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Author: Gerhard Ernst
Wer hat sich nicht schon gefragt, was es mit unseren moralischen Überzeugungen auf sich hat: Spiegeln diese die Wahrheit in Sachen Moral wieder? Gibt es eine solche Wahrheit überhaupt? Oder sind moralische Überzeugungen eher das Produkt unserer Interessen und Neigungen, Ausdruck unserer Wünsche oder Mittel der Machtausübung, das bloße Ergebnis unserer Erziehung, unseres sozialen Umfelds oder gar eine List der Evolution? Ist es eine Illusion, wenn man glaubt, echte moralische Erkenntnisse gewinnen zu können? Kurzum: Kann die Moral Objektivität beanspruchen? Die vorliegende Arbeit versucht, eine Antwort auf diese zentrale Frage der Metaethik zu geben. Dazu wird zunächst gezeigt, dass uns der Status der Moral ein Rätsel ist, weil wir dazu neigen, drei Thesen für wahr zu halten, die nicht zugleich wahr sein können. Die drei prinzipiell möglichen Strategien zur Auflösung dieses Trilemmas geraten jedoch in Schwierigkeiten, weil es bisher nicht gelungen ist, ein passendes Vergleichsobjekt für die Moral zu finden. In dieser Arbeit wird dafür argumentiert, dass die Moral in genau der gleichen Weise wie die Wissenschaft Objektivität beanspruchen kann.
Die Gedanken und Gefühle anderer
Was wissen wir schon voneinander? Nicht viel, und doch genug, um damit das tägliche Miteinander irgendwie zu bestreiten. Wir schreiben uns dabei selbst und anderen immer wieder mentale Zustände zu - Meinungen, Wünsche, Hoffnungen und anderes mehr - und versuchen damit, Handlungen und Entscheidungen zu erklären, zu rechtfertigen oder vorherzusagen. Unter den fachenglischen Etiketten Theory of Mind, Mind Reading oder Mentalizing erleben derzeit insbesondere philosophische, psychologische und neurowissenschaftliche Disziplinen eine neu aufkeimende Begeisterung an der Frage, wie es denn möglich ist und vor sich geht, dass wir andere verstehen, dass wir von ihren inneren Zuständen wissen. Empirische Befunde aus der Tierforschung und der bildgebenden Forschung am Menschen haben dieser erkenntnistheoretischen Frage neue Impulse gegeben, deren Wirkung sich noch nicht voll entfaltet hat. Der von der Arbeitsgruppe 'Other Minds' der Jungen Akademie in Berlin initiierte Band bietet eine Plattform für den zwischenfachlichen Dialog über das Fremdpsychische: Beiträge aus Philosophie, Medizin, Psychologie, Biologie, Soziologie und Literaturwissenschaft informieren einerseits über die fachspezifischen Fragen, Betrachtungen und Untersuchungen und sollen andererseits helfen, den Tunnelblick auf das Thema über die Fächergrenzen hinweg zu erweitern.
Zur Rechtsharmonisierung in moralisch umstrittenen Bereichen
Author: Minou B. Friele
Die gegenwärtigen Debatten um die Präimplantationsdiagnostik, die Forschung an embryonalen Stammzellen und das Klonen zielen selten einzig auf den Austausch moralisch-ethischer Argumente. Häufiger geht es auch und vor allem um die Begründung mindestens national, wenn nicht sogar international durchSetzbarer rechtlicher Normen. Besonders Kritiker der Forschung plädieren angesichts von Reproduktionstourismus, Stammzellimporten und internationalem Forschungstransfer für internationale Regulierungen. Inwieweit aber legitimieren ethische Unzulässigkeitsurteile auch rechtliche Verbote? Und unter welchen Bedingungen sind supra- oder internationale Regulierungen in einem moralisch kontroversen Bereich wie dem der Embryonenforschung legitim? Die in bioethischen Debatten verbreitete Selbstverständlichkeit, mit welcher von der moralischen auf die rechtliche und von der nationalen auf die internationale Diskussionsebene gewechselt wird, gilt es zu hinterfragen. Dieses Buch diskutiert unter Verweis auf bereits etablierte nationale und supranationale Regulierungsmaßnahmen, ob eine grenzüberschreitende Nutzung unterschiedlicher moralischer und rechtlicher Standards eine Harmonisierung der Forschungsregulationen erforderlich macht oder die Koexistenz unterschiedlicher moralischer und rechtlicher Standards ethisch akzeptabel sein kann.
Zur Physik und Philosophie der allgemeinen und der speziellen Relativitätstheorie
Author: Max Drömmer
Einsteins Theorien haben weitreichende Konsequenzen für unser Weltverständnis. Nach gängiger Auffassung hat Einstein nachgewiesen, dass unsere natürliche Auffassung von Raum und Zeit die Realität in grundlegender Weise verfehlt. Aufgrund einer vorsichtigen wissenschaftstheoretischen Analyse zeigt der Autor, dass die relativistische Sicht in mancher Hinsicht überzogen ist. Das Buch wendet sich an philosophisch interessierte Physiker und physikalisch interessierte Philosophen, ermöglicht aber auch einen ersten Einstieg in Einsteins mathematisch komplizierte und philosophisch nicht leicht durchschaubare Theorien. Detaillierte Argumente führen den Autor zu Resultaten, die der Standardsicht teilweise radikal widersprechen.
Author: Lothar Pikulik
'Wille' und 'Vorstellung' sind bekanntlich die Begriffe, mit denen Arthur Schopenhauer die Welt, den Menschen und die Kunst erklärt. Sie lassen sich indes, wie in diesem Essay dargelegt wird, auch als zentrale Kategorien von Schillers Anthropologie und Ästhetik deuten. Wille als Kraft, die das Handeln des Menschen bestimmt, ist bei Schiller nicht nur Organ der Vernunft, sondern auch - und damit Schopenhauers Begriff entsprechend - leidenschaftliches Begehren, Dynamik des Affekts, Impuls des Unbewussten. Unter Vorstellung wiederum ist nicht bloß jene Subjektivität der Wahrnehmung zu verstehen, die nach der Lehre Schopenhauers das erste und allgemeinste Prinzip aller Erscheinung ist. Der Begriff bezeichnet zudem eine höhere Stufe des Erkennens, auf der sich das Subjekt vom Druck des Willens frei macht und die Wahrnehmung zur Idee läutert. Vorstellung ist Ausdruck reiner Kontemplation wie der Wille Bestimmungsgrund energischer Aktion. Schiller, 1805 gestorben, konnte Schopenhauers 1819 (eigentlich 1818) erschienenes Hauptwerk Die Welt als Wille und Vorstellung freilich nicht kennen. Er hat die pessimistische Ansicht des Philosophen von den Handlungen des Menschen aber ebenso vorausgedacht wie die Möglichkeit, durch die Kunst erlöst zu werden. Gleichwohl hat er vom Willen keineswegs eine bloß abschätzige, sondern ambivalente Auffassung. Für die Demonstration von Willensstärke bekundet er eine Faszination, die selbst das verbrecherische Handeln einschließt.
Eine Untersuchung zur wissenschaftstheoriegeschichtlichen Charakteristik der theoretischen Philosophie des frühen Moritz Schlick
Author: Carsten Seck
Moritz Schlick gilt zu Recht als einer der herausragenden Wissenschaftsphilosophen des 20. Jahrhunderts. Als ›KopfGründer‹ des Wiener Kreises hat er den Logischen Empirismus maßgeblich mitgeprägt. In einem erstaunlichen Ungleichgewicht zu diesem Befund steht die immer noch unzureichende wissenschaftstheoriegeschichtliche Würdigung des Schlickschen Oeuvres. Zwar hat die historische Aufarbeitung des Wiener Kreises und seiner Vorgeschichte in den letzten beiden Dezennien erhebliche Fortschritte gemacht, das größere philosophiehistorische wie systematische Interesse wird aber immer noch anderen Vertretern (wie Rudolf Carnap und Otto Neurath) entgegengebracht. Dies mag auch durch die Ermordung Schlicks 1936 erklärbar sein, die eine eigenständige Schul- und Traditionsbildung verhinderte. Die vorliegende Untersuchung liefert durch eine detaillierte historisch-systematische Rekonstruktion der theoretischen Philosophie des frühen Schlick einen Beitrag zur Behebung dieses Ungleichgewichts.
Zur moralischen Bewertung der Reduktion wesentlicher tierlicher Eigenschaften
Author: Kirsten Schmidt
Die Erzeugung transgener Tiere nimmt in der Tierethik eine Sonderstellung ein, da sie in vielen Fällen über das pathozentrische Ziel der Vermeidung tierlicher Leiden hinausweist. Besonders deutlich wird dies im Hinblick auf eine mögliche Reduktion wesentlicher tierlicher Eigenschaften wie des Sehvermögens. Auch wenn das Tier selbst keine Minderung seines subjektiven Wohlergehens wahrnimmt, wäre ein solcher Eingriff für viele Menschen moralisch höchst bedenklich. Dieses Buch geht der Frage nach, wie diese intuitive Ablehnung bestimmter Formen der genetischen Veränderung von Tieren aus tierethischer Sicht zu bewerten ist. Handelt es sich dabei um einen ernstzunehmenden moralischen Einwand oder weist das Unbehagen lediglich auf einen Verstoß gegen unser ästhetisches Empfinden oder unsere Wahrnehmungsgewohnheiten hin? Wie könnte ein tierethischer Ansatz aussehen, der den besonderen moralischen Herausforderungen der Gentechnik gerecht wird? Und wie plausibel sind die in der tierethischen Diskussion bisher vorgeschlagenen Lösungen, die sich z.B. an den Kriterien der tierlichen Würde oder Integrität, an einem umfassenden Wohlergehenskonzept oder am tierlichen Telos orientieren?
Festschrift zu Ehren von Winfried Franzen
Editor: Jan H Heinrichs
Die 13 Beiträge des Bandes gruppieren sich um aktuelle wie historische Anstrengungen, den Begriff der Wahrheit und den Wahrheitsanspruch wissenschaftlicher und ethischer Theorien zu explizieren. Sie verbinden darin Ansätze der klassischen europäischen Philosophie mit neuesten analytischen Zugängen. Den Kern der Aufmerksamkeit bilden zum einen Fragen der theoretischen Philosophie, Namentlich Begriff und Kriterien der Wahrheit, und wie diese in den Einzelwissenschaften zu verorten sind. Diesen Erwägungen schließen sich solche der praktischen Philosophie an, darunter der Wahrheitsanspruch ethischer Theoriebildung oder die Wirkung, die die vermeintliche Erkenntnishoheit der Naturwissenschaften in der politischen Philosophie zeitigt. Ergänzt werden jene Betrachtungen durch philosophiehistorische Untersuchungen der Entwicklung einschlägiger philosophischer Begriffe wie VernunftAbbild. Mit Beiträgen von Werner Becker, Richard Breun, Alex Burri, Jan-Hendrik Heinrichs, Carsten Held, Bernulf Kanitscheider, Klaus-Michael Kodalle, Odo Marquard, Helmuth Meinhardt, Heinrich Niehues Pröbsting, Peter Probst, Gerhard Vollmer, Franz Josef Wetz.
Author: Manfred Harth
Werturteile, insbesondere ethische, kennzeichnen zwei Begriffsmerkmale: Sie sind wahr oder falsch und sie liefern einen Grund, entsprechend zu handeln. Laut Standardauffassung der Handlungstheorie liefern Überzeugungen alleine keinen Handlungsgrund. Werturteile drücken jedoch gemäß erstem Merkmal Überzeugungen aus. Sie liefern daher bei Standardauffassung keinen Handlungsgrund - im Widerspruch zum zweiten Merkmal. Dieser lässt sich nur vermeiden, indem man eines der beiden Merkmale als Schein entlarvt oder die Standardauffassung aufgibt. Im ersten Teil werden die Merkmale präzisiert und es wird begründet, warum sie kein Schein sind. Die Ansätze, die von einem Schein ausgehen, werden zurückgewiesen, so dass nur eine Non-Standardauffassung als Auflösung des Widerspruchs in Frage kommt. Der zweite Teil widmet sich der Wahrheitsfähigkeit von Werturteilen. Denn gemäß einer verbreiteten Ansicht impliziert deren Wahrheitsfähigkeit einen mit großen Schwierigkeiten behafteten Werte-Realismus. Es wird jedoch gezeigt, wie die Non-Standard-Lösung gerettet werden kann, indem Wahrheit für Werturteile nicht als Übereinstimmung mit der Realität, sondern als nicht-revidierbare Form gerechtfertiger Behauptbarkeit gefasst wird.
Editor: Patrick Spät
Dieser Band versucht, dem Leser zweierlei zu bieten: Zum einen eine Bestandsaufnahme des gegenwärtigen Forschungsstandes, zum anderen den Versuch, einen Ausblick in die zukünftige Entwicklung dieser Forschungen zu geben. Der Fokus der zwölf Beiträge ist hierbei bewusst auf aktuelle Themen der Philosophie des Geistes gelegt: Welche Eigenschaften hat der Geist
Die Beiträger: Ansgar Beckermann, Daniel Cohnitz, Michael Esfeld, Frank Hofmann, Wolfgang Lenzen, Klaus Mainzer, Thomas Metzinger, Albert Newen, Wolfgang Prinz, Tobias Schlicht, Patrick Spät, Kai Vogeley und Sven Walter