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Zur Ausdifferenzierung des Aufbausystemenin der Romanliteratur der frühen DDR
Series:  Explicatio
Das Hauptziel der Studie besteht in der literaturwissenschaftlichen Aufarbeitung eines für die DDR-Literatur grundlegenden Korpus: der Aufbauromane. In Auseinandersetzung mit sowjetischen Vorläufern werden die für das Korpus spezifischen Eigenschaften herausgearbeitet. Textbezogene Einzeluntersuchungen und Werkanalysen machen deutlich, dass das auf den ersten Blick homogen wirkende Korpus in seinen einzelnen Ausprägungen vielfältige Unterschiede aufweist. Ein gestuftes Modell der Variation des Aufbausystems ermöglicht die systematische Beschreibung der Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Mitglieder des Korpus sowie die Abgrenzung von anderen Korpora. Auf diese Weise können die Aufbauromane mit literaturgeschichtlichen älteren und jüngeren Werkgruppen verglichen und Kontinuitäten und Diskontinuitäten der literaturgeschichtlichen Entwicklung von der frühen Sowjetunion und Weimarer Republik bis zur DDR-Literatur der 60er Jahre erfasst werden. Im Ergebnis zeigt sich, dass die Aufbauromane einer Poetik gehorchen, die insofern minimalistisch ist, als sie ihre literarische Bedeutung ausschließlich auf der Basis des Systems beziehen, zu dem sie qua Aufbauhandlung gehören.
Eine Darstellung anhand des Musikermotivs
In der Zeitschrift Athenäum konstatiert Friedrich Schlegel im Jahr 1798: „Die Musik ist eigentl[ich] die Kunst dieses Jahrhunderts“. In den Jahrzehnten um das Jahr 1800 herum kommt es in der Geschichte der Ästhetik zu einer historischen Wende – nicht ohne den Beitrag der erzählenden Literatur, die sich eingehend den Wirkungsweisen und Eigenschaften der Musik widmet und ihr dadurch zum Rang der höchsten aller Künste verhilft. Doch können die GeSetze, die sich die Literatur selbst gibt, von diesem Diskurs unberührt bleiben? Tatsächlich steht die Beschäftigung der Dichter mit dem Thema Musik auch in Verbindung mit der Suche nach einer neuen Poetik, einer Poetik des Musikalischen. Gerade an der Behandlung des Musikermotivs kann abgelesen werden, inwieweit sich die ästhetische Neuausrichtung auch in der Entwicklung neuer narratologischer Verfahren niederschlägt und die junge Gattung des Romans selbst in Zeiten einer Sprachkrise kunstvolle Blüten treibt. Als Beispieltexte stehen Erzähltexte von Ludwig Tieck, E.T.A. Hoffmann und Jean Paul im Zentrum der Untersuchung.
Harry Graf Kessler ist als Mäzen und Förderer der Kunst bekannt. Neben Aristide Maillol und Henry Van de Velde fallen in diesem Zusammenhang auch die Namen von Hugo von Hofmannsthal und Richard Dehmel. Während über Kesslers Engagement in der Kunst viel publiziert worden ist, bleibt sein Verhältnis zur Literatur bislang beinahe unberücksichtigt. Dabei war er selbst literarisch aktiv: 1896 wurde sein Erstlingswerk 'Mein Mexico' veröffentlicht, dann die Libretti des Rosenkavalier und der Josephslegende, schließlich 'Gesichter und Zeiten', seine Memoiren. Sein Drama 'Kaliaieff' ist weitgehend unbekannt, obwohl er bereits mit Max Reinhart über eine Aufführung verhandelt und die erste Szene den Schauspielern vorgelesen hat. Durch den Zwang, ins Exil zu gehen, blieb das Drama Fragment. In diesem Band wird es erstmals veröffentlicht, flankiert von hochkarätigen Beiträgen zu seiner Lektüre der emphatischen Moderne, der russischen Literatur, seinem Engagement für den Film, seiner Wahrnehmung der Ballets Russes und seinem politischen Verhältnis zum Osten überhaupt.
Philologische und philosophische Perspektiven
Der Band vereint aktuelle Beiträge zu den Themenschwerpunkten Fiktion, Wahrheit und Interpretation im Hinblick auf fiktionale literarische Texte. Im Einzelnen werden Fragen wie die folgenden diskutiert: In welchem Verhältnis stehen Literatur und Wahrheit? Welche Rolle spielen Intentionen für die Interpretation? Sind fiktionale Texte ausschließlich fiktional? Lässt sich die Sprechakttheorie für die Beschreibung der in fiktionalen literarischen Texten enthaltenen Sätze fruchtbar machen? Warum nehmen wir Anteil an fiktionaler Literatur, obwohl wir wissen, dass die beschriebenen Personen und Ereignisse nicht real sind? Die Beiträger nehmen diese Problemfelder aus einer interdisziplinären Warte zwischen Literaturtheorie und analytischer Philosophie in den Blick. Mit Beiträgen von Lutz Danneberg, Wolfgang Detel, Hans-Johann Glock, Max Kölbel, Eva-Maria Konrad, Thomas Petraschka, Hans Rott, Benjamin Schnieder, Peter Tepe, Verena Wagner, Christiana Werner, Frank Zipfel
Robert Musil im Kontext der Lebensphilosophie
Series:  Explicatio
Author: Benjamin Gittel
Die Untersuchung versteht sich als Beitrag zu der in der Literaturwissenschaft, Philosophie und Wissenschaftsgeschichte geführten Debatte um die Darstellungsformen von Wissen bzw. das 'Wissen der Literatur', geht jedoch in zweifacher Hinsicht über diese hinaus. Zum einen zeigt sie, wie und warum die Forderung nach einer gegenüber wissenschaftlicher Erkenntnis alternativen, literarisch vermittelten Erkenntnis in einer bestimmten geistes- und kulturgeschichtlichen Konstellation virulent wird: in der Lebens- bzw. Weltanschauungsphilosophie von 1870 bis 1930 sowie im Werk Robert Musils. Zum anderen nimmt die Arbeit eine Akzentverlagerung vor. Im Mittelpunkt steht nicht die oft mit unbefriedigenden Ergebnissen diskutierte Frage, ob Literatur generell, sondern unter welchen konkreten Umständen ein bestimmtes literarisches Werk Wissen vermittelt. Die nicht zuletzt mithilfe von Begrifflichkeiten und Einsichten der Analytischen Erkenntnistheorie formulierten Bedingungen, unter denen dies der Fall ist, ermöglichen schließlich exemplarische Analysen von Musils schriftstellerischen Versuchen, eine 'lebendige Erkenntnis' zu kommunizieren.
Literaturwissenschaftler wie Geisteswissenschaftler überhaupt grenzen sich häufig von den sogenannten 'empirischen Wissenschaften' ab. Dem liegt aber ein verengtes Verständnis von Empirie zu Grunde, hinter das der Sammelband zurückzusetzen versucht. Ausgangspunkt der Beiträge ist eine Auffassung von Literaturwissenschaft als Realwissenschaft: Literarische Texte wie auch ihr historisches Bedingungsgefüge, die sogenannten Kontexte, gelten als empirisch beobachtbare Sachverhalte. Und auch wenn die eigentümliche ästhetische Erfahrung im Mittelpunkt steht, geht es nicht um Metaphysik, sondern um soziale und psychologische Realitäten, die anhand von Quellen rekonstruierbar und deren Gesetzmäßigkeiten interdisziplinär erforschbar sind. ›Empirisch‹ bezeichnet dabei nicht einen bestimmten Satz an Methoden, sondern viel grundsätzlicher den Versuch, Aussagen beobachtungssprachlich zu formulieren und auf diese Weise kritisierbar zu machen – eine Herangehensweise, die Literaturwissenschaftler mit Vertretern anderer Disziplinen teilen und für die es in der Geschichte des Fachs viele Beispiele gibt. Diese Traditionen methodologisch zu reflektieren und fortzusetzen ist das Ziel der hier versammelten Beiträge.
Knowledge and Meaning in Literature
The book addresses the questions how literature can convey knowledge and how literary meaning can arise in the face of the fact that fictional texts waive the usual claim to truth. Based on the interdisciplinary cooperation of literary scholars and analytic philosophers, the present anthology attempts a) to analyze the possibility and conditions of gaining know - ledge through literature, and b) to apply, in a fruitful way, philosophical theories of meaning and interpretation to the constitution of meaning within the language of literature. The project is guided by the hypothesis that the cognitive function of literature cannot be understood without such fundamental modelings of the complex interaction of meaning, truth and knowledge.
Kognition, Korpuslinguistik und Kreativität
Author: Ralph Müller
Wann, wie und wozu werden Metaphern verwendet? Auf der Basis von elektronischen Korpora erforscht diese Studie Muster metaphorischer Sprachverwendungen in unterschiedlichen Diskursen und Genres, dies insbesondere in politischen Reden und Gedichten. Die Kognitive Poetik erfasst die Wirkungsweisen dieser Muster; im Zentrum steht die kreative Metapher. Mit dieser Studie können kreative Metaphern (und verwandte Formen der Uneigentlichkeit) in unterschiedlichen Genres erkannt und analysiert werden. Bei mentis erschienen: 'Theorie der Pointe' (2003)
Der Künstler als Abenteurer
Author: Lothar Pikulik
Wenn Thomas Mann im Leben die soziale Rolle des Bürgers spielte, so schätzte er andererseits an der Kunst das Privileg abenteuerlicher Freiheit. Dabei war es ihm wichtig, die verwegene Ausschweifung, die diese Freiheit gewährte, im Kostüm zivilisierter Gesittung vorzuführen. „Man ist als Künstler innerlich immer Abenteurer genug. Äußerlich soll man sich gut anziehen, zum Teufel, und sich benehmen wie ein anständiger Mensch", lässt er seinen Tonio Kröger sagen. Die bürgerliche Außenseite ist Fassade, deren sich auch Mannsche Typen wie der Hochstapler, der Schelm, der Spieler bedienen. Sie sind aber, wenngleich mit dem Abenteurer eng verwandt, nicht mit ihm identisch. Dieser hat, während ein Blender und Betrüger wie etwa Felix Krull sich damit begnügt, die Welt zu täuschen und daraus Nutzen und Vergnügen zu ziehen, eine viel weitergehende Ambition. Er ist ein Suchender und Erkundender, ja sogar bereit, schlimmen Versuchungen und Verführungen nachzugeben, und sein Mut zum Risiko geht so weit, selbst Tod und Teufel nicht zu scheuen. „Ein Künstler [.]", schreibt Thomas Mann in den Betrachtungen eines Unpolitischen, „bleibt bis zum letzten Hauch ein Abenteurer des Gefühls und des Geistes, zur Abwegigkeit und zum Abgrunde geneigt, dem Gefährlich-Schädlichen offen." Das Buch berücksichtigt von Manns Oeuvre eine nicht zu knapp bemessene Auswahl: Vom erzählerischen Werk besonders Buddenbrooks, Tonio Kröger, Der Tod in Venedig, Der Zauberberg, die Tetralogie Joseph und seine Brüder und Doktor Faustus; vom essayistischen Werk auszugsweise die Betrachtungen eines Unpolitischen sowie einige weitere Texte. Bei mentis erschienen: Der Dramatiker als Psychologe (2004) Schiller. Das Werk als Wille und Vorstellung (2008) Erzähltes Welttheater (2010) Stoff und Form als Begriffe der Ästhetik (2010)
Zur zeitgenössischen Wertungspraxis deutschsprachiger Literaturkritik
Author: Sabine Buck
Literaturkritiker führen nicht nur ästhetische Argumente an, um zu begründen, warum sie einen literarischen Text gut, schlecht oder mittelmäßig finden. Häufig verweisen sie auf moralische Aspekte, um ihr Urteil über die literarische Qualität eines Textes zu begründen. Dies zeigen unter anderem die heftigen Kontroversen um Bücher wie Jonathan Littells „Die Wohlgesinnten“ oder Maxim Billers „Esra“. Dieses Buch erarbeitet daher als Grundlagenstudie das Spektrum der moralischen Kriterien, die deutschsprachige Literaturkritiker an literarische Texte anlegen. Dabei zeigt sich, dass Moral und Ästhetik in den Wertungen deutscher Kritiker oftmals in einem ambivalenten Verhältnis zueinander stehen: Einerseits wird in vielen Debatten der Kritik ein Gegensatz zwischen moralischer und ästhetischer Betrachtung behauptet und eine moralische Auseinandersetzung mit Literatur explizit abgelehnt. Andererseits stehen moralische und ästhetische Wertungen von Literatur in vielen Rezensionen in einem direkten Abhängigkeitsverhältnis, wenn beispielsweise die ästhetische Qualität eines literarischen Textes durch moralische Argumente begründet wird.