Nach Titel durchsuchen

Ethik im außerhumanen Bereich diskutiert, welche Wesen um ihrer selbst willen moralisch zu berücksichtigen sind, wem Würde zugesprochen werden darf, wer als Gleicher zu bezeichnen ist und unter welchen Bedingungen Güterabwägungen in der Ethik zulässig sind. Die meisten Antworten, die sich intuitiv auf diese Fragen aufdrängen, wurzeln in einer Lehre von der moralischen Sonderstellung des Menschen. Diese beruht jedoch auf religiösen und naturphilosophischen Annahmen, welche intersubjektiv nicht begründet werden können. Damit erweist sich ein Hauptpfeiler unserer Alltagsmoral als brüchig. Zudem zeigt sich, dass es nicht Aufgabe der Ethik ist, moralische Intuitionen in ein Überlegungsgleichgewicht zu bringen. Auf der Suche nach einer theoretischen Alternative werden Auffassungen zurückgewiesen, gemäß welchen nur Personen, alle Lebewesen oder die Natur als Ganze um ihrer selbst willen moralisch zu berücksichtigen sind. Als begründungsfähig erweist sich einzig der Ansatz, dass alle und nur empfindungsfähigen Wesen als Gleiche moralisch zu berücksichtigen sind.
Sprache und Gehirn
HerausgeberInnen: Helmut Fink und Rainer Rosenzweig
Die Sprache ist der Schlüssel zum Menschen als Kulturwesen. Wie funktionieren Sprachproduktion und Sprachverstehen? Was geschieht im Gehirn, wenn der Mensch spricht? Welche neuronalen Korrelate kennzeichnen spezifische Sprachleistungen? Dieser Band gibt aktuelle Einblicke in die linguistische Forschung und zeigt die fruchtbare Verschränkung von Psycholinguistik und Neurolinguistik. Thematisch spannt sich der Bogen von universellen Strukturen in den symbolischen Zeichensystemen der Sprache und in den Prozessen des Sprachverstehens über Gemeinsamkeiten von Sprache und Musik bis zu den Besonderheiten der Gebärdensprache. Doch wie kommen wir zur Sprache? Diese Frage kann sowohl auf die Evolution des Lebens als auch auf die kognitive Entwicklung des Einzelnen bezogen werden. Vorformen der Sprache im Tierreich und Erlernen der Sprache in der Kindheit runden daher den Themenkreis ab. Wer den Menschen verstehen will, muss seine Sprache verstehen. Wer nicht nur die Sprache, sondern auch die Sprachfähigkeit verstehen will, kann heute auf den Blick ins Gehirn nicht mehr verzichten. Mit Beiträgen von Manfred Bierwisch, Werner Deutsch & Michael Kaßecker, Julia Fischer, Angela Friederici, Stefanie Höhl & Tricia Striano, Stefan Kölsch & Tom Fritz, Matthias Schlesewsky & Ina Bornkessel-SchlesewskyMarkus Steinbach.
Neurowissenschaften und Menschenbild
Die neuesten Ergebnisse der Neurowissenschaften stellen eine Herausforderung für unser tradtionelles Menschenbild dar, sagen viele. Es gibt kein Ich, keine Freiheit, niemand ist je verantwortlich für das, was er tut. Bei Licht besehen ergeben sich diese Konsequenzen jedoch nur, wenn man von einem Cartesischen Menschenbild ausgeht – dem Bild, dass jeder Mensch außer einem Körper auch eine immaterielle Seele besitzt, dass das Ich eben diese Seele ist und dass Freiheit voraussetzt, dass das Ich von außen in den Gang der Welt eingreift. Aber dieses Menschenbild ist falsch. Alles spricht dafür, dass die Naturwissenschaften zumindest in diesem Punkt Recht haben: Wir haben keine immaterielle Seele. Doch daraus folgt wenig. Es folgt zwar, dass wir kein traditionell verstandenes 'Ich' besitzen, es folgt aber nicht, dass es uns nicht gibt oder dass niemals wir es sind, die etwas entscheiden und tun. Natürlich gibt es mich und natürlich gibt es Situationen, in denen ich eine Entscheidung fälle oder eine Handlung ausführe. Und in manchen Fällen bin ich für mein Handeln sogar verantwortlich. Denn Freiheit und Verantwortung beruhen nicht darauf, dass mein Ich – selbst unverursacht – neue Kausalketten initiiert, sondern darauf, dass ich bestimmte Fähigkeiten besitze, die ich auch dann habe, wenn es keine Seele gibt. Kein Ergebnis der Neurowissenschaften zwingt mich also, die Annahme aufzugeben, dass es mich gibt, dass manchmal ich selbst entscheide und handele und dass ich zumindest manchmal in meinen Handlungen frei und daher für diese Handlungen verantwortlich bin.
Grundfragen der Wirtschafts- und Unternehmensethik
HerausgeberIn: Wolfgang Kersting
Im Rahmen einer AuseinanderSetzung mit den Stärken und Schwächen einer ökonomischen Ethik werden die wesentlichen ethischen Positionen vorgestellt, die in der wirtschaftSethischen Diskussion im deutschsprachigen Raum entwickelt worden sind. Es werden die Grundfragen der Wirtschafts- und UnternehmenSethik diskutiert, der Wert des Vertrauens erörtert und der sozialen Verantwortung von Wirtschaftsunternehmen nachgegangen. - - - Mit Beiträgen von Ingo Pies - Peter Ulrich - Michael S. Aßländer - Andreas Georg Scherer Wolfgang Kersting - Ludger Heidbrink - Andreas Suchanek - Rainer Hank - Birger P. Priddat - Philipp David - Werner Theobald
Zur Physik und Philosophie der allgemeinen und der speziellen Relativitätstheorie
Einsteins Theorien haben weitreichende Konsequenzen für unser Weltverständnis. Nach gängiger Auffassung hat Einstein nachgewiesen, dass unsere natürliche Auffassung von Raum und Zeit die Realität in grundlegender Weise verfehlt. Aufgrund einer vorsichtigen wissenschaftstheoretischen Analyse zeigt der Autor, dass die relativistische Sicht in mancher Hinsicht überzogen ist. Das Buch wendet sich an philosophisch interessierte Physiker und physikalisch interessierte Philosophen, ermöglicht aber auch einen ersten Einstieg in Einsteins mathematisch komplizierte und philosophisch nicht leicht durchschaubare Theorien. Detaillierte Argumente führen den Autor zu Resultaten, die der Standardsicht teilweise radikal widersprechen.
Zur moralischen Bewertung der Reduktion wesentlicher tierlicher Eigenschaften
Die Erzeugung transgener Tiere nimmt in der Tierethik eine Sonderstellung ein, da sie in vielen Fällen über das pathozentrische Ziel der Vermeidung tierlicher Leiden hinausweist. Besonders deutlich wird dies im Hinblick auf eine mögliche Reduktion wesentlicher tierlicher Eigenschaften wie des Sehvermögens. Auch wenn das Tier selbst keine Minderung seines subjektiven Wohlergehens wahrnimmt, wäre ein solcher Eingriff für viele Menschen moralisch höchst bedenklich. Dieses Buch geht der Frage nach, wie diese intuitive Ablehnung bestimmter Formen der genetischen Veränderung von Tieren aus tierethischer Sicht zu bewerten ist. Handelt es sich dabei um einen ernstzunehmenden moralischen Einwand oder weist das Unbehagen lediglich auf einen Verstoß gegen unser ästhetisches Empfinden oder unsere Wahrnehmungsgewohnheiten hin? Wie könnte ein tierethischer Ansatz aussehen, der den besonderen moralischen Herausforderungen der Gentechnik gerecht wird? Und wie plausibel sind die in der tierethischen Diskussion bisher vorgeschlagenen Lösungen, die sich z.B. an den Kriterien der tierlichen Würde oder Integrität, an einem umfassenden Wohlergehenskonzept oder am tierlichen Telos orientieren?
Werturteile, insbesondere ethische, kennzeichnen zwei Begriffsmerkmale: Sie sind wahr oder falsch und sie liefern einen Grund, entsprechend zu handeln. Laut Standardauffassung der Handlungstheorie liefern Überzeugungen alleine keinen Handlungsgrund. Werturteile drücken jedoch gemäß erstem Merkmal Überzeugungen aus. Sie liefern daher bei Standardauffassung keinen Handlungsgrund - im Widerspruch zum zweiten Merkmal. Dieser lässt sich nur vermeiden, indem man eines der beiden Merkmale als Schein entlarvt oder die Standardauffassung aufgibt. Im ersten Teil werden die Merkmale präzisiert und es wird begründet, warum sie kein Schein sind. Die Ansätze, die von einem Schein ausgehen, werden zurückgewiesen, so dass nur eine Non-Standardauffassung als Auflösung des Widerspruchs in Frage kommt. Der zweite Teil widmet sich der Wahrheitsfähigkeit von Werturteilen. Denn gemäß einer verbreiteten Ansicht impliziert deren Wahrheitsfähigkeit einen mit großen Schwierigkeiten behafteten Werte-Realismus. Es wird jedoch gezeigt, wie die Non-Standard-Lösung gerettet werden kann, indem Wahrheit für Werturteile nicht als Übereinstimmung mit der Realität, sondern als nicht-revidierbare Form gerechtfertiger Behauptbarkeit gefasst wird.
Patientenperspektiven in der Gendiagnostik und Albert Camus' Konzepte zum Absurden. Eine empirisch-ethische Interviewstudie
Dieses Buch untersucht Lebenssituationen von Menschen, die sich für oder gegen die Inanspruchnahme von genetischen Tests entschieden haben. Es zeigt auf, dass genetische Tests und Pränataldiagnostiken zu Grenzsituationen auf Seiten der Betroffenen führen können. Dazu verlässt es den Sprachgebrauch der biomedizinethischen Debatte und bedient sich der Sprache des Philosophen Albert Camus, um dessen Konzepte von Absurdität zur Analyse von gendiagnostischen Grenzsituationen fruchtbar zu machen. Patientengeschichten werden unterschiedlichen Arten von Absurditäten zugeordnet, gleichzeitig werden Patienteninterviews mit Protagonisten der Camus'schen Werke verglichen. Die Resonanzen dieser Analyse bereichern die laufende Debatte zu genetischen Tests in innovativer Weise: Es wird unter anderem ausgeführt, wie Patienten zwischen Entscheidungen und Entfremdungen gefangen sein können und inwiefern die menschliche Fähigkeit der narrativen Rekonstruktion ganz entscheidend zur Verarbeitung von absurden Lebensereignissen beiträgt. Es wird weiter deutlich, dass die existenzielle Kategorie der "Absurdität" generell eine vernachlässigte Größe im medizinischen Alltag darstellt.
Die Gedanken und Gefühle anderer
HerausgeberIn: Ricarda Schubotz
Was wissen wir schon voneinander? Nicht viel, und doch genug, um damit das tägliche Miteinander irgendwie zu bestreiten. Wir schreiben uns dabei selbst und anderen immer wieder mentale Zustände zu - Meinungen, Wünsche, Hoffnungen und anderes mehr - und versuchen damit, Handlungen und Entscheidungen zu erklären, zu rechtfertigen oder vorherzusagen. Unter den fachenglischen Etiketten Theory of Mind, Mind Reading oder Mentalizing erleben derzeit insbesondere philosophische, psychologische und neurowissenschaftliche Disziplinen eine neu aufkeimende Begeisterung an der Frage, wie es denn möglich ist und vor sich geht, dass wir andere verstehen, dass wir von ihren inneren Zuständen wissen. Empirische Befunde aus der Tierforschung und der bildgebenden Forschung am Menschen haben dieser erkenntnistheoretischen Frage neue Impulse gegeben, deren Wirkung sich noch nicht voll entfaltet hat. Der von der Arbeitsgruppe 'Other Minds' der Jungen Akademie in Berlin initiierte Band bietet eine Plattform für den zwischenfachlichen Dialog über das Fremdpsychische: Beiträge aus Philosophie, Medizin, Psychologie, Biologie, Soziologie und Literaturwissenschaft informieren einerseits über die fachspezifischen Fragen, Betrachtungen und Untersuchungen und sollen andererseits helfen, den Tunnelblick auf das Thema über die Fächergrenzen hinweg zu erweitern.
Dass man seine Versprechen halten muss, weiß jedes Kind. Philosophen geraten indes ins Straucheln, wenn sie zu erklären versuchen, was ein Versprechen überhaupt ist und warum moralisch falsch handelt, wer es bricht. Norbert Anwander diskutiert systematisch die klassischen Positionen zu Versprechen, Setzt sich kritisch mit ihren aktuellen Vertretern auseinander und legt eine alternative Theorie vor. Im ersten Teil dieses Buches wird untersucht, was Versprechen gegenüber Phänomenen wie Ankündigungen oder Gelübden auszeichnet, und aufgezeigt, was dafür spricht, das Versprechen als gemeinsame Willensbindung zu analysieren. Einsichten aus den Diskussionen um Normativität und praktische Rationalität können uns verständlich machen, in welcher Weise wir per Willensdekret Verpflichtung zu schaffen vermögen. Der zweite Teil befasst sich mit der moralischen Bedeutung von Versprechen. Anwander argumentiert, dass es bei der moralischen Pflicht, sein Versprechen zu halten, um die Achtung von Autonomie geht. Noch vor allen anderen Erwägungen sind wir es der Person, gegenüber der wir ein Versprechen eingegangen sind, schuldig, ihre Autonomie zu respektieren.