Eine philosophische Streitschrift
Der verbreitete zeitgenössische Anti-Realismus in den Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften, in Kulturinstitutionen, Feuilletons und gebildeten Kreisen ist Ausdruck einer intellektuellen Krise. Der Realismus, für den Julian Nida-Rümelin plädiert, geht von lebensweltlichen Selbstverständlichkeiten aus und bestimmt vor diesem Hintergrund die Rolle der Philosophie neu. So stellt sich dieses Buch gegen geistige Verwirrungen, die sich als Begleitphänomene einer intellektuellen Krise zeigen.
Das Erwachsenwerden ist Ergebnis der Auseinandersetzung mit der empirischen und der normativen Realität. Insofern hat der postmoderne Anti-Realismus, nämlich die Vorstellung, dass wir es sind, die in einem bestimmten kulturellen Kontext die Realität nach unserem Bild formen, etwas Kindliches.
In dieser Streitschrift nimmt der Autor eine umfassendere realistische Position ein: Als Teilhaber an der menschlichen Lebensform ist unsere Kommunikation stets auf einen unaufgebbaren Realismus angewiesen. Der systematische Zusammenhang zwischen wissenschaftlichem Realismus, meta-ethischem Realismus und einem umfassenden lebensweltlichen Realismus wird durch das Ethos epistemischer Rationalität gestiftet, also durch die Fähigkeit, sich von guten, auf unsere Alltagserfahrungen bezogenen Gründen überzeugen zu lassen. Die Philosophie setzt die lebensweltliche Praxis des Gründe-Gebens und Gründe-Nehmens fort, verallgemeinert und systematisiert diese und integriert einzelwissenschaftliche Methoden und Befunde zu einer stimmigen Weltsicht. Dieser Realismus ist unaufgeregt insofern, als er keine metaphysische Position umreißt und keine apriorischen Argumente ins Feld führt. Er verteidigt letztlich nur Trivialitäten gegen den in intellektuellen Diskursen häufig unternommenen Versuch, sich dieser zu entledigen.
Ludwig Wittgenstein selbst hielt seine Überlegungen zur Mathematik für seinen bedeutendsten Beitrag zur Philosophie. So beabsichtigte er zunächst, dem Thema einen zentralen Teil seiner Philosophischen Untersuchungen zu widmen. Tatsächlich wird kaum irgendwo sonst in Wittgensteins Werk so deutlich, wie radikal die Konsequenzen seines Denkens eigentlich sind. Vermutlich deshalb haben Wittgensteins Bemerkungen zur Mathematik unter all seinen Schriften auch den größten Widerstand provoziert: Seine Bemerkungen zu den Gödel’schen Unvollständigkeitssätzen bezeichnete Gödel selbst als Nonsens, und Alan Turing warf Wittgenstein vor, dass aufgrund seiner scheinbar toleranten Haltung gegenüber Widersprüchen Brücken einstürzen könnten, die Mithilfe mathematischer Berechnungen in Wittgensteins Sinne errichtet würden. Die Beiträge des Bandes erklären zentrale Überlegungen Wittgensteins zur Mathematik, räumen weit verbreitete Missverständnisse aus und analysieren kritisch Wittgensteins Bedeutung für die traditionelle Philosophie der Mathematik. Ebenfalls wird die Frage verfolgt, inwieweit Wittgensteins Bemerkungen zur Philosophie der Mathematik über seine Philosophischen Untersuchungen hinausführen.
Eine Annäherung an einen mentalen Zustand
Im Alltag wie in ethischen Fachdiskussionen verweisen wir häufig auf moralische Intuitionen. Doch welche Art mentaler Zustand sind moralische Intuitionen eigentlich? Wie „generieren“ sie moralische Wertungen?

Unter Rückgriff auf zeitgenössische Theorien aus der Philosophie des Geistes argumentiert die Autorin, dass moralische Intuitionen zu konkreten Fällen eine Form der Emotion sind. Sie spezifiziert in Anlehnung an Millikans biosemantisches Intentionalitätskonzept und Prinz‘ Emotionstheorie, was diese moralisch wertenden Emotionen auszeichnet und welche mentalen Prozesse ihrem Auftreten zugrunde liegen.
Burgbachers Modell gibt eine zeitgemäße, empirisch orientierte Antwort auf die stark diskutierte Vorfrage der Ethik und Metaethik nach der Natur moralischer Intuitionen. Es bietet eine solide Basis für die Diskussion des epistemischen und handlungsbezogenen Status moralischer Intuitionen.
Eine Einführung
Author: Fabian Wendt
Staaten beanspruchen für sich das Recht, Gesetze geben und mit Zwangsgewalt durchsetzen zu dürfen. Doch unter welchen Bedingungen haben sie dieses Recht tatsächlich?
Das ist die grundlegendste Frage der Politischen Philosophie. Obwohl wir die Autoritätsansprüche des Staates oft als selbstverständlich hinnehmen, erscheinen sie moralisch durchaus fragwürdig, wenn man Personen als frei und gleich begreift. Wie können wenige Parlamentsmitglieder das Recht haben, für Millionen Menschen verbindliche Gesetze zu erlassen? Wie können Polizeibeamte und Richter das Recht haben, diese Gesetze gegenüber Personen durchzusetzen, die sie ablehnen? In diesem kurzen, verständlichen und anregenden Buch stellt Fabian Wendt die fünf wichtigsten Theorien politischer Autorität aus der zeitgenössischen Politischen Philosophie vor. Er diskutiert darüber hinaus den Anarchismus, der als Alternative ernst zu nehmen ist, falls alle Begründungsversuche politischer Autorität fehlschlagen sollten.
Author: Michael Quante
Leading one’s life as a person is an essential feature of our human existence which is constitutively characterized by finiteness, sociality and vulnerability. Within the framework of a pragmatistic anthropology central features of our being persons (i.e. personal identity, self-consciousness, freedom, autonomy and responsibility) are made explicit in this study. The such unfolded conception is anthropological in the sense of being restricted to the human life-form. The explication is pragmatistic in a double sense: Firstly, action is taken as a complex and not reducible basic feature; secondly, the study is committed to the pragmatistic model of justification. Leading one’s life as a human person, this is the study’s central thesis, is realized in constellations of recognition (intersubjective or institutionally framed). These can be made explicit as basic grammar of our evaluative Praxis within an ascriptivist framework.
Warum Mitbestimmung gut für unsere Gesundheit ist
Wir leben in einer wertepluralen Gesellschaft. Aber aus der empirischen Feststellung einer weltanschaulichen und als positiv bewerteten Pluralität innerhalb (nicht nur) unserer Gesellschaft folgt noch kein Zwang zur Anerkennung all dieser unterschiedlichen Wertvorstellungen als legitim. So ist dort, wo weltanschauliche und wertende Unterschiede vorliegen, auch mit politischen Auseinandersetzungen um die Durchsetzung der jeweils präferierten Variante zu rechnen. Die solidarische Gesundheitsversorgung der Bevölkerung ist ein Bereich gesellschaftlichen Engagements, der sich in diesem Spannungsverhältnis zwischen Wertepluralismus und dem Versuch, einheitliche Wertvorgaben für alle zu etablieren, befindet. Mit diesem Buch wird ein Vorschlag unterbreitet, wie dieses Vorhaben legitim und für die Betroffenen akzeptabel umsetzbar werden kann.
Napoléon war nicht nur der „Usurpator“. Er setzte den Anfang einer europäischen Neuordnung, die vom Modernisierungsschub revolutionärer Ordnungsprinzipien bis heute profitiert. Doch wie beständig ist diese gemeineuropäische Grundorientierung in einer Zeit, in der Europa vor vielfältigen Herausforderungen steht?
Mit Napoléon hat nicht nur für Frankreich, sondern gerade auch für Deutschland und Europa vieles begonnen, indem durch die napoleonische Herrschaft und in deren Gefolge neue Ordnungsparameter geprägt wurden. Was wird davon aber bleiben in einer Zeit, in der das Programm der Europäischen Integration als Form allgemeiner Freiheit und eines dauerhaften Friedens auf dem Prüfstand steht? Die Untersuchungen dieses Bandes thematisieren das Schicksal der europäischen Friedens- und Freiheitsordnung.
Zur Form einer konventionalistischen Semantik
Author: Thorsten Sander
Die Idee, daß die Bedeutung sprachlicher Ausdrücke im Rückgriff auf ihren Gebrauch in der Sprache zu klären ist, ist seit Wittgenstein gängig. Das Buch verteidigt diesen Grundgedanken durch die Ausarbeitung einer prozeduralistischen Bedeutungstheorie, die zwei theoretische Strömungen zusammenführt: eine inferentialistische Semantik und eine konventionalistische Sprechakttheorie. Das Buch bietet darüber hinaus eine gründliche Diskussion realistischer und bescheidener Bedeutungstheorien sowie alternativer gebrauchstheoretischer Ansätze.
Biomedizinische, kulturwissenschaftliche, theologische und ethische Zugänge zur Xenotransplantation
Die Knappheit an Spenderorganen ist ein großes Problem. Um diesem abzuhelfen, gibt es Forschungsbemühungen, tierische Zellen und Organe als Ersatz zu verwenden. Bei der sogenannten Xenotransplantation sollen Zellen und/oder ganze Organe vom Tier dem Menschen implantiert werden. Wenngleich sich die medizinische Forschung noch im vorklinischen Stadium befindet, ist in absehbarer Zeit mit klinischen Studien zu rechnen. Mit der Xenotransplantation gehen zentrale Fragen zum praktischen und ethischen Selbstverständnis des Menschen einher, die verschiedene Felder der Angewandten Ethik betreffen: Wie ist die Xenotransplantation ethisch zu bewerten? Was bedeutet sie für die personale Identität? Wie lässt sich das Verhältnis von Mensch und Tier in ethischer und anthropologischer Perspektive begreifen? Was bedeutet dies für den Umgang mit Tieren? Und welche kulturellen und religiösen Herausforderungen können sich ergeben? Das Buch geht diesen und weiteren Fragen nach, indem es den gegenwärtigen biomedizinischen Forschungsstand der Xenotransplantation anschaulich darstellt, um diese dann aus kulturwissenschaftlicher, theologischer und ethischer Perspektive zu reflektieren.
Author: Ursula Franke
Die These der Erfindung der Ästhetik durch Alexander Gottlieb Baumgarten wird in diesem Buch in einem anspruchsvollen Sinn verstanden und begründet: In Baumgartens Aesthetica zeichnet sich erstmals ein Verständnis der Kunst als Darstellung des Absoluten ab. das im Deutschen Idealismus ausdrücklich zum Tragen kommt und die neuzeitliche Kunstphilosophie bis heute nachhaltig beeinflusst. Dem Buch beigegeben sind neunzehn Schaubilder von Nicolas Kleinschmidt, welche die Architektur von Baumgartens Aesthetica graphisch veranschaulichen und so den Zugang zu diesem klassischen Text der europäischen Kunstphilosophie erleichtern.