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Author: Lothar Pikulik
'Wille' und 'Vorstellung' sind bekanntlich die Begriffe, mit denen Arthur Schopenhauer die Welt, den Menschen und die Kunst erklärt. Sie lassen sich indes, wie in diesem Essay dargelegt wird, auch als zentrale Kategorien von Schillers Anthropologie und Ästhetik deuten. Wille als Kraft, die das Handeln des Menschen bestimmt, ist bei Schiller nicht nur Organ der Vernunft, sondern auch - und damit Schopenhauers Begriff entsprechend - leidenschaftliches Begehren, Dynamik des Affekts, Impuls des Unbewussten. Unter Vorstellung wiederum ist nicht bloß jene Subjektivität der Wahrnehmung zu verstehen, die nach der Lehre Schopenhauers das erste und allgemeinste Prinzip aller Erscheinung ist. Der Begriff bezeichnet zudem eine höhere Stufe des Erkennens, auf der sich das Subjekt vom Druck des Willens frei macht und die Wahrnehmung zur Idee läutert. Vorstellung ist Ausdruck reiner Kontemplation wie der Wille Bestimmungsgrund energischer Aktion. Schiller, 1805 gestorben, konnte Schopenhauers 1819 (eigentlich 1818) erschienenes Hauptwerk Die Welt als Wille und Vorstellung freilich nicht kennen. Er hat die pessimistische Ansicht des Philosophen von den Handlungen des Menschen aber ebenso vorausgedacht wie die Möglichkeit, durch die Kunst erlöst zu werden. Gleichwohl hat er vom Willen keineswegs eine bloß abschätzige, sondern ambivalente Auffassung. Für die Demonstration von Willensstärke bekundet er eine Faszination, die selbst das verbrecherische Handeln einschließt.
Am Beispiel von Drama und Theater
Author: Lothar Pikulik
Stoff und Form sind Grundbegriffe der Ästhetik, die in diesem Buch am Beispiel von Drama und Theater behandelt werden. Vorgenommen wird zunächst eine allgemeine Begriffsbestimmung, die von Aristoteles bis Schiller reicht und zeigt, in welchem Verhältnis die beiden Begriffe zueinander stehen und was es heißt, dass ein Werk der Kunst Form ist, die sich aus Stoff entwickelt, und dass umgekehrt auch Form wieder zu Stoff werden kann. Die Anwendung der Begriffe auf die dramatische Wortkunst und die theatrale Spielkunst klärt nicht nur, was in dem einen wie dem anderen Fach jeweils als Stoff und Form angesehen werden kann, sondern auch, dass Drama und Theater sich stofflich und formal in einem Wechselverhältnis zueinander befinden. Ist das Drama eine Kunstform, die sich erst durch die Aufführung auf der Bühne vollendet, so dient das Theater mit seinen vielfältigen Mitteln, zu denen in erster Linie der Schauspieler gehört, ihm als Stoff. Versteht das Theater sich seinerseits als Kunst, so sind ihm seine Mittel einschließlich des dramatischen Textes Stoff für den eigenen formalen Zweck. Es ist zumal ein Charakteristikum des sogenannten Regietheaters, mit dem Text so umzugehen, als wäre er nichts als Material für die Inszenierung. Generell ist aber dem Theater das Recht zuzugestehen, nach dem eigenen Kunstwillen zu verfahren. Das Buch behandelt im letzten Teil die Bedeutung, die beim Theater der Wahrnehmung (Aisthesis) zukommt. Auch diese ist eine auf stofflichen Elementen beruhende Formkraft, die zumal beim Zuschauer zur Geltung gelangt.
Der Künstler als Abenteurer
Author: Lothar Pikulik
Wenn Thomas Mann im Leben die soziale Rolle des Bürgers spielte, so schätzte er andererseits an der Kunst das Privileg abenteuerlicher Freiheit. Dabei war es ihm wichtig, die verwegene Ausschweifung, die diese Freiheit gewährte, im Kostüm zivilisierter Gesittung vorzuführen. „Man ist als Künstler innerlich immer Abenteurer genug. Äußerlich soll man sich gut anziehen, zum Teufel, und sich benehmen wie ein anständiger Mensch", lässt er seinen Tonio Kröger sagen. Die bürgerliche Außenseite ist Fassade, deren sich auch Mannsche Typen wie der Hochstapler, der Schelm, der Spieler bedienen. Sie sind aber, wenngleich mit dem Abenteurer eng verwandt, nicht mit ihm identisch. Dieser hat, während ein Blender und Betrüger wie etwa Felix Krull sich damit begnügt, die Welt zu täuschen und daraus Nutzen und Vergnügen zu ziehen, eine viel weitergehende Ambition. Er ist ein Suchender und Erkundender, ja sogar bereit, schlimmen Versuchungen und Verführungen nachzugeben, und sein Mut zum Risiko geht so weit, selbst Tod und Teufel nicht zu scheuen. „Ein Künstler [.]", schreibt Thomas Mann in den Betrachtungen eines Unpolitischen, „bleibt bis zum letzten Hauch ein Abenteurer des Gefühls und des Geistes, zur Abwegigkeit und zum Abgrunde geneigt, dem Gefährlich-Schädlichen offen." Das Buch berücksichtigt von Manns Oeuvre eine nicht zu knapp bemessene Auswahl: Vom erzählerischen Werk besonders Buddenbrooks, Tonio Kröger, Der Tod in Venedig, Der Zauberberg, die Tetralogie Joseph und seine Brüder und Doktor Faustus; vom essayistischen Werk auszugsweise die Betrachtungen eines Unpolitischen sowie einige weitere Texte. Bei mentis erschienen: Der Dramatiker als Psychologe (2004) Schiller. Das Werk als Wille und Vorstellung (2008) Erzähltes Welttheater (2010) Stoff und Form als Begriffe der Ästhetik (2010)
In: Thomas Mann
In: Thomas Mann
In: Thomas Mann
In: Thomas Mann
In: Thomas Mann
In: Thomas Mann
In: Thomas Mann