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  • Author or Editor: Thomas Bedorf x
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In: Wahrnehmen, Fühlen, Handeln
In: Lebensform und Praxisform

Zusammenfassung

Palliative medizinische Therapien vermögen die Lebensqualität von Menschen mit unheilbaren Krankheiten oft über lange Zeiträume hinweg so zu stabilisieren, dass ein Alltag möglich wird, welcher sich somatisch nicht wesentlich vom Leben vor der Diagnosestellung unterscheidet. Die Unheilbarkeit manifestiert sich in diesen Situationen vornehmlich in diskursiven Elementen wie Diagnosen und medizinischen Befunden. Wir postulieren, dass sich in dieser Situation Befunde nicht auf einen abstrakten Informationswert reduzieren lassen, sondern eine leibkörperliche Wirkmacht entfalten können, indem moderne Diagnostik leibkörperlich Erfahrbares im Krankheitsverlauf erst in Erscheinung bringt und dabei auf die Vulnerabilität der Patient*innen trifft. Komplementär zum techniksoziologischen Konzept des Doing Health, das sich mit Konstitution von Gesundheit durch das Individuum befasst, nennen wir die verletzende Inkorporation von medizinischen Befunden Doing Illness. Auch für den Arzt und die Ärztin haben medizinische Befunde in der palliativen Situation eine Wertigkeit, die den Informationsgehalt übersteigt, stehen jene doch als im Heilen Geschulte einer Unheilbarkeit machtlos gegenüber. Die umfangreiche Demonstration medizinischer Daten im Gespräch kann sich für sie ungewollt zu einem Abwehrdispositiv gegen die Zumutung primärer Verantwortung formieren. Die resultierende situative Interdependenz von Verantwortung und symbolischer Verletzbarkeit entzieht sich einer handlungstheoretischen Analyse und muss tiefer greifend reflektiert werden. Hierzu ist die Hinzunahme in der Medizinethik bisher wenig diskutierter subjektkritischer Theorien unerlässlich. Für die Praxis resultieren aus dem Dargelegten nicht ethische Normen, sondern Vorschläge für situative und erzähltheoretische Modifikationen der klinischen Befundbesprechen.

In: Philosophie der Medizin
Blick ins Buch
Wie ist das Verhältnis zwischen Menschen und Maschinen in der Medizin zu verstehen? Wer definiert, was krank und gesund ist? Wie soll die Gesundheitsversorgung in Zukunft ausgerichtet sein? Gehören gutes Leben und gutes Sterben zu den Aufgaben der Medizin? Die Philosophie kann Mediziner:innen sowohl in ihrer Forschungstätigkeit als auch in ihrer klinischen Praxis unterstützen, indem sie Reflexionsmöglichkeiten zu diesen und weiteren Fragen anbietet. Das Buch versammelt unter anderem Beiträge aus Wissenschafts- und Erkenntnistheorie, Anthropologie, Phänomenologie, Technikphilosophie, Sozialphilosophie und Ethik.