Epoche der Aufklärung in Verbindung gebracht wird.
Gerechtigkeit hat eine zeitliche Dimension. Sie mag eine ewige Idee sein, als Zustand ist sie aber nicht von Dauer. Denn Gerechtigkeit lässt sich nicht ein für alle Mal herstellen, sondern nur für konkrete Zeitpunkte und Zeiträume konstatieren. Für unser Urteil darüber, was in einer bestimmten Situation oder in einer bestimmten Hinsicht gerecht ist, spielt das Verstreichen von Zeit deshalb eine entscheidende Rolle: Wie lange sind menschliche Willensäußerungen als verbindlich anzusehen? Wie weit in die Zukunft und wie weit in die Vergangenheit reicht die Verantwortung, die wir für unsere Handlungen haben? Ist es plausibel, dass die Verantwortung für eine Handlung verjährt? Und welche Bedeutung kommt dem Verstreichen von Zeit bei der Allokation knapper Güter und für die Gewährleistung von Chancengleichheit zu?
Der Band veranschaulicht die zeitliche Dimension der Gerechtigkeit, die in der Ethik bisher kaum beachtet worden ist, aus philosophischer, rechtswissenschaftlicher und sozialwissenschaftlicher Perspektive. Dabei zeigt sich, dass jede Theorie gerechter Verteilung dem Verstreichen von Zeit Rechnung tragen muss und Zukunftsethik sich nicht nur auf das Verteilungsparadigma stützen kann.
Die Beiträge stammen von Jan Niklas Bunnenberg, Thomas Gutmann, Sören Hilbrich, Ortrud Leßmann, Thomas Meyer, Johannes Müller-Salo, Esther Neuhann und Nadia Primc.
Zu einer Grundkategorie der Ethik der Mensch-Tier-Beziehung
AutorIn: Samuel Camenzind
Instrumentalisierung ist zu einer zentralen moralischen Kategorie geworden, die über die Philosophie hinaus auch in Gesetzestexte und ethische Richtlinien eingegangen ist. Die vorliegende moralphilosophische Untersuchung beschäftigt sich mit der Instrumentalisierung von Tieren.
Anlehnend an Immanuel Kant wird argumentiert, dass Instrumentalisierung nicht per se eine negative Kategorie ist, sondern dass zwischen moralisch zulässigen und moralisch unzulässigen Formen unterschieden werden muss. In einer kritischen Würdigung zeitgenössischer kantianischer Positionen, der Tierrechtstheorie und dem Konzept der Tierwürde werden die Schwierigkeiten und Möglichkeiten einer Übertragung von Immanuel Kants Verbot der vollständigen Instrumentalisierung auf die Mensch-Tier-Beziehung herausgearbeitet. Im Rahmen einer vergleichenden Analyse wird gezeigt, wie die Phänomene Instrumentalisierung, Verdinglichung und Ausbeutung von Tieren zueinanderstehen. Darüber hinaus wird ein Vorschlag unterbreitet, wie zwischen zulässigen und unzulässigen Instrumentalisierungsmodi bei empfindungsfähigen Tieren unterschieden werden kann.
Ein philosophischer Versuch zur Systematisierung der empirischen Erforschung des Geistes von Tieren
AutorIn: Martin Böhnert
Wie wissen wir, ob Tiere denken können? In Erweiterung der bisherigen Debatte um Mensch-Tier-Verhältnisse analysiert dieser Band die Bedingungen und Kontexte der naturwissenschaftlichen Gewinnung unseres Wissens von Tieren.
Die aktuellen Diskussionen innerhalb der Tierphilosophie drehen sich um die drei zentralen Fragen, ob wir Tieren einen Geist zuschreiben können, worin der Unterschied zwischen Menschen und Tieren besteht und wie sich Menschen gegenüber Tieren verhalten sollen. Unser Wissen über Tiere ist meist von der empirischen Forschung übernommen. Die Methoden, Theorien und Kontexte der empirischen Forschung wurden bislang nicht zum Gegenstand gemacht. Diese Lücke will der Band mit dem zentralen Konzept der methodologischen Signaturen schließen, das den systematischen Vergleich von Forschungsansätzen anhand deren fundamentalen methodologischen, ontologischen und epistemologischen Vorannahmen erlaubt.
Reflections in Philosophy, Theology, and the Social Sciences
This book discusses major issues of the current AI debate from the perspectives of philosophy, theology, and the social sciences: Can AI have a consciousness? Is superintelligence possible and probable? How does AI change individual and social life? Can there be artificial persons? What influence does AI have on religious worldviews? In Western societies, we are surrounded by artificially intelligent systems. Most of these systems are embedded in online platforms. But embodiments of AI, be it by voice or by actual physical embodiment, give artificially intelligent systems another dimension in terms of their impact on how we perceive these systems, how they shape our communication with them and with fellow humans and how we live and work together. AI in any form gives a new twist to the big questions that humanity has concerned herself with for centuries: What is consciousness? How should we treat each other - what is right and what is wrong? How do our creations change the world we are living in? Which challenges do we have to face in the future?

Untersuchungen zur Form des Denkens und Sprechens
Die Untersuchung zielt auf eine systematische Begründung der von Frege und Wittgenstein initiierten sprachphilosophischen Wende. Ihr zentrales Thema ist das Verhältnis zwischen Gedanken und ihrem Ausdruck. Entwickelt wird eine neuartige Begründung dafür, dass wir im Denken nicht zufällig auf den Gebrauch von Ausdrücken angewiesen sind. Vielmehr sind Gedanken notwendig an Ausdruck gekoppelt, ohne sich mit diesem gleichsetzen zu lassen. Dabei wird die logisch-philosophische Wende zur Sprache zu einer Wende zum Ausdruck verallgemeinert: Dem sprachlich artikulierten Denken muss ein vorsprachliches Denken vorangehen, dessen Ausdruck etwa gestisch-mimischer Art sein kann. Allerdings weist das vorsprachliche Denken aufgrund seiner eigenen Beschränktheit über sich hinaus. Die Untersuchung erweist die Sprache so als Leistung der Vernunft statt als bloß naturhafte Voraussetzung von deren Ausübung.

AutorIn: Johanna Wagner
Blick ins Buch
Künstliche Intelligenzen erlernen immer mehr Fähigkeiten, werden eigenständiger und erledigen unterschiedliche Aufgaben. Doch können sie auch lernen, Verantwortung für ihr Verhalten zu übernehmen? Als Kerntechnologie unserer Zeit durchdringt und beeinflusst künstliche Intelligenz zunehmend unsere Lebensrealität. Mit der rasanten technologischen Entwicklung gehen allerdings auch zahlreiche ethische Herausforderungen einher. Besonders drängend ist dabei die Frage nach der Verantwortung. Wer ist verantwortlich, wenn ein autonomes System einen Schaden anrichtet? Und ist es denkbar, dass künstliche Intelligenzen eines Tages selbst für ihr Verhalten verantwortlich sind? Die philosophische Bearbeitung dieser Fragen fördert nicht nur hilfreiche Antworten für praktische Probleme der Verantwortungszuschreibung zu Tage, sondern lässt uns auch klarer erkennen, was uns Menschen als verantwortliche Akteure auszeichnet.
Eine Revision des Qualia-Begriffs
AutorIn: Edwin Egeter
Können objektiv feststellbare Prozesse, wie z.B. neuronale Vorgänge, subjektives Erleben wirklich hinreichend erklären? Mit der Frage, wie Bewusstsein aus physikalischen Prozessen zu erklären ist, dem hard problem, ist der schwierigste Teil des ehemaligen Körper-Geist-Problems in die aktuelle philosophische Debatte zurückgekehrt. In der kaum noch zu überblickenden Diskussionslage schafft Edwin Egeter Orientierung, indem er eine Typologie von sechs bipolaren Problem-Optiken auf das hard problem entwickelt. Sodann revidiert er den Begriff qualitativen Erlebens (Qualia), indem er ihn auf emotionale und kognitive Formen des Erlebens ausweitet. Auf dieser Grundlage zeigt er auf, dass Qualia mentale Phänomene darstellen, die wesentlich für bewusste Organismen sind. Ansätze, die Bewusstsein zu erklären versuchen, ohne qualitatives Erleben gebührend zu beachten, müssen deshalb scheitern.
Strategien poetischer Bewältigung
AutorIn: Jürgen Daiber
Das sichere Wissen um die eigene Sterblichkeit ist ein schwerer Schlag für die evolutionär tief verankerten Selbsterhaltungsinstinkte des Menschen. Todesangst verlangt Bewusstsein und wir sind vermutlich – mit einem Wort Friedrich Dürrenmatts – „das einzige Lebewesen, das weiß, dass es sterben wird.“ Dieses Wissen hat von Anfang an in der Geschichte der Spezies Mensch zahlreiche Verteidigungsmechanismen und kulturelle Bewältigungsstrategien generiert. Dem psychischen und physischen Skandalon des Sterbens sollen – in unserem 21. Jahrhundert mehr denn je – Zügel angelegt werden.
Die aktuell einflussreichste sozialpsychologische Theorie zur Auseinandersetzung mit unserer Sterblichkeit, die so genannte Terror-Management-Theorie, sieht im „schöpferischen Unsterblichkeitsmodus“ (Robert Lifton) von Literatur und Kunst ein probates Mittel, unserer Todesangst zu begegnen. Dieses Buch überprüft diese und weitere Thesen aktueller Forschungen zur Todesangst am Beispiel der Verwobenheit von Biographie und literarischer Produktion unter anderem bei Annette von Droste-Hülshoff , Franz Kafka, Hermann Hesse, Wolfgang Herrndorf und Sigmund Freud.
Perspektiven in Biologie, Ontologie und praktischer Philosophie
Der Band vereint aktuelle Beiträge, die sich mit der biologischen, anthropologischen, ontologischen und ethischen Dimension des Begriffs der Lebensform befassen.
Das Buch gliedert sich in drei Teile. Der erste Teil („Biologie und Anthropologie“) widmet sich verschiedenen Verwendungsweisen des Begriffes „Lebensform“ sowohl in der aristotelischen als auch zeitgenössischen Philosophie der Biologie. Der zweite Teil („Ontologie“) enthält Beiträge, die mittels des Lebensformkonzepts eine Ontologie des Lebens zu entwickeln beabsichtigen. Der dritte Teil („Praktische Philosophie“) behandelt die Frage, welche normativen Implikationen ein ontologisch-biologisch informierter Lebensformbegriff für die praktische Philosophie hat.