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Zur Rechtsharmonisierung in moralisch umstrittenen Bereichen
Die gegenwärtigen Debatten um die Präimplantationsdiagnostik, die Forschung an embryonalen Stammzellen und das Klonen zielen selten einzig auf den Austausch moralisch-ethischer Argumente. Häufiger geht es auch und vor allem um die Begründung mindestens national, wenn nicht sogar international durchSetzbarer rechtlicher Normen. Besonders Kritiker der Forschung plädieren angesichts von Reproduktionstourismus, Stammzellimporten und internationalem Forschungstransfer für internationale Regulierungen. Inwieweit aber legitimieren ethische Unzulässigkeitsurteile auch rechtliche Verbote? Und unter welchen Bedingungen sind supra- oder internationale Regulierungen in einem moralisch kontroversen Bereich wie dem der Embryonenforschung legitim? Die in bioethischen Debatten verbreitete Selbstverständlichkeit, mit welcher von der moralischen auf die rechtliche und von der nationalen auf die internationale Diskussionsebene gewechselt wird, gilt es zu hinterfragen. Dieses Buch diskutiert unter Verweis auf bereits etablierte nationale und supranationale Regulierungsmaßnahmen, ob eine grenzüberschreitende Nutzung unterschiedlicher moralischer und rechtlicher Standards eine Harmonisierung der Forschungsregulationen erforderlich macht oder die Koexistenz unterschiedlicher moralischer und rechtlicher Standards ethisch akzeptabel sein kann.
'Wille' und 'Vorstellung' sind bekanntlich die Begriffe, mit denen Arthur Schopenhauer die Welt, den Menschen und die Kunst erklärt. Sie lassen sich indes, wie in diesem Essay dargelegt wird, auch als zentrale Kategorien von Schillers Anthropologie und Ästhetik deuten. Wille als Kraft, die das Handeln des Menschen bestimmt, ist bei Schiller nicht nur Organ der Vernunft, sondern auch - und damit Schopenhauers Begriff entsprechend - leidenschaftliches Begehren, Dynamik des Affekts, Impuls des Unbewussten. Unter Vorstellung wiederum ist nicht bloß jene Subjektivität der Wahrnehmung zu verstehen, die nach der Lehre Schopenhauers das erste und allgemeinste Prinzip aller Erscheinung ist. Der Begriff bezeichnet zudem eine höhere Stufe des Erkennens, auf der sich das Subjekt vom Druck des Willens frei macht und die Wahrnehmung zur Idee läutert. Vorstellung ist Ausdruck reiner Kontemplation wie der Wille Bestimmungsgrund energischer Aktion. Schiller, 1805 gestorben, konnte Schopenhauers 1819 (eigentlich 1818) erschienenes Hauptwerk Die Welt als Wille und Vorstellung freilich nicht kennen. Er hat die pessimistische Ansicht des Philosophen von den Handlungen des Menschen aber ebenso vorausgedacht wie die Möglichkeit, durch die Kunst erlöst zu werden. Gleichwohl hat er vom Willen keineswegs eine bloß abschätzige, sondern ambivalente Auffassung. Für die Demonstration von Willensstärke bekundet er eine Faszination, die selbst das verbrecherische Handeln einschließt.
Wer hat sich nicht schon gefragt, was es mit unseren moralischen Überzeugungen auf sich hat: Spiegeln diese die Wahrheit in Sachen Moral wieder? Gibt es eine solche Wahrheit überhaupt? Oder sind moralische Überzeugungen eher das Produkt unserer Interessen und Neigungen, Ausdruck unserer Wünsche oder Mittel der Machtausübung, das bloße Ergebnis unserer Erziehung, unseres sozialen Umfelds oder gar eine List der Evolution? Ist es eine Illusion, wenn man glaubt, echte moralische Erkenntnisse gewinnen zu können? Kurzum: Kann die Moral Objektivität beanspruchen? Die vorliegende Arbeit versucht, eine Antwort auf diese zentrale Frage der Metaethik zu geben. Dazu wird zunächst gezeigt, dass uns der Status der Moral ein Rätsel ist, weil wir dazu neigen, drei Thesen für wahr zu halten, die nicht zugleich wahr sein können. Die drei prinzipiell möglichen Strategien zur Auflösung dieses Trilemmas geraten jedoch in Schwierigkeiten, weil es bisher nicht gelungen ist, ein passendes Vergleichsobjekt für die Moral zu finden. In dieser Arbeit wird dafür argumentiert, dass die Moral in genau der gleichen Weise wie die Wissenschaft Objektivität beanspruchen kann.
Wie die Redeweise 'Vater Staat' schon andeutet, zeichnet sich das politische Denken in Deutschland durch besondere Staatsbezogenheit aus. In den letzten Jahrzehnten ist Namentlich durch den Kollaps der Sozialsysteme das Bewusstsein dafür gewachsen, dass der Staat nicht all das leisten kann, was von ihm erwartet wird. Überhaupt scheint hoheitliches DurchSetzen staatlicher Ge- und Verbote nur noch begrenzt zur Steuerung von Verhalten zu taugen. Als Alternative zeichnet sich ab, auf Methoden der Kontextsteuerung überzuwechseln. Bestandteil dessen ist es, mit den maßgeblichen Akteuren in Verhandlungen zu treten, um das Erreichen der nötigen Zielvorgaben im Wege der Selbstverpflichtung zu gewährleisten. So treten neben das demokratisch legitimierte Parlament Entscheidungsgremien, in denen private Akteure zu einer privilegierten Teilhabe an der RechtsSetzung gelangen. Darin liegt der Keim eines Prozesses der Entstaatlichung, bei dem noch offen ist, ob er eine gleichwertige Legitimität und Leistung aufweisen wird, die den modernen demokratischen Rechtsstaat auszeichnen. ///////////////77 Die Beiträge sind verfasst von W. Fach, V. Mehde, R. Brinktrine, R. Harzer und H. Goerlich. Es handelt sich um Vorträge, die auf der dritten Sommerakademie des Instituts für Grundlagen des Rechts der Juristenfakultät Leipzig (www.apiuris.de) gehalten wurden. Den hier ebenfalls mit abgedruckten Diskussionsberichten lässt sich die deutliche Skepsis der Teilnehmer der Sommerakademie entnehmen, ob durch die geschilderten Phänomene der Entstaatlichung nicht die Fähigkeit zu unparteilicher Streitschlichtung Schaden nimmt.
HerausgeberIn: Andreas Hüttemann
Wenn X den Y erschlägt, dann ist X schuld - jedenfalls dann, wenn er es auch hätte sein lassen können. Wenn X dagegen zu seinem Tun gezwungen war und gar nicht anders konnte, dann ist X nicht schuldig. Da die Neurowissenschaften nahe legen, alles menschliche Verhalten werde durch Hirnzustände festgelegt, die diesen vorangehen, müsste X demnach nicht seiner Schuld wegen zur Rechenschaft gezogen werden. Schuld und Sühne, so scheint es, bedürfen im Lichte der Neurowissenschaften einer neuen Deutung. Derartige Neudeutungen von Begriffen weisen auf ein Phänomen hin, das wir als die "Deutungsmacht der Biowissenschaften" bezeichnen. Die Deutungsmacht der Biowissenschaften ist aber nicht schon dann gegeben, wenn biowissenschaftliche Deutungsansprüche aufgestellt werden; wesentlich ist die affirmative Rezeption solcher Deutungsansprüche. Wegen der großartigen Erklärungserfolge der Biowissenschaften (Entschlüsselung des genetischen Codes, Fortschritte im Bereich der Hirnforschung usw.) werden biowissenschaftliche Erklärungen heute oft unhinterfragt als ultimative Erklärungen aufgefasst. Insofern die Biowissenschaften auf dem traditionellen Terrain der Geisteswissenschaften ihre Erklärungsansprüche geltend machen, also Begriffe wie Seele, Identität, Gefühle, Schönheit usw. auf biologische Kategorien zurückführen, kollidieren sie mit den Erklärungsansprüchen der Geisteswissenschaften. Ziel dieses Bandes ist es nicht, im Namen der Einheit der Wissenschaften eine Biologisierung der verschiedenen Phänomenbereiche voranzutreiben. Vielmehr geht es darum abzuwägen, wie es denn um die Berechtigung biowissenschaftlicher Deutungsansprüche in verschiedenen Bereichen tatsächlich bestellt ist. Mit Beiträgen von Paul B. Baltes, Daniel C. Dennett, Julia Fischer, Christoph Halbig, Andreas Hüttemann, Doris Kolesch, Martin Korte, Wolf Singer, Meredith Small, Manfred Spitzer und Felix Thiele
HerausgeberInnen: Thomas Müller und Albert Newen
Dieser Band bietet aktuelle Beiträge zu drei zentralen Gebieten der analytischen Philosophie. Teil I, 'Logik', umfasst Texte zur Logik und Mathematik, die das weite Feld der Philosophischen Logik erkennbar machen. Teil II des Buches trägt den Titel 'Begriffe, Kausalität und Selbstwissen'; in ihm sind Detailuntersuchungen zu wichtigen Konzepten der analytischen Philosophie versammelt. In Teil III des Bandes, 'Prinzipien des Handelns', werden analytische Zugänge zu Fragen der praktischen Philosophie exemplarisch aufgezeigt.
Traum und Trance, Rausch und Rage aus Sicht der Hirnforschung
HerausgeberInnen: Stephan Matthiesen und Rainer Rosenzweig
Subjektiven Erlebnissen liegen neurobiologische Korrelate zugrunde. Was tut sich im Gehirn bei Trance- oder Rauschzuständen? Welche Hirnareale sind unter Meditation oder Hypnose aktiviert, welche gehemmt? Werden in veränderten Bewusstseinszuständen Potentiale ausgeschöpft oder Fähigkeiten unterdrückt? Die Themen dieses Bandes haben alle eines gemeinsam: Sie bezeichnen Formen des menschlichen Erlebens, die nicht als bloße Erfassung der Außenwelt verstanden werden können. Vielmehr verselbständigen sich hier bis zu einem gewissen Grad die konstruktiven Leistungen von Sinnen und Gehirn. Neuere Forschungsergebnisse gestatten uns mehr und mehr, solche veränderten Bewusstseinszustände in Beziehung zu ihren neurophysiologischen Grundlagen zu setzen. Dadurch erscheinen alte Fragen in neuem Licht: Wo beginnen Verzerrungen der menschlichen Wahrnehmung krankhaft zu werden? Welche Techniken zur gezielten Herbeiführung bestimmter Bewusstseinszustände gibt es? Was ist dabei Therapie, was ist Manipulation? Sind spirituelle Erlebnisse durch die Erforschung ihrer neuronalen Grundlagen als Illusionen entlarvt oder als Bedürfnisse gerechtfertigt? Gibt es ein „falsches Bewusstsein“? Wo endet die Tiefendimension des Lebens und wo beginnt die Fehlorientierung des Menschen? Mit Beiträgen von Peter Brugger, Peter Dinzelbacher, Wolfgang Hell, Gunther Hirschfelder, Brigitte Holzinger, Hermes A. Kick, Georg W. Kreutzberg, Torsten Passie, Dieter Vaitl, Henriette Walter und Georg Winterer
HerausgeberInnen: Francesca Castellani und Josef Quitterer
In everyday life, we explain and predict human actions through beliefs and intentions. We also assume the existence of persons who act on the basis of reasons. Naturalist philosophers do not accept this concept of 'agent causality': what common sense and sociological explanations called reasons should be interpreted as normal causes of actions. As a matter of fact social sciences increasingly use the causal model of the natural sciences in order to explain human actions. In this volume leading specialists in action theory discuss the question: Is the causal model of the natural sciences sufficient to explain human actions or can we expect an explanatory advantage from the classical concept of agent causality? Contributors: R. Boudon, F. Castellani, A. Corradini, M. De Caro, S. Galvan, G. Keil, E. J. Lowe, U. Meixner, A. Mele, T. O'Connor, J. Quitterer, E. Runggaldier, A. Varzi, H. Weidemann
HerausgeberInnen: Meiken Endruweit und Ralf Seidel
Im Jahr 2003 jährte sich zum 100. Mal der Geburtstag von Hans Jonas. Die Stadt Mönchengladbach ehrte einen ihrer bedeutendsten Söhne durch die Organisation eines Hans-Jonas-Jahres, in dessen Rahmen auch ein wissenschaftliches Symposium der Hans-Jonas-Gesellschaft veranstaltet wurde, dessen Vorträge in diesem Band versammelt sind. Der Band gliedert sich in vier Themenkomplexe: Unter dem Titel Metaphysische Vermutungen wird der Ontologie und dem Gottesverständnis von Hans Jonas nachgegangen. Im Kapitel Organismus und Freiheit kommen anthropologische und ästhetische Grundfragen im Jonasschen Werk zur Sprache. Der dritte Komplex widmet sich dem Prinzip Verantwortung und fragt nach der Begründbarkeit von Jonas' normativer Ethik. Im abschließenden vierten Teil werden Anwendungsbereiche des Prinzip Verantwortung untersucht, und zwar Medizinethik, Technik und Ökonomie. Die Podiumsdiskussionen zu den vier Themenkomplexen werden ebenso wie die Abschlussdiskussion in gekürzter Form präsentiert. Mit Beiträgen von Paolo Becchi, Micha Brumlik, Eric Cassell, Markus Dederich, H. Tristram Engelhardt, Jr., Nathalie Frogneux, Jean Greisch, Hans Hermann Henrix, Dirk Hohnsträter, Christian Illies, Karl Kardinal Lehmann, Anton Rauscher, Martin W. Schnell, Christian Wiese
Das Problem der Erklärungslücke in Geist-Gehirn-Theorien
Die dominierende Position in der Philosophie des Geistes ist heute der Physikalismus, demzufolge Bewußtsein und Selbstbewußtsein physikalische Phänomene sind, die durch Gehirnvorgänge realisiert werden. Allerdings klafft eine Erklärungslücke zwischen den Beschreibungen neuronaler Vorgänge und der Subjektivität des bewußten Erlebens. Daraus folgern viele Dualisten die grundsätzliche ontologische Verschiedenheit von Geist und Gehirn. In diesem Buch werden systematisch Varianten des Physikalismus und des Dualismus unterschieden und anhand einschlägiger philosophischer, kognitionspsychologischer und neurobiologischer Theorien detailliert diskutiert. Zwar kann bisher keine physikalistische Theorie des Bewußtseins völlig überzeugen, aber auch ontologische Folgerungen von Dualisten sind nicht hinreichend begründet. Als Lösung des Problems der Erklärungslücke wird anhand von Kants kritischer Philosophie als moderate Alternative ein rein erkenntnistheoretischer Dualismus entwickelt. Dieser erkenntnistheoretische Dualismus weist den physikalistischen Reduktionismus zurück, vermeidet aber ebenso den ontologischen Dualismus.