Neurowissenschaften und Menschenbild
Die neuesten Ergebnisse der Neurowissenschaften stellen eine Herausforderung für unser tradtionelles Menschenbild dar, sagen viele. Es gibt kein Ich, keine Freiheit, niemand ist je verantwortlich für das, was er tut. Bei Licht besehen ergeben sich diese Konsequenzen jedoch nur, wenn man von einem Cartesischen Menschenbild ausgeht – dem Bild, dass jeder Mensch außer einem Körper auch eine immaterielle Seele besitzt, dass das Ich eben diese Seele ist und dass Freiheit voraussetzt, dass das Ich von außen in den Gang der Welt eingreift. Aber dieses Menschenbild ist falsch. Alles spricht dafür, dass die Naturwissenschaften zumindest in diesem Punkt Recht haben: Wir haben keine immaterielle Seele. Doch daraus folgt wenig. Es folgt zwar, dass wir kein traditionell verstandenes 'Ich' besitzen, es folgt aber nicht, dass es uns nicht gibt oder dass niemals wir es sind, die etwas entscheiden und tun. Natürlich gibt es mich und natürlich gibt es Situationen, in denen ich eine Entscheidung fälle oder eine Handlung ausführe. Und in manchen Fällen bin ich für mein Handeln sogar verantwortlich. Denn Freiheit und Verantwortung beruhen nicht darauf, dass mein Ich – selbst unverursacht – neue Kausalketten initiiert, sondern darauf, dass ich bestimmte Fähigkeiten besitze, die ich auch dann habe, wenn es keine Seele gibt. Kein Ergebnis der Neurowissenschaften zwingt mich also, die Annahme aufzugeben, dass es mich gibt, dass manchmal ich selbst entscheide und handele und dass ich zumindest manchmal in meinen Handlungen frei und daher für diese Handlungen verantwortlich bin.
in Glaube und Rationalität
in Bewusstsein – Selbst – Ich
in Erkenntnistheorie – Wie und wozu?
in Verantwortung als Illusion?
in Glaube und Rationalität
in Wollen
in Von Rang und Namen
HerausgeberInnen: Ansgar Beckermann und Christian Nimtz
Ausgewählte Sektionsvorträge des 4. internationalen Kongresses der Gesellschaft für Analytische Philosophie. Über 700 Buchseiten deutsch- und englischsprachige Beiträge im zitierfähigen (und systemunabhängigen) pdf-Format.
Hauptvorträge und Kolloquiumsbeiträge zu GAP.5 /Main Lectures and Colloquia of GAP.5
HerausgeberInnen: Christian Nimtz und Ansgar Beckermann
Man kann die Vielfalt und Dynamik der gegenwärtigen Analytischen Philosophie kaum besser unter Beweis stellen als durch sachorientierte Streitgespräche zwischen ihren herausragenden Vertretern. Die Kolloquien der GAP.5-Konferenz waren solche Streitgespräche. In ihnen haben international renommierte Philosophinnen und Philosophen über aktuelle Fragen aus dem Spektrum der Analytischen Philosophie debattiert - von Willensfreiheit bis Wohlfahrt und Armut, von Bedeutung und Normativität bis Feministische Wissenschaftstheorie, von Philosophie als Wissenschaft? bis Physikalismus. Mit Beiträgen von: Daniela Bailer-Jones, Paul A. Boghossian, Ansgar Beckermann, Jonathan Dancy, Hans-Johann Glock, Jane Heal, Frank Jackson, Pierre Jacob, Janet A. Kourany, Brian P. McLaughlin, Margaret Morrison, Jan Narveson, Julian Nida-Rümelin, Cassandra L. Pinnick, Wolfgang Prinz, Michael Ruse, Ludwig Siep, Wolfgang Spohn, Larry Temkin und Holm Tetens.