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  • Author or Editor: Alfred Simon x
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Dem medizinischen Compliancebegriff liegt ein reduziertes Verständnis der Arzt-Patient-Beziehung zugrunde, bei dem der Arzt einseitig als Experte und der Patient als abhängiger Laie verstanden wird. Dies wird dem gewandelten Rollenverständnis und der Verantwortung des Patienten im Prozess der medizinischen Dienstleistung nicht gerecht. In einem partnerschaftlich orientierten Beziehungsmodell müssen Leistungen von Arzt und Patient erbracht werden. Noncompliance stellt in dieser Beziehung weniger ein Fehlverhalten des Patienten dar, sondern ist vielmehr ein Indikator dafür, dass der Patient nicht ausreichend eingebunden ist. Sie kann darüber hinaus Ausdruck einer verantwortlichen Patientenentscheidung sein, wenn z. B. der informierte Patient die Mitwirkung an einer Behandlung verweigert, von deren Richtigkeit er nicht überzeugt ist.

In: Zeitschrift für medizinische Ethik
In: Patientenautonomie
In: Patientenautonomie
Theoretische Grundlagen – Praktische Anwendungen
Selbstbestimmung ist ein Schlüsselwort medizinethischer Debatten. Die Autonomie des Patienten, verstanden als das Recht, über die eigenen Belange und insbesondere über den eigenen Körper selbst zu entscheiden, gilt heute als VorausSetzung jeglichen medizinischen Handelns. Nicht der Arzt als wissenschaftlich ausgewiesener Experte, sondern der Patient als Experte seines eigenen Lebens soll letztlich über Mittel und Ziele ärztlichen Handelns entscheiden. Kaum ein anderes Konzept hat einen ähnlich prägenden Einfluss auf die medizinische Praxis ausgeübt wie das der Autonomie. Autonomie stand und steht im Mittelpunkt von Schlüsselkontroversen, in denen z. B. um die Zugänglichkeit von neuen Reproduktionstechniken oder die Zulässigkeit von manchen Formen der Sterbehilfe gerungen wird. Während jedoch Fragen der Selbstbestimmung in der medizinischen Forschung schon vielfach im Überblick dargestellt wurden, fehlt es bisher an einer derartigen systematischen Befassung mit der Autonomie des Patienten in ihren theoretischen wie praktischen Dimensionen. Diese Lücke will dieses Buch schließen. Es bietet eine kritische Bestandsaufnahme der theoretischen Grundlagen sowie praktischen Reichweite und Geltung von Patientenautonomie. In einem ersten, theoretischen Teil wird das moralische Konzept aus der Perspektive der Philosophie, des Rechts, der Theologie und der klinischen Praxis vorgestellt und in seinen verschiedenen Ausdeutungen diskutiert. Im zweiten Teil, der der Praxis der Patientenautonomie gewidmet ist, werden die besonderen Probleme der Anwendung dieses bedeutsamen Konzepts erörtert. Mit Beiträgen von J. Anderson, R. Anselm, G. Duttge, G. Feuerstein, S. Graumann, H. Haker, V. Lipp, F. Nauck, J. Nida-Rümelin, S. Schicktanz, B. Schöne-Seifert, H. Steinfath, U. Wiesing und vielen anderen.