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Zusammenfassung

Evidenzbasierte Medizin (EBM), die Leitvorstellung, dass ärztliches Handeln durch in klinischen Studien nachgewiesene Wirksamkeit zu legitimieren ist, hat in der Welt der Medizin eine Vormachtstellung eingenommen, die inzwischen alternativlos zu sein scheint. Deshalb rückt der Aufsatz die Frage in den Mittelpunkt, wie sich die EBM historisch-epistemologisch entwickelt hat, d. h. wie EBM zum Orientierungsrahmen, zur vorherrschenden Wissensform in der Medizin wurde und welche medizinphilosophischen Probleme sich daraus ergeben. EBM etablierte sich im englischsprachigen Raum seit Anfang der 1990er Jahren, allerdings in Folge wichtiger Initiativen in den Vorjahrzehnten, während in Deutschland EBM erst in den frühen 2000er Jahren zur Geltung kam. Angestoßen als kritische Reflexion der medizinischen Praxis aus der Klinik und für die Klinik, wurde EBM rasch zu einer Reform der Medizin von oben und resultierte in einer massiven Standardisierung ärztlichen Handelns. Das wirft die Frage nach Alternativen auf. Tatsächlich findet die EBM aktuell sowohl in den individualistischen Ansätzen der Präzisions- als auch der P4-Medizin ihre Gegenspieler. In beiden Varianten sollen individualisierte Therapieansätze entwickelt werden, einmal durch massiv intensivierte Grundlagenforschung (Multiomics der Präzisionsmedizin), auf dem anderen Weg durch massiven Einsatz von IT, social media und die Selbstaktivierung der Nutzer:innen (tendenziell unter Ausklammerung der Ärzt:innen). Auf beiden Wegen droht eine Individualisierung der medizinischen Versorgung aus der therapeutischen Beziehung verlorenzugehen und zum Alleinstellungsmerkmal alternativmedizinischer Angebote zu werden.

In: Philosophie der Medizin
Blick ins Buch
Wie ist das Verhältnis zwischen Menschen und Maschinen in der Medizin zu verstehen? Wer definiert, was krank und gesund ist? Wie soll die Gesundheitsversorgung in Zukunft ausgerichtet sein? Gehören gutes Leben und gutes Sterben zu den Aufgaben der Medizin? Die Philosophie kann Mediziner:innen sowohl in ihrer Forschungstätigkeit als auch in ihrer klinischen Praxis unterstützen, indem sie Reflexionsmöglichkeiten zu diesen und weiteren Fragen anbietet. Das Buch versammelt unter anderem Beiträge aus Wissenschafts- und Erkenntnistheorie, Anthropologie, Phänomenologie, Technikphilosophie, Sozialphilosophie und Ethik.