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Author: Martin Hähnel

Der Beitrag versucht die Form (nicht den Inhalt) des Speziesargumentes in Bezug auf das Menschliche des Embryos auf Basis der Darstellung seiner »normalen Entwicklung« zu rekonstruieren. Dabei nehme ich Bezug auf sogenannte Normalitätsaussagen, die im Anschluss an Michael Thompson die Grundlage für sogenannte Lebensformurteile bilden. Diese generischen, nicht-statistischen Aussagen über die humane Embryogenese sind dabei gleichzeitig normative Urteile über die notwendig zu erreichende und nicht notwendig zu verfehlende Form eines menschlichen Embryos, zu dem es gehört, seinen Lebenszyklus auf eine Weise zu verwirklichen, die seiner Form entspricht.

In: Der manipulierbare Embryo
In: Der manipulierbare Embryo
In: Die Natur der Lebensform
In: Die Natur der Lebensform
In: Die Natur der Lebensform
In: Die Natur der Lebensform
In: Der manipulierbare Embryo

Die Stammzellforschung ist im Begriff, einen neuen Fokus zu entwickeln, der, ausgehend vom Phänomen der Selbstorganisation von Organoiden, nun ein Embryo-Engineering ins Visier nimmt. Im Zentrum steht der Befund, dass Stammzellen eine Tendenz haben, autonom Musterbildungsprozesse in Gang zu setzen, die in einfachen In-Vitro-Systemen zu bemerkenswerten Morphogeneseleistungen führen können: So können Organoide aus pluripotenten und, begrenzt, auch aus multipotenten Stammzellen hergestellt werden, Embryoide verschiedener Komplexitätsgrade (u. a. »Gastruloide«) aus pluripotenten Stammzellen.

Der vorliegende Beitrag diskutiert aktuelle Ergebnisse dieser Forschungsrichtung unter dem Aspekt, dass die jetzt beschriebenen komplexeren Embryoide Stadien erreichen, in denen die bekannten Prozesse der Individuation ablaufen (Primitivstreifen als Voraussetzung für die Bildung der Körpergrundgestalt; organismische Ganzheit). Durch ein gezieltes »Embryo-Engineering« können besonders eindrucksvolle Entwicklungsleistungen solcher Konstrukte erreicht werden. Ethisch höchst problematisch ist es, derartige Forschungen unter Einsatz menschlicher Stammzellen durchzuführen.

Wie die aktuellen Untersuchungen zeigen, spielen im Rahmen von Embryogenesevorgängen in Stammzellderivaten in vitro Selbstorganisationsprozesse eine wesentliche Rolle. Daher gewinnt das ethische Potentialitätsargument Aktualität und eine herausragende Bedeutung, da sich zeigt, dass die de-novo-Entstehung von entwicklungsbiologischer Autonomie, einer embryonalen Form von organismischer Ganzheit, in Gruppen von Stammzellen erfolgen kann. Der vorliegende Beitrag diskutiert insbesondere die Rolle von Selbstorganisation (entwicklungsbiologischer Autonomie) in Stammzellkolonien in Relation zur manipulierten Morphogenese in synthetischen Embryonen (Embryo-Engineering). Im Hinblick auf den Umgang mit menschlichen pluripotenten Stammzellen muss davor gewarnt werden, die beschriebenen neuen technischen Möglichkeiten zum Argument dafür zu machen, Forschung an menschlichen Embryonen und Embryoiden zu liberalisieren und die Grenzsetzung für Forschung an menschlichen Embryonen im Primitivstreifenstadium (14-Tage-Regel), die bisher sogar in Ländern mit relativ liberaler Gesetzgebung gilt, aufzugeben. Diese Forschungen sollten sich auf Tiermodelle beschränken.

In: Der manipulierbare Embryo
In: Der manipulierbare Embryo
Potentialitäts-und Speziesargumente auf dem Prüfstand
Der moralische Status menschlicher Embryonen ist und bleibt umstritten. Zugleich gibt es immer neue und tiefergehende biotechnologische Möglichkeiten, Embryonen zu manipulieren. Das betrifft insbesondere ihr Entwicklungspotential und die klare Zuordnung zur menschlichen Spezies. Dieses Buch untersucht, welche Auswirkungen diese neuen Manipulationsmöglichkeiten auf die Tragfähigkeit der Argumente haben, mit denen ein herausgehobener moralischer Status des Embryos begründet werden soll: die Potentialitäts- und Speziesargumente. In den Beiträgen werden aktuelle Entwicklungen in der Forschung mit Embryonen zusammengetragen und insbesondere folgende Fragen diskutiert: Was bedeuten diese Entwicklungen für die Potentialitäts- und Speziesargumente – und damit letztendlich auch für den moralischen Status der so manipulierten Embryonen? Können die zentralen embryoethischen Argumente angesichts der neuen biotechnologischen Eingriffsmöglichkeiten überhaupt aufrechterhalten werden? Sind alle Varianten der Argumente betroffen oder nur einige? Können und müssen sie möglicherweise reformuliert oder neu gedacht werden?