Author: Georg Toepfer

For Kant, the main aim of teleology in nature is to identify or to segregate as a particular class of objects certain types of causal systems, specifically, systems of interdependent parts.With the development of physiology as a distinct science at the beginning of the 18th century, the idea of interdependence or reciprocity of parts in a system was well-established as a fundamental principle for the specification of organisms. Kant combined the ideas of teleology and causal reciprocity in his systems-theoretical foundation of organized beings in nature. In the analysis of such systems teleological thinking, i.e. the focus on end states or outcomes, is prevalent because the outcome of each process is relevant for the perpetuation of the system as a whole. Teleological thinking thus plays a methodological role in Kant’s philosophy of nature. Its status ismerely reflective, in that it neither postulates a separate ontological category for living beings nor does it constrain mechanical explanations. But at the same time, teleology is constitutive for a particular class of objects and their scientific study.

In Kants Philosophie der Naturwissenschaften kommt der Teleologie eine wesentliche Rolle in der Identifikation und Ausgliederung einer bestimmten Klasse von kausalen Systemen zu: den Systemen aus wechselseitig voneinander abhängigen Teilen. Die Vorstellung der wechselseitigen Abhängigkeit zwischen den Teilen eines Ganzen entwickelt sich mit der Etablierung der Physiologie als einer besonderen Wissenschaft zu Beginn des 18. Jahrhunderts zu einem grundlegenden Prinzip, das der Spezifizierung von Organismen dient. Kant verbindet diese Vorstellung der Wechselseitigkeit mit der Teleologie in seiner systemtheoretischen Fundierung des Begriffs eines organisierten Wesens der Natur. In der Analyse dieser Systeme spielt die Teleologie im Sinne der Konzipierung eines Prozesses ausgehend von seinem Resultat eine wichtige Rolle, weil die Wirkung eines physiologischen Vorgangs für die Erhaltung des ganzen organischen Systems entscheidend ist. Da das System in seiner Einheit und Ganzheit erst in der teleologischen Beurteilung erkannt wird, kommt dem teleologischen Denken in Kants Philosophie der Naturwissenschaften eine methodologische Funktion zu. Die teleologische Beurteilung hat allerdings einen bloß reflektierenden Status, insofern über sie keine neue ontologische Kategorie für Lebewesen begründet wird und die Reichweite mechanistischer Erklärungen durch sie nicht beschränkt wird. Trotzdem ist die Teleologie konstitutiv für die Erkenntnis einer bestimmten Klasse von Gegenständen und deren wissenschaftliche Untersuchung.

In: History of Philosophy & Logical Analysis
In: Final Causes and Teleological Explanation
In: Die Natur der Lebensform
Perspektiven in Biologie, Ontologie und praktischer Philosophie
Der Band vereint aktuelle Beiträge, die sich mit der biologischen, anthropologischen, ontologischen und ethischen Dimension des Begriffs der Lebensform befassen.
Das Buch gliedert sich in drei Teile. Der erste Teil („Biologie und Anthropologie“) widmet sich verschiedenen Verwendungsweisen des Begriffes „Lebensform“ sowohl in der aristotelischen als auch zeitgenössischen Philosophie der Biologie. Der zweite Teil („Ontologie“) enthält Beiträge, die mittels des Lebensformkonzepts eine Ontologie des Lebens zu entwickeln beabsichtigen. Der dritte Teil („Praktische Philosophie“) behandelt die Frage, welche normativen Implikationen ein ontologisch-biologisch informierter Lebensformbegriff für die praktische Philosophie hat.