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Author: Galia Assadi

Zusammenfassung

Der Artikel zeigt auf, welche Reflexionsimpulse für das philosophische Denken über die Medizin und aktuelle medizinethische Fragen aus dem Foucaultschen Denken gewonnen werden können. Hierzu werden einige Foucaultsche Werkzeuge dargestellt, wobei auf Schriften aus unterschiedlichen Schaffensperioden zurückgegriffen wird. Diese Überlegungen werden mit aktuellen Fragestellungen im Bereich der Medizin verbunden, um auszuloten, in wie fern eine Foucaultsche Analyseperspektive einen anderen Blick auf deren Verständnis und Bewertung gestattet.

In: Philosophie der Medizin

Zusammenfassung

Pflege ist eine soziale Praxis und als professionelle berufliche Tätigkeit ein Handeln in Hilfesituationen. Eingebettet in ein weitgehend ökonomisch geprägtes Gesundheitssystem bekommt pflegerisches Handeln einen Warencharakter. Aus einer sorgenden Beziehung wird eine Dienstleistungsbeziehung mit der Folge einer Entfremdung, Verdinglichung und Objektivierung. Kritische Theorien bieten eine Folie für einen normativ gehaltvollen Begriff pflegerischen Handels. Foucaults Machtanalytik und Ökonomisierungskritik in Verbindung mit kritischen Theorien der Frankfurter Schule und Ansätze einer kritischen Leibphänomenologie ermöglichen mittels immanenter Kritik die Praxis und die Funktionslogik des Gesundheitssystems zu transformieren. Pflegewissenschaft als kritisches Programm zeigt auf, dass die Pflege ihren eigenen therapeutischen Kern vertritt und nicht ableitbar ist aus der Medizin oder anderen Bezugswissenschaften.

In: Philosophie der Medizin
In: Philosophie der Medizin

Zusammenfassung

Aktuelle Technologieentwicklungen der Medizin stellen uns vor diverse normative Herausforderungen und führen zu neuen Mensch-Technik-Verhältnissen. Dabei stellt sich die Frage, inwieweit die bekannten anthropologischen Deutungsmodelle des Homo faber, der/des Cyborg oder die Idee des Menschen als eines Mängelwesens diese Veränderungen noch ausreichend abbilden. Exemplarisch gehen wir dieser Frage mit Blick auf die Entwicklungen im Bereich der künstlichen Intelligenz, von Neurotechnologien, Selbstvermessungstechnologien und sozialen Roboter nach. Es zeigt sich, dass sich die hier zu beobachtenden neuen Formen der Mensch-Maschine-Interaktion nur bedingt durch bisherige anthropologische Konzepte begreifen lassen. Dies gilt insbesondere für den interaktiven, reaktiven, adaptiven und epistemisch opaken Charakter von aktuellen Technologien sowie für deren Tendenz zur Inkorporation und Imitation menschlicher Eigenschaften.

In: Philosophie der Medizin
In: Philosophie der Medizin
Author: Claudia Bozzaro

Zusammenfassung

Der Leidensbegriff spielt eine wichtige normative Funktion in der Medizin. Gleichzeitig zeigen praktischen Schwierigkeiten, bei dessen Anwendung in der medizinischen Praxis, dass die Notwendigkeit einer Reflexion und Verständigung über den Begriff des Leidens besteht, sowie einer Fundierung von dessen normativem Stellenwert. Im Rahmen dieses Beitrags sollen drei paradigmatische philosophische Leidenskonzepte vorgestellt werden und in Hinblick auf ihre jeweiligen Implikationen für die medizinische Praxis untersucht und kritisch diskutiert werden.

In: Philosophie der Medizin
Entwurf eines wissenschaftlich fundierten Welt- und Menschenbilds
Blick ins Buch
Viele glauben, dass sie eine Seele besitzen, die den Tod des Körpers überleben kann. Und viele glauben, dass es außer den Dingen unserer Erfahrungswelt auch noch Wesen und Kräfte gibt, die einer transzendenten Welt angehören. Die Wissenschaften zeigen uns heute ein anderes Bild.
Alles um uns herum besteht aus Atomen. Überall gelten dieselben Naturgesetze. Es kann heute als ausgemacht gelten, dass alle Lebensphänomene physikalisch-chemisch erklärt werden können. Nichts spricht dafür, dass wir eine immaterielle Seele besitzen. Und es gibt keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass es eine transzendente Welt gibt. Müssen wir deshalb unser Menschenbild ändern? Nein. Auch wenn wir keine Seele besitzen, bleiben wir doch Wesen, die wahrnehmen, Schmerz und Freude empfinden, nachdenken, entscheiden und handeln – manchmal sogar frei und verantwortlich. Und auch wenn es keine transzendente Welt gibt, können wir aufgrund moralischer Normen handeln, die für alle gelten.
Author: Jan P. Beckmann

Zusammenfassung

In der modernen Medizin erfahren sich Ärztin wie Arzt als wissenschaftlich ausgebildete Fachleute und zugleich als praxisorientierte Helferinnen und Helfer. Dass dies allen Unterschieden zur heutigen wissenschaftsbasierten Medizin auch schon in der Antike gegolten hat, zeigt ein Blick u. a. auf das Werk Platons und die Methode seines Lehrers Sokrates. Diesem ging es um die Klärung von Begriffen, jenem um den theoretischen Hintergrund. Das galt auch für die »iatriké téchne«, die Heilkunst: Sokrates war es um die Klärung dessen zu tun, was eine gute Ärztin bzw. einen guten Arzt ausmacht, Platon darum, welche Art von Kenntnis die Grundlage dafür bildet. Denn, so beide antiken Denker, Kranksein ist eine Weise menschlicher Existenz, darum werden nicht Krankheiten behandelt, sondern Kranke. Dazu bedarf es sowohl der guten Ärztin und des guten Arztes wie der kenntnisreichen Medizinerin und des Mediziners. Frühe Zeugen für diese Doppelaufgabe sind des Sokrates Arzt und Platons Mediziner.

In: Philosophie der Medizin

Zusammenfassung

Im Text wird der Frage nachgegangen, welche unterschiedliche Bedeutungen dem Phänomen der Solidarität im Bereich der Gesundheitsversorgung heute zukommen und wie diese einzuschätzen sind. Aufgrund von Erfahrungen mangelnder Solidarität werden Begriff und Verständnis von Solidarität erkundet, drei unterschiedliche Solidaritätskonzepte vorgestellt und schließlich Bedeutung und Grenzen der Solidarität in der Gesundheitsversorgung näher bestimmt. Alltagssprachlich meint Solidarität die wechselseitige Verpflichtung und Bereitschaft, füreinander einzustehen. Die Analyse zeigt, dass Solidarität kein inhaltlich bestimmter Grundsatz ist, sondern eine Idee, eine Strategie, eine Grundhaltung meint sowie sich in bestimmten sozialen Strukturen zeigt. Dass unter dem Solidaritätsbegriff ganz unterschiedliche Aspekte gefasst werden, hat mit der Bestimmung der Deutung ihres Ursprungs, der Bestimmung der Reichweite und dem Verständnis von Gleichheit zu tun. Alle Aspekte sind umstritten und gründen nicht selten auf weltanschaulich besetzten Ansichten. Im Ergebnis zeigt sich: So vieldeutig Solidarität auch verstanden wird, so unbestreitbar ist, dass sie als Grundphänomen und Ideal des gesellschaftlichen Zusammenlebens unabdingbar ist. Auch wenn sie im Bereich der Gesundheitsversorgung in erster Linie pragmatisch funktioniert, gehen gewisse Idealvorstellungen weit darüber hinaus.

In: Philosophie der Medizin
Author: Cornelius Borck

Zusammenfassung

Evidenzbasierte Medizin (EBM), die Leitvorstellung, dass ärztliches Handeln durch in klinischen Studien nachgewiesene Wirksamkeit zu legitimieren ist, hat in der Welt der Medizin eine Vormachtstellung eingenommen, die inzwischen alternativlos zu sein scheint. Deshalb rückt der Aufsatz die Frage in den Mittelpunkt, wie sich die EBM historisch-epistemologisch entwickelt hat, d. h. wie EBM zum Orientierungsrahmen, zur vorherrschenden Wissensform in der Medizin wurde und welche medizinphilosophischen Probleme sich daraus ergeben. EBM etablierte sich im englischsprachigen Raum seit Anfang der 1990er Jahren, allerdings in Folge wichtiger Initiativen in den Vorjahrzehnten, während in Deutschland EBM erst in den frühen 2000er Jahren zur Geltung kam. Angestoßen als kritische Reflexion der medizinischen Praxis aus der Klinik und für die Klinik, wurde EBM rasch zu einer Reform der Medizin von oben und resultierte in einer massiven Standardisierung ärztlichen Handelns. Das wirft die Frage nach Alternativen auf. Tatsächlich findet die EBM aktuell sowohl in den individualistischen Ansätzen der Präzisions- als auch der P4-Medizin ihre Gegenspieler. In beiden Varianten sollen individualisierte Therapieansätze entwickelt werden, einmal durch massiv intensivierte Grundlagenforschung (Multiomics der Präzisionsmedizin), auf dem anderen Weg durch massiven Einsatz von IT, social media und die Selbstaktivierung der Nutzer:innen (tendenziell unter Ausklammerung der Ärzt:innen). Auf beiden Wegen droht eine Individualisierung der medizinischen Versorgung aus der therapeutischen Beziehung verlorenzugehen und zum Alleinstellungsmerkmal alternativmedizinischer Angebote zu werden.

In: Philosophie der Medizin