Zur neueren Debatte um Grundlagenfragen der Ethik
Was tun wir eigentlich, wenn wir moralische Urteile fällen, also etwa sagen, dass eine bestimmte Handlung moralisch geboten ist? Auf diese Kernfrage der Meta-ethik geben naturalistische und nonnaturalistische moralische Realisten auf der einen Seite und Expressivisten auf der anderen Seite ganz unterschiedliche Ant-worten. In diesem Buch wird eine alternative Position entwickelt. Danach drücken morali-sche Sätze wahrheitsfähige normative Propositionen aus, und die Wahrheit morali-scher Urteile besteht in ihrer stabilen gerechtfertigten Behauptbarkeit. Wahr sind gemäß dieser konstruktivistischen Sicht moralische Urteile dann und nur dann, wenn sie moralisch begründet werden können und gerechtfertigt behauptbar bleiben, gleichgültig, welche Einwände gegen sie erhoben werden und gleichgültig, wie sich das nichtmoralische Faktenwissen erweitert oder verbessert.
Perspektiven und Grenzen
HerausgeberInnen: Tatjana Tarkian und Thomas Schmidt
Wie tragfähig sind naturalistische Theorien der Moral? Naturalisten betrachten Moral als ein Phänomen, das grundsätzlich Erklärungen zugänglich ist, die sich nicht kategorial von denen unterscheiden, die auch in den empirischen Wissenschaften Anwendung finden. So nehmen viele zeitgenössische Naturalisten zum Beispiel an, dass Überlegungen über die evolutionäre Genese und Funktion des psychologischen Altruismus einen wichtigen Beitrag zum Verständnis von Moralität leisten können. Dieser Sammelband enthält Originalbeiträge zur Frage, wie die Aussichten naturalistischer Ansätze in der Debatte um Grundlagenfragen der Ethik einzuschätzen sind. Was lässt sich aus Spekulationen über den Ursprung der Moral und aus einer historischen Skizze moralischer Praktiken über die Natur der menschlichen Moral lernen? Kann der Blick in die Geschichte uns bei der Beantwortung drängender moralischer Fragen helfen? Der Band wird durch einen Beitrag von Philip Kitcher eingeleitet, der sich mit diesen Fragen befasst. Weitere Beiträge von: Rüdiger Bittner, Mario Brandhorst, Gerhard Ernst, Christoph Halbig, Kirsten Meyer, Holmer Steinfath, Peter Schaber, Thomas Schmidt, Tatjana Tarkian.