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Dass das Wohlergehen künftig lebender Individuen moralische Berücksichtigung verdient, ist unbestritten. Sowohl im Rahmen des öffentlichen Diskurses als auch in der akademischen Umwelt- oder Zukunftsethik wird diese Ansicht vertreten.
Durch das Problem der Nicht-Identität wird sie jedoch auf empfindliche Weise in Frage gestellt: Wie kann eine Handlung wie die Verschwendung begrenzt verfügbarer Ressourcen falsch sein, wenn die faktisch davon betroffenen künftig lebenden Individuen nur durch sie in die Existenz gelangen konnten? Gilt dann nicht, dass diese Handlung für niemanden schlecht ist und keine Schädigung darstellt? Dieses Buch verfolgt das Ziel zu verdeutlichen, wie das moralische Unrecht, das künftig lebende Individuen durch Handlungen gegenwärtig lebender Akteur:innen erfahren – trotz des Faktums der Nicht-Identität – mithilfe eines nicht-personenbezogenen Prinzips identifiziert und das Problem der Nicht-Identität somit gelöst werden kann.
Ein Begriff in seiner Aktualität
Verantwortung: Dieser Begriff prägt derzeit viele aktuelle Debatten in Gesellschaft und Wissenschaft.
Das Buch versucht eine Präzisierung des Begriffs, indem es die Ausgestaltung von Verantwortung im Werk und Wirken bedeutender Persönlichkeiten wie Hannah Arendt, Karl Barth, Ernst Bloch, Emmanuel Levinas, Max Weber und Carl Friedrich von Weizsäcker nachzeichnet und seine besondere Relevanz in Gesellschaft und Wissenschaft reflektiert: Angesichts einer sich rasant wandelnden Welt mit zentralen Herausforderungen wie Klimawandel und Migration, aber auch Digitalisierung und Forschung zu Künstlicher Intelligenz stellt sich die Frage nach der Verantwortung immer dringlicher.
Blick ins Buch

Wie ist das Verhältnis zwischen Menschen und Maschinen in der Medizin zu verstehen? Wer definiert, was krank und gesund ist? Wie soll die Gesundheitsversorgung in Zukunft ausgerichtet sein? Gehören gutes Leben und gutes Sterben zu den Aufgaben der Medizin? Die Philosophie kann Mediziner:innen sowohl in ihrer Forschungstätigkeit als auch in ihrer klinischen Praxis unterstützen, indem sie Reflexionsmöglichkeiten zu diesen und weiteren Fragen anbietet. Das Buch versammelt unter anderem Beiträge aus Wissenschafts- und Erkenntnistheorie, Anthropologie, Phänomenologie, Technikphilosophie, Sozialphilosophie und Ethik.

Author: Hubertus Busche

Zusammenfassung

Aristoteles hat die Theorie und das Bild der Medizin im Abendland so nachhaltig geprägt wie kein anderer. Der vorliegende Beitrag legt erstens Aristoteles’ Auffassung von der Sonderstellung des Menschen im Kosmos dar, die zugleich wichtige Konzepte zur medizinischen Physiologie enthält. Zweitens werden Aristoteles’ Gedanken zur Gesundheit, Heilung und Pflege von Körper, Seele und Geist erläutert. Drittens wird der Status der Medizin zwischen Theorie und Praxis, Wissenschaft und Kunst geklärt. Viertens schließlich wird die Stellung der Medizin zwischen Gelderwerb und Ethik skizziert und anhand der Themen Abtreibung und Euthanasie Aristoteles’ politisches Ethos mit dem Ethos des Hippokratischen Eides verglichen.

In: Philosophie der Medizin

Zusammenfassung

Um die Belastung, die schwere, tödliche Krankheiten für Menschen bedeuten, im ganzen Umfang zu verstehen und um entsprechend medizinisch-therapeutisch darauf eingehen zu können, ist es wichtig, auch den Aspekt der Erschütterung der zeitlichen Orientierung zu berücksichtigen, die eine fatale Diagnose für Kranke auslösen kann. In diesem Aufsatz zeige ich, wie man die Befunde psychotherapeutischer Studien zu diesem Thema theoretisch präzisieren und vertiefen kann, indem man sie philosophisch erläutert. Dazu wird auf die phänomenologische Tradition zum personalen Zeitbewusstsein und auf Grundelemente philosophischer Theorien des guten Lebens zurückgegriffen. Die Kernthese lautet, dass eine fatale Diagnose zu einer Veränderung des personalen Zeitbezugs auf die drei Dimensionen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft führen kann, die das Leben von Kranken zusätzlich beeinträchtigt. Ideal wäre eine Einheit der drei Zeitdimensionen, in der jede von ihnen nur so viel Aufmerksamkeit bekommt und solche eine Art von Präsenz hat, als dadurch der Bezug auf die je anderen beiden nicht behindert wird.

In: Philosophie der Medizin

Zusammenfassung

Wenn sich die Medizin am Ideal der partizipativen Entscheidungsfindung orientiert, entsteht das Problem der Vermittelbarkeit von lebensweltlichem und biomedizinischem Wissen. Der Beitrag argumentiert für eine Hermeneutik der Unübersetzbarkeit in Form von drei Thesen: (1) Sprache selbst beinhaltet schon Grenzen der Übersetzbarkeit von vorsprachlichen und sprachfernen Erfahrungsinhalten in Sprache. (2) Die Sprache klinischer Entscheidungen ist dominiert von biomedizinischem Wissen und schließt damit bestimmte Sinngehalte aus, die nur in lebensweltlicher Sprache sagbar sind. (3) Es ist wichtig, dass ein Rest Unübersetzbarkeit anerkannt wird.

In: Philosophie der Medizin
In: Philosophie der Medizin

Zusammenfassung

Die Begriffe von Krankheit und Gesundheit sind sowohl die Schlüsselkonzepte der medizinischen Wissenschaft als auch zentrale Probleme in der medizinphilosophischen Diskussion. Der Beitrag gibt einen Überblick über die theoretische Entwicklung und den Diskussionsstand in Medizin und Philosophie mit dem Schwerpunkt auf der Entwicklung seit 1950 bis heute. Nach einer Analyse des begrifflichen Verhältnisses der beiden Grundkonzepte gibt der erste Hauptteil eine Rekonstruktion des derzeitigen theoretischen Paradigmas der Medizin, nämlich des Konzeptes der Krankheitsentität, seiner theoretischen Kriterien und seines Bezugs zu den normativ-praktischen Grundlagen der Medizin. Der zweite Hauptteil setzt bei der Diskussion seit der Mitte des 20. Jahrhunderts ein und gibt eine Rekonstruktion der in der medizinphilosophischen Diskussion vertretenen Hauptpositionen, insbesondere der Autoren H.T. Engelhardt, C. Whitbeck, C. Bootse und B. Gert. Im Ergebnis werden die Thesen vertreten, dass 1. das moderne Paradigma der Medizin ein theoretisch und praktisch extrem erfolgreiches Forschungsprogramm ist, das aber in der Gegenwart den Bezug zu den eigenen historischen und wissenschaftstheoretischen Voraussetzungen zu verlieren droht, und dass 2. die philosophischen Krankheitstheorien aufgrund diverser gravierender Fehlwahrnehmungen den Kontakt zur medizinischen Theorie und Praxis verloren haben und sich in einer Vielzahl unterschiedlichster philosophischer Positionen zu verlieren drohen, anstatt den Erfolg des wissenschaftlichen Paradigmas zu analysieren und dessen Möglichkeiten und Grenzen kritisch zu reflektieren.

In: Philosophie der Medizin

Zusammenfassung

Palliative medizinische Therapien vermögen die Lebensqualität von Menschen mit unheilbaren Krankheiten oft über lange Zeiträume hinweg so zu stabilisieren, dass ein Alltag möglich wird, welcher sich somatisch nicht wesentlich vom Leben vor der Diagnosestellung unterscheidet. Die Unheilbarkeit manifestiert sich in diesen Situationen vornehmlich in diskursiven Elementen wie Diagnosen und medizinischen Befunden. Wir postulieren, dass sich in dieser Situation Befunde nicht auf einen abstrakten Informationswert reduzieren lassen, sondern eine leibkörperliche Wirkmacht entfalten können, indem moderne Diagnostik leibkörperlich Erfahrbares im Krankheitsverlauf erst in Erscheinung bringt und dabei auf die Vulnerabilität der Patient*innen trifft. Komplementär zum techniksoziologischen Konzept des Doing Health, das sich mit Konstitution von Gesundheit durch das Individuum befasst, nennen wir die verletzende Inkorporation von medizinischen Befunden Doing Illness. Auch für den Arzt und die Ärztin haben medizinische Befunde in der palliativen Situation eine Wertigkeit, die den Informationsgehalt übersteigt, stehen jene doch als im Heilen Geschulte einer Unheilbarkeit machtlos gegenüber. Die umfangreiche Demonstration medizinischer Daten im Gespräch kann sich für sie ungewollt zu einem Abwehrdispositiv gegen die Zumutung primärer Verantwortung formieren. Die resultierende situative Interdependenz von Verantwortung und symbolischer Verletzbarkeit entzieht sich einer handlungstheoretischen Analyse und muss tiefer greifend reflektiert werden. Hierzu ist die Hinzunahme in der Medizinethik bisher wenig diskutierter subjektkritischer Theorien unerlässlich. Für die Praxis resultieren aus dem Dargelegten nicht ethische Normen, sondern Vorschläge für situative und erzähltheoretische Modifikationen der klinischen Befundbesprechen.

In: Philosophie der Medizin
In: Philosophie der Medizin