Eine Analyse singulärer Kausalaussagen
Die philosophische Kausaldebatte hat in den vergangenen vier Jahrzehnten eine neue Blüte erlebt. Kontrafaktische, interventionistische, mechanistische und transfertheoretische Ansätze haben sich neben den bislang dominierenden Regularitätstheorien etabliert. Vertreter aller dieser Ansätze sehen sich jedoch mit Gegenbeispielen konfrontiert, keine Theorie scheint allen unseren intuitiven Kausalurteilen gerecht werden zu können. Dieses Buch führt anhand ausgewählter Beispiele in die aktuelle Debatte ein und liefert eine Erklärung für die derzeitige Patt-Situation. Der Grund dafür, dass sich zu jedem Ansatz offenbar mühelos Gegenbeispiele finden lassen, liegt, so zeigt die Autorin, in einer bislang unbemerkten Mehrdeutigkeit des Ausdrucks 'kausaler Zusammenhang'. Wer danach fragt, was ein kausaler Zusammenhang sei, kann damit entweder einen konkreten Vorgang – Verursachung – oder einen Zusammenhang zwischen zwei Tatsachen – kausale Relevanz – meinen. Der Unterschied zwischen diesen beiden Begriffen wird mit Hilfe einer sprachphilosophischen Analyse singulärer Kausalaussagen belegt und auf zwei verschiedene Zugänge zu kausalen Zusammenhängen – Kausalwahrnehmung und kausales Schließen – zurückgeführt.
Philosophische und psychologische Perspektiven
Kausales Denken spielt sowohl im Alltag wie auch im wissenschaftlichen Forschungsprozess eine zentrale Rolle. Es erlaubt uns, Phänomene vorherzusagen, zu kontrollieren und zu verstehen. Kausales Denken geht über die Angabe der Ursachen eines Phänomens hinaus: Wollen wir verstehen, warum ein Fahrrad fährt, so versuchen wir, Schritt für Schritt nachzuvollziehen, wie die einzelnen Bestandteile des Fahrrads zusammenwirken, um miteinander die Bewegung zu produzieren. Wir sind an dem Mechanismus interessiert, durch den das Phänomen zustande kommt. Dieses Vorgehen wird in der Wissenschaftsphilosophie wie auch in der Kognitionspsychologie mit Hilfe mechanistischer Theorien kausalen Denkens beschrieben. Der Sammelband bringt erstmals Vertreter beider Disziplinen in sechs aufeinander abgestimmten Beiträgen zusammen. Neben einer Diskussion der Kernmerkmale mechanistischen Denkens stehen insbesondere Fragen nach dem Erwerb mechanistischer Denkstrukturen und nach der Rolle von Handlungen und Handlungserfahrungen im Fokus.