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Stefan Tolksdorf
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Danksagung

Verbringe die Zeit nicht mit der Suche nach einem Hindernis.

Vielleicht ist keines da.

Franz Kafka

Es liegt in der Natur der Sache, dass die Vollendung eines philosophischen Dissertationsvorhabens der permanenten Gefahr ausgesetzt ist, niemals das Licht der Welt zu erblicken. Das Vorhaben selbst mag real sein, die Vollendung dagegen verbleibt leider viel zu oft im Raum des Fiktionalen. Am Verbleib im unwirklichen Ideenhimmel trägt das Fach eine Mitschuld, legt die Philosophie dem Autor doch die nur schwer tragbare Bürde auf, thematische Grenzen zu ziehen, wo die Natur des Untersuchungsgegenstands Grenzziehungen nicht kennt. Die Arbeit droht fiktional zu bleiben, weil kein natürliches Ende auffindbar ist, der Autor den Mut nicht aufbringen kann, offene Fragen beiseitezuschieben und sich mit den eigenen Antworten zufriedenzugeben. Durch dieses Tal der Zweifel bin auch ich gegangen. Umso glücklicher macht es mich, mit der vorliegenden Arbeit eine Art Vollendung des Vorhabens vorlegen zu können. Die philosophische Reise hat ein Ende gefunden, wohlwissend, dass jedwedes Ende in der Philosophie immer nur ein Zwischenstopp sein kann.

Danksagungen wohnt eine merkwürdige Ambivalenz inne. Wir können mit Dankesworten nur Unrecht tun: jenen, denen wir danken, weil wir ihren Anteil nicht angemessen würdigen; und mehr noch jenen, die wir nicht erwähnen. Es ist also wahrscheinlich, dass auch die folgende Danksagung ihr Ziel verfehlt.

Ich bedanke mich bei drei Personen im Besonderen, weil sie eine wesentliche Rolle bei meiner Reise gespielt haben. Bezogen auf den Beginn der philosophischen Reise im Allgemeinen gilt mein herzlicher Dank Hans Julius Schneider, den ich guten Gewissens als meinen ersten Lehrer bezeichnen kann. Wir bewerten unsere Lehrer an dem, was sie uns beigebracht haben. Hans Julius Schneider verdanke ich die Bestätigung darin, dass meine Studienwahl der Philosophie kein Irrtum war. Ich wage zu behaupten, dass jeder Studienanfänger der Philosophie sich diese Frage irgendwann stellen wird. Das Interesse an Philosophie gleicht eher einer Leidenschaft, sie ist wie eine Ehe auf Lebenszeit. Wir gehen diese Ehe ein, ohne zu wissen, ob sie uns glücklich macht, ob die Versprechungen erfüllbar sind. Die Unterstützung Hans Julius Schneiders habe ich als ein guttuendes Schulterklopfen empfunden. Meiner ersten philosophischen Lernzeit verdanke ich zudem erstens eine Bekanntschaft und zweitens einen wichtigen Hinweis. Hans Julius Schneider führte mich erstens in die Philosophie Ludwig Wittgensteins ein. Der aufmerksame Leser wird Einflüsse Wittgensteins an vielen Stellen erkennen, wenngleich sie zumeist im Hintergrund bleiben. Zweitens wurde ich in vielen Lehrveranstaltungen an der Universität Potsdam zur Klarheit des Denkens und Sprechens erzogen. Unvergessen blieben die mahnenden Worte Schneiders: »Was wir nicht auf einer Seite klar und verständlich ausdrücken können, können wir auch auf zehn Seiten nicht klar und verständlich kommunizieren.« Ich hoffe, dem Ideal der Klarheit zumindest nahegekommen zu sein.

Für den Mittelteil der Reise, um im gewählten Bild zu bleiben, danke ich Günter Abel, weil er mir die Möglichkeit gab, über viele Jahre sowohl Lehrerfahrungen zu sammeln als auch zu einem Teil eines sich stets wechselseitig befruchtenden Instituts an der Technischen Universität Berlin zu werden. Dem Einfluss Günter Abels ist es zu verdanken, dass sich meine Abhandlung mit einer Position befasst, die die etablierte Lehrmeinung herausfordert. Günter Abel weitete meinen Blick auf das aus, was jenseits der stark befahrenen Straßen lag, auf Dinge, die er als Erweiterungen der analytischen Erkenntnistheorie ansah.

Dass die Reise zu ihrem Ende kam, habe ich meinem Doktorvater Axel Gelfert zu verdanken. Ihm gebührt besonderer Dank. Axel Gelfert kam der Betreuungspflicht in der bestmöglichen Weise nach. Seine Betreuung führte dazu, dass ich Mut fassen konnte Kapitel abzuschließen, Grenzen zu ziehen und mit offenen Fragen zu leben. Jedes Kapitel wurde von ihm gründlich gelesen und unabhängig von den je eigenen Positionen und Standpunkten auf Augenhöhe mit mir und der Arbeit diskutiert. Insbesondere die unvoreingenommene Diskussion, kombiniert mit dem Nichtbeharren auf eigene Standpunkte und Zugehörigkeiten zu philosophischen Schulen habe ich als sehr fruchtbar empfunden. Wo es Druck bedurfte, wurde er ausgeübt, wo Freiraum vonnöten war, wurde er gewährt.

Ohne Hans Julius Schneider wäre die Arbeit keine philosophische geworden, ohne Günter Abel hätte sie sich weitaus näher an der philosophischen Lehrmeinung orientiert, ohne Axel Gelfert läge sie schlicht nicht vor.

Über die vielfältigen Facetten und Fallstricke der analytischen Erkenntnistheorie habe ich am meisten von Dirk Koppelberg gelernt. Von unseren langen Diskussionen und gemeinsamen Projekten habe ich mehr profitiert, als ich an dieser Stelle zum Ausdruck bringen kann. Ich habe keinen Philosophen kennen und schätzen gelernt, der einen höheren Anspruch an das geschriebene Wort legt als Dirk Koppelberg. Möge er seinen Einfluss in dieser Arbeit wiederfinden.

Peter Baumann möchte ich für den schriftlichen Austausch zum erkenntnistheoretischen Kontextualismus und zum Prinzip der Geschlossenheit von Wissen danken. Er war stets bereit, Fragen zu beantworten, Position zu beziehen und sich undogmatisch auf den Gedankenaustausch einzulassen. Ich kann diese Art der Kommunikation nicht hoch genug würdigen.

Nicht vergessen möchte ich ehemalige Kolleginnen und Kollegen, darunter Sibylle Anderl, Uli Dirks, Katharina von Laer, David Löwenstein, Peter Remmers, Claudio Roller und Astrid Wagner. In besonderer Weise fühle ich mich auch einigen Studierenden zu Dank verpflichtet: Paul Marquering, Martin Ränker, Martin Wolf, Can Atli, Till Jesinghaus, Laura Wallor, Katja Becher und Teresa Geisler. Die philosophische Lehre ist ein unverzichtbarer Bestandteil des philosophischen Gesprächs. Wir vergessen viel zu oft, welche Bedeutung die kritischen Diskurse in universitären Seminaren für die Entwicklung der eigenen Gedanken haben.

Mein Dank gilt ferner dem Bereich Statistik und Wahlen der Landeshauptstadt Potsdam.

Wittgenstein schrieb 1938: »Im Rennen der Philosophie gewinnt, wer am langsamsten laufen kann. Oder: der, der das Ziel zuletzt erreicht.« Ich glaube nicht, dass die Philosophie ein Rennen in einem Wettkampf sein sollte. Die Langsamkeit steht für eine gründliche Bedächtigkeit. Korrektheit vor Schnelligkeit. Das Denken eines philosophischen Gedankens braucht seine Zeit. Gleichwohl muss das Ziel erreicht werden.

Für die nicht immer leichte Bereitschaft, einen Teil der gemeinsamen Lebenszeit zu opfern, danke ich Anne-Katrin Teichmann.-

Potsdam, 31.1.2021

Wenn ich etwas sage, verliert es sofort und endgültig die Wichtigkeit;

wenn ich es aufschreibe, verliert es sie auch immer,

gewinnt aber manchmal eine neue.

Franz Kafka
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